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Über das Abenteuer zur Kooperation

Zur Evaluation von Prozessen der Vermittlung der Schlüsselqualifikation "Kooperationsfähigkeit"

Über das Abenteuer zur Kooperation
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Oliver Wißner
  • Abgabedatum: Februar 1999
  • Umfang: 153 Seiten
  • Dateigröße: 14,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Philipps-Universität Marburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6057-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6057-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6057-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wißner, Oliver Februar 1999: Über das Abenteuer zur Kooperation, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Persönlichkeitsentwicklung, soziales Lernen, Schule, ABC, Qualifikation

Staatsexamensarbeit von Oliver Wißner

Einleitung:

Der Titel dieser Examensarbeit „Über das Abenteuer zur Kooperation zur Evaluation von Prozessen der Vermittlung der Schlüsselqualifkation ‚Kooperationsfähigkeit‘„ beschreibt das Vorhaben, durch bestimmte, initiierte Prozesse, pädagogisch wirksam zu werden und die angestrebten Veränderungen faßbar zu machen. Ziel war es, Jugendliche im Rahmen eines schulischen Projekts besser zu qualifizieren und zu integrieren. Dies sollte konzeptionell durch die Schulung von persönlichen Skills und den Erwerb von Kompetenzen erfolgen, um so die Individuen für die Führung eines gelingenden Lebens auszustatten.

Immer wieder ist in der Presse und im Gespräch mit Angehörigen von Schul- und Bildungseinrichtungen zu erfahren, daß die heutigen Jugendlichen ein großes Maß an Defiziten in „sozialen Bereichen“ aufweisen würden. Neben der Forderung nach der Entwicklung und Förderung der sozialen Fähigkeiten ihrer SchülerInnen, sieht sich die Schule u.a. durch die Migration von ausländischen Jugendlichen bedingt, verstärkt einer heterogenen Schülerschaft gegenüber, wodurch ein wachsender Integrationsauftrag entsteht.

Das breite Spektrum der Probleme erschwert eine Reduktion auf einzelne Aspekte und dennoch stellt sich für Schule die Frage, wie sie die an sie gestellte Aufgabe lösen kann.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit diesen Defiziten, versucht diese aufzuzeigen und ein wirksames Konzept zur Verbesserung der angesprochenen Fähigkeiten vorzustellen.

Einhergehend mit dieser Forderung nach sozialen Kompetenzen drängen sich bestimmte Begriffe, wie z.B. die der Schlüsselqualifikationen auf, welche ich auf Grund ihrer dehnbaren Bedeutung schon fast als Metapher bezeichnen möchte. Als Beispiele sind hier zu nennen: Kooperationsfähigkeit, Problemlösefähigkeiten, vernünftiger und sinnvoller Umgang mit Ressourcen, soziales Engagement und Kommunikationsfertigkeiten.

Was ist aber nun konkret mit diesen „Kompetenzen“ und „Verhaltensweisen“ gemeint? Auf welchen Grundlagen beruhen sie und welche Normen obliegen ihnen? Wenn Normen angebracht sind, so stellt sich die Frage, von wem sie aufgestellt werden, welche Akzeptanz sie besitzen und letztlich wer sie überhaupt befolgt.

Die Detektion von Verhaltensdispositionen und der Beitrag der ABC-Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung stellten den Kern der Evaluationsbemühungen dar.

Ausgangspunkt für die Überlegungen war die Bestimmung einer exemplarisch ausgewählten Schlüsselqualifikation als Untersuchungsgegenstand. Unter diesem Gesichtspunkt wurde eine zentrale Schlüsselqualifikation, die Kooperation, als Schwerpunkt der Evaluation bestimmt.

Diese Fähigkeit wurde nicht zufällig aus dem Kanon der Schlüsselqualifikation ausgewählt, sondern aus ihrer grundlegenden Bedeutung für die produktive, gemeinsame Auseinandersetzung einzelner in einer Gruppe.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Einführung, oder warum ein Konzept zur Förderung von Persönlichkeitsentwicklung? 7
2.1 Achte Klasse, Gesamtschule 8
2.2 Neunte Klasse, Berufsschule 11
2.3 Fazit 13
3. Vergleich der eigenen Einschätzung der Problemlage der Jugendlichen zweier ausgewählter Schulklassen mit anderen Untersuchungen 14
3.1 Das Konzept der Schlüsselqualifikationen 16
3.1.1 Kategorien berufsübergreifender Qualifikationen 17
3.2 Berufliche Ausbildung und Arbeitsmarkt 18
3.2.1 Berufliche Handlungsfähigkeit 19
3.3 Schule 21
4. Auswahl einer bestimmten Schlüsselqualifikation: Die Kooperation und ihre Defintion 24
5. Verknüpfung des Konzepts „Schlüsselqualifikationen“ mit dem Lernen aus Erfahrung durch das Abenteuer 27
5.1 Lernen aus Erfahrung 27
5.1.1 Lernmodell zum Lernen aus Erfahrung 28
5.1.2 Adventure Based Counseling 30
5.1.2.1 Programmbestandteile des ABC-Konzepts 32
5.1.2.2 Die Transferebene: ABC-Reflexionsmodelle 34
5.2 Zusammenhang zwischen dem ABC - Modell und dem „Lernen aus Erfahrung“ 39
6. Verknüpfung der Problemlage der Jugendlichen mit dem Lernangebot über das Abenteuer 43
6.1 Abenteuerspiele oder auch Problemlöseaktivitäten mit kooperativen Charakter 45
7. Evaluation zweier Erlebnis- und Abenteuerkurse im Rahmen des Migrationsprojektes des bsj vom 12.03.98 - 17.07.98 47
7.1 Einführung in das Projekt und in die Vorgehensweise 47
7.2 Beschreibung der beiden Schulklassen 48
7.2.1 Gesamtschule Georg-Büchner-Schule Stadtallendorf 48
7.2.2 Berufsschule Biedenkopf 49
7.3 Gegenstand der Untersuchung und eingesetzte Mittel 49
7.3.1 Evaluationsmittel 50
7.3.1.1 Fragebogen „Wettkampf und Kooperation“ 50
7.3.1.2 Arbeitsblatt Gruppenprofil 52
7.4 Umfang und Dauer der Maßnahme 52
8. Maßnahme Georg-Büchner-Schule, Stadtallendorf 53
8.1 Überblick (Didaktisch-Methodische Überlegungen) 53
8.2 Protokoll (teilnehmende Beobachtung) 56
8.2.1 Stundenverlauf 57
8.2.2 Untersuchung Georg-Büchner-Schule: Konkurrenzverhalten 79
8.2.2.1 Interpretation der Zunahme von Konkurrenz 82
8.2.3 Untersuchung Georg-Büchner-Schule: Kooperationsverhalten 87
8.2.3.1 Entwicklung der Kooperationsfähigkeit 88
8.2.4 Betrachtung der Subkategorien 94
8.2.5 Auswertung des Reflexionsbogens zum Gruppenprozeß: Gruppenprofil Georg-Büchner-Schule 99
8.2.6 Die Disparitäten zwischen den Nationalitäten 100
8.3 Abschließende Betrachtung der Klasse 101
9. Berufsschule Biedenkopf, Biedenkopf 103
9.1 Überblick (Didaktisch-Methodische Überlegungen) 103
9.2 Protokoll Berufsschule Biedenkopf, Biedenkopf 104
9.3 Besondere Probleme 128
9.4 Der Gruppenprozeß 129
9.4.1 Gruppenprofil 131
10. Resümee 132
10.1 Kritik an den eingesetzten Spielen 132
10.2 Inhaltliche Ergebnisse 133
10.3 Kritik an den Instrumenten der Evaluation 137
10.4 Organisatorische Aspekte 138
11. Ausblick 140
12. Literatur 141
13. Anhang 144

Automatisiert erstellter Textauszug:

„Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, daß man in einer bestimmten Situation die angemessene Leistung erbringen kann. Das Gefühl einer Person bezüglich ihrer Fähigkeiten beeinflußt ihre Wahrnehmung, ihre Motivation und ihre Leistung auf vielerlei Weise.“ (Zimbardo, P. G., 1988, S. 423). „Eine Person, die annimmt, daß es sich nicht lohnt zu reagieren, weil sie nur ein geringes Gefühl der Selbstwirksamkeit verspürt, muß Kompetenzen entwickeln, die ihre eigene Wahrnehmung der Selbstwirksamkeit stärken. Andererseits bedarf es dort, wo die Neigung, aufzugeben, durch Erwartungen an die Resultate begründet ist, möglicherweise die Umwelt und nicht die Person einer Veränderung, so daß tatsächlich auf kompetente Reaktionen auch Verstärkung folgen kann.“ (Zimbardo, P. G., 1988, S. 424). [...]

So wurde in diesem Sinne Leistung gefordert und auch gebracht, was für den einzelnen durchaus überraschend gewesen sein mag. Es wurden Situationen gemeistert, von denen die meisten dies nicht erwartet hätten (siehe Protokoll Islands, The wall). Auf diesem Wege wurde die Möglichkeit geschaffen, sich selbst und die Gruppe als leistungsfähig zu erleben, ohne die Verantwortung abzugeben. Diese Verantwortungsund Aufgabenübernahme bedeutete aber, einen Schritt aus dem „Kollektiv“ herauszumachen und eigenständig zu handeln. Ein Handeln, wenn es denn ein wirkliches Handeln und nicht nur ein Verharren in der Gemeinschaft ist, wird somit erst durch die Handlungs- und Leistungsbereitschaft der einzelnen Mitglieder der Gruppe möglich. Eine Schulung der Selbstwirksamkeit37, was den Umgang mit Erfolg und Mißerfolg in bezug auf persönliche Leistung beschreibt, wird durch die oben beschriebenen Praxismaßnahmen gefördert und entspricht dem Gedanken der Entdeckung der eigenen Rolle und individuellen Fähigkeiten in der Auseinandersetzung mit der Umwelt. [...]

vorgestellt, mündeten aber kaum in Diskussionen (siehe S. 72 und 76, The wall, Das Spinnennetz). Ganz allgemein konnte von fehlenden Planungskompetenzen und einem gewissen Mangel an Leistungsbereitschaft gesprochen werden. Kooperation im Sinne der oben genannten Definition (Punkt 4), als Koordination und Konsensbildung einzelner Zielvorstellungen mit dem Ziel des gemeinsamen Handelns, wurde somit nur bedingt erreicht, da sich die Gruppe die entsprechenden Fähig- und Fertigkeiten zu einer entsprechenden Vorgehensweise erarbeiten mußte. So waren Lernfortschritte zu beobachten, gleichzeitig wurden die Probleme bei der Bearbeitung der Aufgabenstellung deutlich (siehe Punkt 8.1, Probleme), welche sich negativ auf die Qualität der Kooperation bemerkbar machten. Als weitere Voraussetzung für Kooperation gilt nach dieser Definition die Koordination, welche u.a. die deutliche Herausstellung und Benennung der divergierenden Zielvorstellungen und kognitiven Grundstrukturen benennt, um diese in ihren Wechselwirkungen zu erörtern. Diese Definition erfordert u.a. als Grundvoraussetzung ein Mindestmaß an Kommunikationsfähigkeit, um diesem Ziel gerecht werden zu können. Koordination und Kooperation fordern in ihrer Grunddefinition den einzelnen dazu auf, einen Standpunkt einzunehmen und seine Ansprüche und Zielvorstellungen zu formulieren. Die Änderungen bzw. die Erarbeitung der Lösungen wurde überwiegend durch die Klasse als eine Art „Kollektiv“ während der Aktion erarbeitet. Ein offener Austausch von Einzelmeinungen, wie er oben vorausgesetzt wird, fand nur bedingt statt. Aus diesen Umständen heraus entwickelte sich der bereits erwähnte Eindruck, daß eine Art von Gruppenzwang vorhanden war, wodurch einzelne dazu neigten, sich zurückzuziehen und ihre Verantwortung, nämlich eigene Lösungsvorschläge zu entwickeln und zu benennen, an die Gruppe abzugeben. So oblag es einigen wenigen, aktiv zu werden und die Lösung der Aufgabe in Angriff zu nehmen. Die Leistungsfähigkeit der Gruppe beschränkte sich daher, im Sinne von Beiträgen zu Lösungsversuchen, zunächst nur auf einen Teil der Klasse. An dieser Stelle setzten nun die Praxismaßnahmen des Projektes an. Die Aktivitäten und ihre Aufgaben waren so strukturiert, daß sie nur durch eine angemessene Leistung der gesamten oder doch des größten Teils der Gruppe gelöst werden konnten. Die Situationen forderten den einzelnen persönlich, wie auch dessen Agieren in der Gruppe und konnten gewiß nicht durch bloßes „Aussitzen“, sprich durch Inaktivität gelöst werden. [...]

Arbeit zitieren:
Wißner, Oliver Februar 1999: Über das Abenteuer zur Kooperation, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Persönlichkeitsentwicklung, soziales Lernen, Schule, ABC, Qualifikation

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