Das Absicherungsverhalten in Geschäftsbeziehungen
Die Sicht der Prospect Theory
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Frank Rottländer
- Abgabedatum: Juni 2003
- Umfang: 69 Seiten
- Dateigröße: 495,9 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7809-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Rottländer, Frank Juni 2003: Das Absicherungsverhalten in Geschäftsbeziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Transaktionskostentheorie, Opportunismus, Risiko, Entscheidungsverhalten, Verlustaversion
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Diplomarbeit von Frank Rottländer
Zusammenfassung:
In den Geschäftsbeziehungen des Business to Business sind die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen den beteiligten Parteien häufig ungleich verteilt. Insbesondere die Beziehungen im Zulieferbereich sind überwiegend durch eine starke Abhängigkeit der Zulieferer von ihren Abnehmern gekennzeichnet. Diese resultiert vor allem daraus, dass sich Zulieferer sehr stark auf ihre Abnehmer ausrichten und einseitig spezifische Investitionen in die Beziehung tätigen. Die Zulieferer begeben sich dadurch in Situationen, welche von ihren Abnehmern opportunistisch ausgenutzt werden können. Empirische Untersuchungen belegen, dass die Angst der Zulieferer Opfer opportunistischer Verhaltensweisen ihrer Abnehmer zu werden sehr groß ist. Es ist somit notwendig, dass sich ein Zulieferer innerhalb der Beziehung zum Anbieter vor dem Ausnutzen seiner Abhängigkeit schützt.
Vor diesem Hintergrund soll das Absicherungsverhalten in Geschäftsbeziehungen genauer analysiert werden. Die Besonderheit dieser Arbeit besteht darin, dass die Analyse aus Sicht der Prospect Theory erfolgen soll. Diese Theorie ist in der Lage eine Anzahl von Phänomen realen Entscheidungsverhaltens zu erklären, die im Widerspruch zum Erwartungsnutzenmodell stehen. Die Prospect Theory wurde bereits bei unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen Fragestellungen herangezogen, eine Anwendung dieser Theorie auf das Absicherungsverhalten ist aber neu. Im Rahmen dieses Beitrages soll insbesondere der Einfluss von Verlustaversion sowie unterschiedlicher Risikoeinstellungen auf das Absicherungsverhalten bzw. Absicherungsbedürfnis untersucht werden.
Da die in der Literatur vertretenen Auffassungen zu Geschäftsbeziehungen sehr heterogen sind, wird im folgenden Kapitel zunächst eine Abgrenzung des Begriffs Geschäftsbeziehung vorgenommen. Dazu werden zwei häufig verwendete Definitionen miteinander verglichen und Geschäftsbeziehungen eindeutig vom Wiederkaufverhalten abgegrenzt. Anschließend erfolgen transaktionskostentheoretische Überlegungen zu Geschäftsbeziehungen. Dabei wird näher auf die Ausbeutung aufgrund spezifischer Investitionen sowie auf geeignete Schutzmaßnahmen eingegangen.
Zu Beginn des Kapitels 3 wird die Erwartungsnutzentheorie vorgestellt. Dies erscheint notwendig, da diese Theorie noch immer das dominante Paradigma zur Beschreibung rationalen Entscheidungsverhaltens darstellt. In Abschnitt 3.2 erfolgt eine ausführliche Darstellung der Prospect Theory unter Berücksichtigung aller für die Untersuchung des Absicherungsverhaltens wichtigen Besonderheiten bzw. Implikationen.
Die eigentliche Analyse ist Gegenstand von Kapitel 4 und gliedert sich in drei Teile: Abschnitt 4.1 bildet die Ausgangssituation der Analyse. Dazu wird zunächst ein konkretes Beispiel kreiert, anhand dessen die weitere Analyse exemplarisch durchgeführt wird. In Abschnitt 4.2 wird dann der Einfluss der Verlustaversion auf das Absicherungsverhalten untersucht, nachdem zuvor ermittelt wurde wie hoch die Absicherung unter rationalen Gesichtspunkten ausfallen müsste. Die Konsequenzen unterschiedlicher Risikoeinstellungen für das Absicherungsverhalten bzw. Absicherungsbedürfnis sind dann Gegenstand von Abschnitt 4.3. Dazu wird das Beispiel aus der Ausgangsituation aufgegriffen und in verschiedene Richtungen erweitert. Zunächst wird eine Verlustsituation dargestellt. Anschließend werden die Konsequenzen der daraus resultierenden risikofreudigen Einstellung auf das Absicherungsverhalten bzw. -bedürfnis untersucht. Analog dieser Vorgehensweise wird danach eine Gewinnsituation dargestellt und die Folgen der nach daraus resultierenden Risikoaversion analysiert.
Nach einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse in Abschnitt 4.4, schließt Kapitel 5 die Ausführungen mit einer kritischen Würdigung und einem Ausblick ab.
Inhaltsverzeichnis:
| Symbolverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis. | V | |
| 1. | Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit | 1 |
| 2. | Geschäftsbeziehungen als Analyseobjekt | 3 |
| 2.1 | Bestimmung und Abgrenzung des Begriffs Geschäftsbeziehung | 3 |
| 2.1.1 | Vergleich ausgewählter Definitionen | 3 |
| 2.1.2 | Unterscheidung zwischen Wiederkaufverhalten und Geschäftsbeziehungen | 5 |
| 2.1.3 | Zum Verständnis von Geschäftsbeziehungen im Rahmen dieser Arbeit | 7 |
| 2.2 | Transaktionskostentheoretische Überlegungen zu Geschäftsbeziehungen | 8 |
| 2.2.1 | Kerngedanken der Transaktionskostentheorie | 8 |
| 2.2.2 | Spezifische Investitionen und opportunistische Ausbeutung | 11 |
| 2.2.3 | Maßnahmen zum Schutz vor Opportunismus | 13 |
| 3. | nsätze zur Erklärung des Entscheidungsverhaltens | 16 |
| 3.1 | Die Erwartungsnutzentheorie als Grundlage rationaler Entscheidungen | 16 |
| 3.1.1 | Auswahlentscheidung innerhalb der Erwartungsnutzentheorie | 16 |
| 3.1.2 | Axiomatische Fundierung der Erwartungsnutzentheorie | 17 |
| 3.1.3 | Notwendigkeit der Erweiterung der Erwartungsnutzentheorie | 18 |
| 3.2 | Die Prospect Theory als Ansatz zur Erklärung realen Entscheidungsverhaltens | 20 |
| 3.2.1 | Die Phase der Entscheidungsaufbereitung | 21 |
| 3.2.2 | Die Bewertung der Handlungsalternativen | 22 |
| 3.2.3 | Der Verlauf der Wertfunktion | 24 |
| 3.2.4 | Die Wahrscheinlichkeitsgewichtungsfunktion | 26 |
| 3.2.5 | Veränderungen des Referenzniveaus | 28 |
| 3.2.6 | Die Risikoeinstellung in der Prospect Theory | 29 |
| 4. | Implikationen der Prospect Theory für das Absicherungsverhalten | 31 |
| 4.1 | Ausgangssituation der Analyse | 31 |
| 4.1.1 | Beschreibung der Ausgangssituation | 31 |
| 4.1.2 | Referenzpunkt der Ausgangssituation. | 32 |
| 4.1.3 | Framing der Ausgangssituation durch den Zulieferer | 33 |
| 4.2 | Einfluss der Verlustaversion auf das Absicherungsverhalten | 35 |
| 4.2.1 | Asymmetrische Bewertung von Gewinnen und Verlusten. | 35 |
| 4.2.2 | Notwendige Absicherung der Quasi-Rente | 36 |
| 4.2.3 | Überabsicherung als Folge der Verlustaversion | 38 |
| 4.3 | Absicherungsverhalten nach vorausgegangenen Verlusten und Gewinnen | 43 |
| 4.3.1 | Erweiterung des Beispiels | 43 |
| 4.3.2 | Verschiebung des Referenzpunktes | 44 |
| 4.3.3 | Risikofreudiges Verhalten als Ergebnis eines wahrgenommenen Verlustes | 46 |
| 4.3.4 | Konsequenzen der Risikofreude für das Absicherungsverhalten | 47 |
| 4.3.5 | Risikoaversion in Gewinnsituationen | 50 |
| 4.3.6 | Absicherungsverhalten bei Risikoaversion | 51 |
| 4.4 | Zusammenfassung der Ergebnisse | 52 |
| 5. | Kritische Würdigung und Ausblick | 54 |
| Literaturverzeichnis | 56 |
29 teten anstatt der aktuellen Vermögensposition. Im ersten Fall weicht er von dem durch das ursprüngliche Vermögen definierten Bezugspunkt nach oben, im zweiten Beispiel dagegen nach unten ab. Die Beispiele verdeutlichen, dass die Wahrnehmung von Ergebnissen als Gewinne bzw. Verluste von der Lage des Referenzpunktes abhängig ist, von dem aus ein Individuum die Bewertung vornimmt. Die Prospect Theory impliziert somit, dass sich der Wert eines Ereignisses für ein Individuum ändern kann, wenn sich das Ereignis selbst nicht ändert, jedoch der Referenzpunkt verschoben wird. Das Referenzniveau wird aber nicht nur durch die zukünftigen Erwartungen eines Individuums beeinflusst, sondern auch durch dessen vergangene Erfahrungen.164 So weisen Kahneman und Tversky daraufhin, dass vorangegangene aber noch nicht vollständig antizipierte Verluste, Einfluss auf die Formulierung und damit Bewertung zukünftiger Entscheidungssituationen haben: Aus vorausgegangenen Verlusten oder dem Versagen einen angestrebten Gewinn zu erzielen, resultiert risikosuchendes Verhalten eines Individuums.165 [...]
3.2.5 Veränderungen des Referenzniveaus Der Referenzpunkt, anhand dessen ein Individuum die Bewertung von Handlungsalternativen vornimmt, ist keine feste Größe. Es gibt Situationen, in denen der Referenzpunkt nicht durch das aktuelle Vermögen des Entscheiders definiert wird. So können Gewinne und Verluste auch relativ zu einer erwarteten Vermögensposition bewertet werden, welche von der ursprünglichen Vermögensposition abweicht.161 Solch eine Bewertung führt nach Kahneman und Tversky beispielsweise dazu, dass ein unerwarteter Steuerabzug eines monatlichen Schecks als ein Verlust wahrgenommen wird, anstatt als reduzierter Gewinn.162 Ebenso könnte ein Unternehmer, der einen allgemeinen Konjunkturrückgang besser übersteht als seine Konkurrenten, einen kleinen Verlust bezogen auf den größeren Verlust, den er erwartet hat, als Gewinn interpretieren.163 In beiden Fällen korrespondiert der Referenzpunkt mit einer erwar157 158 159 160 161 162 163 [...]
25 kofreudig entscheiden.140 Dieses Verhaltensmuster resultiert aus einer Umkehr der Präferenz eines Entscheiders bezüglich positiven und negativen „prospects“ im Ursprung der Wertfunktion.141 Das bedeutet, dass sich das Risikoverhalten im Übergang von Gewinnen zu Verlusten umkehrt. Kahneman und Tversky bezeichnen diese Präferenzumkehr als „reflection effect“.142 Durch die s-förmige Gestalt der Wertfunktion, wird auch das Phänomen der abnehmenden Sensitivität berücksichtigt. Demnach nimmt die Wertschätzung einer bestimmten Ergebnisdifferenz mit zunehmender Entfernung vom Bezugspunkt ab.143 So erscheint beispielsweise die Wertdifferenz zwischen einem Gewinn von einhundert und zweihundert größer bzw. bedeutender zu sein, als die Differenz zwischen einem Gewinn von eintausendeinhundert und eintausendzweihundert.144 Dieses Phänomen entspricht der Erkenntnis abnehmender Grenznutzen.145 Abbildung 1 zeigt zudem, dass die Wertfunktion im Verlustbereich links vom Referenzpunkt, steiler verläuft als rechts davon im Gewinnbereich. Durch diesen Verlauf bildet die Wertfunktion eine weitere Besonderheit individuellen Entscheidungsverhaltens ab: [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832478094
Arbeit zitieren:
Rottländer, Frank Juni 2003: Das Absicherungsverhalten in Geschäftsbeziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Transaktionskostentheorie, Opportunismus, Risiko, Entscheidungsverhalten, Verlustaversion



