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Aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung und ihre Bedeutung für erziehungswissenschaftliches Denken

Aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung und ihre Bedeutung für erziehungswissenschaftliches Denken
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Swenja Braun
  • Abgabedatum: Oktober 2005
  • Umfang: 89 Seiten
  • Dateigröße: 438,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule Vechta Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9153-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9153-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9153-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Braun, Swenja Oktober 2005: Aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung und ihre Bedeutung für erziehungswissenschaftliches Denken, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: interdisziplinär, Pädogik, Neurophysiologie, Konzept, Willensfreiheit

Diplomarbeit von Swenja Braun

Einleitung:

Die vorliegende Arbeit findet ihren Anlass in den gegenwärtigen Diskussionen und Kontroversen um die aktuellen Erkenntnissen der Hirnforschung. Unter Betrachtung der Forschungsergebnisse deutet sich die Notwendigkeit an, Paradigmen aus Nachbarwissenschaften zu hinterfragen, denn, „...wie schon mehrmals in der Wissenschaftsgeschichte scheint auch hier die Macht des Faktischen zusammen mit dem Drang nach logisch konsistenten Interpretationen die für unverrückbar gehaltenen Kategoriegrenzen zu erodieren.“ Die gedankliche Konsequenz „ ... die Grenzen zwischen Beschreibungssystemen für neuronale und psychische Prozess überbrücken ...“ zu wollen wird von den Nachbardisziplinen tendenziell skeptisch gewertet. Als besondere Herausforderung in den zur Zeit geführten Diskussionen stellt sich demnach die wissenschaftstheoretische Frage, ob es überhaupt möglich ist, die jeweiligen spezifischen Termini und Grundlagen reduktionistisch in einer Basiswissenschaft zu definieren.

Der Frankfurter Neurophysiologe Wolf Singer hält einen interdisziplinären Brückenschlag langfristig gesehen für unumgänglich., damit die Erkenntnisse, die in Geistes- und Naturwissenschaften gewonnen werden, dienlich und überprüfbar werden. Das Resultat dieses Paradigmenwechsels könnte die gleichwertige Partizipation der beteiligten Wissenschaftszweige sein. „Es gab Zeiten, da waren die Wissenschaften eins und empfanden sich mit den Künsten den gleichen Fragen verpflichtet: die unselige Aufspaltung in Geistes- und Naturwissenschaften, an die wir uns gewöhnt haben, als entspräche sie einem Naturgesetz, wäre noch für Leibniz oder Kant unvorstellbar gewesen.“.

In der vorliegenden Arbeit wird das Ziel verfolgt diesen interdisziplinären Brückenschlag aus dem erziehungswissenschaftlichen Fokus zu betrachten. Das Fundament bilden dabei die Ergebnisse der Hirnforschung, wie sie Wolf Singer in seinem Buch „Beobachter im Gehirn“ dargestellt hat.

Im ersten Teil der Arbeit werden die für die Erziehungswissenschaft relevanten Kerngedanken und Forschungsergebnisse der Neurobiologie und Neurologie extrahiert und dargestellt. Dabei wird auf einen historischen Exkurs in die Entwicklung der Hirnforschung verzichtet, um den Rahmen einer Diplomarbeit nicht zu überschreiten.

Stattdessen liegt der Fokus auf der spezifisch menschlichen Evolution, die – als einzige – sowohl eine biologische, als auch eine kulturelle Entwicklung umfasst. Im weiteren Verlauf wird die Betrachtung insofern ausgeweitet, als dass Grenzüberschreitungen zu benachbarten Wissenschaftsdisziplinen aus den Texten extrahiert werden. Dabei liegt der Fokus ausschließlich auf Erkenntnissen, die auch aus erziehungswissenschaftlicher Sicht relevant erscheinen.

Gang der Untersuchung:

Die im ersten Teil destillierten Aussagen legen den Grenzen überschreitenden Exkurs in die wissenschaftlichen Disziplinen nahe, die sich aus ihrer Tradition heraus mit Fragestellungen, wie beispielsweise der Frage nach dem freien Willen, der Entwicklung menschlicher Kultur oder der Verarbeitung von Umwelteinflüssen auseinander gesetzt haben und die nun auch das Gebiet der Hirnforschung betreffen.

Deshalb werden im zweiten Teil zunächst ebendiese überschneidenden Aspekte aufgegriffen und aus dem Fokus derjenigen Wissenschaften betrachtet, die sich aus der historischen Tradition heraus mit diesen Fragestellungen beschäftigt haben. Im weiteren Verlauf werden Diskrepanzen und Gemeinsamkeiten zwischen den Erkenntnissen der jeweiligen Traditionswissenschaften und denen der Hirnforschung zusammenfassend dargestellt. Dabei kann im Rahmen dieser Arbeit nicht über den Einbezug exemplarisch ausgewählter Theorien, beziehungsweise deren Vertreter, hinausgegangen werden.

Im dritten Teil dieser Abhandlung werden Forderungen an die Erziehungswissenschaft zusammengestellt. Dazu werden die sich aus dem ersten und zweiten Teil der vorliegenden Arbeit ergebenden Schlussfolgerungen, sowie Singers eigene Stellungsnahmen zur Erziehung und Bildung zunächst formuliert und im Anschluss auf ihre Brauchbarkeit für eine Neuformulierung erziehungswissenschaftlicher Sichtweisen überprüft.

Mit der vorliegenden Untersuchung wird demnach der Anspruch verfolgt, den Anregungen und Erkenntnissen der aktuellen Hirnforschung insofern Rechnung zu tragen, als eine interdisziplinäre Öffnung der Erziehungswissenschaft auf der Basis neurowissenschaftlicher Erkenntnisse bemüht wird.

Dabei bietet es sich an pragmatisch vorzugehen, weshalb das komplexe Themenfeld der Hirnforschung umrissen und eingegrenzt wird. Das wissenschaftliche Umfeld wird – soweit erforderlich – einbezogen, um schlussendlich brauchbare Konturen zu gewinnen, die den von Singer geforderten Brückenschlag zwischen den Wissenschaftsdisziplinen in einem eng vorgegebenen Kontext zu ermöglichen.

Diese Arbeit erhebt demnach nicht den Anspruch auf Emergenz, angestrebt wird lediglich die Ableitung von Rahmenbedingungen, innerhalb derer erziehungswissenschaftliche Grundbegriffe, unter Einbezug neurologischer und neurobiologischer Gesichtspunkte, perspektivisch neu definiert werden können.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
1. Die Natur des menschlichen Gehirns aus Sicht des Neurophysiologen Wolf Singer 6
1.1 Die Evolution des menschlichen Gehirns 6
1.1.1 Biologische Evolution 6
1.1.2 Kulturelle Evolution 10
1.2 Die Bindung des Gehirns 14
1.2.1 Wahrnehmung - Bewusstsein - Empfindung - Ich-Identität 14
1.2.2 Bindungsprobleme 17
1.2.3 Der freie Wille 20
2. Aspekte der Interdisziplinarität anhand eines Exkurses in die Natur- Geistes- und Sozialwissenschaften 23
2.1 Biochemie 24
2.1.1 Anatomie und Funktionen des Nervensystems 24
2.1.2 Bezugnahme zu Ergebnissen der Neurophysiologie 28
2.2 Philosophie 30
2.2.1 Freier Wille 30
2.2.2 Bezugnahme zu Ergebnissen der Neurophysiologie 35
2.3 Psychologie 38
2.3.1 Entwicklung, Lernen, Motivation 38
2.3.2 Bezugnahme zu Ergebnissen der Neurophysiologie 44
2.4 Soziologe 46
2.4.1 Systeme 47
2.4.2 Bezugnahme zu Ergebnissen der Neurophysiologie 51
2.5 Zwischenbilanz 53
3. Rückschlüsse auf erziehungswissenschaftliches Denken 55
3.1 Erziehung 55
3.1.1 Neurowissenschaftliche Forderungen 56
3.1.2 Konzeptionelle Perspektiven 60
3.2 Bildung 65
3.2.1 Neurowissenschaftliche Forderungen 65
3.2.2 Konzeptionelle Perspektiven 71
Fazit 77
Glossar 80
Literaturverzeichnis 84

Automatisiert erstellter Textauszug:

Erkenntnisgewinnung zusammenarbeiten können, aber dennoch aus den Ergebnissen unterschiedliche, für sie relevante Schlüsse ziehen dürfen. Und genau das, könnte das gesamte Forschungsfeld auf doppelte Weise inspirieren. Die Argumentation die Höffe anführt, wenn er von der Determiniertheit der Untersuchungsergebnisse spricht, ist auch ein bereits von Singer festgestelltes Problem, das dieser bei der Auseinandersetzung mit dem Ich und der Identität126 zum Ausdruck bringt. Höffe stellt ebenso wie Singer fest, dass die Erkenntnisse immer durch die eigene Erfahrbarkeit begrenzt sind und nicht erfahrbare Antworten unentdeckt bleiben.127 Sicherlich ist Höffes kritisches Argument der langen, nicht messbaren, Entschlussvorbereitung nicht von der Hand zu weisen. Zu Höffes Kant gestützter Argumentation über den moralischen Freiheitsbegriff sei an dieser Stelle gesagt, dass Kant den Freiheitsbegriff wohl selbst nur als eine Idee hinstellt, wenn er schreibt: die subjektive Unmöglichkeit, die Freiheit des Willens zu erklären, ist mir der Unmöglichkeit, ein Interesse* ausfindig und begreiflich zu machen, welches der Mensch an moralischen Gesetzen nehmen könnte, einerlei; und gleichwohl nimmt er wirklich daran ein Interesse, wozu wir die Grundlage in uns als moralisches Gefühl nennen, welches fälschlich für das Richtmaß unserer sittlichen Beurteilung von einigen ausgegeben worden, da es viel mehr, als die subjektive Wirkung, die das Gesetz auf den willen ausübt, angesehen werden muß, wozu Vernunft allein die objektiven Gründe hergibt.“128 So bleibt doch letztlich auch bei Höffe und Kant offen, inwiefern die Idee der moralischen Willensfreiheit ein Konstrukt ist, das durch Generierung und Internalisierung innerhalb Sozialisation und Erziehung die Eigenverantwortung für das Handeln überträgt. Denn selbst Höffe räumt an anderer Stelle in Bezug auf Kants Kritik an der praktischen Vernunft folgendes ein: „ (1) die Moral meint ein schlechthin objektives Gesetz; ihr Kriterium liegt in der Verallgemeinerung der Maximen und (3) ihr subjektiver Ursprung in der Autonomie des Willens. [...]

Zukunftsprognose aufstellen: „In absehbarer Zeit, also in den nächsten 20 bis 30 Jahren, wird die Hirnforschung den Zusammenhang zwischen neuroelektrischen und neurochemischen Prozessen einerseits und perzeptiven, kognitiven, psychischen und motorischen Leistungen andererseits soweit erklären können, dass Voraussagen über diese Zusammenhänge in beide Richtungen mit einem hohen Wahrscheinlichkeitsgrad möglich sein. Dies bedeutet, dass man widerspruchsfrei Geist, Bewusstsein, Gefühle, Willensakte und Handlungsfreiheit als natürliche Vorgänge ansehen wird, denn sei beruhen auf biologischen Prozessen.“121 Zumal auch Singer immer wieder einräumt, wie wichtig die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse und deren Öffnung für die weitere Erhellung der Thematik des freien Willens ist.122 Um zukunftsträchtige Ansätze bemüht sich in diesem Zusammenhang auch die Wissenschaftsgeschichte. Hagner erörtert die kulturhistorische Entwicklung der Hirnforschung von Descartes bis zum status quo. Hagner argumentiert sehr konziliant, wenn er schreibt: „Naturphilosophische Begriffe wie Polarität, Identität, Indifferenzpunkt oder absolutes Prinzip haben es der Theorie der Gehirnfunktion ermöglicht, unterschiedlichste, im Grunde unvereinbare Phänomene, Begriffe und Konzepte miteinander zu verbinden.“123 Hagner argumentiert weiter, dass insbesondere die Unschärfen in Konzepten erlauben, neue Zugänge zu suchen. Anfang des 19. Jahrhunderts war so die Philosophie von großem Nuten, um die Hirnforschung zu etablieren. Da zu dem Zeitpunkt nicht klar war, wie die Wissenschaft vom menschlichen Gehirn aussehen sollte, wurde die Naturphilosophie als begriffliches und konzeptuelles Instrument eingesetzt. Dieses Spiel der Möglichkeiten verbietet eine Einteilung in gute, empirisch orientierte, und schlechte, spekulativ begrenzte Naturphilosophie,“ [...]

für Höffe ist einzig von Belang die moralische Freiheit: „Die für Kant entscheidende Willensfreiheit, die vielzitierte Autonomie des Willens, besteht nicht in irgendeiner Selbstbestimmung, sondern einer Selbstbestimmung dieser höchsten, dritten Stufe116. Kant versteht unter dem Willen die Fähigkeit, sein Handeln an der Vorstellung gewisser Gesetze auszurichten. Frei ist dieser Wille, sofern er sich das Gesetz (Nomos) selbst gibt.“117 Freiheit besteht demnach für Kant darin, dass ein Individuum die Gesetze internalisiert hat, sie nicht als Zwang empfindet, sondern als Freiheit der eigenen Handlung. Die Freiheit ist in den Sitten verankert und wird über Menschen erfahren. Letztlich verweist Höffe dann auf Erziehung und Selbsterziehung, als die Mittel, um die Haltung der Ehrlichkeit und der Moral beziehungsweise deren Wirkung internalisieren zu können.118 2.2.2 Bezugnahme zu Ergebnissen der Neurophysiologie [...]

Arbeit zitieren:
Braun, Swenja Oktober 2005: Aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung und ihre Bedeutung für erziehungswissenschaftliches Denken, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
interdisziplinär, Pädogik, Neurophysiologie, Konzept, Willensfreiheit

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