Alltagsprobleme bei von ADHS betroffenen Kindern und ihren Familien
Hilfsmöglichkeiten durch die soziale Arbeit
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christian Hilverling, Melanie Hoffmann
- Abgabedatum: Mai 2005
- Umfang: 113 Seiten
- Dateigröße: 387,0 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität - Gesamthochschule Essen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8975-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8975-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8975-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Christian Hilverling, Melanie Hoffmann Mai 2005: Alltagsprobleme bei von ADHS betroffenen Kindern und ihren Familien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Therapie, Erkrankung, Kind, Aufmerksamkeit, Therapieansatz
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Diplomarbeit von Christian Hilverling, Melanie Hoffmann
Einleitung:
In den letzten Jahren werden besonders in den westlichen Industrienationen Familien und deren Umfeld, unterstützt auch durch die TV- und Printmedien, immer häufiger mit dem Begriff des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (im Folgenden kurz als ADHS formuliert) konfrontiert. Parallel gibt es auch noch andere Bezeichnungen für dieses Störungsbild. In der vorliegenden Arbeit wird sich jedoch auf den oben genannten Begriff beschränkt, da dieser in der Regel am häufigsten gebraucht wird.
ADHS ist die häufigste Verhaltensstörung im Kindes- und Jugendalter, es bezeichnet ein klinisches Störungsbild, welches sich durch eine erhebliche Beeinträchtigung der Konzentration und Daueraufmerksamkeit, Störung der Impulskontrolle und der motorischen Hyperaktivität auszeichnet.
Bei cirka drei bis zehn Prozent der Kinder wird im Durchschnitt diese Diagnose gestellt, die aber immer noch um ihre Daseinsberechtigung kämpft, da sie oft als „Modeerkrankung“ tituliert wird. In der Regel sind Jungen sind drei- bis neunmal häufiger betroffen als Mädchen.
Die primäre Ursache für die Entstehung von ADHS scheint nach heutigem Forschungsstand eine Stoffwechselstörung zu sein, jedoch sind ebenfalls psycho-soziale Faktoren entscheidend dafür verantwortlich, wie sich der Krankheitsverlauf entwickelt.
Von den unmittelbaren Bezugspersonen wird das Verhalten oft nicht als Störung gesehen, sondern als Ungezogenheit, Rücksichtslosigkeit und Disziplinlosigkeit. Die Kinder werden als störend wahrgenommen. Aufgrund dieser Reaktionen Anderer werden betroffene Kinder stark verunsichert, wodurch das zumeist schon geringe Selbstwertgefühl weiter eingeschränkt wird.
Die betreuenden Eltern sind in der Folgesituation mit der weiteren Erziehung in den meisten Fällen überfordert. Dadurch werden ungeeignete Erziehungseinstellungen und -praktiken begünstigt. Durch diese Überforderungen können die dringend benötigten Strukturen für das Kind nicht mehr aufrechterhalten werden, was zu einer Verstärkung der ADHS-Symptome führen könnte. Diese Erziehungsfehler verursachen ADHS zwar nicht primär, jedoch müssen auch sie bearbeitet werden, um die Symptome im Alltag zu kompensieren.
Oft klagen betroffene Eltern über allgemeine Erziehungsschwierigkeiten, wie Wutausbrüche, Trotzverhalten, Geschwisterrivalitäten et cetera, wodurch sich nicht selten Beziehungsschwierigkeiten mit einzelnen Elternteilen oder Geschwistern ergeben. Außerdem beeinträchtigt ADHS das Lernen, die Entwicklung sowie das Spielen mit Freunden.
Es beeinflusst also massiv den Alltag der betroffenen Kinder. Da alle Bereiche des täglichen Lebens beeinflusst werden. Die Familie leidet im Besonderen mit. Sämtliche alltägliche Aktivitäten werden durch ADHS wesentlich zeitaufwändiger und sind nicht selten mit Konflikten behaftet. Oft beginnt dies schon beim morgendlichen Aufstehen, zieht sich dann durch den Tag z.B. beim Essen, Hausaufgaben machen, Spielen und Fernsehen und endet dann schließlich beim zu Bett gehen. Selten können die betreuenden Eltern einmal an Entspannung denken, da sie von morgens bis abends mit der Beaufsichtigung ihrer Kinder beschäftigt sind. Der Alltag mit einem ADHS-Kind ist demnach sehr anstrengend und zeitintensiv und erfordert ein hohes Maß an Geduld.
Bislang wurden die Alltagssituationen dieser Familien nur in einzelnen Studien untersucht. In Berlin wurde eine internationale Befragung von betroffenen Familien über die negativen Auswirkungen von ADHS auf den Alltag, vorgestellt, was im Folgenden kurz zusammengestellt werden soll. Die Familien berichteten über erhebliche Belastungen im Alltag, Auswirkungen auf das Familienleben und über Sorgen und Ängste um die Zukunft der von ADHS betroffenen Kinder.
In dieser Arbeit soll erklärt werden, wie sich ADHS bei Kindern im Grundschulalter äußert und mit welchen Alltagsproblemen das Kind und dessen Familie belastet werden. Thematisch wird sich auf die Phase bis hin zum Grundschulalter beschränkt, weil ADHS hauptsächlich zu Beginn der Schulzeit auffällt, da die Anforderungen die dann an die Kinder gestellt werden, erheblich größer sind. Des Weiteren werden sich die Lösungsansätze auf das familiäre Umfeld beschränken, weil sich hier, die Basis für einen konstruktiven und heilenden Umgang aller Beteiligten mit der Erkrankung bilden kann.
Kinder, die von ADHS betroffen sind können lernen ihre Handlungen eigenständig zu steuern, zu organisieren und zu planen. Sie können lernen ihr Verhalten positiv zu verändern um einen stabilen Platz in der Familie und der Gesellschaft zu erhalten. Dies gelingt jedoch nur mit Hilfe der Unterstützung durch die Eltern. Diese brauchen allerdings ebenfalls Unterstützung bei der Umsetzung und Verwirklichung der gesetzten Ziele. Hier wäre eine sozialarbeiterische Begleitung, mit Beratungsgesprächen und konkreter Anleitung wichtiger Bestandteil einer erfolgsversprechenden Entwicklung.
Ausgehend von einer ganzheitlichen Perspektive der Erkrankung, ihrer Ursachen und Folgen für die betroffenen Kinder und deren Familien, soll in der vorliegenden Arbeit versucht werden aus Sicht der Sozialen Arbeit eine neue Betrachtungsmöglichkeit für die betreuenden Eltern zu schaffen.
Auf der Ebene sozialarbeiterischer Unterstützungskonzepte werden Lösungsstrategien aufgezeigt, die den Alltag für Kind und Familie maßgeblich erleichtern können, so dass das Zusammenleben für alle wieder erträglich wird.
Die interdisziplinäre Betrachtungsweise soll den betroffenen Eltern die Möglichkeit geben, mit fundierterem Wissen, neuen Mut für die Bewältigung des Alltags zusammen mit dem Kind zu geben.
Anfänglich erklären wir das Krankheitsbild von „ADHS im Kindesalter“ im Allgemeinen und führen die gängigen Diagnostikverfahren auf. Daraufhin gehen wir auf die verschiedenen ätiologischen Faktoren und andere bestehende Erklärungshypothesen ein.
Man kann davon ausgehen, dass die Erkrankung multifaktoriell bedingt ist und deshalb unbedingt aus diesen verschiedenen, interdisziplinären Blickwinkeln betrachtet werden sollte um einen wirkungsvollen Therapieerfolg zu erzielen.
Anschließend gehen wir auf die bei ADHS am häufigsten angewandten Therapieformen genauer ein da der Alltag der betroffenen Familien nicht selten von Therapien beeinflusst wird.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Sichtweise der Sozialen Arbeit. Es soll aufgezeigt werden, warum es gerade aus sozialarbeiterischer Sicht wichtig ist, auf das immer mehr zunehmende Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitäts-Syndrom zu reagieren.
Die Unterstützungskonzepte der sozialen Arbeit, welche eine sinnvolle Intervention bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, in Verbindung mit ADHS, sein könnten, um die Lebensqualität der Familien zu verbessern sollen im weiteren Verlauf erläutert werden.
Abschließend daran werden die meist genannten und aus Elternsicht häufigst auftretenden Probleme erörtert, sowie hierfür angewandte Lösungsstrategien für deren Bewältigung aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 3 |
| 2. | ADHS im Kindesalter | 8 |
| 2.1 | Definition | 8 |
| 2.2 | Allgemeine Klassifikation nach der ICD-10 | 10 |
| 2.3 | Allgemeine Klassifikation nach der DSM-IV | 12 |
| 2.4 | Symptomatik / Klinisches Bild | 13 |
| 2.5 | Diagnostikverfahren und Differentialdiagnosen | 15 |
| 3. | Ätiologische Faktoren | 19 |
| 3.1 | Genetische Faktoren | 19 |
| 3.2 | Prä- und perinatale Faktoren | 21 |
| 3.3 | Schadstoff- und Nahrungsmittelallergien | 22 |
| 3.4 | Neuroanatomische Faktoren | 23 |
| 3.5 | Neurochemische Faktoren | 24 |
| 3.6 | Psychosoziale Faktoren | 25 |
| 4. | Erklärungshypothesen | 28 |
| 4.1 | Neurobiologische Hypothesen | 28 |
| 4.2 | Evolutionstheoretische Hypothesen | 32 |
| 4.3 | Sozialwissenschaftliche Hypothesen | 33 |
| 4.4 | Sozialbiologische Hypothesen | 36 |
| 4.5 | Fazit | 37 |
| 5. | Therapieformen | 38 |
| 5.1 | Medizinische Ansätze am Beispiel der Stimulanzien | 38 |
| 5.1.1 | Geschichte des Ritalins | 39 |
| 5.1.2 | Wirkungsweise und Nebenwirkungen | 40 |
| 5.1.3 | Kritische Äußerungen | 44 |
| 5.1.4 | Fazit | 45 |
| 5.2 | Verhaltenstherapeutische Ansätze | 46 |
| 5.2.1 | Theoretische Grundlagen zu einzelnen Ansätzen | 47 |
| 5.2.2 | Fazit | 52 |
| 5.3 | Diätätische Ansätze | 53 |
| 5.3.1 | Theoretische Grundlagen zu einzelnen Ansätzen | 55 |
| 5.3.2 | Fazit | 57 |
| 6. | Grundlegende Prinzipien des Hilfeverständnisses der Sozialen Arbeit | 58 |
| 6.1 | Alltagsproblem und die Soziale Arbeit | 58 |
| 6.1.1 | Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit | 60 |
| 6.2 | Multiperspektivische Fallarbeit | 62 |
| 7. | Angewandte Unterstützungskonzepte der Sozialen Arbeit bei Alltagsproblemen | 65 |
| 7.1 | Beratung | 66 |
| 7.1.1 | Sozialpädagogische Beratung nach Thiersch | 67 |
| 7.1.2 | Erziehungsberatung | 69 |
| 7.1.3 | Elternarbeit am Beispiel des systemisch-lösungsorientierten Coachings | 71 |
| 7.2 | Elterntraining nach dem OptiMind-Konzept | 75 |
| 7.3 | systemische Familientherapie | 77 |
| 7.4 | Sozialpädagogische Familienhilfe (Melanie Hofmann) | 81 |
| 8. | Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Umgang mit dem Kind | 85 |
| 8.1 | Unterschiedliche Wahrnehmung der Alltagsprobleme von Eltern und Kind | 87 |
| 8.2 | Begrenzung des Kindes durch klare Botschaften | 90 |
| 8.3 | Gezieltes Loben des Kindes | 92 |
| 8.4 | Gezielte Reaktion auf negative Aufmerksamkeit | 95 |
| 8.5 | Das Token-System | 98 |
| 9. | Alltagsprobleme in der Familie und ihre Lösungsstrategien | 98 |
| 9.1 | Telefonieren | 98 |
| 9.2 | Ständig geforderte Aufmerksamkeit | 93 |
| 9.3 | Hausaufgaben | 95 |
| 9.4 | Spielen | 97 |
| 9.5 | Vergesslichkeit | 99 |
| 9.6 | Abendessen | 100 |
| 9.7 | Geschwisterstreit | 102 |
| 9.8 | Wutausbrüche | 104 |
| 10. | Fazit | 107 |
| Literaturverzeichnis | 108 |
Die multiperspektivische Fallarbeit verläuft in vier Phasen, von der Anamnese über die Diagnose und Intervention zur Evaluation. (Galuske, S.189) Die soziale Anamnese meint im Wesentlichen die Rekonstruktion der Vorgeschichte des Falls (Entwicklung des Kindes, Auffälligkeiten, familiäre Belastungen, soziales Umfeld et cetera). Sie soll die eigene Sichtweise bewusst machen, die Fakten sowie die Interessen, Absichten und Ziele des Klienten klären. Bei der sozialen Diagnose ist nun zu prüfen: „Was ist das Problem?“, „Wer hat welches Problem?“, „Was ist zu tun?“, „Welche Ressourcen sind vorhanden?“ und „Wer könnte ein Mittel für die Lösung des Problems haben?“. Die Intervention bedeutet das konkrete Einmischen in die Lebenszusammenhänge. Es werden, anhand der Diagnostik, ausgewählte Problemlösungsstrategien eingesetzt. Die Evaluation schließt den Hilfeprozess ab. Hierbei werden die vorherigen Entscheidungen auf Effektivität hin überprüft. Dabei ist es wichtig, dass bereits eine gewisse Distanz vom unmittelbaren Handeln besteht. (Müller, S. 53 / 54) [...]
Müller unterscheidet folgende Fallperspektiven: „Fall von“, „Fall für“ und „Fall mit“. Im „Fall von“ wird die Ebene des Verwaltungshandelns angesprochen. So kann es sich zum Beispiel um einen Fall von Erziehungshilfe handeln. Es geht um die richtige Wahrnehmung des Falles in rechtlicher Perspektive. (Müller, S. 32) Im „Fall für“ steht die Zuständigkeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Welche Person und Institution, etwa Schule oder Facharzt, könnten ebenfalls zuständig sein? Damit ist der Sozialarbeiter/Sozialpädagoge in seiner Arbeit auch abhängig von der fachlichen Kompetenz der anderen Beteiligten am Fall, auf die er gegebenenfalls ausdrücklich verweisen muss. (Müller, S. 40) Im „Fall mit“ geht es um die direkte soziale Arbeit mit dem Klienten: Wenn der Klient eine angebotene Hilfe annimmt, ergibt sich daraus eine konkrete Zusammenarbeit mit dem Sozialarbeiter/Sozialpädagogen zur Lösung des Problems. (Müller, S. 44) [...]
Da auch Kinder mit ADHS und ihre Familien oft große Probleme haben eine „lebensweltliche Normalität“ zu erreichen, besteht hier ein Handlungsbedarf für die Soziale Arbeit. Die Aufgabe der Sozialen Arbeit besteht darin, die Lebensbewältigung dieser Kinder und deren Familien zu unterstützen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Klinische und therapeutische Institutionen verlieren manchmal den konkreten Alltag der Kinder und ihrer Familien aus den Augen, da sie sich vorwiegend an ihren diagnostischen und therapeutischen Kriterien orientieren. Statt bloße Erziehungstechniken zu vermitteln, wie manchmal von Verhaltenstherapeuten angeboten, sollte man den Familien konkrete und praktische Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen, um den Alltag zu meistern. Die zahlreichen Lösungsstrategien zur Verhaltensänderung von ADHS-Kindern sollten für die Familien zeitlich und praktisch mit ihrem Alltag vereinbar sein. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832489755
Arbeit zitieren:
Christian Hilverling, Melanie Hoffmann Mai 2005: Alltagsprobleme bei von ADHS betroffenen Kindern und ihren Familien, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Therapie, Erkrankung, Kind, Aufmerksamkeit, Therapieansatz



