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Aktive Vaterschaft

Perspektiven nichttraditioneller Geschlechterarrangements in der Kindererziehung

Aktive Vaterschaft
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thorsten Büttner
  • Abgabedatum: Januar 1998
  • Umfang: 93 Seiten
  • Dateigröße: 4,2 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0956-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0956-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0956-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Büttner, Thorsten Januar 1998: Aktive Vaterschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: "Vaterlose" Gesellschaft, Neue Vaterperspektive in der Sozialpädagogik, Effekte von Vaterabwesenheit

Diplomarbeit von Thorsten Büttner

Zusammenfassung:

Die Idee zur Bearbeitung des Themas "Aktive Vaterschaft" entstand bei der Lektüre des Buches "Hauptsache Arbeit" (Schnack/Gesterkamp 1996), in welchem darauf hingewiesen wird, daß das traditionelle Familienmodell des erwerbstätigen Vaters und der kindererziehenden 'Nur-Hausfrau' zunehmend häufiger scheitert. Zwischen 30 und 50% liege gar das Risiko, daß Paare mit traditionellen Geschlechterarrangements in der Kindererziehung sich innerhalb der ersten Leben Jahre ihres Kindes trennen würden.

Der Grund: Die modernen Beziehungsprinzipien der Partnerschaftlichkeit und Gleichberechtigung scheinen durch die Geburt eines Kindes innerhalb von kürzester Zeit in Vergessenheit zu geraten und die Eltern werden, was die Ausgestaltung ihrer Geschlechtsrollen betrifft, von einem starken Traditionallisierungsschub erfaßt. Infolge der Differenz zwischen vorgeburtlichen Ausgeglichenheitsvorstellungen der EItern und der bitteren Erfahrung der Frau, daß Haus und Kind sich auf einmal doch zur reinen Frauensache entwickeln, entstehen schnell Enttäuschungen und Streit. Faszinierenderweise scheinen selbst emanzipiert denkende Paare nach der Geburt des ersten Kindes genau die traditionell-arbeitstelligen Muster auszubilden, die so ganz offensichtlich nicht zu ihrer vorherigen Grundüberzeugung und Lebensweise passen. Hauptgrund dieses Phänomens ist die Tatsache, daß in unserer Kultur die Entwicklung nichttraditioneller Geschlechterarrangements in der Kindererziehung durch bestimmte Strukturen des Arbeitsmarktes und durch traditionelle gesellschaftliche Geschlechtsrollenzuschreibungen stark behindert wird.

Aufgrund dieses Zusammenhangs ergab sich für mich folgende Frage, welche auch den endgültigen Anstoß zu dieser Diplomarbeit gab: Wie müssen Familien mit Kindern ihr Leben organisieren, um innerhalb von Strukturen, die eine aktive Beteiligung von Vätern in der Kindererziehung so wenig unterstützen, Partnerschaftlichkeit in der Kindererziehung verwirklichen zu können?

Diese Frage interessierte mich aus zwei Gründen. Zum einen befasse ich mich schon seit einigen Semestern im Rahmen meines Studiums sowie auch privat intensiv mit den Themen 'Mann-Sein', Männerrolle, Männerbildung, sozialpädagogische Jungen-und Männerarbeit und eben 'Vaterschaft'. Zum anderen dachte ich mir: Sollte ich in Zukunft selbst einmal Vater werden, möchte ich schon vorher wissen, aufgrund welcher typischen Schwierigkeiten so viele Partnerschaften nach der Geburt des ersten Kindes in die Brüche gehen, um im Falle eigener Vaterschaft solchen Entwicklungen möglicherweise eher entgegenwirken zu können.

In dieser Arbeit werden soziologische wie psychologische Erkenntnisse zum Thema Vaterschaft dargestellt (Kapitel 2 bis 5), um etwas Licht ins 'lnformationsdunkel' um die sozialtypischen Lebenszusammenhäge und die Bedeutung von Vätern in Familie und Gesellschaft zu bringen. Aufgrund dieser Erkenntnisse der sozialpädagogischen Zulieferwissenschaften Soziologie und Psychologie plädiere ich in dieser Arbeit für die Entwicklung und Einnahme einer neuen Väterperspektive in der Sozialarbeit/Sozialpädagogik (Kapitel 6).

In Kapitel 2 wird nach der Definition 'aktiver Vaterschaft' dargestellt, wie gering die väterliche Beteiligung an der Kindererziehung doch tatsächlich ist (Punkt 2. 1 ) und welche Ursachen zu dieser Ungleichvertellung beitragen (Punkt 2.2).

Das dritte Kapitel behandelt daraufhin mögliche individuelle und familiale Auswirkungen, wenn Väter nicht oder wenig in der Familie anwesend sind. Dabei wird zuerst explizit die berufsbedingte 'Vaterabwesenheit' auf ihre Effekte untersucht (Punkt 3.1) und danach, unabhängig von der Ursache der 'Vaterabwesenheit', werden deren mögliche Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung behandelt (Punkt 3.2).

Im Kapitel 4 werden dagegen die Effekte beschrieben, die aktive Vaterschaft bzw. nichttraditionelle Geschlechterarrangements in der Kindererziehung auf die Partnerbeziehung (Punkt 4. 1), auf den Vater und die Vater-Kind-Beziehung (Punkt 4.2), auf die Mutter und die Mutter-Kind-Beziehung (Punkt 4.3) und auf die Entwicklung des Kindes (Punkt 4.4) haben können.

Das 5. Kapitel geht der Frage nach, welche gesellschaftlichen Entwicklungen (Punkt 5.1) und persönlichen Voraussetzungen (Punkt 5.2) dazu beitragen, daß es heutzutage doch Paare gibt, die aktive Vaterschaft leben.

Im Kapitel 6 geht es um die Bedeutung der oben zusammengetragenen Erkenntnisse für die Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Zunächst versuche ich die Notwendigkeit einer veränderten Väterperspektive zu verdeutlichen (Punkt 6.1), um dann auf dem Hintergrund der 'Life Model'-Theorie konkrete Vorschläge für deren praktische Umsetzung anzubieten (Punkt 6.2).

Der abschließende Ausblick in Kapitel 7 weist unter Einbezug des thematischen Gesamtzusammenhangs auf die Grenzen sozialarbeiterischer Einflußmöglichkeiten im Austausch mit strukturgebenden Umweltsystemen hin und bietet eine Reihe von Vorschlägen, was von staatlicher Seite und auf Betriebsebene geändert werden könnte, um väter- und damit familienfreundlichere Bedingungen zu schaffen.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 4
2. DIE BETEILIGUNG DER VÄTER AN DER KINDERERZIEHUNG 7
2.1 DAS AUSMASS VÄTERLICHER BETEILIGUNGEN AN DER KINDERERZIERUNG 7
2.1.1 BEGRIFFSDEFRNITION "FAMILIE" 7
2.1.2 BEGRIFFSDEFINITION "AKTIVE VATERSCHAFT" 8
2.1.3 VÄTER IM ERZIEHUNGSURLAUB 11
2.1.3.1 INALT UND ZIELE DES BUNDESERZIEHUNGSGELDGESETZES 11
2.1.3.2 DIE INANSPRUCHN DES ERZIEHUINGSURLAUBS VON VÄTERN UND MÜTTERN 13
2.1.4 TELLZEITARBEITENDE VÄTER 14
2.1.5 FAMILIALE AUFGABENVERTEILUNG IN DER KINDER-EPZIEHUNG 15
2.2 URSACHENANAYLSE DES VÄTERLICHEN BETEILIGUNGSPROFILS IN DER KINDERERZIEHUNG 17
2.2.1 ARBEITSMARKTSTRUKTUREN 17
2.2.1.1 DIE INDUSTRIALISIERUNG ALS MOTOR DER FAMILIALEN GESCHLECHTSSPEZIFISCHEN ARBEITSTEILUNG 18
2.2.1.2 GESCHLECHTSSPEZIFISCHE DISPARITÄTEN IN DER STELLENBESETZUNG 19
2.2.1.3 GESCHLECHTSSPEZIFISCHE LOHN-DISPARITÄTEN 20
2.2.1.4 PROBLEMFELD VÄTERLICHER ERZIEHUNGSURLAUB. 21
2.2.1.5 PROBLEMFELD MÄNNLICHE TEILZEITARBEIT 23
2.2.2 TRADITIONELLE GESCHLECHTSROLLENZUSCHREIBUNGEN 25
2.2.2.1 DER EINFLUSS STAATLICHER GESETZGEBUNG AUF DAS ROLLENVERHALTEN VON MÄNNERN UND FRAUEN 25
2.2.2.2 MÄNNLICHE SOZIALISATION 29
2.2.2.3 DER MYTHOS MUTTERSCHAFT-... 32
3. AUSWIRKUNGEN VON VATERABWESENHEIT 35
3.1 AUSWIRKUNGEN BERUFSBEDINGTER VATERABWESENHEIT AUF DAS FAMILIENSYSTEM UND AUF DEN VATER 35
3.1.1 EFFEKTE BERUFSBEDINGTER VATERABWESENHEIT AUF DAS FAMILIENSYSTEM 35
3.1.2 EFFEKTE BERUFSBEDINGTER VATERABWESENHEIT AUF DEN VATER 38
3.2 AUSWIRKUNGEN VON VATERABWESENHEIT AUF DIE ENTWICKLUNG DES KINDES 39
3.2.1 EFFEKTE VON VATERABWESENHEIT AUF DIE ENTWICKLUNG DER GESCHLECHTSIDENTITÄT DES KINDES 40
3.2.2 DER ZUSAMMENNHANG ZWISCHEN VATERABWESENHEIT UND JUGENDLICHER DELINQUENZ 44
3.2.3 AUSWIRKUNGEN VON VATERABWESENHEIT AUF DIE KOGNITIVE ENTWICKLUNG DES KINDES 46
3.2.4 DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN VATERABWESENHEIT UND VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN DES KINDES 47
4. AUSWIRKUNGEN AKTIVER VATERSCHAFT 49
4.1 EFFEKTE AKTIVER VATERSCHAFT AUF DIE PARTNERBEZIEHUNG 50
4.2 EFFEKTE AKTIVER VATERSCHAFT AUF DEN VATER UND DIE VATER-KIND-BEZIEHUNG 52
4.3 EFFEKTE AKTIVER VATERSCHAFT AUF DIE MUTTER UND DIE MUTTER-KIND-BEZIEHUNG 54
4.4 EFFEKTE AKTIVER VATERSCHAFT AUF DIE ENTWICKLUNG DES KINDES 56
5. URSACHEN DER ENTWICKLUNG AKTIVER VATERSCHAFT ALS EINE LEGITIME OPTION FAMILIALER GESCHLECHTERARRANGEMENTS 58
5.1 GESELLSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGEN 58
5.1.1 DIE FR-EISETZUNG AUS DEN GESCHLECHTSROLLEN IN DER "RISIKOGESELLSCHAFT" 8
5.1.2 DIE EMANZIPATION DER FRAU ALS CHANCE DES MANNES ZUR ROLLENERWEITERUNG 63
5.1.3 WERTEWANDEL 64
5.1.4 VERBESSERTE SOZIALWISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE ÜBER DIE ELTERN-KIND-BEZIEHUNG 66
5.2 PERSÖNLICHE VORAUSSETZUNGEN 67
5.2.1 SOZIALISATIONSERFAHRUNGEN DES VATERS UND DER MUTTER. 67
5.2.2 BILDUNG UND SOZIOÖKONOMISCHER HINTERGRUND DER ELTERN 68
5.2.3 DIE PARTNERBEZIEHUNG...... 69
6. ENTWICKLUNG EINER NEUEN VÄTERPERSPEKTIVE IN DER SOZIALARBEIT/SOZIALPÄDAGOGIK 70
6.1 VON DER MÜTTERZENTRIERTHEIT DER SOZIALARBEIT ZU EINER NEUEN VÄTERPERSPEKTIVE 70
6.2 VORSCHLÄGE ZUR PRAKTISCHEN UMSETZUNG EINER NEUEN VÄTERPERSPEKTIVE UNTER EINBEZUG DER 'LIFE MODEL'-THEORIE 73
7. AUSBLICK 81
8. LITERATUR 86

Arbeit zitieren:
Büttner, Thorsten Januar 1998: Aktive Vaterschaft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
"Vaterlose" Gesellschaft, Neue Vaterperspektive in der Sozialpädagogik, Effekte von Vaterabwesenheit

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