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Akquisition und Darstellung von Expertenwissen in komplexen Systemen

Akquisition und Darstellung von Expertenwissen in komplexen Systemen
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Bernd Beule

Einleitung:

In unserem alltäglichen Leben können wir den Kontakt mit multidisziplinären komplexen Systemen nicht mehr vermeiden. Die aktuellen Systeme, denen die Medien zur Zeit große Aufmerksamkeit widmen, sind die Einführung einer einheitlichen europäischen Währung, die Verminderung der Arbeitslosigkeit und das Gesundheitswesen. Dabei hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß zur Betrachtung dieser Systeme und zur Lösung von Problemen nur eine interdisziplinäre Sichtweise sinnvoll ist. So spielen im komplexen System Wattenmeer neben der ökologischen Betrachtung selbstverständlich auch die sozialen Belange der Bewohner und die ökonomischen Interessen ansässiger Firmen eine Rolle.

Die vorliegende Arbeit analysiert daher zunächst die Struktur komplexer Systeme. Dabei greift sie auch auf den Formulierungsansatz des Syndromkonzeptes vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung "Globale Umweltveränderungen" zurück. Als wichtigste Forderung an das zu erstellende Modell ergibt sich hieraus die Forderung nach Modularität.

Um die unterschiedlichen Sprachen und Verfahren einzelner Disziplinen aufzuzeigen, werden dann beispielhafte Akquisitionstechniken aus der Expertensystemkonstruktion und den Wirtschaftswissenschaften vorgestellt. Schließlich bleibt die Wissensakquisition via Internet nicht unerwähnt, da ihre Bedeutung stark zunimmt.

Eine genaue Analyse der komplexen Systeme und Akquisitionstechniken führt schließlich zu einer Menge von Eigenschaften des akquirierten Wissens. Dies sind Inkonsistenz, Unvollständigkeit und Unschärfe, um nur die wichtigsten zu nennen. In ähnlicher Weise kann die Person des Experten weitere Fragen aufwerfen, die zu einem sogenannten Expertendilemma führen können. Hieraus ergeben sich an das darzustellende Modell eine Reihe von Forderungen. Eine Analyse bisher existierender Modellierungsansätze ergibt schließlich ein Scheitern dieser Modelle an verschiedenen Eigenschaften des Wissens in komplexen Systemen.

Bei der nun folgenden Modellierung wird zunächst in den Cognitive Maps der mathematischen Psychologie eine Darstellungsmöglichkeit für Zusammenhänge und Abläufe in komplexen Systemen gefunden, die die Forderung nach Modularität erfüllt.

Um die gegebene Unschärfe der Daten und Fakten in komplexen Systemen modellieren zu können, wird kurz in die Fuzzy Logic eingeführt. Schwerpunkte bilden dabei die mathematische Absicherung der Verknüpfung beliebiger unscharfer Expertenmeinungen und die linguistische Variable, die es erlaubt, direkt mit dem akquirierten Wissen weiterarbeiten zu können.

Die Verbindung der Modellansätze führt schließlich zu den Fuzzy Cognitive Maps. An diesem Modellierungsansatz wird gezeigt, daß eine Darstellung des Expertenwissens in komplexen Systemen trotz Inkonsistenz, Unvollständigkeit und Unschärfe möglich ist. Zusätzlich eröffnet dieser Modellierungsansatz eine Reihe weiterer interessanter Möglichkeiten. So ist es in diesem Modell möglich, ein komplexes System als Neuronales Netz zu betrachten und damit die Auswirkungen von Änderungen in diesem System durch Manipulation der Fakten zu simulieren.

Jedoch darf eine abschließende Kritik nicht fehlen. Fuzzy Cognitive Maps können nicht beweisen, wie sich ein komplexes System entwickeln wird. Sie können lediglich zeigen, wie sich ein komplexes System unter den akquirierten Vorstellungen verhält. Damit wird aber wieder rückwirkend auf die Güte und Qualität der Wissensakquisition verwiesen.

Inhaltsverzeichnis:

0. Motivation 4
1. Komplexe Systeme 8
1.1. Strukturen und Eigenschaften komplexer Systeme 10
1.1.1. Strukturen und Eigenschaften des gesamten Systems 10
1.1.2. Strukturen und Eigenschaften der Systembereiche 13
1.1.3. Ein Beispiel eines komplexen Systems: Der Runde Tisch zum Thema Arbeitslosigkeit 14
1.2. Der Syndromansatz - ein Beispiel für lokale komplexe Systeme in globalem Rahmen 16
1.3. Darstellungen komplexer Systeme in der Kunst 24
2. Verfahren zur Akquisition von Expertenwissen 26
2.1. Fachspezifische Differenzierung des Wissenserwerbs in den einzelnen Disziplinen 26
2.2. Akquisitionstechniken 29
2.2.1. Wissensakquisition aus der Tradition der Datenverarbeitung 29
2.2.2. Wissensakquisition aus der Tradition der Wirtschaftswissenschaften 31
2.2.2.1. Gruppendynamische Verfahren 32
2.2.2.2. Nicht-gruppendynamische Verfahren 33
2.2.2.3. Gemischte Verfahren 34
2.3. Wissensakquisitionsverfahren mit elektronischen Medien 36
2.3.1. Online-Wissenssuche 36
Phase 1 - Werkzeuge zur Online-Recherche 38
Phase 2 - Wissensquellen 39
2.3.2. Der Übergang zu neuen elektronischen Medien 40
2.3.3. Verfahren zur Wissensbearbeitung 42
2.3.3.1. Hasse-Diagramm-Technik 43
2.3.3.2. Graphical Method 45
2.3.3.3. sonstige Data Mining Methoden 46
3. Eigenschaften des Wissens und die Person des Experten 48
3.1. Wissen als Produktionsfaktor 48
3.2. Die Notwendigkeit der Unterscheidung verschiedener Wissensformen 51
3.3. Heuristiken 54
3.4. Qualität und Aktualität der Wissensbasis 57
3.5. Undurchsichtigkeit des Wissens und Unverständnis der Entscheidungen 58
3.6. Die Psychologie des Experten 62
3.7. Folgen von differentem Expertenwissen 63
3.8. Expertendilemmata 64
4. Vorüberlegungen zur mathematischen Modellierung komplexer Systeme 67
4.1. Probleme bei der Modellierung 67
4.1.1. Linguistische Transformationsprobleme 67
4.1.2. Modellierung realer Systeme in der Datenverarbeitung 68
4.1.3. Philosophischer Modellierungsexkurs 71
4.2. Ansätze zur Strukturierung komplexer Systeme 72
5. Modell zur Darstellung von Expertenwissen in komplexen Systemen 75
5.1. Voraussetzungen 75
5.2. Wissensakquisition 77
5.3. Cognitive Maps 78
5.4. Fuzzy Logic 84
5.4.1. Unscharfe Mengen und die Zugehörigkeitsfunktion 85
5.4.2. Begriffe und Eigenschaften unscharfer Mengen 89
5.4.3. Operationen auf unscharfen Mengen 92
5.4.4. Relationen auf unscharfen Mengen 95
5.4.5. Linguistische Variablen 100
5.4.6. Relevanz der Fuzzy Logic in komplexen Systemen 104
5.5. Fuzzy Cognitive Maps 106
5.5.1. Definition FCM 107
5.5.2. Eigenschaften der FCMs 108
5.5.3. Beispiele von Eigenschaften von FCMs in komplexen Systemen 111
5.6. Behandlung typischer Probleme des Expertenwissens 115
5.6.1. Inkonsistenz 116
5.6.2. Unvollständigkeit 117
5.6.3. Gewichtung 118
5.6.4. Redundanz und Konsistenz 119
5.8. Fixpunkte in komplexen Systemen - Betrachtung der FCM als Neuronales Netz 123
5.8.1. Beispiel: Markt und Staat 124
5.8.2. Beispiel: South African Politics 127
5.8.3. Kausales Schließen mit FCMs 130
5.9. Homomorphismen in komplexen Systemen 131
5.9.1. Homomorphismen auf FCMs 132
5.9.2. Selbstabbildungen in komplexen Systemen: Die Sprache der fraktalen Geometrie 134
5.10. Kritik des Modellansatzes FCM 137
6. Zusammenfassung und Ausblick 141
Anhang A: Software 144
Anhang B: Suchmaschinen 145
Anhang C: Verzeichnis der Abbildungen, Tabellen, Beispiele und Definitionen 147
Anhang D: Bezeichnungsweise in dieser Arbeit 150
Anhang E: Anmerkungen zu ausgewählter Literatur dieser Arbeit 151
Anhang F: Autorenverzeichnis 152
Literaturverzeichnis 154

Arbeit zitieren:
Beule, Bernd Mai 1999: Akquisition und Darstellung von Expertenwissen in komplexen Systemen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Akquisitionstechniken, Fuzzy Cognitive Maps, Multidisziplinäre komplexe Systeme, Analyse von interdisziplinärem Wissen, Modellbildung und Informationsdarstellung

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