Alkibiades – Politiker und Feldherr
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Rüdiger Renisch
- Abgabedatum: August 2006
- Umfang: 28 Seiten
- Dateigröße: 191,4 KB
- Note: 2,2
- Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
- Originaltitel: Alkibiades – Politiker und Feldherr
- Bibliografie: ca. 15
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0637-0
- ISBN (CD) :978-3-8366-0637-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Renisch, Rüdiger August 2006: Alkibiades – Politiker und Feldherr, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Alkibiades, Sizilische Expedition, Peloponnesischer Krieg, Athenische Demokratie, Persien
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Bachelorarbeit von Rüdiger Renisch
Einleitung:
Alkibiades, der ca. 450-404 lebte, ist einer der kontroversesten Gestalten der Antike, wenn nicht der Weltgeschichte überhaupt. Er gehörte in der Nachfolge von Perikles und Kleon zu einer neuen Politikergeneration, die von den Sophisten beeinflußt war und ihr individuelles Können über die Loyalität zur Polis und deren Verpflichtungen stellte. Als Nachfahre der Alkmeoniden mütterlicherseits gehörte er zu den einflußreichsten politischen Gestalten des 5. Jahrhunderts v. Chr. und schwang sich aufgrund seiner großen rhetorischen Fähigkeiten zu einem der Wortführer der aggressiven athenischen Außenpolitik auf.
Die Quellen, die uns hauptsächlich für die Untersuchung des Alkibiades zur Verfügung stehen, sind in erster Linie Thukydides und Xenophon, weil sie Zeitzeugen des Peloponnesischen Krieges waren. Ob sie allerdings persönlich Bekanntschaft mit Alkibiades machen konnten, ist mehr als fraglich. In späterer Zeit befaßten sich Plutarch und Diodor mit der Gestalt des Alkibiades. Als Primärquelle ist Thukydides an erster Stelle auch deshalb zu erwähnen, weil er den größten Zeitraum der Vita des Alkibiades abdeckt, wohingegen Xenophon in gewissem Sinne nur eine Ergänzung bildet und von der methodischen Herangehensweise an Thukydides nicht heranreicht.
Wenn wir über Alkibiades reflektieren, stellt sich gleich als erste Frage, ob es sich bei ihm wirklich um eine Ausnahmeerscheinung der Geschichte handelt. Dies könnte man natürlich sofort bejahen, da natürlich jede Gestalt der Geschichte und nicht nur dieser, letzten Endes eine solche ist. Jedoch geht es bei dieser Frage um ein wiederkehrendes Muster bei geschichtlichen Persönlichkeiten. Und gerade da kann man die Einzigartigkeit des Alkibiades durchaus in Frage stellen. Man könnte geneigt sein, Alkibiades folgendermaßen zu charakterisieren: Er hat alle Möglichkeiten seiner Zeit so weit wie möglich ausgereizt, hatte damit auch zeitweise enormen Erfolg, jedoch als Resümee hat er mit seinem Verhalten ziemlich eindeutig dazu beigetragen, daß seine Heimatpolis ruiniert werden konnte und Sparta als Sieger aus dem größtenteils durch die beiden Protagonisten Athen und Sparta geprägten Peloponnesischen Krieg hervorgehen konnte. Soweit eine solche Frage überhaupt beantwortbar ist, wäre eine Untersuchung der Mechanismen der Faszination die Alkibiades, zumindest zeitweise, auf die Personen, die er zu überzeugen zu müssen glaubte, angebracht.
Eine Ausarbeitung der drei wichtigsten Lebensabschnitte des Alkibiades wurde schon von H. Bengtson unternommen und soll auch in Gundzügen Grundlage dieser Arbeit sein. Diese drei Lebensabschnitte lassen sich folgendermaßen kurz skizzieren. Der erste Abschnitt erstreckt sich von 422 bis 415 v. Chr. und hat als Höhepunkt das Entstehen und Scheitern des Peloponnesischen Sonderbundes im Verbund mit Athen gegen Sparta. Dieser ging auf die Iniatitive des Alkibiades zurück. So wie auch die so genannte Sizilische Expedition, die im Wesentlichen auf Alkibiades zurückzuführen ist. Den Abschluss dieses Abschnitts kennzeichnet die Abberufung des Alkibiades aus Sizilien.
Im zweiten Abschnitt geht es um die Jahre von 415 bis 411 v. Chr. in denen Alkibiades als „Berater“ auf spartanischer, später auf persischer Seite auftrat.
Der dritte und letzte Abschnitt von 411 bis 404 beinhaltet die Aussöhnung mit Athen und seine triumphale Rückkehr 408 sowie die anschließenden Seeschlachten und die wiederum erfolgte Absetzung als Oberbefehlshaber. Als er es sich endgültig mit allen Seiten verdorben hatte, zog er sich auf seine Besitzungen auf der thrakischen Chersonnes zurück. Danach ging er an den Hof des Satrapen Pharnabazos. Bei einem Aufenthalt in Phrygien wurde er aus letztendlich ungeklärten Umständen ermordet.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Die Lebensabschnitte des Alkibiades | 2 |
| 1.2 | Charakterisierung des Alkibiades | 3 |
| 1.3 | Alkibiades Eintritt in das politische Leben | 6 |
| 2.1 | Die Sizilische Expedition | 8 |
| 2.2 | Die Abberufung von Alkibiades und seine Arbeit für die Lakedaimonier | 14 |
| 2.3 | Alkibiades in Persien | 19 |
| 3. | Alkibiades Rückkehr nach Athen | 23 |
| 4. | Schlussbetrachtung | 25 |
| Literaturverzeichnis | 26 |
Textprobe:
Kapitel 2.2, Die Abberufung von Alkibiades und seine Arbeit für die Lakedaimonier:
Wenn man sich der Frage zuwendet, ob die Sizilische Expedition einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn Alkibiades nicht nach Athen zur Gerichtsverhandlung zurückgerufen worden wäre, dann kann man eine relativ einfache Antwort geben: Es ist schlichtweg müßig sich darüber Gedanken zu machen, denn diese Frage wird auch nie zur vollständigen Zufriedenheit des Fragenden zu beantworten sein. Man kann einzig und allein ein paar Vermutungen zu diesem Komplex äußern, die äußerst vage bleiben werden. Nehmen wir an, er wäre also nicht abgelöst worden, so könnten wir zumindestens vermuten, daß sein strategisches Vorhaben, weitere Bündnispartner im Kampf gegen den Hauptfeind Syrakus zu finden, fortgeführt worden wäre. Ein Anfang in dieser Richtung ist ja schon gemacht worden, wobei allerdings der Erfolg eher ernüchternd ausgefallen sein muß. Die Achillesferse der Sizilischen Expedition blieb die Aufstellung einer den Syrakusanern ebenbürtigen schlagkräftigen Kavallerie. Das war nicht möglich und so blieb ein entscheidender strategischer Nachteil bestehen. Dennoch wird dem Plan des Alkibiades die meiste Bedeutung zugemessen:
Alkibiades aber erklärte, wenn sie schon mit so gewaltiger Streitmacht ausgefahren seien, so dürften sie jetzt nicht in Schanden und unverrichteter Dinge zurückkehren; sie sollten an die übrigen Städte Boten entsenden, außer nach Selinus und Syrakus, und versuchen, die Sikeler teils von Syrakus abtrünnig zu machen, teils als Freunde zu gewinnen, um Verpflegungs- und Truppennachschub zu haben. Zunächst sollten sie die Messenier auf ihre Seite ziehen, denn dort sei die beste Gelegenheit für Überfahrt und Landung in Sizilien, und das Heer werde Hafen und Ankerplatz vorfinden. Wenn sich die Städte versichert hätten und wüßten, mit wem sie für den Krieg im Bunde stünden, sollten sie Syrakus und Selinus angreifen, es sei denn, diese fänden sich zu einem Übereinkommen mit den Egestanern bereit und jene wären mit der Wiederbesiedlung von Leontinoi einverstanden.
Zusammengefasst geht es Alkibiades in seinem Plan darum, so viele Verbündete wie möglich zu gewinnen, um militärischen und politischen Druck auf die Hauptfeinde Syrakus und Selinus auszuüben. Allerdings läßt er sich auch eine pazifistische Option offen, indem er behauptet, daß wenn es eine vertragliche Übereinkunft zwischen Syrakus und Egesta (natürlich schon zugunsten Egestas) gäbe, er von einem militärischen Eingreifen absehen würde.
Das ist unter den genannten Bedingungen natürlich wenig wahrscheinlich gewesen. Wenn dieser Plan gelungen wäre, hätte Alkibiades so oder so tatsächlich einen enormen strategischen Vorteil gehabt. Aber ein schöner Plan wenig wert, wenn er sich nicht auch in der Praxis umsetzen lässt. Bengtson bezeichnet zwar den Plan des Alkibiades Syrakus strategisch einzuschnüren, als bestechend, unterschlägt jedoch eben gerade den Widerspruch zwischen Theorie und Praxis, daß eben kaum jemand der übrigen sizilischen und anderen Poleis bereit war, sich am athenischen Wagnis zu beteiligen. Zumal anscheinend alle schon ahnten, daß das Ende dieser Expedition wohl nicht allzu positiv ausfallen würde und der eingehende Gewinn, nicht den Erwartungen entsprechen würde.
Man muß ganz klar sagen, der Plan des Alkibiades war praktisch nutzlos und bei der Weiterverfolgung seiner Strategie wäre ein Scheitern wahrscheinlich - wie es dann ja auch später eingetreten ist. Vielleicht wäre nur das Ende etwas hinausgezögert worden. Auch die Behauptung von Bengtson, daß mit Alkibiades die eigentliche Führergestalt genommen worden wäre, verdient es relativiert zu werden. Denn wie schon oben erwähnt, war Nikias alles andere als eine zögernde und unerfahrene Strategenpersönlichkeit, sondern verfügte im Gegenteil über eine äußerst weitgehende Erfahrung. Das Problem bestand darin, daß er unter dem erwähnten „Burn-Out-Syndrom“ litt und daher vermeidbare taktische Fehler beging. Dass auch Lamachos von Bengtson negativ beurteilt wird, verwundert etwas, denn gerade sein Plan, Syrakus einzunehmen hatte von seinem Grundgehalt etwas weitaus mehr überzeugendes als der von Alkibiades.
Die meisten Gelehrten sind sich einig, dass eine Eroberung von Syrakus möglich und wahrscheinlich gewesen wäre, wenn die Athener dem Rat des Lamachos gefolgt wären, den Überraschungseffekt genutzt und die Stadt angegriffen hätten, bevor diese ihre Flotte wiederaufgebaut und Verteidigungsmaßnahmen ergriffen hätten. Nach Thukydides hätte die Mehrheit der Sikelioten nicht daran geglaubt, dass so eine gewaltige Armada Kurs auf die Stadt nehmen würde.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836606370
Arbeit zitieren:
Renisch, Rüdiger August 2006: Alkibiades – Politiker und Feldherr, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Alkibiades, Sizilische Expedition, Peloponnesischer Krieg, Athenische Demokratie, Persien




