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ADHS und entsprechende Lernbedingungen

ADHS und entsprechende Lernbedingungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Dörte Kiesbye
  • Abgabedatum: Januar 1996
  • Umfang: 109 Seiten
  • Dateigröße: 5,5 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ev. Fachhochschule für Sozialpädagogik des Rauhen Hauses Deutschland
  • Originaltitel: Das leicht hirnfunktionsgestörte Kind im Kontext entsprechender Lernbedingungen
  • Bibliografie: ca. 36
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2134-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kiesbye, Dörte Januar 1996: ADHS und entsprechende Lernbedingungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Hirnfunktion, Lernstörung, ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit, Lernbedingung

Diplomarbeit von Dörte Kiesbye

Einleitung:

Kinder leben heute unter gesellschaftlichen Lebensbedingungen, die immer mehr durch Medien, Gewalt, Werteverfall und eine kinderfeindliche Umwelt geprägt sind. Die Suche nach den Ursachen und Wirkungsmechanismen von Verhaltensstörungen ist daher zu einer notwendigen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aufgabe geworden. Eine der Ursachen ist eine leichte Funktionsstörung des zentralen Nervensystems (MCD= minimale cerebrale Dysfunktion).

Kinder, die diese Hirnfunktionsstörung aufweisen, habe als Grundproblem Wahrnehmungsstörungen. Dies ist eine Aussage, die in der einschlägigen Literatur als Leitgedanke zu finden ist. Die Störung besteht in der Unfähigkeit, die Sinnesimpulse im Gehirn richtig zu verarbeiten. Und sie besteht in der Störung von Programmsteuerungsprozessen, einer verzögerten Reifung des Sozialverhaltens und weiterer psychischer und evtl. vegetativer Funktionen. Da nur einige Abschnitte ihres Nervensystemsungeordnet und unregelmäßig funktionieren, andere hingegen normal, wird das Problem als minimal bezeichnet.

Weil diese Kinder auf einigen Gebieten gute bis überdurchschnittliche Leistungen erbringen, werden sie als normal angesehen, und diese Tatsache wird als Beweis dafür genommen, dass sie können, aber nicht wollen. Auch der Umstand, dass Zeiten sozialer Angepasstheit mit Phasen wechseln, in denen erhebliche Verhaltensstörungen im Vordergrund stehen (in Belastungssituationen mit hohen Leistungsanforderungen), wird in diesem Sinne interpretiert. Auf diese Weise erfahren sie oft demoralisierende Ablehnung, anstatt therapeutische Hilfe. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, indem die großen Schwierigkeiten dieser Kinder noch verstärkt werden. Das geschieht durch das unwissende Verhalten der Mitmenschen, die nicht adäquat reagieren können.

Bereits die Beschreibung der leichten Hirnfunktionsstörung (MCD) wird dadurch erschwert, dass sich das typische Bild erst aus der Summe der einzelnen Symptome zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Jedes Kind weist seine eigene Symptomatik auf, sie ist sehr unterschiedlich und nicht das eigentliche Problem. Beträchtliche Unterschiede bestehen in der Differenziertheit, mit der die einzelnen Autoren das Problem bearbeiten. Ursachen und Erscheinungsbild werden häufig unterschiedlich beschrieben, bewertet und definiert. Das Konzept der minimalen cerebralen Dysfunktion (MCD) wird von verschiedenen wissenschaftstheoretischen Standpunkten aus betrachtet (u.a. von der Hirnphysiologie, Psychopathologie, Neuropsychologie). Neben dem Begriff der MCD bestehen noch etliche weitere, die zur Verwirrung auch unter Fachleuten führen können.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, warum Fachkräfte, wie Kinderärzte, Lehrer, Sozialpädagogen, Erzieher, Psychologen und andere Menschen der Umwelt so wenig über diese häufig auftretende Hirnfunktionsstörung, mit teilweise erhebliche sozialen Folgen, informiert und interessiert zu sein scheinen.

Meine Erkenntnis, dass die sozialen Auswirkungen des auffälligen Verhaltens für MCD-Kinder das größte Problem darstellen und sie vorwiegend aufgrund der allgemeinen Unkenntnis über diese Erscheinung ins Abseits geraten, war letztlich der Antrieb für die vorliegende Diplomarbeit, fundiert durch einen reichen Erfahrungsschatz, der sich mittlerweile, aufgrund persönlich erlebter Umstände, seit einigen Jahren täglich angesammelt hat.

Auch die Tatsache, dass ich während meiner frühen beruflichen Tätigkeit im Vorschulbereich den MCD-Kindern, aufgrund der damals bestehenden Unwissenheit, bedauerlicherweise nicht die notwendige, berechtigte und spezifische Aufmerksamkeit schenken konnte, stimmt mich heute noch betroffen.

Durch meine täglichen Erlebnisse rückte für mich die Frage, ob MCD eine psychosomatische Erscheinung bzw. hirnorganische Einschränkung ist, immer mehr in den Mittelpunkt.

Wird die Entwicklung der Menschheit in den Industrieländern in diesem Jahrhundert aus medizinisch-ökologischer Sicht betrachtet, zeigen sich auffallende zeitliche Parallelen zwischen der Änderung der Ernährungsweise, der stets steigenden Umweltverschmutzung, der zunehmenden Häufigkeit von Allergien und der Zunahme von Verhaltensstörungen. Herauszufinden gilt es, einen möglichen Zusammenhang bzw. einen gemeinsamen Faktor herauszustellen.

Das führende Symptom der MCD sind die Schulschwierigkeiten. Oftmals wird das Ausmaß der Störung erst in der Schule erkannt. Der Lehrer weiß in der Regel keine Bezeichnung bzw. hat keine Erklärung für die ihm vorliegende Störung und ist mit anderen Worten genauso wenig informiert wie die Allgemeinheit. Darum hat er keine Möglichkeiten auf das Kind adäquat zu reagieren, was in nicht seltenen Fällen skandalöser weise zur Sonderschulbedürftigkeit des Kindes führt. Gibt es keine Möglichkeiten, hirnfunktionsgestörten Kindern in der Vorschul- und Schulzeit mehr Zeit und vor allem mehr Raum für ihre Entfaltung zu lassen? Warum setzt die Früherkennung nicht rechtzeitig ein? -So lauten weitere zentrale Frage in der vorliegenden Arbeit, auf die Antworten gesucht werden.

Um Antworten auf gestellte Fragen erhalten zu können, ist vor allem die Vermittlung von Wissen notwendig, damit die bestehenden Defizite zum Thema ausgeräumt werden können. Aus genanntem Grunde beinhaltet die vorliegende Diplomarbeit eine unfassende Vermittlung von Grundwissen über die MCD. Dazu gehört im Besonderen auch, die neuralen Prozesse im zentralen Nervensystem zu verstehen, sowie die Wahrnehmungsstörungen (intra-, intermodaler und serieller Art) zu begreifen. Über diesen Weg kann die Brücke zum Verständnis für das Kind und die notwendigen Lernbedingungen, die es in der Schule benötigt, geschlagen werden.

Mein Anliegen ist es, das Verstehen der Umwelt, insbesondere der Lehrer, zum Thema zu fördern, sowie Aufklärung zu geben. Die Funktion des Sozialpädagogen ist für dieses Vorhaben hervorragend geeignet, seine Handlungsmöglichkeiten wird ich aufzeigen.

Denn immer mehr Kinder haben Verhaltens- und Lernstörungen. Behandelt werden könne sie nur über einen ganzheitlichen Ansatz, der über das Denken in Ursache-Wirkungs-Zusammenängen hinausgeht und den ganzen Menschen in seinem Lebensumfeld umfasst. Die Verbesserung der Lernbedingungen in der Schule steht dabei im Vordergrund, damit die Kinder Vertrauen in ihre Fähigkeiten und Spaß am Lernen entdecken können.

Ich beschäftige mich mit den individuellen Fähigkeitsdefiziten normalbegabter Kinder mit einer leichten Hirnfunktionsstörung. Aufzeigen werde ich die Situation, den Leistungsprozess, die Ursachen, die Behandlungsmöglichkeiten und die entsprechenden Umweltbedingungen, um so Präventionen und Interventionen für Schüler, Lehrer, Sozialpädagogen, Schule, Eltern und Erzieher aufzeigen zu können.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 4
Teil 1: Grundlagenwissen über MCD 7
1.1 Begriffserklärung 8
1.1.1 Auseinandersetzung mit dem Begriff MCD 10
1.2 Das zentrale Nervensystem 11
1.3 Biologische Aspekte frühkindlicher Entwicklung 15
1.4 Der Symptomenkomplex des frühkindlichen psychoorganischen Syndroms 17
1.4.1 Minimale cerebrale Dysfunktion 18
1.4.2 Unterscheidung der Primär- und Sekundärsymptome 19
1.4.3 Wahrnehmungsstörungen 21
1.4.3.1 intramodaler, intermodaler, serieller Art 22
1.4.4 Motorische Störungen 26
1.4.5 Aktivitäts- und Antriebsstörungen 27
1.4.6 Sprachstörungen 28
1.4.7 Vegetative Störungen 29
1.4.8 Frühe Mutter-Kind-Beziehung und Neurose 30
1.5 Entstehungsfaktoren 33
1.5.1 Prä-, peri-, postnatale Risikofaktoren 34
1.5.2 Genetische Ursachen 35
1.5.3 Biochemische Veränderungen 36
1.5.4 Nahrungsmittel und Verhalten 38
1.5.5 Umwelteinflüsse 40
1.6 Folgen 43
1.6.1 Hyperaktivität 44
1.6.2 Affektiv-emotionale Störungen 46
1.6.3 Störungen des Sozialverhaltens 48
1.6.4 Lern- und Leistungsstörungen 49
1.6.4.1 Konzentrationsschwäche 50
1.6.4.2 Lernleistungsdefizite und Folgesymptome 51
1.6.4.3 Das veränderte Arbeitsverhalten 54
1.6.5 Positivliste der Eigenschaften 55
1.7 Behandlungsmöglichkeiten 56
1.7.1 Diagnose und Therapien von Wahrnehmungsstörungen 58
1.7.1.1 Die vier Ebenen der Integration 59
1.7.1.2 Das sensorische Integrationstraining 64
1.7.2 Bewegungstherapien 66
1.7.3 Medikamentöse Therapie 68
1.7.4 Spiel- und Psychotherapie 70
Teil 2: Pädagogische Konsequenzen 73
2.1 Aufgaben der Frühförderung 74
2.1.1 Zusammenarbeit beteiligter Fachdisziplinen 76
2.1.2 Frühdiagnose-Frühbehandlung 79
2.1.3 Beratung der Eltern 81
2.1.4 Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit 83
2.2 Arbeitsfeldbeschreibung und Handlungsmöglichkeiten des Sozialpädagogen 84
2.3 Notwendige Lernbedingungen 86
2.3.1 Strukturierung der Umwelt 88
2.3.2 Wahl der Lehrer 89
2.3.3 Umweltreize 90
2.3.4 Das Programm 91
2.3.5 Spezielle Förderung in den Schulfächern 92
2.3.6 Grundsätzliche Überlegungen (Denkanstöße von F. Vester) 94
2.3.7 Kinesiologie für Lehrer und Kinder 97
2.4 Schule als Lebensressource – integrative Ansätze 99
2.5 Persönliche Stellungnahme aus Sicht einer Mutter 102
2.6 Schlußbetrachtung 104
Literaturverzeichnis 106

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Arbeit zitieren:
Kiesbye, Dörte Januar 1996: ADHS und entsprechende Lernbedingungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Hirnfunktion, Lernstörung, ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit, Lernbedingung

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