Das Aktivierungsproblem der Bevölkerung bei der Altersvorsorge
Ursachenanalyse und kritische Beurteilung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Steffen Liebert
- Abgabedatum: Mai 2007
- Umfang: 60 Seiten
- Dateigröße: 2,3 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Berufsakademie Heidenheim Deutschland
- Bibliografie: ca. 61
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0578-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Liebert, Steffen Mai 2007: Das Aktivierungsproblem der Bevölkerung bei der Altersvorsorge, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Private Altersversorgung, Verbraucherverhalten, Aktivierungstheorie, Mentale Buchführung, Riesterrente
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Diplomarbeit von Steffen Liebert
Einleitung:
Im Jahre 1889 verabschiedete der Reichstag das erste deutsche Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz. Es verpflichtete alle Arbeiter zwischen 16 und 70 Jahren in die Rentenkasse einzuzahlen. Ausgezahlt wurde die Rente erst mit 70 Jahren. Dies war nicht nur aus heutiger Perspektive enorm hoch, sondern vor allem aus damaliger Zeit beinahe utopisch, wenn man bedenkt, dass die Lebenserwartung in dieser Zeit bei 40 Jahren lag. Verdiente ein Arbeiter zur Erwerbszeit zwischen 350 und 550 Mark, dann erhielt er ab dem 70. Lebensjahr eine Rente in Höhe von 11,25 Mark. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde eine Mindestrente eingeführt und das durchschnittliche Rentenniveau lag bei ca. 30 % des Nettolohns.
Die Intention der Rente war damals, die Bevölkerung vor einer Altersarmut zu bewahren, als Einkommensersatz sollte sie nicht dienen. Die Renten wurden bisher über das Kapitaldeckungsverfahren organisiert, in dem jeder Versicherte seinen eigenen Kapitalstock bildete, der dann im Alter als eine Einkommensquelle diente. 1957 beschloss der deutsche Bundestag den Wechsel zum Umlageverfahren, besser bekannt als Generationenvertrag. Seit diesem historischen Moment werden alle Rentner von den derzeit Versicherten der GRV finanziert in der Hoffnung, dass die nachfolgende Generation das Gleiche für sie tut. Das System entwickelte sich sehr gut und die Renten, „die ursprünglich den Unterhalt im Alter nur erleichtern, nicht aber vollständig decken sollten und die noch bis in die 1950er Jahre oftmals nicht zum Leben ausreichten, wurden Lohnersatzleistungen mit dem Ziel, den erworbenen Lebensstandard zu sichern.“ Die gesetzliche Rente wurde zum Einkommensersatz.
Seit dem Fall der Mauer im Jahre 1989 und dem rückläufigen Bevölkerungswachstum funktioniert aber das Umlageverfahren nicht mehr. Immer mehr Rentnern stehen immer weniger Einzahler gegenüber. Dies wird unterstützt durch die rückläufige demographische Entwicklung. Veranschaulicht wird das durch den immer größer werdenden Altersquotienten, der das Verhältnis aus 60-Jährigen und Älteren zu der Altersgruppe 20 bis 59 Jahren widerspiegelt und im Moment bei 46 liegt. Das heißt, dass heute 1 Rentner von ein bisschen mehr als 2 Einzahlern in die GRV finanziert wird, Tendenz sinkend. Noch bedeutender für alle zukünftigen Rentner ist aber, dass trotz hoher Beiträge, die Höhe der Renten abnehmen wird. Geht man von einer Rentenerwartung von 70 % aus, dann liegt die Versorgungslücke bei etwa 15 bis 20 %.
Das Problem ist aber, dass die Deutschen in Anbetracht dieser ernsten Lage nicht ausreichend zur Altersvorsorge aktiviert werden können. Im Durchschnitt möchten die Deutschen im Ruhestand über 2.100 Euro monatlich verfügen. Sie schätzen, dass dafür eine monatliche Ersparnis von ca. 250 Euro nötig wäre. Es werden aber im Schnitt nur 198 Euro gespart. Jeder 6. befürchtet sogar, im Alter seinen Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln nicht bestreiten zu können. Es besteht die Gefahr einer zukünftigen Altersarmut.
Das Problem der mangelnden Aktiviertheit der Deutschen beim Thema Altersvorsorge ist Gegenstand vieler Studien und Veröffentlichungen. Diese publizieren meist statistische Durchschnittswerte. Das wertvolle Datenmaterial allein wird aber der Frage, warum die deutsche Bevölkerung nicht ausreichend zur Altersvorsorge aktiviert werden kann, meist nicht gerecht. Die großen Zahlen werden zwar nach unterschiedlichen Kriterien aufgedröselt, die Ursachen und Zusammenhänge bleiben aber ungeklärt. Das Ziel dieser Arbeit ist es, dieses Aktivierungsproblem bei der Altersvorsorge zu analysieren und über die Ursachen und Zusammenhänge Klarheit zu verschaffen. Dabei wird folgende Vorgehensweise gewählt:
Zu Beginn wird dem Leser ein grundsätzliches Verständnis des psychophysiologischen Aktivierungsbegriffes vermittelt. Auf Basis dieser Erläuterungen wird die Anwendung der Aktivierungstheorie am Beispiel der Konsumentenforschung verdeutlicht. Dies erleichtert dann die Übertragung auf die Altersvorsorgethematik, da die Altersvorsorge im Grunde auch als Produkt verstanden werden kann, zu dessen Kauf die Bevölkerung aktiviert werden soll. Die „Produkteigenschaften“ werden näher erläutert und dadurch wird klar, dass Altersvorsorge ein besonderes Produkt ist, das den „Käufer“ bis zum Eintritt in den Ruhestand beschäftigt.
Es werden dabei vor allem die Wirkungen einzelner Merkmale auf die Aktivierung des Individuums untersucht. Die Arbeit dient hingegen nicht zur Aufklärung über die einzelnen Details der Rentensysteme. Im dritten Kapitel werden zuerst die Hemmungsfaktoren beim Aktivierungsprozess auf der psychischen Ebene des Individuums analysiert. Die Psyche des Menschen wird von seiner sozialen Umwelt, in der er sich befindet, geprägt. Die gesellschaftlichen Determinanten haben maßgeblichen Einfluss auf das Vorsorgeverhalten und werden deshalb im anschließenden Kapitel näher erörtert.
Die Analyseergebnisse der Ausführungen werden dann auf die bisherigen Aktivierungsversuche angewendet, um diese einer kritischen Beurteilung zu unterziehen. Dabei werden sowohl die Bemühungen des Gesetzgebers als auch die Aktivierungsversuche von Seiten der Anbieter von Altersvorsorgeprodukten beurteilt. Die Arbeit schließt mit dem fünften Kapitel, in dem ein Fazit gezogen wird und ein möglicher Ausweg aus der Aktivierungskrise skizziert werden soll.
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | AKTIVIERUNG ZUR ALTERSVORSORGE – EIN BEZUGSRAHMEN | 3 |
| 2.1 | Aktivierung im engeren Sinne | 3 |
| 2.2 | Aktivierung im Rahmen der Konsumentenforschung | 6 |
| 2.3 | Aktivierung im Kontext der Altersvorsorgeproblematik | 8 |
| 3. | URSACHENANALYSE DES AKTIVIERUNGSPROBLEMS | 9 |
| 3.1 | Schwache Finanzkraft als Ursache des Aktivierungsproblems | 9 |
| 3.2 | Psychologische Aspekte der mangelnden Aktiviertheit | 11 |
| 3.2.1 | Altersvorsorgekonto als deaktivierender Faktor | 11 |
| 3.2.2 | Unsicherheit als Hemmungsfaktor | 12 |
| 3.2.3 | Unterbewertung der Altersvorsorge aufgrund überzogener Abdiskontierung | 14 |
| 3.3 | Gesellschaftliche Determinanten des Aktivierungsproblems | 15 |
| 3.3.1 | Deaktiviertheit der jungen Generation aufgrund der sozialen Werte und Motive | 16 |
| 3.3.2 | Familienzyklus als maßgeblicher Einflussfaktor auf das Sparverhalten | 18 |
| 3.3.3 | Mangelnde Aktiviertheit der Deutschen aufgrund von Aversion gegen die Altersvorsorgethematik | 20 |
| 3.3.3.1 | Grundsätzliche Abneigung gegen das Thema „Alter“ | 20 |
| 3.3.3.2 | Zusätzliche Aversion gegen das Thema „Finanzen“ | 20 |
| 3.3.3.3 | Mangelndes Wissen als Folge der Aversion und Ursache von Fehlentscheidungen | 21 |
| 4. | AKTIVIERUNG BISHER – EINE KRITISCHE BEURTEILUNG | 24 |
| 4.1 | Aktivierungsversuche von Seiten des Staates | 25 |
| 4.1.1 | Verspätete Lancierung des Aktivierungsreizes | 25 |
| 4.1.2 | Das Altersvermögensgesetz von 2001 und weitere Aktivierungsversuche in der Kritik | 27 |
| 4.1.2.1 | Die staatliche Zulage als missbrauchter Aktivierungsreiz | 27 |
| 4.1.2.2 | Unzureichende Maßnahmen gegen die Unsicherheit | 29 |
| 4.1.2.3 | Unzureichende Simplifizierung des Systems für den Einzelnen | 30 |
| 4.1.2.4 | Mangelhafte Renteninformation vom Gesetzgeber | 30 |
| 4.1.2.5 | Unzureichende Aktivierung bei der zweitwichtigsten Vorsorgeform Immobilie | 31 |
| 4.2 | Aktivierung von Seiten der Arbeitgeber | 33 |
| 4.3 | Aktivierungsversuche von Produktanbietern | 34 |
| 5. | FAZIT UND SKIZZIERUNG EINER LÖSUNGSIDEE | 36 |
| ANHANG | 40 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 47 |
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | AKTIVIERUNG ZUR ALTERSVORSORGE – EIN BEZUGSRAHMEN | 3 |
| 2.1 | Aktivierung im engeren Sinne | 3 |
| 2.2 | Aktivierung im Rahmen der Konsumentenforschung | 6 |
| 2.3 | Aktivierung im Kontext der Altersvorsorgeproblematik | 8 |
| 3. | URSACHENANALYSE DES AKTIVIERUNGSPROBLEMS | 9 |
| 3.1 | Schwache Finanzkraft als Ursache des Aktivierungsproblems | 9 |
| 3.2 | Psychologische Aspekte der mangelnden Aktiviertheit | 11 |
| 3.2.1 | Altersvorsorgekonto als deaktivierender Faktor | 11 |
| 3.2.2 | Unsicherheit als Hemmungsfaktor | 12 |
| 3.2.3 | Unterbewertung der Altersvorsorge aufgrund überzogener Abdiskontierung | 14 |
| 3.3 | Gesellschaftliche Determinanten des Aktivierungsproblems | 15 |
| 3.3.1 | Deaktiviertheit der jungen Generation aufgrund der sozialen Werte und Motive | 16 |
| 3.3.2 | Familienzyklus als maßgeblicher Einflussfaktor auf das Sparverhalten | 18 |
| 3.3.3 | Mangelnde Aktiviertheit der Deutschen aufgrund von Aversion gegen die Altersvorsorgethematik | 20 |
| 3.3.3.1 | Grundsätzliche Abneigung gegen das Thema „Alter“ | 20 |
| 3.3.3.2 | Zusätzliche Aversion gegen das Thema „Finanzen“ | 20 |
| 3.3.3.3 | Mangelndes Wissen als Folge der Aversion und Ursache von Fehlentscheidungen | 21 |
| 4. | AKTIVIERUNG BISHER – EINE KRITISCHE BEURTEILUNG | 24 |
| 4.1 | Aktivierungsversuche von Seiten des Staates | 25 |
| 4.1.1 | Verspätete Lancierung des Aktivierungsreizes | 25 |
| 4.1.2 | Das Altersvermögensgesetz von 2001 und weitere Aktivierungsversuche in der Kritik | 27 |
| 4.1.2.1 | Die staatliche Zulage als missbrauchter Aktivierungsreiz | 27 |
| 4.1.2.2 | Unzureichende Maßnahmen gegen die Unsicherheit | 29 |
| 4.1.2.3 | Unzureichende Simplifizierung des Systems für den Einzelnen | 30 |
| 4.1.2.4 | Mangelhafte Renteninformation vom Gesetzgeber | 30 |
| 4.1.2.5 | Unzureichende Aktivierung bei der zweitwichtigsten Vorsorgeform Immobilie | 31 |
| 4.2 | Aktivierung von Seiten der Arbeitgeber | 33 |
| 4.3 | Aktivierungsversuche von Produktanbietern | 34 |
| 5. | FAZIT UND SKIZZIERUNG EINER LÖSUNGSIDEE | 36 |
| ANHANG | 40 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 47 |
Textprobe:
Kapitel 3.3.3.3, Mangelndes Wissen als Folge der Aversion und Ursache von Fehlentscheidungen:
Der Aufwand kann neben dem finanziellen in den zeitlichen und den kognitiven Aufwand unterteilt werden, wobei der finanzielle Aufwand vor allem die Beiträge zur Altersvorsorge darstellt. Der zeitliche und kognitive Aufwand stehen eng miteinander in Verbindung. Je mehr Informationen das Individuum sammelt, desto länger wird es dazu benötigen, die Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und zu bewerten. Aber nicht nur die Menge der Informationen ist dabei ausschlaggebend, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten des Einzelnen. Je höher der Bildungsstand des Individuums, desto leichter fällt die Informationsphase und desto höher sind die Chancen auf eine ausreichende Aktiviertheit zur Altersvorsorge. Ein höherer Bildungsabschluss hängt zwar oft auch mit höherem Einkommen zusammen. Jedoch wird unabhängig von der Höhe des Einkommens die Rentenlücke mit steigendem Bildungsstand besser gedeckt. So wird die Rentenlücke beispielsweise bei einem Nettoeinkommen zwischen 1.600 und 2.700 Euro bei einem Haupt- oder Realschulabschluss nur zu ca. 55 %, bei Fachhochschulreife, bei Abitur bzw. Hochschulstudiumsabschluss schon zu knapp über 70 % gedeckt.
Für die Individuen, die sich mit der Altersvorsorgethematik befassen, ist der Prozess der Informationsaufnahme und -verarbeitung mit dem Gossen’schen Gesetz gut erklärbar. Mit jeder weiter zu beschaffenden Informationseinheit sinkt der Grenznutzen dieser Information. Da der Nutzenwert allerdings subjektiv ist und von der Aversion negativ geprägt ist, besteht hier die Gefahr, dass während des Prozesses der Grenzaufwand zu früh den erwarteten Grenznutzen übersteigt. Dann wird der Informationsprozess frühzeitig abgebrochen und wichtige Informationen werden nicht gesammelt. Das Individuum wiegt dabei beispielsweise die Zeit, in der es sich mit Finanz- und Altersvorsorge beschäftigt, gegen die Zeit, in der es sich einer anderen, für ihn nützlicheren Beschäftigung widmen könnte. Nur so lange der Nutzen der Altersvorsorge als größer empfunden wird, bleibt der Prozess am Laufen bzw. läuft überhaupt erst an. Zusätzlich ist es aus aktivierungstheoretischer Sicht sehr wahrscheinlich, dass eine negative Grundhaltung gegenüber der Altersvorsorgethematik schnell eine Überreizung und Deaktivierung verursachen kann. Aufgenommene Reize, z.B. aus der Werbung, führen dann zur Reaktanz. Das Individuum fühlt sich mit dem Problem Altersvorsorge in die Enge getrieben, zeitlich oder auch aus kognitiven Gründen und wendet sich deshalb von der Altersvorsorge ab. Die Aversion gegenüber der Altersvorsorge führt in der Realität auch oft zu einem Aufschieben. Der Mensch neigt von Grund auf dazu, für ihn unangenehme Dinge aufzuschieben. So schieben ca. 50 % der Bevölkerung finanzielle Entscheidun-gen auf einen undefinierten späteren Zeitpunkt.
Wahrscheinlicher noch ist, dass es nicht zu einer vollkommenen Reaktanz kommt, sondern zu einer Vereinfachung der Situation. Der Mensch bedient sich demnach so genannter Heuristiken, die ihm helfen, in einer komplexen Situation eine für ihn vernünftige Entscheidung zu treffen. Eine Heuristik ist eine Faustregel, um schneller und sparsamer Entscheidungen zu treffen. Wenn der Aufwand aus Sicht des Individuums aus zeitlichen oder kognitiven Gründen zu groß ist, also der Grenzaufwand größer als der Grenznutzen ist, dann werden keine weiteren Informationen mehr gesammelt. Diese Situation wird z.B. durch intransparente Gestaltung von Prospekten oder Formularen mit vielen kleingeschriebenen Klauseln verursacht. Das Individuum entscheidet sich dann anhand der bis dahin gesammelten Informationen für einen Anbieter oder ein Produkt zur Altersvorsorge. Dabei geht er beispielsweise so vor, dass die Informationen, die sich während des Prozesses am häufigsten wiederholt haben aus-schlaggebend für das Urteil sind. Hier spielt die bisherige Aktivierung eine große Rolle, da die Merkfähigkeit mit erhöhter Reizintensität zunimmt. Oder er orientiert sich bei seiner Entscheidung am allerersten Eindruck, der wie eine Art Anker dient. Bei der Altersvorsorge kann das ein Werbereiz eines Altersvorsorgeproduktes sein, für das sich der Vorsorger dann entscheidet.
Die Vereinfachung der Situation führt zu lückenhaftem Wissen bzw. dazu, dass sich der Wissensstand nicht adäquat an die Situation anpasst. Das Wissen über Altersvorsorge kann in Deutschland allenfalls als mäßig bezeichnet werden. Bei der finanziellen Allgemeinbildung geht es weniger um die Fähigkeit, komplizierte Berechnungen durchführen zu können. Es ist aber wichtig, dass die Individuen ihre Ausgaben in Beziehung zu ihren Lebensverhältnissen setzen können und die Auswirkungen von Mangellagen auf Geldbedarfe sowie umgekehrt die Bedeutung von Geldmangel oder Geldüberhang auf ihren Konsum erkennen können. Dies betrifft beispielsweise auch das Abschätzen des Inflationsverlustes und der Zinserträge. Wie aus Abbildung 4 zu entnehmen ist, hat von der Altersgruppe, die aus finanziellen Aspekten am meisten für die Altersvorsorge tun kann, ein bisschen mehr als ein Fünftel ihr voraussichtliches Alterseinkommen berechnet. Noch bedrohlicher ist die Tatsache, dass nur ca. 13 % genau sagen können, wie hoch der Bedarf im Ruhestand sein wird. Von denen, die zwar eine Vorstellung über den finanziellen Bedarf im Ruhestand haben, weiß aber nur knapp ein Viertel davon, wie viel dafür heute gespart werden muss. Die grundsätzlichen Wissenslücken weiten sich auch auf die Altersvorsorgeprodukte aus. Dies führt zu falschen Vorurteilen und Fehlentscheidungen und äußert sich z.B. in einer Überschätzung des finanziellen Aufwandes der Altersvorsorge. Durch mehr Aufklärung ist zu erkennen, dass die einzelnen Altersvorsorgesysteme mehr Zulauf erfahren würden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836605786
Arbeit zitieren:
Liebert, Steffen Mai 2007: Das Aktivierungsproblem der Bevölkerung bei der Altersvorsorge, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Private Altersversorgung, Verbraucherverhalten, Aktivierungstheorie, Mentale Buchführung, Riesterrente



