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Aktuelle Konzepte zur Geschäftsprozessmodellierung

Ein kritischer Vergleich

Aktuelle Konzepte zur Geschäftsprozessmodellierung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Philipp Wöss
  • Abgabedatum: April 2007
  • Umfang: 114 Seiten
  • Dateigröße: 692,1 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
  • Bibliografie: ca. 65
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1337-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wöss, Philipp April 2007: Aktuelle Konzepte zur Geschäftsprozessmodellierung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Geschäftsprozessmodellierung, Geschäftsprozessmanagement, Geschäftsprozess, Prozessmanagement, Aris

Diplomarbeit von Philipp Wöss

Einleitung:

Ohne entsprechende Effektivitäts-, Effizienz- und Kostensenkungsprogramme kommen Unternehmen in den Hochlohnländern (Österreich, Deutschland, Frankreich, Schweiz, USA, etc.) heutzutage fast nicht mehr aus. Hohe Lohnnebenkosten, hohe Grundstückspreise und stetig steigende Energiekosten senken die Margen ständig. Nicht ausreichend definierte, eingeführte und gelebte Geschäftsprozesse führen zu Problemen, welche die Unternehmen vielfach in die Insolvenz treiben, da diese zum Beispiel nicht mal ihre Hauptkostentreiber kennen. Laut einer Studie der SAP Systems Integration AG messen 33% der befragten Unternehmen (im Rahmen der Befragung zum Thema "Total Cost of Ownership" im ERP-Umfeld) nicht mal ihre wichtigsten drei Hauptkostentreiber.

Das Geschäftsprozessmanagement hat genau das zum Ziel, nämlich durch eine Optimierung der Geschäftsprozesse eine Steigerung von Effizienz und Effektivität im Unternehmen hervorzurufen und gleichzeitig dessen Wert nachhaltig wachsen zu lassen.

Dass dies nicht nur eine in den Universitäten erfundene Theorie ist, sieht man an der im Juni 2006 von der IDS Scheer AG publizierten "Business Process Management Studie 2006". Dazu wurden ca. 150 IT-Entscheider deutscher Unternehmen und öffentlicher Verwaltungen über Qualität, Schwerpunkte und Ziele beim Geschäftsprozessmanagement befragt. Die Ergebnisse zeigen ein eindeutiges Bild:

- 80 Prozent der befragten Unternehmen beschäftigen sich stark bis sehr stark mit dem Thema Geschäftsprozessmanagement (2005: 67%).

- Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die Leistungsfähigkeit der Geschäftsprozessorganisation nur mit befriedigend bis ausreichend.

- Bei nahezu 80 Prozent der befragten Unternehmen konnte die Marge durch eine Investition in Geschäftsprozessmanagement gesteigert werden.

Es gibt unterschiedliche Modelle zur Darstellung und Modellierung von Geschäftsprozessen. Je nach Anforderung eines einzelnen Unternehmens ist das eine oder andere Modell besser oder weniger gut dafür geeignet. Ziel dieser Diplomarbeit ist es nun, an Hand eines in der Arbeit entwickelten Kriterienkataloges die im deutschsprachigen Raum (Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich) gebräuchlichen Modelle kritisch zu diskutieren.

Der Titel der vorliegenden Diplomarbeit lautet "Aktuelle Konzepte zur Modellierung von Geschäftsprozessen". Synonym wird zu "Konzepte zur Modellierung von Geschäftsprozessen" in dieser Arbeit das Wort "Model" verwendet.

Problemstellung:

Geschäftsprozesse sind in manchen Unternehmen, auch in jenen die sich laut der Studie der IDS Scheer AG [Idss06] damit auseinandersetzen, teilweise nur sehr rudimentär dokumentiert und zumeist noch weniger gelebt. Die Aufzeichnung, Analyse und Veränderung von ebendiesen bezeichnet man als Geschäftsprozessmodellierung oder "Business Process Modeling".

Es gibt verschiedene Modelle (Business Engineering, Architektur integrierter Informationssysteme, Knowledge Modeling Description Language etc.) für die Beschreibung von Geschäftsprozessen. Für unterschiedliche Einsatzzwecke in Organisationen sind die vorhandenen Modelle mehr oder weniger gut geeignet.

Die grundsätzliche Aufgabenstellung dieser Diplomarbeit lautet "Durchführung einer kritischen Analyse der aktuellen Konzepte zur Modellierung von Geschäftsprozessen im deutschsprachigen Raum mittels eines selbst entwickelten Kriterienkataloges.".

Die Forschungsfrage wird unterteilt in einzelne Arbeitsfragen, welche genau verifizierbar sind und im Laufe der Arbeit beantwortet werden. Die Forschungsfrage in dieser Arbeit lautet: "Welche Konzepte zur Modellierung von Geschäftsprozessen gibt es im deutschsprachigen Raum und wie können diese anhand eines selbst erstellten Kriterienkataloges bewertet werden?". Aus dieser Forschungsfrage lassen sich nun die Arbeitsfragen ableiten, welche den roten Faden durch die ganze Arbeit bilden werden.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis VII
Abkürzungsverzeichnis VIII
Literaturverzeichnis IX
1. EINLEITUNG 1
1.1 Problemstellung 2
1.2 Forschungsfrage 3
1.3 Arbeitsfragen 3
1.4 Wissenschaftliche/Praktische Relevanz 4
1.5 Persönliche Motivation 5
1.6 Forschungsstrategie 6
1.7 Theoretisches/Empirisches Vorgehen 7
1.8 Erwartetes Ergebnis 7
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 8
2.1 Begriffsbestimmungen 8
2.2 Grundlagen des Geschäftsprozessmanagements 10
2.2.1 Prozess 10
2.2.2 Geschäftsprozess 11
2.2.3 Geschäftsprozessmanagement 13
2.3 Auswahl der zu analysierenden Modelle 14
2.3.1 Business Engineering - Der St. Galler Ansatz 15
2.3.2 Architektur integrierter Informationssysteme - ARIS 15
2.3.3 Ganzheitliche Prozessmodellierung - GPM 16
2.3.4 Knowledge Modeling Description Language - KMDL 16
2.3.5 Unified Modeling Language - UML 17
2.3.6 Rational Unified Process - RUP 17
2.3.7 oose Engineering Process - OEP 18
2.3.8 Semantische Objektmodellierung - SOM 19
2.3.9 Performance Excellence 21
3. DARSTELLUNG DER MODELLE 24
3.1 Business Engineering 24
3.1.1 Einführung 24
3.1.1.1 Ebenen des Business Engineerings 25
3.1.1.2 Dimensionen des Business Engineerings 26
3.1.2 Organisationsentwurf 27
3.1.2.1 Prozessmodell 27
3.1.2.2 Prozessvision 29
3.1.2.3 Leistungsanalyse 29
3.1.2.4 Ablauf-/Workflowplanung 30
3.1.2.5 Prozessführung 30
3.1.2.6 Architekturplanung 31
3.1.2.7 IT/Assessment, Kundenbeziehungsanalyse, aufgabenbezogene Analysen 31
3.1.2.8 Benchmarking, organisatorisches Monitoring 32
3.1.3 Datenentwurf 32
3.1.3.1 Datenmodell 34
3.1.3.2 Normalisierung 34
3.1.3.3 Semantische Datenmodellierung, objektorientierte Datenmodellierung 35
3.1.3.4 Schlüssel 35
3.1.3.5 Integritätsbedingungen 36
3.1.3.6 Codetabellen, Historisierung von Daten 37
3.1.3.7 Datenintegration 37
3.1.3.8 Implementierung des Datenmodells 38
3.1.4 Funktionsentwurf 40
3.1.4.1 Funktionsmodell 41
3.1.4.2 Ableitung von Transaktionen 42
3.1.4.3 Prüfung auf Vollständigkeit 42
3.1.4.4 Ableitung von Applikationen und Datenbanken 43
3.1.4.5 Transaktionsnetzwerk 43
3.1.4.6 Listen und Messages 44
3.1.4.7 Gestaltung der Benutzerschnittstelle 44
3.1.4.8 Kontrollstruktur 45
3.1.4.9 Autorisierung 45
3.1.4.10 Workflowkonstruktion 45
3.1.5 Referenzvorgehensmodell beim Business Engineering 46
3.1.6 Bewertung des Modells 46
3.2 Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS) 48
3.2.1 Einführung 48
3.2.1.1 Beschreibungssichten 49
3.2.1.2 Beschreibungsebenen 50
3.2.2 Fachkonzept 51
3.2.2.1 Funktionssicht 52
3.2.2.2 Organisationssicht 52
3.2.2.3 Datensicht 53
3.2.2.4 Steuerungssicht 53
3.2.3 DV-Konzept 54
3.2.3.1 Funktionssicht 55
3.2.3.2 Organisationssicht 55
3.2.3.3 Datensicht 55
3.2.3.4 Steuerungssicht 55
3.2.4 Implementierung 56
3.2.4.1 Funktionssicht 56
3.2.4.2 Organisationssicht 56
3.2.4.3 Datensicht 56
3.2.4.4 Steuerungssicht 57
3.2.5 Bewertung des Modells 57
3.3 Ganzheitliche Prozessmodellierung (GPM) 58
3.3.1 Prozess-Sicht 60
3.3.2 Organisationsstruktursicht 60
3.3.3 Aktivitätsstruktursicht 61
3.3.4 Applikationsstruktursicht 61
3.3.5 Datenstruktursicht 61
3.3.6 Bewertung des Modells 62
3.4 Knowledge Modeling Description Language (KMDL) 63
3.4.1 Einführung 63
3.4.2 Ansatz der KMDL 64
3.4.3 Elemente der KMDL 65
3.4.3.1 Information 65
3.4.3.2 Aufgaben: 66
3.4.3.3 Stelle: 66
3.4.3.4 Person: 66
3.4.3.5 Wissensobjekt: 66
3.4.4 Wissenskonversion: 66
3.4.5 Klassifizierung von Wissensobjekten 67
3.4.6 Erzeugung von Informationen 67
3.4.7 Sichten der Knowledge Modeling Description Language 68
3.4.8 Referenzvorgehensmodell/Modellierungsschritte 69
3.4.9 Bewertung des Modells 70
3.5 Unified Modeling Language (UML) 71
3.5.1 Einführung 71
3.5.2 Bestandteile der UML 73
3.5.2.1 Dinge 73
3.5.2.2 Beziehungen 76
3.5.2.3 Diagramme der UML 77
3.5.3 Regeln der UML 77
3.5.4 Einheitliche Mechanismen in der UML 78
3.5.4.1 Spezifikationen 78
3.5.4.2 Details 79
3.5.4.3 Durchgängige Unterscheidungen 79
3.5.4.4 Erweiterungsmechanismen 79
3.5.5 Architektur 80
3.5.5.1 Anwendungsfallsicht 81
3.5.5.2 Entwurfssicht 81
3.5.5.3 Prozesssicht 81
3.5.5.4 Implementierungssicht 82
3.5.5.5 Einsatzsicht 82
3.5.6 Modellierungswerkzeuge 82
3.5.7 Bewertung des Modells 83
4. KRITISCHE ANALYSE 84
4.1 Arbeitsfragen 84
4.2 Erstellung eines Kriterienkataloges zur Bewertung der Modelle 85
4.2.1 Einsatzbereich/Einsetzbarkeit 87
4.2.2 Das Modell/die Modellierungsarbeit 88
4.2.3 Verwaltung des Modells 90
4.2.4 IT-Systemvoraussetzungen 90
4.3 Bewertung der Modelle 91
4.3.1 Übersicht der Bewertung Plus/Minus-Schema 92
4.3.2 Übersicht der Bewertung/Punkteschema 93
4.4 Vergleich der Modelle 95
4.4.1 Einsatzbereich/Einsetzbarkeit 95
4.4.2 Das Modell/die Modellierungsarbeit 95
4.4.3 Verwaltung des Modells 96
4.4.4 IT-Systemvoraussetzungen 96
5. ZUSAMMENFASSUNG 97
6. AUSBLICK 101

Textprobe:

Kapitel 3.1.3, Datenentwurf:

"Der Datenentwurf bestimmt, welche Daten maschinell verarbeitet und gespeichert werden.".

Auf der strategischen Ebene des Datenentwurfes werden die prozessunabhängigen Datenbanken definiert und Standards für den Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen inner - sowie zwischenbetrieblichen Applikationen festgelegt. Bei der Prozess- und Informationssystem-Ebene im Datenentwurf wird die Datenarchitektur als Rahmen verwendet. Für den einzelnen Prozess wird festgelegt, welche Daten dieser explizit benötigt.

Der Datenentwurf ist auf folgende Ziele auszurichten:

- Integration (alle Applikationen greifen auf eine gemeinsame Datenbank zu, Applikationen sollen sich gegenseitig verstehen).

- Korrektheit (keine Widersprüche, Regeln für die Korrektheit der Daten müssen formuliert sein).

- Generalisierung (Unabhängigkeit von einer konkreten Organisationsform).

- Abstimmung mit dem Organisationsentwurf (der Datenentwurf konkretisiert den Organisationsentwurf).

- Wirtschaftlichkeit (gemeinsames Oberziel; jedes Datenelement verursacht Kosten, denen der Nutzen gegenübergestellt werden muss).

Wie der Organisationsentwurf ist allerdings auch der Datenentwurf primär eine betriebswirtschaftliche und nur sekundär eine informationstechnische Aufgabe, welche allerdings einiges an Informatik-Grundverständnis voraussetzt.

Datenmodell:

Österle verwendet zur Veranschaulichung und zwecks der leichten Kommunizierbarkeit und Beschreibung der Datenwelt die vereinfachte Form des Entity-Relationship-Attribute-(ERA-) Modell, welches bereits in den 1970er Jahren von Prof. Peter Pin-Shan Chen entwickelt wurde.

Im Datenentwurf werden beispielsweise Kundendaten wie bei der Tabellenkalkulation als Tabelle behandelt, allerdings wird eine eigene Terminologie verwendet. Die gesamte Tabelle wird als Entitätsmenge bezeichnet, einzelne Zeilen heißen Entitäten. Die Spalten wiederum bezeichnet man als Attribute, diese stellen meist Eigenschaften wie beispielsweise die Postleitzahl oder den Ortsnamen dar. Eine einzelne Zelle enthält einen Attributwert. Ein Identifikationsschlüssel ist ein Attribut, welches jede Entität einer Entitätsmenge eindeutig definiert, er ist unveränderbar für die Dauer der Existenz der Entität. Ein Fremdschlüssel stellt eine Beziehung zu einem anderen Entitätstyp her (in dem dieser als Identifikationsschlüssel dient).

Die Beziehung zwischen unterschiedlichen Entitätstypen besteht aus deren Assoziation und Gegenassoziation. (Beispiel: Ein Kunde wohnt in einem Ort, in einem Ort gibt es n Kunden).

Normalisierung:

Das Entity-Relationship-Attribute-Modell stellt die Daten der betrieblichen Prozesse übersichtlich dar, es sagt allerdings nichts über die Qualität der Daten hinsichtlich Redundanzen und Einfachheit aus.

Semantische Datenmodellierung, objektorientierte Datenmodellierung:

Bei der semantischen Datenmodellierung wird das ERA-Modell, das nur einen Beziehungstypen kennt, um den klassenbildenden (fasst Gemeinsamkeiten von Entitätstypen zu einem neuen, umfassenden Entitätstypen zusammen) und den komplexbildenden Beziehungstyp (ordnet mehrere Entitäten eines Entitätstyps einem übergeordneten Entitätstyp zu, beispielsweise enthält ein Auftrag mehrere Auftragspositionen) erweitert. Die objektorientierte Datenmodellierung beschreibt nicht nur die Daten, sondern auch die Programmfunktionen, welche die Daten verwenden.

Schlüssel:

In den Ausführungen zum Datenmodell kamen bereits die Begriffe Identifikationsschlüssel und Fremdschlüssel vor. Im Datenentwurf zum Business Engineering gibt es allerdings noch mehrere Schlüssel für verschiedene Zwecke. Es werden sprechende Schlüssel, Primär- und Sekundärschlüssel, Sortierschlüssel und Matchcodes unterschieden.

Der Identifikationsschlüssel wird auch als künstlicher Schlüssel bezeichnet, er enthält keinerlei Informationen über Eigenschaften des (beispielsweise) Kunden, lediglich kennzeichnet er diesen eindeutig. Identifikationsschlüssel müssen die Eigenschaften Eindeutigkeit, laufende Zuteilbarkeit sowie kürze/leichte Schreibbarkeit aufweisen.

Sprechende Schlüssel hingegen bestehen selber aus einer oder mehreren Aussagen, die den Inhalt der Entität beschreiben, deshalb wird er auch als Klassenschlüssel bezeichnet. Einfache Auffindbarkeit von Artikeln im Lager sowie schnelles Zurechtfindung in Produktkatalogen beispielsweise sind Vorteile der sprechenden Schlüssel, das Platzen eines Schlüssels (wenn zum Beispiel ein Buchstabe als Kürzel dient ist man auf 26 Artikel/Gruppen beschränkt), die Reorganisation des Schlüssels bei Umgruppierungen in Produktgruppen, die Unmöglichkeit von netzartigen Gliederungen sowie oftmals schwierig zu definierende Eindeutigkeit sind die großen Probleme von sprechenden Schlüsseln. Im Informationszeitalter allerdings erübrigen sich diese Schlüssel, einen großen Anwendungsfall gibt es allerdings noch, die Europäische Artikelnummer (EAN) auf Artikel im Einzelhandel.

Nach dem Primärschlüssel organisiert und optimiert das Datenbankmanagementsystem die Speicherung der Daten, meist ist der Identifikationsschlüssel auch der Primärschlüssel. Für den Sekundärschlüssel wird zusätzlich zum Primärschlüssel ein Index zwecks schnellerer Auffindbarkeit und kürzerer Zugriffszeiten aufgebaut.

Der Sortierschlüssel ist ein Attribut und bestimmt die genaue Reihenfolge, in der die Entitäten in einer Liste oder Tabelle sortiert werden. Der Suchschlüssel ist ein sinnvollerweise meist indiziertes Attribut, über das eine Entität gesucht wird.

Ein Matchcode besteht aus mehreren abgekürzten oder mit Platzhaltern versehenen Suchbegriffen, welche in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet sind.

Integritätsbedingungen:

"Integritätsbedingungen sind Regeln über die Zulässigkeit von Attributwerten. Sie dienen der Vermeidung von Widersprüchen in Datenbanken." .

Drei Integritätsbedingungen als Regeln für die Korrektheit der Datenbank werden unterschieden [Öste95, S.230ff]:

- Eindeutigkeitsbedingung (jeder Entitätstyp muss einen Identifikationsschlüssel besitzen).

- Referenzielle Integrität (jeder Attributwert in einem Fremdschlüssel muss gleichzeitig auch als Attributwert im Identifikationsschlüssel des dorthin referenzierten Entitätstyps zu finden sein).

- Wertebereichsbedingung (Jedem Attribut ist ein Wertebereich zugeordnet, in diesem sich der Wert bewegen kann).

Codetabellen, Historisierung von Daten:

Alle möglichen Entitäten eines Entitätstyps sind in einer Codetabelle zusammengefasst und dort auch aufgezählt. Werden Attributwerte an einem bestimmten Zeitpunkt geändert, so muss das Datenmodell diese zeitabhängig berücksichtigen (Historisierung von Daten).

Datenintegration:

Bei der Neugestaltung von Prozessen ist die Datenintegration eines der wichtigsten Merkmale. Sie verbindet die unterschiedlichen Applikationen über den Austausch von Daten. Firmenintern funktioniert die Integration der Daten meist schon recht gut, allerdings versagt der Datenaustausch von zwischenbetrieblichen Applikationen meist und die Daten müssen manuell ausgetauscht werden. Dies ist mit der Gefahr von Erfassungsfehlern, erhöhtem Zeitaufwand und höheren Kosten verbunden.

Unterschiedliche Formen der Datenintegration sind:

- Integration der Daten (verschiedene Applikationen, auch von unterschiedlichen Betrieben, benutzen die selben Daten und somit das selbe Datenmodell).

- Integration über Daten (verschiedene Applikationen verwenden eigene Datenbestände, welche manuell redundant aktuell gehalten werden, inkonsistente Datenhaltung zwischen der Synchronisation der Datenbestände).

Zwischen Applikationen können die Daten:

- synchron (Transaktion sendet Nachricht, unterbricht die Verarbeitung und wartet Antwort der korrespondierenden Transaktion ab) und; - asynchron (Transaktion sendet Nachricht und schließt damit Vorgang ab, eine Antwort wird nicht abgewartet) ausgetauscht werden.

Um den Austausch der Daten beziehungsweise die Integration der Daten zwischen Unternehmen zu erleichtern, wurde bereits in den 1980er Jahren Standards entwickelt, welche folgende Punkte regeln:

- welche Art von Dokumenten werden ausgetauscht (Auftrag, Rechnung).

- welche Attribute muss/kann/soll das Dokument enthalten (Kundenadresse).

- wie sollen die Daten im Dokument strukturiert sein.

Implementierung des Datenmodells:

In einem Informationssystem-Entwicklungsprojekt folgt auf den Datenentwurf die Konstruktion der Datenbank in einem konkreten Datenbanksystem. Das Datenmodell ist die Konstruktionszeichnung dafür.

"Ein Datenbanksystem besteht aus einem Datenbestand (Datenbasis) und Softwarekomponenten für die Datenverwaltung, dem sogenannten Datenbankmanagement-system.". Das relationale Datenbankmodell beschränkt sich auf die aus dem ERA-Modell bekannten Komponenten.

Zum Übertragen des konzeptionellen Datenmodells in ein Datenbankmanagementsystem benutzt man eine eigene Sprache, die Data Definition Language (DDL), sie spezifiziert die Entitätstypen, deren Attribute und Integritätsbedingungen.

Zum Erzeugen, Lesen, Modifizieren und Löschen von Entitäten und Entitätsmengen benutzen relationale Datenbankmanagementsysteme die Structured Query Language (SQL), und zwar die Sprachschicht Data Manipulation Language (DML). Die DDL ist eine weitere Sprachschicht der SQL.

Unterschiedliche Zugriffe:

- lesender Zugriff: unterschiedliche Operationen werden zur Definition von Teilmengen eines Datenbestandes verwendet (Projektion - Auswahl bestimmter Attribute aus Entitätsmengen durch "SELECT * FROM"; Selektion - Auswahl bestimmter Entitäten aus Entitätsmengen, welche bestimmte Bedingungen erfüllen durch "WHERE

- schreibender Zugriff: um Daten einer Datenbank zu ändern (Erzeugen einer Entität – durch "INSERT INTO * VALUES"; Modifizieren einer Entität – durch "UPDATE * SET * WHERE *"; Löschen einer Entität - durch "DELETE FROM * WHERE *").

Zwecks kürzerer Zugriffs- Antwortzeiten und um Computerressourcen zu sparen werden die Daten normalisiert. Die Normalisierung führt zu einfachen und redundanzarmen Datenmodellen. Man unterscheidet die Zusammenfassung von Entitätstypen (Verbesserung der Laufzeiteffizienz durch Vermeidung von Verbund-Operationen), die Aufteilung eines Entitätstyps (Aufteilung der Attribute eines Entitätstyps auf mehrere Entitätstypen zur Verbesserung der Laufzeiteffizienz durch Vermeidung von Projektions-Operationen oder Vorwegnahme der Selektions-Operationen) und die Aufnahme abgeleiteter Attribute (Speicherung von Berechnungsergebnissen).

Objektorientierte Datenbankmanagementsysteme verbinden die Programmfunktionen mit den Daten und werden hauptsächlich im technischen Bereich Anwendung (beispielsweise im Computer Aided Design (CAD).

Arbeit zitieren:
Wöss, Philipp April 2007: Aktuelle Konzepte zur Geschäftsprozessmodellierung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Geschäftsprozessmodellierung, Geschäftsprozessmanagement, Geschäftsprozess, Prozessmanagement, Aris

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