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Adaption der Balanced Scorecard auf deutsche mittelständische Unternehmen

Eine Empirische Analyse

Adaption der Balanced Scorecard auf deutsche mittelständische Unternehmen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Maik Retzlaff
  • Abgabedatum: November 2003
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 843,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8107-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8107-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8107-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Retzlaff, Maik November 2003: Adaption der Balanced Scorecard auf deutsche mittelständische Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: KMU, BSC, Mittelstand, Kennzahlen, Du-Pont-System

Diplomarbeit von Maik Retzlaff

Einleitung:

Um am Markt bestehen zu können, muss ein Unternehmen in der Lage sein, zukünftige Entwicklungen frühzeitig zu antizipieren und in die Strategie mit einzubeziehen. Ein Unternehmen sollte daher Führungsinstrumente verwenden, welche es ermöglichen, Strategien schnell anzupassen und im gesamten Unternehmen transparent zu kommunizieren.

In der Vergangenheit wurden mittelständische Unternehmen verstärkt anhand finanzwirtschaftlicher Kennzahlen, wie dem Cash Flow oder den Umsatzerlösen, gesteuert und Strategien daraus abgeleitet. Diese traditionellen Kennzahlen ermöglichen jedoch nur eine historische Auswertung vorangegangener Geschäftsvorfälle. Sie lassen keine Rückschlüsse auf Erfolgspotentiale der Zukunft zu, da sie nichts darüber aussagen, warum bestimmte Unternehmensziele erreicht wurden und andere nicht. Gerade mittelständische Unternehmer müssen ihre Betriebe mit begrenzten Ressourcen steuern und sind deshalb verstärkt auf aussagekräftige zukunftsorientierte Kennzahlen angewiesen.

Dieses sind vor allem nicht-monetäre Kennzahlen, die in der betriebswirtschaftlichen Fachliteratur als „weiche Faktoren“ bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um Erfolgsfaktoren wie Kundenzufriedenheit und Mitarbeiter-Know-how, die in von Konkurrenz bestimmten Märkten einen immer größer werdenden Stellenwert einnehmen. Auf Grund dieser Tatsache ist es wichtig, ein Führungsinstrument zu implementieren, welches nicht nur eine schnelle Strategieanpassung erlaubt, sondern auch die Finanzdaten mit den nicht-finanziellen Erfolgsfaktoren in einem ganzheitlichen System widerspiegelt. Dieses System sollte eine effektive Verknüpfung der langfristig orientierten Geschäftsstrategie mit der kurzfristigen Steuerung des operativen Geschäfts ermöglichen. Traditionelle Kennzahlensysteme und Führungsinstrumente des Mittelstandes werden diesen Anforderungen nicht gerecht.

Ein strategisches Führungsinstrument, welches derzeit zunehmend diskutiert wird, ist die Balanced Scorecard (BSC). Viele Geschäftsführer und Vorstände mittelständischer Unternehmen beschäftigen sich immer mehr mit der Frage, ob die BSC ein geeignetes Instrument ist, um den aufgezeigten Anforderungen Rechnung zu tragen.

Ziel dieser Arbeit ist es zu diskutieren, ob eine Übertragbarkeit des BSC-Ansatzes auf die Strukturen mittelständischer Unternehmen möglich ist. Eine anschließende empirische Erhebung zu diesem Themenkomplex soll Aufschluss darüber geben, in wie weit die theoretisch erarbeiteten Überlegungen auch in der Praxis nachgewiesen werden können. Darauf aufbauend werden Thesen zur erfolgreichen Implementierung der BSC abgeleitet, um mittelständischen Unternehmen bei ihrer Entscheidungsfindung eine qualitative und quantitative Entscheidungsgrundlage bereitzustellen.

Gang der Untersuchung:

Im Anschluss an den einleitenden Abschnitt gliedert sich die Arbeit in sechs weitere Unterabschnitte, welche folgendermaßen aufgebaut sind:

In Abschnitt 2 werden die charakteristischen Merkmale und Besonderheiten mittelständischer Unternehmen in Deutschland betrachtet. Dabei wird, nach einer Beschreibung der Wesensmerkmale mittelständischer Unternehmen, deren besondere gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Stellung in Deutschland aufgezeigt. Die anschließende Evaluation der Notwendigkeit neuer Steuerungskonzepte unterstreicht den Bedarf von neuen Führungskonzepten im Mittelstand.

Abschnitt 3 verdeutlicht, dass die derzeit angewandten Kennzahlen und Kennzahlensysteme, von denen an dieser Stelle lediglich die bedeutsamsten kurz vorgestellt werden, allein nicht mehr ausreichen, um ein mittelständisches Unternehmen adäquat zu führen.

Zur Lösung des skizzierten Defizits wird in Abschnitt 4 das Konzept der Balanced Scorecard vorgestellt. Nach einem einführenden historischen Rückblick, werden zunächst die Anlässe einer Implementierung dargestellt. Eine anschließende Definition beschreibt die beiden wesentlichen Kernelemente, das Kennzahlen- und das Managementsystem, welche daraufhin eingehender thematisiert werden.

Die in den ersten vier Abschnitten erarbeiteten Fakten bilden die Argumentationsbasis in Abschnitt 5, in dem geklärt wird, ob die Adaption der Balanced Scorecard auf mittelständische Unternehmen theoretisch erfolgen kann. Darüber hinaus wird die Frage beantwortet, ob eine Übertragung auf mittelständische Unternehmen überhaupt sinnvoll ist.

In Abschnitt 6 werden, nach der Beschreibung des Erhebungsdesigns, die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung präsentiert. Der Ergebnisteil ist in vier Bereiche unterteilt. Nach einer einführenden Skizzierung der Ausgangslage der teilnehmenden Unternehmen, wird die derzeitig praktizierte Art der Umsetzung der BSC im Mittelstand beschrieben. Die sich dabei herauskristallisierenden wichtigen Erfolgsfaktoren und der entstandene Nutzen sind Inhalt der Bereiche Drei und Vier. Vor diesem Hintergrund werden abschließend Voraussetzungen und Gestaltungsempfehlungen für eine erfolgreiche Implementierung erarbeitet.

Die Arbeit endet mit einer zusammenfassenden Schlussbetrachtung in Abschnitt 7.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
1. EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG 1
1.2 GANG DER UNTERSUCHUNG 3
2. MITTELSTÄNDISCHE UNTERNEHMEN (MU) IN DEUTSCHLAND 4
2.1 DEFINITION 4
2.1.1 Quantitativer Aspekt 4
2.1.2 Qualitativer Aspekt 6
2.2 STELLUNG MITTELSTÄNDISCHER UNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND 7
2.3 EVALUATION DER NOTWENDIGKEIT NEUER STEUERUNGSKONZEPTE FÜR MU 9
3. KENNZAHLEN UND KENNZAHLENSYSTEME IN DEUTSCHEN MU 11
3.1 KENNZAHLEN 11
3.1.1 Begriff und Arten 11
3.1.2 Grenzen der Anwendung 13
3.2 AUSGEWÄHLTE KENNZAHLENSYSTEME 13
3.2.1 Du-Pont-System 14
3.2.2 ZVEI-System 15
3.2.3 Kritik 15
4. DIE KONZEPTION DER BALANCED SCORECARD 17
4.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG 17
4.2 ANLÄSSE ZUR IMPLEMENTIERUNG EINER BSC 19
4.3 DEFINITION 21
4.4 DAS KENNZAHLENSYSTEM 21
4.4.1 Die vier Perspektiven der BSC 21
4.4.1.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive 24
4.4.1.2 Die Kundenperspektive 25
4.4.1.3 Die interne Prozessperspektive 27
4.4.1.4 Die Lern- und Entwicklungsperspektive 28
4.4.2 Verknüpfung von Kennzahlen zu einer Strategie 30
4.5 DAS MANAGEMENTSYSTEM 32
5. ÜBERTRAGUNG DES BSC-ANSATZES AUF MU 35
5.1 VORAUSSETZUNGEN 35
5.2 VOR- UND NACHTEILE 38
6. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG 40
6.1 ZIELSETZUNG DER UNTERSUCHUNG 40
6.2 UNTERSUCHUNGSABLAUF UND FRAGEBOGENDESIGN 42
6.3 ERGEBNISSE DER ERHEBUNG 43
6.3.1 Ausgangslage der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe 44
6.3.1.1 Demographische Daten 44
6.3.1.2 Derzeitige verwendete Kennzahlensysteme 46
6.3.1.3 Zufriedenheit mit dem derzeitigen Kennzahlensystem 49
6.3.1.4 Existenz einer Unternehmensstrategie 51
6.3.1.5 Zeitabstände zwischen Strategieanpassungen 52
6.3.1.6 Ursache-Wirkungsbeziehungen 53
6.3.1.7 Verbreitung und Einsatzform der BSC 55
6.3.1.8 Ablehnungsgründe 57
6.3.2 Umsetzung 58
6.3.2.1 Planungsbeginn 58
6.3.2.2 Einführungsgründe 59
6.3.2.3 Perspektiveneinsatz 61
6.3.2.4 Kennzahlenherkunft 63
6.3.2.5 Hauptprobleme 64
6.3.3 Wirkung und Erfolgsfaktoren 65
6.3.3.1 Effekte einer Einführung 65
6.3.3.2 Erfolgsfaktoren 68
6.3.3.3 Zufriedenheit 69
6.3.4 Nutzen 70
6.3.4.1 Stärken 70
6.3.4.2 Schwächen 70
6.4 ABLEITUNG VON VORAUSSETZUNGEN UND GESTALTUNGSEMPFEHLUNGEN 71
7. SCHLUSSBETRACHTUNG 74
Anhang 78
Literaturverzeichnis 89
Eidesstattliche Versicherung 98

Automatisiert erstellter Textauszug:

Umsetzung der BSC besonders wichtig sind.162 Das Hinzuziehen von externen Beratern kann dieses Defizit wettmachen, dadurch steigen aber die Kosten der Implementierung. Eine Mehrbelastung sollte aber auf jeden Fall vermieden werden, da die Ressourcen, die für Umstrukturierungsmaßnahmen im Unternehmen zu Verfügung stehen, als eher niedrig einzustufen sind und durch die zeitintensive Implementierung schon genug beansprucht werden.163 Abschließend soll ein weiterer Aspekt, der vielfach von Geschäftsführen als Voraussetzung angesehen wird, genannt werden. Dieser ist das Vorhandensein eines DV-Systems im Unternehmen. Thode ist der Ansicht, dass obwohl derzeit eine ganze Reihe von Softwarelösungen für den Bereich BSC auf dem Markt sind, eine Implementierung dieser keine Voraussetzung für MU darstellt. Seiner Meinung nach ist häufig schon eine einfache Excel-Lösung ausreichend und größere IT-Systeme für mittelständische Unternehmen stets kritisch zu hinterfragen.164 Resümierend kann festgestellt werden, dass es einige Voraussetzungen gibt, die die Anzahl derjenigen MU, die das BSC Konzept theoretisch anwenden können, vermindern. Sollte ein Unternehmen die aufgezeigten Voraussetzungen erfüllen, so ist in einem zweiten Schritt zu klären, ob eine solche Übertragung überhaupt sinnvoll ist. 5.2 Vor- und Nachteile [...]

Da das Konzept der BSC in sich sehr flexibel ist und keine starren Richtlinien aufweist, kann diese Forderung durchaus erfüllt werden. Ergänzend betont MICHAELI (2000) die Anpassungsfähigkeit des Konzeptes auf aktuelle Situationen und Denkweisen des Unternehmers und bestätigt somit die Flexibilität des Konzeptes.156 Der Verfasser ist darüber hinaus der Meinung, dass es in einigen Fällen, gerade bei kleineren MU, durchaus sinnvoll sein kann, gegebenenfalls auch eine Perspektive zu vernachlässigen. In Unternehmen, in denen die Strukturen noch so übersichtlich sind, dass der Betriebsleiter noch auf Zuruf führt, ist eine Mitarbeiter- oder Prozessperspektive eventuell entbehrlich, da das Betriebsgeschehen transparent genug ist. Ob eine BSC dann überhaupt noch notwendig ist, oder andere Konzepte, wie MbO157 mehr Sinn machen, ist dann unternehmensspezifisch zu klären. Ein Problem, welches in diesem Zusammenhang nicht vernachlässigt werden darf, ist die Ermittlung der Kennzahlen. Denn ein wesentliches Manko von mittelständischen Unternehmen ist, dass sie nicht über detaillierte Marktkenntnisse wie etwa Großunternehmen verfügen und somit Schwierigkeiten bei der Bestimmung von Kennzahlen haben.158 Darüber hinaus werden sie nicht über viele verwertbare Daten aus der Vergangenheit verfügen, da informative Kennzahlen eher selten erhoben werden.159 Abhilfe schaffen könnte die Ermittlung fehlender Daten durch professionell aufgebaute und durchgeführte Umfragen, z.B. bezüglich der Kundenzufriedenheit. Die dabei entstehenden hohen Erhebungskosten stehen jedoch oft nicht in Relation zu den gewonnenen Daten.160 Somit ist eine Balanced Scorecard nur denjenigen Unternehmen zu empfehlen, die bereits über eine entsprechende Datenbasis verfügen, bzw. diese schnell aufbauen können. Dieser Punkt führt zu einer weiteren Voraussetzung, die von einigen Autoren in mittelständischen Unternehmen als nicht gegeben angesehen wird. Vielfach wird moniert, dass im Mittelstand ein lückenhaftes betriebswirtschaftliches Wissen und mangelhafte Unternehmensführungskenntnisse zu verzeichnen sind.161 Dieser Aspekt ist als besonders hemmend anzusehen, wenn es darum geht die unterschiedlichen Ursache-WirkungZusammenhänge der Kennzahlen aufzudecken, welche jedoch für die erfolgreiche [...]

wenige voneinander unabhängige Strategien zulassen.149 Noch einen Schritt weiter geht die Ansicht der Autoren ARNOLD/FREIMANN/KURZ (2001), die der Meinung sind, dass auf Grund der ökonomischen Rahmenbedingungen, wie die rasche Veränderungen der Umweltbedingungen, mittelständische Unternehmen eine zeitgemäß formulierte Strategie nur sehr eingeschränkt besitzen können.150 Da jedoch eine formulierte Strategie ein der Grundvoraussetzungen für die Einführung einer BSC darstellt, wird bereits anhand dieses Punktes die für eine Anwendung der BSC in Frage kommenden Unternehmen dezimiert. Diese Sichtweise ist vielen Geschäftsführern nicht bewusst, da oftmals davon ausgegangen wird, dass es durch die Einführung einer BSC zu einer Formulierung der Strategie kommt.151 Ein weiteres Muss, bei einer Einführung der BSC, ist die Unterstützung durch die Geschäftsführung. Die Erfahrung vieler Unternehmensberater zeigt, dass gerade in diesem Punkt einer der wichtigsten Voraussetzungen zu sehen ist.152 Da im Mittelstand in erster Linie eine starke personenorientierte Führung vorliegt, von welcher oftmals der Anstoß zu einer Implementierung eines neuen Systems gegeben wird, kann tendenziell davon ausgegangen werden, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Vielfach wird jedoch unterstellt, dass die durch die BSC verbesserte Transparenz der Aktivität sowohl von der Geschäftsführung, als auch von den Mitarbeitern, abgelehnt wird, da dies eine Preisgabe von Wissen bedeutet.153 Erst wenn dieses Unbehagen aus den Köpfen der Unternehmensführung verschwunden ist, sollte über einen BSC Einsatz nachgedacht werden. Besitzt ein Unternehmen eine Strategie und ist die Geschäftsführung voll involviert, so ist zu untersuchen, ob die vier von Kaplan und Norton vorgeschlagenen Perspektiven in mittelständischen Unternehmen angewendet werden können. SCHEIBELER (2003) geht davon aus, dass die vier klassischen Perspektiven für MU vollkommen ausreichend sind. Alle anderen Einflussfaktoren, wie Lieferanten und Subunternehmer können im Rahmen der Strategieformulierung einbezogen werden und sind somit bereits Teil der BSC.154 Demgegenüber führt MÜLLER (2002) an, dass mittelständische Unternehmen eher maßgeschneiderte Lösungen und nicht ein Produkt von der Stange benötigen.155 [...]

Arbeit zitieren:
Retzlaff, Maik November 2003: Adaption der Balanced Scorecard auf deutsche mittelständische Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
KMU, BSC, Mittelstand, Kennzahlen, Du-Pont-System

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