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Alkohol-Embryopathie

Alkohol-Embryopathie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Janine-Bianka Schott
  • Abgabedatum: Juli 2004
  • Umfang: 127 Seiten
  • Dateigröße: 30,8 MB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Ostfalia Braunschweig/Wolfenbüttel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9524-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9524-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9524-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schott, Janine-Bianka Juli 2004: Alkohol-Embryopathie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schwangerschaft, Co-Abhängigkeit, Risikoschwangerschaft, Sucht

Diplomarbeit von Janine-Bianka Schott

Einleitung:

Schon einmaliger exzessiver Alkohol-“Genuss“ kann erheblichen Schaden beim ungeborenen Kind anrichten. Das Kind schwimmt nicht nur im Fruchtwasser, sondern bei einer Alkohol trinkenden Frau auch in einem für das ungeschützte, noch nicht voll entwickelte Kind schädigenden „Alkoholbad“. Es kann diesem Umstand nicht entfliehen und trägt die möglichen Folgen ein Leben lang, mal mehr, mal weniger sichtbar, mit sich.

Auf der Suche nach Literatur zu dem Thema Alkohol-Embryopathie (AE) bin ich davon ausgegangen, bei Krankenkassen, Krankenhäusern, Frauenärzten, Suchtberatungsstellen, Kinderschutzbund, Jugendämtern, Frauenhäusern, Selbsthilfegruppen, Anonymen Alkoholikern, Guttempler und der Lebenshilfe Informationsmaterial über das Thema zu erhalten. Doch die häufigste Aussage, die ich erhielt, war, dass dieses Thema zu speziell sei und dass kein Material hierzu zur Verfügung stünde. Parallel dazu suchte ich in Bibliotheken und im Internet nach Literatur.

Die Veröffentlichungen in deutscher Sprache beziehen sich mehrheitlich auf amerikanische Forschungsergebnisse. Es gibt zurzeit nur wenige aktuelle Untersuchungen und Forschungen im deutschsprachigen Raum. Hier sind zum einen die Untersuchungen von Dr. med. Spohr, Chefarzt der DRK-Klinik in Berlin und zum anderen die von Professor Dr. med. Hermann Löser in Münster zu nennen.

Bei meiner Recherche wurde deutlich, dass bei den oben genannten Anlaufstellen das Thema AE kaum Beachtung findet. Nur wenige Organisationen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren e.V. konnten mir Informationsmaterial in Form von Broschüren sowie Kopien von verschiedenen Veröffentlichungen zusenden. Gerade weil das Thema Alkohol während der Schwangerschaft kaum Beachtung findet, ist die Zahl der durch Alkohol geschädigten Kinder nach wie vor viel zu hoch. Durch das Schreiben über dieses Thema hat sich nicht nur mein Blickwinkel weiter verändert, sondern auch Freunde und Verwandte wie auch ein paar Ärzte und Krankenkassen wurden mit dem teilweise für sie unangenehmen Thema konfrontiert und ich hoffe, dass eine Diskussion in Gang gesetzt wurde. Sozialarbeiter/- innen können in vielfältiger Weise dazu beitragen, dass das Thema AE weiter in der Öffentlichkeit verbreitet wird.

Zu Beginn meiner Arbeit führe ich die wichtigsten Fakten zu dem Suchtstoff Alkohol auf. Über die Wirkungen im Körper komme ich zu dem ersten Schwerpunkt, Frau und Sucht und speziell der schwangeren Frau. Fragen, die mich beschäftigen, sind:

Wie ist der Wunsch nach einem Kind mit dem Trinken von Alkohol zu vereinbaren? Ist der schwangeren Frau bewusst, was der Alkohol bei ihrem Kind verursachen kann? Warum ist es so schwer, den Alkoholkonsum einzuschränken oder einzustellen? Welche Unterstützungen benötigt die Schwangere, um den Konsum einzuschränken oder einzustellen zu können?

Die schlichte Information: „Es darf kein Alkohol in der Schwangerschaft getrunken werden“, ist einfach ausgesprochen. ABER für die trinkende Frau NICHT EINFACH umsetzbar! Das darf nicht vergessen werden, wenn über eine Alkohol trinkende schwangere Frau gesprochen wird.

Der zweite Schwerpunkt ist das Kind im Mutterleib und nach der Geburt. Fragen, die mich hier beschäftigten sind:

Wie wirkt sich der Alkohol auf die Entwicklung im Mutterleib des Kindes aus? Mit welchen Defiziten ist beim Kind zu rechnen? Wie kann ein betroffenes Kind geschützt werden, nicht selber Alkohol zu missbrauchen?

In dem Fazit und Ausblick fasse ich die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Arbeit zusammen und stelle verschieden Ansätze vor, wie auf die Gefahren von Alkohol in der Schwangerschaft aufmerksam gemacht werden kann. Wichtige Aufgabenbereiche der sozialen Arbeit führe ich am Ende meiner Arbeit auf.

Einen wichtigen Bereich, den modernen Alcopops, werde ich in der Arbeit nicht behandeln, widme ihnen jedoch im Anhang in Form von Artikeln Platz. Für Interessierte bietet das Internet eine erste Anlaufstelle, um sich über den Themenschwerpunkt weiter zu informieren.

Inhaltsverzeichnis:

1. NAHRUNGS-, GENUSS – UND SUCHTMITTEL ALKOHOL 7
1.1 Zahlen und Fakten zum Alkoholkonsum in Deutschland 10
1.2 Konsum, Missbrauch und Abhängigkeit von Alkohol 15
1.2.1 Konsum 15
1.2.2 Missbrauch 16
1.2.3 Abhängigkeit 17
1.3 Die Rolle der Gesellschaft 20
1.4 Bedingungsgefüge 22
1.5 Folgen einer Abhängigkeitserkrankung 23
1.6 Mehrfachabhängigkeit bei Frauen 27
2. FRAU UND ALKOHOLKONSUM 30
2.1 Frau und der Konsum von Alkohol 30
2.1.1 Erwartungen an die Substanz 33
2.1.2 Unterschiede zum Mann 34
2.2 Schwangerschaft und Alkohol 35
2.2.1 In der Suchtabhängigkeit ein Kind 37
2.2.2 Die Rolle des Vaters 40
2.3 Die Rolle der Ärzte 41
2.4 Hilfe für alkoholabhängige Frauen 44
3. ALKOHOL-EMBRYOPATHIE UND ALKOHOLEFFEKTE 49
3.1 Wirkung des Alkohols auf das ungeborene Leben im Mutterleib 49
3.2 Diagnose von AE und Alkohol-Effekten nach der Geburt 57
3.2.1 Entzugserscheinungen nach der Geburt 63
3.2.2 Ernährung des Säuglings nach der Geburt 63
3.3 Entwicklungsdefizite bei betroffenen Kindern 64
3.4 Eigene Suchtgefährdung bei Kindern mit AE 68
3.5 Fördermaßnahmen bei Kindern mit AE 71
3.6 Leben mit einem alkoholabhängigen Elternteil 73
3.7 Fremdunterbringung zum Wohle des Kindes 77
4. PRÄVENTION 79
5. FAZIT UND AUSBLICK 82
6. ANHANG 89
7. FACHLEXIKON 112
8. LITERATURVERZEICHNISSE 115

Automatisiert erstellter Textauszug:

Alkohol-Embryopathie ber und ihre Bedürfnisse spüren.“181 Halweg-Widmoser schreibt in Anlehnung an Weinsgart-Jesse 1991: „Was an positiver Erfahrung den drogenabhängigen Frauen in der Schwangerschaft mitgeben wird, wirkt sich später auf die Beziehung zum Kind aus.“182 Es ist notwendig, dass Frauen, die Hilfe benötigen, Anlaufstellen angeboten werden, die ihnen helfen, ihren Konsum zu reduzieren oder sogar vollständig einzustellen. Es werden im Folgenden zwei verschiedene Interventionskonzepte vorgestellt. Nach dem Modell von Miller und Rollnick 1991 kann eine schrittweise Veränderungsmotivation durch gezielte Intervention erreicht werden. Sie entwickelten auf der Grundlage des von Prochaska und DiClemente 1986 entwickelten Stufenmodells das Beratungskonzept „Motivational Interviewing“. Dieses Konzept betrachtet Abhängige nicht als unmotiviert in Bezug auf eine Veränderung des Alkoholkonsums, sondern sieht das Verhalten einer abhängigen Person aus dem Blickwinkel der Ambivalenz. 183 „Der Alkoholkonsum wird nicht, wie in der traditionellen Beratung üblich, geächtet, sondern es werden in akzeptierender Weise die positiven Seiten des übermäßigen Trinkens herausgearbeitet und gewürdigt. Gründe für und gegen eine Veränderung des Trinkverhaltens werden schrittweise thematisiert und gegenübergestellt.“184 Nach diesem Modell besteht die Möglichkeit, dass eine abhängige Person ihren Widerstand gegen eine Veränderung aufgibt. Eine Abstinenzmotivation kann durch einen schrittweisen Aufbau von Veränderungsmotivation erreicht werden. Das Modell führt Schritt für Schritt zur Behandlungs- bzw. zur Therapiemotivation.185 Motivationsstrategien zur Veränderung des Verhaltens sind nach Miller 1985: 181 182 183 [...]

Nach Löser brauchen schwangere Frauen besonders in der Zeit der Schwangerschaft, die mit psychischer und emotionaler Belastung einhergehen kann, „… entsprechende Beratung, Beistand und Hilfe […] und bei Alkoholabhängigkeit spezielle, notfalls interventionelle Entzugsbehandlungen.“178 Beutel merkt an das schwangere Frauen besonders Unterstützung benötigen: „Sie brauchen eine intensive medizinische v.a. gynäkologische Betreuung. Psychotherapie während der Schwangerschaft ist möglich und erfolgversprechend. Insbesondere Frauen mit schweren Persönlichkeitsstörungen benötigen in der ersten Zeit nach der Entbindung relativ viel Unterstützung bei der Versorgung des Kindes.“179 Nach Halweg-Widmoser und Mitarbeiter ist von hoher Relevanz die „Holding-Therapie“, diese ist gekennzeichnet „…durch ein kontinuierliches Beziehungsangebot, welches der Patientin Sicherheit, Zuverlässigkeit und Geborgenheit vermitteln kann […].180 Im Vordergrund steht die Förderung des Selbstwertgefühls. „Durch einen bewussten Umgang mit sich, können die Patientinnen sich sel- [...]

Wie viele suchtmittelabhängige Mütter ein Kind auf die Welt gebracht haben, ist nicht bekannt. 171 Zum Verlauf der Schwangerschaft schreibt Wolstein: „Der Verlauf der Schwangerschaft wird durch die eigentliche Wirkung der Suchtmittel auf Mutter und Kind (Primärsymptome) sowie durch die körperlichen, psychischen und sozialen Komplikationen der Suchterkrankung (Sekundärsymptome) bestimmt.“172 Die Angebote für suchtkranke Schwangere und Mütter unterliegen einem gesellschaftlichen Wandel. Wolstein schreibt zu dem Umgang mit süchtigen Frauen in der Vergangenheit und zu dem Stand vor fünf Jahren: „In der Vergangenheit sind Schwangerschaftskomplikationen oft auf die direkte Suchtmittelwirkung zurückgeführt worden; zusätzliche Einflüsse wie Gesundheit der Mutter sowie die aktuelle psychosoziale Situation, Qualität der Geburtsvorbereitung oder geburtshilfliche Komplikationen wurden kaum berücksichtigt […]. Erst in den letzten Jahren ist ein Paradigmenwechsel zu einem multifaktoriellen Ansatz bei der Beurteilung von Suchtmittelexposition während der Schwangerschaft zu beobachten. 173 Ein Augenmerk liegt auf der sorgfältig durchgeführten Geburtsvorbereitung und der Verbesserung der psychosozialen Situation bei den betroffenen schwangeren Frauen, beides wichtige Faktoren zur Senkung von Komplikationen während der Schwangerschaft bei Suchtpatientinnen.174 Die Hilfesysteme haben es gleich mit zwei Patienten zu tun, die auf Hilfe angewiesen sind. Ist der Partner der Frau ebenfalls suchtkrank, verstärkt sich der aktuelle Konflikt.175 „Der sachliche Umgang mit suchtkranken Schwangeren wird durch die Kenntnis der zu erwartenden, aber auch der unter günstigen Voraussetzungen nicht zu erwartenden Komplikationen für Mutter und Kind erleichtert. Es gibt inzwischen [...]

Arbeit zitieren:
Schott, Janine-Bianka Juli 2004: Alkohol-Embryopathie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schwangerschaft, Co-Abhängigkeit, Risikoschwangerschaft, Sucht

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