Alkoholspezifische Nachsorge unter besonderer Berücksichtigung des "Magdeburger Wegs"
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Steven Brentrop
- Abgabedatum: Juni 2010
- Umfang: 71 Seiten
- Dateigröße: 545,9 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) Deutschland
- Bibliografie: ca. 32
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0497-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Brentrop, Steven Juni 2010: Alkoholspezifische Nachsorge unter besonderer Berücksichtigung des "Magdeburger Wegs", Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Alkohol, Nachsorge, Magdeburger Weg, Abhängigkeit, Rückfall
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Bachelorarbeit von Steven Brentrop
Einleitung:
In der vorliegenden Bachelorarbeit möchte ich mich mit einem besonderen Modell der alkoholspezifischen Abhängigkeitsbehandlung – dem ‘Magdeburger Weg’ – auseinandersetzen. Der Fokus dieser Arbeit liegt dabei insbesondere auf der Phase der Nachsorgebehandlung.
Mit der Einführung der Harz IV Reform im Jahr 2005, gab es im Bereich der Sozialhilfe tiefgreifende Veränderungen. Personen, die bisher Leistungen nach dem SGB XII bezogen hatten, erhielten von nun an Leistungen des zweiten Sozialgesetzbuchs. Hiervon waren auch Personen betroffen, die aufgrund einer Suchterkrankung dem Arbeitsamt nicht zur Verfügung standen. Den betroffenen Empfängern wurde die bis 2005 geltende Sozialhilfe gewährt, ohne von diesen eine Gegenleistung wie beispielsweise die Bereitschaft zur Arbeitsaufnahme oder die Behandlung der Abhängigkeitserkrankung zu fordern. Dieses System bot alkoholabhängigen Menschen somit die Möglichkeit, sich ihre Sucht durch Leistungen der Sozialhilfe finanzieren zu lassen. Dieser Umstand sollte mit der Einführung der oben genannten Reform verhindert werden. Vor diesem Hintergrund kommt es in Rehabilitationseinrichtungen für Abhängigkeitserkrankte verstärkt zur Durchführung von Therapien, die von den Agenturen für Arbeit initiiert werden. Da für die Suchtmittelabhängigen die Handlungsalternative in einer Leistungskürzung besteht, absolvieren sie die Therapie, ohne jedoch den Willen zu haben etwas an den eigenen Lebensumständen verändern zu wollen. Dies ist jedoch für die erfolgreiche Beendigung einer solchen Maßnahme unbedingt notwendig.
Während eines 6-Wöchigen Praktikums in der Rehabilitationsfachklinik ‘Alte Ölmühle’, welches ich im Herbst des Jahres 2008 absolvierte, bin ich erstmals mit dem Umstand der Therapie unter Zwang konfrontiert worden. Jedoch war es für mich nicht vorstellbar, wie es möglich sein könnte unter Zwang einen langfristigen Therapieerfolg zu erzielen. In Gesprächen mit den Mitarbeitern der Einrichtung erhielt ich dann allerdings detaillierte Informationen zu dem unter dem Namen ‘Magdeburger Weg’ bekannten Modell. Ich erfuhr von einer existierenden Arbeit zu dieser Thematik und begann mich intensiv mit ihr zu befassen. In dieser Arbeit wird beschrieben, dass es möglich sei, eine Therapie unter Zwang durchzuführen und eine eigene Motivation zu entwickeln.
Für mich stellte sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob diese gewonnene Motivation auf die Phase der Nachsorge einen Einfluss haben könnte. Diese Frage ließ mich nicht mehr los und so beschloss ich, dieser im Rahmen meiner Bachelorarbeit nachzugehen. In erster Linie wollte ich herausfinden, ob die Personen, die über das Modell des ‘Magdeburger Wegs’ in eine Langzeittherapie vermittelt werden, die Weiterbehandlungsphase mit der gleichen Motivation wahrnehmen wie diejenigen, die die Therapie von Beginn an aus eigener Motivation heraus absolvieren. Darüber hinaus wollte ich auf die Frage, ob die in der Entwöhnungsbehandlung erschlossene Motivation einen nachhaltigen Behandlungserfolg haben könnte, eine Antwort finden. Bevor ich diese Fragen im 6. Kapitel – dem empirischen Teil meiner Arbeit – zu beantworten versuche, gehe ich in Kapitel 2 zunächst auf die Definition, den Verlauf und die Behandlung der Alkoholabhängigkeit ein. Im anschließenden Kapitel 3 beschäftige ich mich dann explizit mit der Nachsorgephase. In Kapitel 4 erläutere ich die motivationalen Theorien, die Veränderungen bewirken können. In Kapitel 5 werde ich ausführlicher auf das Modell des ‘Magdeburger Wegs’ eingehen. Im siebten Kapitel setze ich mich dann mit den aus der Untersuchung gewonnenen Daten intensiv auseinander, bevor ich in Kapitel acht eine abschließende Betrachtung der Thematik vornehmen werde.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 3 |
| 2. | Alkoholabhängigkeit | 5 |
| 2.1 | Verlauf und Definition der Alkoholabhängigkeit | 5 |
| 2.2 | Phasen der Abhängigkeitsbehandlung | 8 |
| 3. | Nachsorge | 12 |
| 3.1 | Die Bedeutung der Nachsorge – Möglichkeiten und Grenzen | 12 |
| 3.2 | Rückfälle | 15 |
| 3.3 | Die Rolle der Selbsthilfegruppe | 17 |
| 4. | Motivationale Theorien | 20 |
| 5. | Der ‘Magdeburger Weg’ | 28 |
| 5.1 | Definition und Erläuterung des Modells des ‘Magdeburger Wegs’ | 28 |
| 5.2 | Institutionelle Rahmenbedingungen | 29 |
| 5.3 | Zwangskontext des Modells des ‘Magdeburger Wegs’ | 30 |
| 6. | Empirische Untersuchung zur Bereitschaft der Nachsorgedurchführung unter besonderer Berücksichtigung des ‘Magdeburger Wegs’ | 32 |
| 6.1 | Fragestellung | 32 |
| 6.2 | Methodik und Datengewinnung | 33 |
| 6.3 | Durchführung der Untersuchung | 34 |
| 7. | Ergebnisse und Auswertung der Untersuchung | 36 |
| 7.1 | Ergebnisse der Untersuchung | 36 |
| 7.2 | Auswertung der Fragestellung | 42 |
| 8. | Abschließende Betrachtung | 45 |
| Literaturverzeichnis | 51 | |
| Anhang 1: Untersuchung zur Nachsorge Teilnahme | 54 |
Textprobe:
Kapitel 4, Motivationale Theorien:
Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Aspekt von Motivation und Veränderung. Was bringt Menschen dazu, sich auf Veränderungsprozesse einzulassen und diese durchzuhalten? Im Rahmen dieses Kapitels werde ich mich auf zwei Theorien beziehen. Das sind zum einen die motivierende Gesprächsführung von Miller und Rollnick, und zum anderen das Rubiconmodell von Heckhausen.
Jeder von uns hat Gewohnheiten, die in unserem Alltag fest integriert sind. Sei es im Bereich der Körperpflege, der Gefühlsäußerung oder anderswo. Dennoch können sie für andere Menschen, beispielsweise Familienmitglieder oder Arbeitskollegen, störend sein. Es ist jedoch sehr schwer, eingeschliffene Gewohnheiten zu verändern. Oftmals sind Veränderungen mit negativen Gefühlen, wie zum Beispiel Angst oder Furcht, verbunden. Veränderungen können auch lähmend wirken oder sogar aggressives Verhalten hervorrufen. Schneider benennt drei Aspekte, unter denen Veränderung möglich ist und die diese begünstigen.
1. Man hält den aktuellen Zustand nicht mehr aus.
2. Man erhofft sich von der Veränderung positive Auswirkungen, die sonst nicht erreichbar währen.
3. Man wird durch äußere Umstände zu einer Veränderung gezwungen.
Unter Zwang hervorgerufene Veränderungen bewirken jedoch in den meisten Fällen nur vorübergehende Anpassung und beinhalten versteckten Widerstand. Ein Abhängigkeitserkrankter verspricht sich beispielsweise von einer missbrauchsbedingten Veränderung nichts, außer dem Ausbleiben der unangenehmen Folgen. Diese Absicht bewirkt jedoch nur eine kurzfristige Veränderung. Langfristige Änderungen bedürfen eines vorangegangenen Leidensdrucks. Diesen muss der Alkoholiker dann auch mit der Krankheit in einen unmittelbaren Zusammenhang bringen. Solch eine Schlüsselsituation kann der Verlust des Arbeitsplatzes, der Wohnung oder das Zerbrechen einer Ehe sein.
In vielen Konzepten, die sich mit der Motivation und Verhaltensänderung beschäftigen, ist immer wieder der Begriff des eben schon angesprochenen ‘Leidensdrucks’ zu finden. Damit eng verbunden ist auch der Satz: ‘‘Der Suchtkranke muss erst in der Gosse landen, um eine Veränderung zu vollziehen’. Klein definiert den Begriff der ‘Gosse’ als einen Punkt, an dem es für die Betroffenen nicht mehr weiter geht wie bisher. Dieser Punkt kann für jeden Menschen individuell sein und ist für den Betroffenen zumeist nur in der Rückblende als Wendepunkt zu erkennen. An dieser Stelle ist der Leidensdruck am Größten, genau wie der Wille zur wirklichen Änderung.
Die Auffassung, Leidensdruck wäre nötig, damit der Alkoholiker mit dem Trinken aufhören kann, ist gerade in den letzten 15 Jahren vehement widersprochen worden. Ein Hauptkritikpunkt ist laut John et al darin zu sehen, dass dieses Konzept wertvolle Behandlungszeit verstreichen lässt und der Eingang in das Behandlungssystem zu spät erfolgt. Somit würden sich viele Betroffene buchstäblich zu Tode leiden.
Daher entwickelten sich in der Vergangenheit Motivationskonzepte, die in ihrem Kern den aufsuchenden Ansatz zum Ziel haben. Das heißt, der Suchtkranke muss da abgeholt werden, wo er steht. Sei es während eines Entzugs im Krankenhaus, Zuhause oder im Trinkermillieu.
Ein solches Konzept ist beispielsweise die ‘Motivierende Gesprächsführung’ von Miller und Rollnick, beziehungsweise von Prochaska und Diklimente. Diese beiden Autorengruppen haben sich unabhängig voneinander mit der Beschreibung dieser Form der Gesprächsführung beschäftigt.
Die ‘Motivierende Gesprächsführung’ kann als eine klientenzentrierte, direktive Methode der Kommunikation beschrieben werden. Durch die Bearbeitung und Auflösung von Ambivalenz kann diese Methode eine Erhöhung der eigenen Motivation hinsichtlich einer Verhaltensänderung bewirken.
Das bedeutet, dass diese Art der Gesprächsführung sowohl Elemente der klientenzentrierten Gesprächsführung beinhaltet, als auch selektiv Gesprächsinhalte in einer direktiven Weise aufnimmt. Dabei wird das Erleben des Klienten in den Mittelpunkt der Kommunikation gestellt und auf Wertungen verzichtet. Laut Miller und Rollnick (2004) besteht ein weiterer Unterschied zu den älteren Motivationskonzepten dahingehend, dass der Grundsatz der Konfrontation durch den der Kooperation abgelöst wird.
Der kooperative Ansatz ist durch Partnerschaftlichkeit, Akzeptanz, und eine förderliche Atmosphäre gekennzeichnet. Diese Elemente sind der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Rogers entlehnt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842804975
Arbeit zitieren:
Brentrop, Steven Juni 2010: Alkoholspezifische Nachsorge unter besonderer Berücksichtigung des "Magdeburger Wegs", Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Alkohol, Nachsorge, Magdeburger Weg, Abhängigkeit, Rückfall



