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Das Altern der Gesellschaft als sozio-kulturelle Herausforderung

Lebensformen, Lebensläufe und Altersbilder im Wandel

Das Altern der Gesellschaft als sozio-kulturelle Herausforderung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Philipp Schinkel
  • Abgabedatum: April 2006
  • Umfang: 89 Seiten
  • Dateigröße: 7,4 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Deutschland
  • Bibliografie: ca. 58
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9900-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9900-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9900-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schinkel, Philipp April 2006: Das Altern der Gesellschaft als sozio-kulturelle Herausforderung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Demografie, Alter, Senior, Generationenkonflikt, Belegschaft

Diplomarbeit von Philipp Schinkel

Einleitung:

„Denn der unaufhaltsame, sich von Tag zu Tag beschleunigende Verfall der Bevölkerung, die Überalterung unserer Gesellschaft, die graue Revolution wird das Antlitz Europas stärker verändern als die französische, die russische oder die osteuropäische Revolution, wird größere gesellschaftliche Veränderungen anrichten als der Erste und Zweite Weltkrieg zusammen“ (Tichy, 2001).

Dieses Zitat ist nur eines von vielen, welche den demografischen Wandel in beinahe „apokalyptischer“ Weise beschreiben. Ein Wandel, welcher sich bereits jetzt vollzieht und sich in Zukunft verstärken wird. Die Bevölkerung Deutschlands altert und wird in Zukunft zunehmend altern. Ausgelöst durch Geburtenzahlen, Rentenprojektionen, sowie Literatur und Berichterstattung oben aufgezeigter Art, gerät das Phänomen Alterung der Gesellschaft zunehmend in den Fokus des öffentlichen Interesses. Dabei wird meist ein pessimistisches Bild über das Altern der Bevölkerung dargestellt.

Der aus der Alterung resultierende Verfall unserer Kultur und Gesellschaft wird als feststehendes Ereignis prophezeit – nicht als Herausforderung. Ziel der hier vorliegenden Arbeit ist es, dem Leser ein umfassendes Bild über den demografischen Wandel und den sich hieraus ergebenden Folgen und Herausforderungen an Kultur und Gesellschaft zu vermitteln. Anspruch der Arbeit ist es, die tief greifenden Veränderungen und Folgen unter objektiver Betrachtung darzustellen, ohne dass persönliche Meinungen des Verfassers Einfluss nehmen. Hiermit soll dem Leser keine positive oder negative Meinung über die demografische Entwicklung suggeriert werden. Es wird eine Vorstellung der durch demografische Prozesse hervorgerufenen gesellschaftlichen Veränderungen vermittelt, jedoch kein generelles und abschließendes Urteil des Autors. Basierend auf Literatur der Demografie, Soziologie, Gerontologie und weiteren Wissenschaftsdisziplinen sollen die Wandelungen unserer Gesellschaft aufgezeigt werden, die mit dem demografischen Alterungsprozess einhergehen.

Die Alterung der Gesellschaft wurde durch kulturelle Entwicklungen hervorgerufen. Daher wird in dieser Arbeit auf gesellschaftliche Entwicklungen der Vergangenheit zurückgegriffen, sowie Einblick in die momentane und – so weit möglich - auch zukünftige Entwicklung gegeben. Ziel der Arbeit ist es nicht, eine Lösung des Problems zu erörtern. Vielmehr sollen Ursachen, welche selbstredend gleichzeitig Lösungsansätze bieten, der demografischen Entwicklung und daraus entstandene gesellschaftliche Veränderungen aufgezeigt werden.

Die demografische Entwicklung verändert die gesamte Altersstruktur und damit die gesamte Gesellschaft. Dementsprechend vielfältig sind die Wandelungen und Herausforderungen der Alterung. Eine Abgrenzung und Schwerpunktlegung ist daher erforderlich. Somit werden Folgen, wie beispielsweise der Infrastrukturwandel oder Chancen einer alternden Gesellschaft für Industrie und Wirtschaft nicht behandelt und stattdessen soziokulturelle Auswirkungen wie familialer Wandel und Auswirkungen auf das Alter und das Altern schwerpunktmäßig diskutiert.

Gang der Untersuchung:

Unter dieser allgemeinen Zielbestimmung und Abgrenzung ergibt sich folgender Aufbau. In Kapitel 2 wird dem Leser ein Verständnis für demografische Prozesse vermittelt. Einflussfaktoren der demografischen Entwicklung werden aufgezeigt und die künftige Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstruktur abgebildet. Hierbei wird die Betrachtung nicht nur auf Deutschland und die vergleichbaren westlichen, industrialisierten Staaten gelegt.

Ebenfalls wird ein Vergleich mit weltweiten demografischen Entwicklungen getroffen. Hierdurch wird verdeutlicht, dass eine Alterung, zusammen mit einer Bevölkerungsschrumpfung, überall auf der Welt einhergehen wird. Im Rahmen dieser Darstellungen werden zwei wesentliche soziokulturelle Herausforderungen, die direkt mit der demografischen Entwicklung in Verbindung stehen, besonders betrachtet: Der Geburtenrückgang und der in Zukunft steigende Bedarf an Integrationsleistungen Deutschlands.

Nach Darstellung der demografischen Alterung der Gesellschaft werden in Kapitel 3 wesentliche gesellschaftliche Wandelungen erörtert. Zunächst werden Auswirkungen auf Sozialsystem und Arbeitsmarkt sichtbar. Als Schwerpunkt wird allerdings die Lebensphase Alter untersucht, welche von den demografischen Entwicklungen mitunter am meisten betroffen ist. Nach einer Darstellung gesellschaftlicher Entwicklungen, welche den vom Ruhestand geprägten Lebensabschnitt Alter ermöglichten, erfolgt daher eine Analyse der materiellen und gesundheitlichen Lebenslage Älterer.

Danach wird auf veränderte Lebensformen eingegangen; insbesondere in Hinblick auf den familialen und generationalen Wandel. Dem Leser wird ein Bild des Alters und des Alterns vor dem Hintergrund einer zunehmenden Alterung der Bevölkerung sichtbar. Gleichzeitig werden jetzige und zukünftige Herausforderungen an Gesellschaft und Kultur erkennbar.

Um diesen Wandelungen und Herausforderungen begegnen zu können bedarf es einer Gesellschaft, welche die Alterung als Chance erkennt und dem Altern nicht ablehnend gegenüber steht. Deshalb ist die Etablierung eines positiven Altersbildes in unserer Kultur von großer Bedeutung. In Kapitel 4 wird daher das vorherrschende, meist negative Altersbild unserer Gesellschaft dargestellt und mit tatsächlichen Fakten aus der Forschung verglichen. Auswirkungen hat Altersdiskriminierung insbesondere in der Arbeitswelt; hierauf wird gesondert eingegangen.

Eine zusammenfassende Ausführung zu demografischen Veränderungen und deren Folgen und Herausforderungen für die Gesellschaft der Gegenwart und der Zukunft runden in Kapitel 5 die vorliegende Arbeit ab.

Inhaltsverzeichnis:

Abstract 1
Inhaltsverzeichnis 2
Vorwort 4
Abkürzungsverzeichnis 5
Abbildungsverzeichnis 6
Tabellenverzeichnis 7
1. Einleitung 8
2. Die demografische Alterung der Gesellschaft 10
2.1 Die Bestimmungsgrößen der demografischen Entwicklung 10
2.1.1 Die Fertilität 11
2.1.1.1 Die aktuelle und zukünftige Fertilitätsentwicklung 11
2.1.1.2 Die Ursachen des Geburtenrückganges 13
2.1.2 Die Mortalität 18
2.1.2.1 Der Anstieg der Lebenserwartung 18
2.1.2.2 Die Ursachen des Anstiegs der Lebenserwartung 20
2.1.3 Die Migration 23
2.1.3.1 Die quantitative Migration in Deutschland 23
2.1.3.2 Die qualitative Migration in Deutschland 25
2.2 Die Bevölkerung der Zukunft 26
2.2.1 Die schrumpfende Bevölkerung 27
2.2.2 Das Altern der Gesellschaft 30
2.2.2.1 Die drei Typen der Alterung 30
2.2.2.2 Die künftige Altersstruktur 31
3. Wandelungen und Herausforderungen der Altersgesellschaft 36
3.1 Auswirkungen auf Sozialsystem und Arbeitsmarkt 36
3.1.1 Das System der Alterssicherung 37
3.1.2 Das Erwerbspersonenpotential 40
3.2 Der Wandel von Lebenslauf und Altern 41
3.2.1 Lebensphase Alter als Folge der Institutionalisierung des Lebenslaufs 41
3.2.2 Erwerbstätigkeit Älterer und Eintritt in den Ruhestand 43
3.2.2.1 Erwerbstätigkeit Älterer 43
3.2.2.2 Der Übergang von der Erwerbs- in die Ruhestandsphase 44
3.2.3 Der Wandel der Lebensphase Alter 46
3.3 Gesundheitliches und ökonomisches Altern 47
3.3.1 Die gesundheitliche Lebenslage Älterer 48
3.3.2 Die Gesundheitskosten bei zunehmender Alterung 49
3.3.3 Die wirtschaftliche Lebenslage Älterer 50
3.4 Der Wandel der Lebensformen 52
3.4.1 Der Wandel von Familie und Familienbildung 53
3.4.2 Die Feminisierung des Alters 55
3.4.3 Die Singularisierung des Alters 56
3.4.4 Der Wandel der Generationenverhältnisse 57
3.4.5 Intergenerationelle Unterstützung 60
3.4.6 Soziale Kontakte und Beziehungen Älterer 62
3.4.6.1 Familiale Kontakte 64
3.4.6.2 Kontakt zu Freunden 67
4. Das Altersbild in einer Welt der Alten 68
4.1 Das Altersbild in Forschung und Gesellschaft 68
4.2 Ursachen eines negativen Altersbildes 70
4.2.1 Demografische und gesellschaftliche Entwicklung der Vergangenheit 70
4.2.2 Abwertung des Alters durch die Wissenschaft 71
4.2.3 Der Jugendwahn 71
4.3 Auswirkungen eines negativen Altersbildes 72
4.4 Altersbilder in der Arbeitswelt 73
4.4.1 Personalpolitik bei alternder Erwerbsbevölkerung 73
4.4.2 Negative Altersstereotype in der Arbeitswelt 74
4.4.3 Verhalten der Unternehmen gegenüber Älteren 75
4.5 Fazit 76
5. Fazit und Ausblick 78
Literaturverzeichnis 82

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die durchschnittlichen monatlichen Rentenzahlbeträge105 in den alten Bundesländern betrugen im Jahr 2004 598 Euro (Arbeiter) und 812 Euro (Angestellte).106 In den neuen Bundesländern 730 Euro (Arbeiter) und 860 Euro (Angestellte).107 Um genauere Aussagen über die wirtschaftliche Situation Älterer zu treffen ist eine differenziertere Betrachtung notwendig: So zeigt sich, dass allein lebende Ältere, insbesondere Frauen, finanziell schlechter gestellt sind als Ältere, die in einem Zweipersonenhaushalt leben. Dies ist hauptsächlich auf die Möglichkeit des gemeinsamen Wirtschaftens der Zweipersonenhaushalte zurückzuführen. Weiterhin zeigen sich Diskrepanzen zwischen West- und Ostdeutschland. Ältere aus Westdeutschland sind finanziell besser gestellt als Ältere aus Ostdeutschland. Dies ist auf höhere sonstige Einkünfte wie Betriebsrenten und Kapitaleinkünfte der Westdeutschen zurück zu führen.108 Ähnliche Unterschiede zwischen Ost und West lassen sich auch bei der Altersarmut (das Einkommen liegt unter der Hälfte des Einkommens der Bevölkerung) und –reichtum (das Einkommen ist mind. doppelt so hoch wie der Durchschnittswert) feststellen. Sieben Prozent der 40 – 85-Jährigen Ostdeutschen fielen 2002 nach Umfrage des Alterssurvey unter die Armutsgrenze, bei den Westdeutschen war dies bei „nur“ sechs Prozent der Fall. Reichtum war bei neun Prozent der Westdeutschen und drei Prozent der Ostdeutschen Älteren zutreffend. Wobei der Wohlstand, wie beim Einkommen mit höheren Altersgruppen abnimmt.109 Insgesamt betrachtet ist ein Rückgang der Altersarmut zu verzeichnen. Während Anfang der 80er Jahre noch mehr als 25 Prozent der Alten von Armut betroffen waren, waren es 2002 nur noch 10. Dies ist insbesondere auf die Babyboomer zurückzuführen, welche in den „goldenen Jahren“ der Nachkriegszeit hohe Rentenansprüche aufbauen konnten.110 Weiterhin ist eine größere Neigung zum Sparen bei den Älteren im Vergleich zu den Jungen festzustellen. 2002 betrug die Sparquote (Anteil der regelmäßigen monatlichen Sparsumme am Haushaltsnettoeinkommen) der über 65-Jährigen Deutschen 9,5 Prozent. Bei den unter 65-Jährigen betrug diese nur 6,6 Prozent.111 Fazit und Ausblick Wie die Ausführungen gezeigt haben, ist die finanzielle Situation der alten Menschen momentan insgesamt als gut zu bewerten, auch wenn strukturelle Unterschiede zu verzeichnen sind. Eine im Vergleich zur Masse schlechtere wirtschaftlichere Lage weisen insbesondere Hochbetagte, Ostdeutsche, Alleinlebende und allein lebende Frauen auf. Künftig kann eine weitere Zunahme finanzieller Ungleichheiten im Alter befürchtet wer105 106 [...]

Hierbei sollte beachtet werden, dass es mit dem Eintritt der großen Geburtenkohorte der Babyboomer in das höhere Alter zu großen Belastungen im Gesundheitsbereich kommen könnte. Wie die Alterssicherung leidet die gesetzliche Kranken- (GKV) und Pflegeversicherung (GPV) unter der Verschiebung der Altersstruktur (siehe Kapitel 3.1.1). Rentner zahlen zwar in die GKV und GPV ein, jedoch vermindern sich hier die Einnahmen, da die Beiträge im Vergleich zum Lohneinkommen geringer sind und gleichzeitig die Anzahl der Rentner steigt und die Zahl der Erwerbstätigen sinkt.102 Der Beitragssatz zur GPV beträgt im Moment 1,7 Prozent, bis zum Jahr 2040 wird mit einem Anstieg auf 2,8 Prozent gerechnet. In der GKV wird im gleichen Zeitraum ein Anstieg um ca. vier Prozentpunkte prognostiziert.103 [...]

In der öffentlichen Diskussion wird zunehmend die Meinung vertreten, die demografische Alterung geht mit steigenden Gesundheitsausgaben für die Gruppe Älterer einher. Diese Behauptung trifft jedoch nur teilweise zu. Die Gesundheitskosten sind in der Zeit kurz vor dem Tod am höchsten. Da sich der Todeszeitpunkt nach hinten verschoben hat, fallen dort die meisten Gesundheitskosten an. Für die gestiegenen Gesundheitsausgaben ist somit nicht die Alterung verantwortlich, sondern der Anstieg der Sterberaten (Sterbefälle) im zunehmenden Alter. Insofern ist das Sterben teuerer geworden, nicht das Alter an sich. Der reale demografisch bedingte ProKopf-Gesundheitskostenanstieg wird im Zeitraum 1980 - 2000 auf weniger als sechs Prozent beziffert. Jedoch ist in Folge der zunehmenden Hochaltrigkeit mit erhöhten Pflegeausgaben zu rechnen.101 [...]

Arbeit zitieren:
Schinkel, Philipp April 2006: Das Altern der Gesellschaft als sozio-kulturelle Herausforderung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Demografie, Alter, Senior, Generationenkonflikt, Belegschaft

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