Aktive Arbeitsmarktpolitik in Neuseeland
Eine ordnungspolitische Analyse
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ilka Güse
- Abgabedatum: April 1997
- Umfang: 109 Seiten
- Dateigröße: 626,5 KB
- Institution / Hochschule: Universität Bayreuth Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-1365-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-1365-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-1365-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Güse, Ilka April 1997: Aktive Arbeitsmarktpolitik in Neuseeland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Arbeitsmarktpolitik, Neuseeland
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Diplomarbeit von Ilka Güse
Problemstellung:
Von 1984 bis 1991 vollzog die neuseeländische Regierung eine grundlegende Reform des Wirtschaftssystems. Vor dieser Zeit war Neuseeland ein Staat, der den Wirtschaftsprozeß stark beeinflußte. Als Folge dieser Reform entwickelte sich das Land zu einem der am wenigsten regulierten Staaten innerhalb der OECD.
Diese Entwicklung stellte sich deshalb ein, weil sich die makroökonomischen Daten seit Mitte der 70er Jahren ständig verschlechtert hatten.
Als Eckpfeiler der Reform waren die Deregulierung weiter Teile der Wirtschaft, die Liberalisierung des Kapitalverkehrs, die Freigabe des Wechselkurses und die Abschaffung von Lohn- und Preiskontrollen anzusehen. Des weiteren wurden ein großer Teil der Subventionen für die Industrie und die Landwirtschaft gestoppt. Der Handel wurde für den internationalen Wettbewerb geöffnet, eine umfassende Steuerreform wurde eingeleitet, die Notenbank wurde unabhängig und auf ein Inflationsziel verpflichtet; zudem wurden staatliche Einrichtungen in eigenständige Kapitalgesellschaften umgewandelt.
Da die neuseeländische Regierung den Wohlfahrtsstaat und den Arbeitsmarkt bis 1990 nicht in das Reformpaket eingefügt hatte, war die Wirtschaftsordnung bis dahin als lediglich halbreformiert anzusehen. Die wirtschaftliche Lage war zu dieser Zeit aufgrund der nur einseitigen Reformpolitik durch eine desolate fiskalische Situation charakterisiert.
Vor dem Hintergrund negativen Wachstums und hoher Arbeitslosigkeit sowie niedriger Inflation und schwacher Wechselkurse wurde eine zweite Runde schneller wirtschaftlicher Reformen vorangetrieben. Neben der Rationalisierung der Sozialausgaben wurde der Arbeitsmarkt mit der Einführung des "Employment Contract Act" im Mai 1991 liberalisiert. Damit fand diese Reformwelle den bisherigen Abschluß der radikalen Umorientierung der neuseeländischen Wirtschaftsordnung.
Der zentrale Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist im Hinblick auf die Umwandlung des Wirtschaftssystems in Neuseeland die Effektivität der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Einer aktiven Arbeitsmarktpolitik kommt in einer Wirtschaftsordnung die Aufgabe zu, die Schwierigkeiten der Arbeitslosen bei der Arbeitssuche einzudämmen und die Funktionsfähigkeit des Arbeitsmarktes allgemein zu verbessern.
Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, die Konzeption der aktiven Arbeitsmarktpolitik in Neuseeland herauszuarbeiten, um sie dann vor dem Hintergrund des normativen Leitbildes, hier der gelenkten Marktwirtschaft, zu analysieren und zu beurteilen.
Für diese Analyse ist es zunächst erforderlich die Elemente der vorliegenden Arbeit vorzustellen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung | 1 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 2 |
| 2. | Ordnungspolitischer Referenzrahmen | 4 |
| 2.1 | Gelenkte Marktwirtschaft als normatives Leitbild | 4 |
| 2.1.1 | Gesellschaftliches Wirtschaften | 4 |
| 2.1.2 | Wirtschaftsordnung | 6 |
| 2.1.3 | Gelenkte Marktwirtschaft | 8 |
| 2.1.3.1 | Konzept der gelenkten Marktwirtschaft | 9 |
| 2.1.3.2 | Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktordnung im Rahmen der gelenkten Marktwirtschaft | 12 |
| 2.2 | Wirtschaftspolitische Konzeption in der gelenkten Marktwirtschaft | 13 |
| 2.2.1 | Theorie der Wirtschaftspolitik | 14 |
| 2.2.2 | Wirtschaftspolitische Ziele | 15 |
| 2.2.3 | Mittel und Ziel-Mittel-Systeme | 17 |
| 2.2.4 | Konformitätskriterien | 19 |
| 2.2.4.1 | Zielkonformität | 19 |
| 2.2.4.2 | Systemkonformität | 20 |
| 2.3 | Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik | 23 |
| 2.3.1 | Arbeitslosigkeit als Fehlfunktion des Arbeitsmarktes | 23 |
| 2.3.2 | Definition der Arbeitsmarktpolitik | 25 |
| 2.3.3 | Abgrenzung passiver Arbeitsmarktpolitik gegenüber aktiver Arbeitsmarktpolitik | 26 |
| 2.4 | Zielsystem der aktiven Arbeitsmarktpolitik in der gelenkten Marktwirtschaft | 28 |
| 2.4.1 | Ziel der Beeinflussung der Arbeitsmarktstruktur | 29 |
| 2.4.2 | Ziel der Integration benachteiligter Personengruppen | 30 |
| 2.4.3 | Ziel der optimalen Allokation von Arbeitskraft | 31 |
| 2.5 | Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik | 32 |
| 3. | Aktive Arbeitsmarktpolitik in Neuseeland | 33 |
| 3.1 | Historische Entwicklung der Arbeitsmarktpolitik in Neuseeland | 33 |
| 3.1.1 | Historische Ausgangsbasis - "1894 Industrial Conciliation and Arbitration Act" | 33 |
| 3.1.2 | Erste Liberalisierungsansätze - "1973 Industrial Relations Act" | 34 |
| 3.1.3 | Weiterentwicklung im Rahmen grundlegender Reformen - "1984 Industrial Relations Amendment", "1987 Labour Relations Act" und "1988 State Sector Act" | 36 |
| 3.1.4 | Radikale Umorientierung - "1991 Employment Contracts Act" | 38 |
| 3.2 | Die aktuelle Arbeitsmarktsituation | 40 |
| 3.2.1 | Veränderung der Beschäftigungszahlen | 40 |
| 3.2.2 | Erwerbstätigenzuwachs | 42 |
| 3.2.3 | Arbeitslosigkeit | 44 |
| 3.3 | Aktive Arbeitsmarktpolitik in Neuseeland | 47 |
| 3.3.1 | Vermittlung und Beratung im Rahmen des Arbeitsmarktes | 48 |
| 3.3.1.1 | Department of Labour | 49 |
| 3.3.1.1.1 | "The New Zealand Employment Service" | 49 |
| 3.3.1.1.1.1 | Bereitstellung individueller Hilfe | 51 |
| 3.3.1.1.1.2 | Unterstützende Maßnahmen | 53 |
| 3.3.1.1.2 | "Community Employment Group" | 54 |
| 3.3.1.2 | Ministry of Education | 55 |
| 3.3.2 | Förderung der beruflichen Bildung | 57 |
| 3.3.2.1 | "Education and Training Support Agency" | 57 |
| 3.3.2.2 | "New Zealand Employment Service" | 59 |
| 3.3.3 | Subventionierte Beschäftigungsmaßnahmen | 61 |
| 3.3.3.1 | "New Zealand Employment Service" | 61 |
| 3.3.3.2 | "Industrial Relations Service" | 65 |
| 3.3.3.3 | "Community Employment Group" | 66 |
| 3.3.3.4 | Ministry of Commerce/Business Development Boards | 67 |
| 3.3.3.5 | Ministry of Pacific Island Affairs | 69 |
| 3.3.4 | Maßnahmen speziell für Jugendliche | 69 |
| 3.3.4.1 | Vorberufliche Ausbildungsmaßnahmen als Basis für die berufliche Bildung | 70 |
| 3.3.4.2 | "Youth Employment Strategy" | 71 |
| 3.3.5 | Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen | 74 |
| 3.3.5.1 | "New Zealand Employment Service" | 74 |
| 3.3.5.2 | "Workbridge" | 75 |
| 3.4 | Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik in Neuseeland | 76 |
| 4. | Ordnungstheoretische Analyse der aktiven Arbeitsmarktpolitik inNeuseeland | 78 |
| 4.1 | Überprüfung auf Ziel- und Systemkonformität | 78 |
| 4.1.1 | Vermittlung und Beratung im Rahmen des Arbeitsmarktes | 80 |
| 4.1.2 | Förderung der beruflichen Bildung | 82 |
| 4.1.3 | Subventionierte Beschäftigungsmaßnahmen | 85 |
| 4.1.4 | Spezielle Maßnahmen für Jugendliche | 90 |
| 4.1.5 | Spezielle Maßnahmen für Behinderte | 92 |
| 4.2 | Zusammenfassende Bewertung der aktiven Arbeitsmarktpolitik in Neuseeland | 94 |
| 5. | Schlußbetrachtung | 97 |
Eine langfristige Abnahme ist besonders für Männer, Jugendliche, Mãoris und Menschen mit geringen Qualifikationen festzustellen. Bis auf die Gruppe der Männer, die ab 1992 einen leichten Anstieg verzeichneten, konnte keine der genannten Gruppe sich von der verminderten Beschäftigtenquote erholen. Für die Minderung der Anzahl von jungen Menschen am Arbeitsmarkt kann die Erhöhung des Schulaustrittsalters auf 16 Jahre im Jahr 1993 verantwortlich gemacht werden. Im Zeitraum Juni 1986 bis Juni 1995 sanken die Beteiligungsraten für Männer aller Altersgruppen, außer bei den 60 bis 64 jährigen. Deren Beteiligung stieg im Zusammenhang mit der Veränderung der Ruhestandsregelung. Der Anteil von Frauen am Arbeitsmarkt stieg für die 25 bis 34 jährigen und für die 54 bis 64 jährigen, jedoch fiel er für die anderen Gruppen. Die vielfältigen Gründe des Beschäftigungsrückganges können hierbei nicht den Veränderungen in der Altersaufteilungen oder den „one-off“ Vorkommnissen159, wie das Heraufsetzen des Schulaustrittsalters, zugeschrieben werden. Bei den ethnischen Minderheiten und der Gruppe ohne Schulabschluß sind die höchsten Beschäftigungsrückgängen zwischen 1986 und 1995 zu verzeichnen. Diese Gruppen arbeiten hauptsächlich für die Industrie oder in Berufen, die in dieser Zeit den größten Beschäftigungsrückgang hatten. Es bleibt abzuwarten, ob diese Gruppen auf den Arbeits41 [...]
3.2.2 Erwerbstätigenzuwachs Zu den Erwerbsfähigen zählen laut Definition des „Household Labour Force Survey“ 154 erstens die Personen, die wenigstens eine Stunde pro Woche arbeiten und entweder bezahlt werden oder auf eigene Rechnung arbeiten. Dazu zählen auch die unbezahlten Familienmitglieder, die in einem Familienbetrieb tätig sind. Ferner die Arbeitslosen, welche beschäftigungsfähig sind und aktiv nach einer Erwerbstätigkeit suchen. Dazu kommen noch diejenigen, die innerhalb von vier Wochen in einem Beschäftigungsverhältnis stehen werden, unabhängig davon, ob sie auch wirklich eine Beschäftigung gesucht haben.155 Zusammenfassend läßt sich vereinfachend sagen, daß die Summe der Beschäftigten156 und Arbeitslosen157 zusammen die Erwerbsfähigen bilden. In den drei Jahren vor 1995 erhöhte sich die Anzahl der Erwerbstätigen um 96.200. Das hat zum einen mit der wachsenden Anzahl (102.600) der Erwerbstätigen und zum anderen mit der erhöhten Beschäftigtenquote158 (64,4% im Juni 1995 gegenüber 63,3% im Juni 1992) zu tun. Außerdem konnte ein Zustrom von 15.000 Immigranten verzeichnet werden. Anhand der Untersuchung der demographischen Gruppen auf eine Veränderung der Beschäftigtenquoten (siehe Tabelle 2) können einige signifikante Aussagen gemacht werden. [...]
Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten stieg von ca. 16% im März 1986 auf 22% Mitte 1995. Ungefähr 36% der Frauen arbeiten Teilzeit, im Gegensatz zu nur 10% der Männer, wobei 74% aller Teilzeitbeschäftigten Frauen sind. Die wachsende Anzahl der Arbeitsplätze im Zeitraum von 1992 bis 1995 kam den meisten ethnischen Gruppen zugute. So konnte bei den Mãoris und den Pãkehã150 jeweils ein deutlicher Zuwachs festgestellt werden. Lediglich den Einwanderern von den pazifischen Inseln151 wurden vor allem im Zeitraum von 1994 bis 1995 Arbeitsplätze vorenthalten.152 Drei Regionen fallen besonders bei der Betrachtung der Veränderungsquote der Arbeitsstellen von 1992153 bis 1995 auf: Northland und Bay of Plenty mußten in den Jahren 1994 und 1995 einen Rückgang an Arbeitsplätzen von ca. 5% verzeichnen. Währendes39 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832413651
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