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9/11 Fiktive Realität

Authentizität und Manipulation im dokumentarischen Film

9/11  Fiktive Realität
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Danny Jaksch
  • Abgabedatum: Juli 2009
  • Umfang: 228 Seiten
  • Dateigröße: 966,0 KB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
  • Bibliografie: ca. 50
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0393-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jaksch, Danny Juli 2009: 9/11 Fiktive Realität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Dokumentarfilm, Michael Moore, 911, Authentizität, Manipulation

Bachelorarbeit von Danny Jaksch

Einleitung:

9/11 - ein Datum oder vielmehr schon ein Symbol aus Zahlen, das mit einem Ereignis verbunden ist, welches viele Dinge auf unserer Welt verändert hat. Ereignisse, an die sich die meisten von uns immer erinnern werden. Vor allem aber die Amerikanischen Bürger. Michael Moore stellt durch seinen Film ‘Fahrenheit 9/11’ den Versuch dar, zu durchleuchten, welche Ereignisse mit dem Tag der Anschläge auf das World Trade Center verbunden sind. Dabei nimmt er in polemisierender Weise George W. Bush unter die Lupe und zeigt Ursache und Wirkung des Irak-Krieges. Moore wollte mit seinem Film in dessen Erscheinungsjahr allerdings mehr als nur Fakten darstellen. Vielmehr erhoffte er sich, einen Beitrag zur Niederlage George W. Bushs, bei den damals anstehenden Präsidentschaftswahlen im Jahr 2004 zu leisten. Die Frage nach dem Ausgang seines Vorhabens wurde durch die Geschichte bereits beantwortet, offen bleibt jedoch, ob dieses Mittel legitim war oder nicht, da Moore sich durch seinen Film, dem Vorwurf von Subjektivität, Manipulation und Propaganda schuldig machte.

Der Titel des Films ‘Fahrenheit 9/11’ bezieht sich auf den Film ‘Fahrenheit 451’ von François Truffaut aus dem Jahr 1966. Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei welcher Papier entflammt. In einem zukünftigen totalitären Staat in dem Bücher verboten sind, werden TV-Apparate zum Mittelpunkt des Alltags und zum Sprachrohr des Regimes, welches die Menschheit unterjocht hat. Was Truffaut als düstere Zukunftsvision bereits 1966 darstellt, ist dabei längst Realität geworden. Die Medien sind allgegenwärtig und geben uns täglich ein Bild von der Welt, von dem wir glauben, es handele sich um die Realität. Auch scheinen sie uns in unserem Denken über diese Welt zu kontrollieren. Daher bleibt auch den Medien der Vorwurf der Manipulation nicht erspart.

Das Anliegen der vorliegenden Arbeit ist es, zu ergründen, welche Entwicklung das dokumentarische Genre, als Teil der Medien, in seiner Entwicklung durchgemacht hat und welchen Konventionen es unterliegt.

Der Film ‘Fahrenheit 9/11’, welcher dem Format Dokumentarfilm zugeordnet wird, und somit Teil des dokumentarischen Genres ist, scheint sich laut den Vorwürfen, genau derselben Mittel zu bedienen, wie die Medien selbst. Jedoch hat ein Dokumentarfilm im eigentlichen Sinne einen völlig anderen Anspruch. Er soll Wahrheit vermitteln.

Dokumentarfilme sollen laut Literatur die vorgefundene Realität des abgebildeten Objekts möglichst wirklichkeitsnah darstellen und in ihrer Faktizität einen Wahrheitsanspruch haben. Dass dem nicht immer so ist, zeigt der Dokumentarfilm ‘Fahrenheit 9/11’ von Michael Moore, welcher das zentrale Element der vorliegenden Thesis darstellt. Thema des Films sind die Ereignisse und Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York, sowie die Hintergründe des Irak-Kriegs. Moore muss dem Vorwurf entgegentreten, in seinem Film, einen zu großen subjektiven Einfluss eingebracht und ihn zu einem propagandistischen Werkzeug gemacht zu haben. Rechtfertigen kann er dieses Mittel in seinen Augen damit, dass er um jeden Preis eine Wiederwahl George W. Bushs im Jahr 2004 verhindern wollte.

Mittels einer systematischen Filmanalyse wird untersucht, ob und inwiefern sich die Vorwürfe von Inszenierung, Subjektivität und Manipulation rechtfertigen lassen, oder ob dem Film ‘Fahrenheit 9/11’, entgegen aller Kritik, Wahrheit und somit Authentizität zugesprochen werden kann. Im Vorfeld dazu erfährt der Leser im ersten Teil der Thesis, welcher theoretische und geschichtliche Hintergrund dem Dokumentarfilm zukommt und erlangt dadurch ein Grundverständnis für das dokumentarische Genre. Dabei wird gezeigt, dass der Dokumentarfilm schon immer die Manipulation implizierte und besonders zu Zeiten der beiden Weltkriege für Propagandazwecke missbraucht wurde.

Auch den Medien, besonders dem Fernsehen, kann Inszenierung und Manipulation vorgeworfen werden. Das Fernsehen umgibt den Alltag der Menschen und zeigt ihnen eine Welt, von der sie glaubt, real zu sein. In diesem Spannungsfeld wird das dokumentarische Genre im zweiten Teil der Thesis, in seiner Rolle als Kommunikationsmittel im Fernsehen, auf manipulative Strukturen hin untersucht. Außerdem werden die Formate des heutigen dokumentarischen Fernsehens aufgezeigt und in ihrer Funktion erläutert.

Dokumentarfilme sollen laut Literatur die vorgefundene Realität des abgebildeten Objekts möglichst wirklichkeitsnah darstellen und in ihrer Faktizität einen Wahrheitsanspruch haben. Dass dem nicht immer so ist, zeigt der Dokumentarfilm ‘Fahrenheit 9/11’ von Michael Moore, welcher das zentrale Element der vorliegenden Thesis darstellt. Thema des Films sind die Ereignisse und Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York, sowie die Hintergründe des Irak-Kriegs. Moore muss dem Vorwurf entgegentreten, in seinem Film, einen zu großen subjektiven Einfluss eingebracht und ihn zu einem propagandistischen Werkzeug gemacht zu haben. Rechtfertigen kann er dieses Mittel in seinen Augen damit, dass er um jeden Preis eine Wiederwahl George W. Bushs im Jahr 2004 verhindern wollte.

Mittels einer systematischen Filmanalyse wird untersucht, ob und inwiefern sich die Vorwürfe von Inszenierung, Subjektivität und Manipulation rechtfertigen lassen, oder ob dem Film ‘Fahrenheit 9/11’, entgegen aller Kritik, Wahrheit und somit Authentizität zugesprochen werden kann. Im Vorfeld dazu erfährt der Leser im ersten Teil der Thesis, welcher theoretische und geschichtliche Hintergrund dem Dokumentarfilm zukommt und erlangt dadurch ein Grundverständnis für das dokumentarische Genre. Dabei wird gezeigt, dass der Dokumentarfilm schon immer die Manipulation implizierte und besonders zu Zeiten der beiden Weltkriege für Propagandazwecke missbraucht wurde.

Auch den Medien, besonders dem Fernsehen, kann Inszenierung und Manipulation vorgeworfen werden. Das Fernsehen umgibt den Alltag der Menschen und zeigt ihnen eine Welt, von der sie glaubt, real zu sein. In diesem Spannungsfeld wird das dokumentarische Genre im zweiten Teil der Thesis, in seiner Rolle als Kommunikationsmittel im Fernsehen, auf manipulative Strukturen hin untersucht. Außerdem werden die Formate des heutigen dokumentarischen Fernsehens aufgezeigt und in ihrer Funktion erläutert.

Inhaltsverzeichnis:

I. INHALTSVERZEICHNIS 1
II. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 5
III. ABBILDUNGSVERZEICHNIS 5
1. Einleitung 11
1.1 These 12
1.2 Gliederung 12
2. Theorie, Aufgabe und Historie des Dokumentarfilms 15
2.1 Theorie des Dokumentarfilms 15
2.1.1 Zeichen, Kodes, Text 15
2.1.2 Bild 17
2.1.3 Raum und Zeit 19
2.1.4 Realität und Wirklichkeit 20
2.1.5 Die Realitätsebenen des Dokumentarfilms 22
2.1.6 Authentizität 23
2.1.7 Fiktion vs. Nonfiktion 25
2.1.8 Wahrheit 27
2.2 Aufgabe des Dokumentarfilms 30
2.2.1 Der Weg vom Kino zum Fernsehen und zurück 31
2.2.2 Einflussfaktoren bei der Entstehung eines Dokumentarfilms 31
2.3 Historie des Dokumentarfilms 34
2.3.1 Die Anfänge 34
2.3.2 Propaganda im Zweiten Weltkrieg 38
2.3.3 Technische Revolution in den 1960ern 40
2.3.3.1 Direct Cinema 41
2.3.3.2 Cinèma Véritè 42
2.3.4 Die Krise des Dokumentarfilms 43
2.3.5 Der Dokumentarfilm seit den 1990ern 44
3. Das dokumentarische Genre des Fernsehens 47
3.1 Der Text des Fernsehens 49
3.2 Die Funktionen des Fernsehens 50
3.3 Die Konstruktion von Wirklichkeit durch die Medien 51
3.4 Gegenwärtige dokumentarische Formate 53
3.4.1 Meldung 54
3.4.2 Bericht 54
3.4.3 Reportage 54
3.4.4 Magazinbeitrag 55
3.4.5 Doku-Drama 56
3.4.6 Fake-Doku 56
3.4.7 Reality-TV 56
3.4.8 Doku-Soap 58
3.5 Dokutainment und Infotainment 59
3.6 Manipulation im dokumentarischen Genre 61
3.6.1 Fernsehen als Medium der sozialen Manipulation 61
3.6.2 Manipulation und Fiktionalisierung im dokumentarischen Film 63
4. Systematische Analyse des Dokumentarfilms Fahrenheit 9/11 73
4.1 Beschreibung der Untersuchung 73
Abbildung 3 - Idealmodell der Untersuchungsbereiche 74
4.1.1 Filmrealität 74
4.1.1.1 Authentisierungsstrategien 74
4.1.1.2 Inszenierungsstrategien 75
4.1.2 Bedingungsrealität, Bezugsrealität, Wirkungsrealität 76
4.1.4 Untersuchungsgegenstand 77
4.1.5 Filmprotokoll 77
4.2 Explizite Inhaltsangabe des Films 79
4.2.1 Filmdaten 95
4.2.2 Hintergrundinformationen 95
4.2.3 Michael Moore 96
4.3 Auswertung der Analyse nach den beschriebenen Verfahren 98
4.3.1 Authentisierungsstrategien auf visueller Ebene 98
4.3.2 Authentisierungsstrategien auf sprachlicher Ebene 104
4.3.3 Inszenierungsstrategien 107
4.3.4 Spuren der offensichtlichen Inszenierung und Manipulation 113
4.5 Erkenntnisse aus der Analyse 118
5. Fazit 121
IV. LITERATURVERZEICHNIS 129
V. LEGENDE DES FILMPROTOKOLLS 132
FILMPROTOKOLL DES DOKUMENTARFILMS FAHRENHEIT 9/11 134

Textprobe:

Kapitel 3.6, Manipulation im dokumentarischen Genre:

Manipulation (lat.), kunstgerechte Handhabung, Anwendung der nötigen Handgriffe, insbes. bei heilkünstlerischen Verrichtungen; Verfahren, Geschäftskniff. Manipulieren, handhaben, M. vornehmen.

Im heutigen Begriffsverständnis versteht man unter Manipulation allgemein die gezielte und verdeckte Einflussnahme auf Menschen. Sie sollen also ohne ihr Wissen in ihrem Erleben und Verhalten gesteuert werden. Manipulation findet auf vielen Ebenen statt. So gibt es neben politischer, religiöser und ethnischer Manipulation auch die Manipulation durch Unternehmen, speziell in den Medien durch Werbung, aber auch in Form von Agitation und Propaganda. Letztere Formen sind oder waren vor allem in Nationen mit staatlich gelenkten Medien und eingeschränkter oder verwehrter Pressefreiheit, wie etwa im Dritten Reich, der DDR, Russland oder in China vertreten.

Fernsehen als Medium der sozialen Manipulation:

‘Wer vom Fernsehen Unterhaltung erwartet, erwartet Manipulation. Nur manipuliert kann Fernsehen unterhalten’.

Das Fernsehen ist uns als Medium so vertraut, dass wir es kaum als solches wahrnehmen, sondern ihm blind vertrauen, die Informationen nicht mehr kritisch von außen betrachten und filtern, sondern uns voll und ganz in diese Welt aufsaugen lassen. Nur die wenigsten Zuschauer blicken mit einem kritischen Auge auf das, was sie vorgesetzt bekommen. Mit einem Knopfdruck auf der Fernbedienung, gewinnt das Fernsehen deshalb seine schleichende Gewalt über uns. Doch das Fernsehen ist ein, wenn nicht sogar das Medium der Manipulation und genau an dem Punkt unserer Schwäche dem Medium Fernsehen tatsächlich blind zu vertrauen, setzen die Macher an, um Manipulation auszuüben.

‘Die Massenmedien gelten in politischer Hinsicht, in Form von Propaganda, sowie in ökonomischer Hinsicht, in Form von Werbung, als sicheres Mittel, die Menschen zu manipulieren’.

Dabei macht es sich das Fernsehen zum Vorteil, dass es nicht auf den einzelnen Zuschauer abzielen muss, sondern immer ein Millionenpublikum erreicht. Dies macht das Fernsehen letztendlich zum Medium sozialer Manipulation. Fernsehen dient in der Gesellschaft nicht zuletzt auch als Mittel zur Kommunikation. Sport, Filme oder Shows sind gern Gesprächsthema unter den Menschen, doch wer es nicht gesehen hat, kann nicht mitreden und wird durch einen Rollenabstieg innerhalb der Gruppe bestraft. Besonders Menschen mit Ich-Schwäche und Desorientiertheit, nichtzentrierten Menschen, die sich mit sich selbst uneins sind und Bewusstes von Unbewusstem kaum unterscheiden können, scheinen dem Manipulationsmedium besonders zu verfallen. Das Fernsehen ist aber nicht nur inhaltliche Manipulation, sondern auch Selektion, denn das wirklich wichtig zu Zeigende wirkt auf den heutigen Zuschauer fad, zu kompliziert und unschockierend. Deshalb vermittelt es uns nur das was sensationell, was einfach ist, oder es verpackt das langweilige Wichtige in ein Gewand der Inszenierung, um dieses zu dramatisieren und den Showeffekt zu erzielen.

‘Zwischen Manipulatoren und Manipulierten besteht eine Gegenseitigkeitsrelation: der eine ist nicht ohne den andern, und der eine reproduziert nur als seine selbständige Ansicht, was der andere ihm aufnötigt, wobei der andere nur aufnötigt, nach was dem einen gelüstet’.

Nachrichten vermitteln dem Zuschauer die wichtigsten Informationen des Tages. Auch hier stellt sich heraus, dass das Fernsehen eine Vorauswahl der angeblich wichtigsten Informationen für den Zuschauer trifft, eine soziale Manipulation insofern, als dass sich in der Gruppe nur über einen Teil dieser Ereignisse diskutiert wird und weggelassene Ereignisse gar nicht mehr auffallen.

Oft vergisst man dabei auch, dass die Medienkonzerne oftmals gleich mehrere Medien, wie Fernsehen, Radio und Printmedien, parallel kontrollieren. Auffällig ist dies besonders bei den Nachrichtensendungen im Fernsehen, wo zu beobachten ist, dass die gleichen Berichte über verschiedene Sender verteilt sind. Beispielsweise entsprechen die Nachrichten des Senders RTL auch denen der Sender VOX, n-tv oder RTL2, was darauf zurückzuführen ist, dass sie alle der RTL Group angehören.

Die Medien rechtfertigen die Notwendigkeit von Manipulationen im Übrigen damit, dass sie in kurzer Zeit möglichst viele Informationen verarbeiten müssen. Dabei werden aus Zeit- und Geldmangel oftmals Bilder aus dem Archiv geholt und dem Thema zugeordnet. Doch hier passiert die eigentliche Manipulation bzw. Irreführung, denn der gesprochene Text der über diese alten Bilder gelegt wird, veranlasst den Fernsehzuschauer dazu, den Text mit dem Bild zu verbinden. Der Inhalt der Information mag zwar annähernd der Wahrheit entsprechen, der Wirklichkeit entspricht er aber nicht. So vermischen sich Fakten und Fiktion, was entsteht ist Infotainment.

Manipulation und Fiktionalisierung im dokumentarischen Film:

In den vorangegangenen Kapiteln wurde bereits die Wirklichkeitskonstruktion durch die Medien angesprochen. So stellen die Einflüsse der Anwesenheit eines Kamerateams beim Dreh, die Selektion von Filmmaterial und Information, das bewusste Weglassen bestimmter Sachverhalte usw. immer eine Manipulation gegenüber dem Rezipienten dar. Die Konstruktionen sind zwar nicht vermeidbar, aber zu einem gewissen Grad kontrollierbar. Richtig gefährlich wird die Manipulation aber dann, wenn der Filmproduzent seine Zuschauer nicht über seine Absichten informiert und seine subjektive Sichtweise als objektiv und sachlich neutral darstellt.

Dies bestätigt auch das folgende Zitat von Walter Wippersberg:

‘Gefährlich wird Manipulation nur dann, wenn ein Film von den Mächtigen produziert und als absolute Wahrheit präsentiert wird’.

Mittels der Manipulationen, werden die Rezipienten also in ihrem Verhalten gesteuert, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. In der Realität ist die Manipulation des Menschen nicht vollständig durchführbar, daher wird die gezielte Informationslenkung angewandt. Durch Propaganda sollen Menschen manipulativ gelenkt werden und oftmals einer politischen Richtung folgen oder in den Krieg ziehen, selbst wenn dieser Weg für sie tödlich endet. Dabei werden die wahren Absichten des politischen Systems oder der Interessengruppe geschickt verschleiert und von ihnen abgelenkt.

Die meisten Dokumentarfilme kommen nicht ohne eine entsprechende Kommentierung aus. Diese dienen der Verstärkung oder zur Ergänzung der Aussagekraft der dargestellten Bilder. Die Bilder allein können nicht lügen, doch mit den dazu gesprochenen Worten können sie lügen, täuschen oder mit Bedeutung aufgeladen werden und den Zuschauer durch seine Rezeption dieser aufgeladenen Bilder in eine bestimmte, vom Regisseur gewollte, Richtung lenken.

Schwierig wird es dann, wenn auch der Sprecher eine zu starke Dominanz erhält und der Zuschauer nur dem Ton folgt, die Eigenaussage der Bilder also verloren geht. In heutigen Doku-Formaten wird die Kritik laut, dass die Bilder lediglich zu den vorformatierten Texten hinzugefügt werden und diese Bilder ohne den gesprochenen Text kaum ein oder keine Aussage hätten.

Der Einsatz von Fiktionalisierung in Dokumentarfilmen ist sehr unterschiedlich. So gibt es Dokumentarfilme die lediglich mit nachinszenierten Symbolbildern arbeiten, solche mit Szenen die Dialoge und Spielfilmcharakter beinhalten und nicht zuletzt Filme, die wie Dokumentarfilme gestaltet sind, von vorn bis hinten jedoch vollständig inszeniert wurden. Manipulativ wird das Ganze dann, wenn Filmemacher diese Formen für ihre Filme verwenden, diese jedoch unkenntlich machen. Eine besondere Form der Fiktionalisierung bringen dabei computeranimierte Bilder mit sich. Der Film ‘Virtual History – The Secret Plot to kill Hitler’, welcher aus der Perspektive Hitlers, Stalins, Roosevelts und Churchills die Geschichte des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 erzählt, zeigt dokumentarische Bilder, welche es so niemals gegeben hat. Die Köpfe der genannten Politiker wurden von Archivmaterial in einem aufwändigen Verfahren digital auf die Körper von Schauspielern montiert. So kann man, dem Look der damaligen Zeit angepasst, Hitler beim Frühstück zusehen. Auch wenn das Ergebnis nicht ganz so überzeugend war, ist die Absicht der Täuschung umso erschreckender.

Ebenfalls mit kritischem Blick auf die Schattenseite unserer Welt gerichtete Filme haben sich auch in letzter Zeit wieder im Kino durchgesetzt. Diese meist sehr subjektiven Filme, unter anderem auch der in dieser Arbeit behandelte Film ‘Fahrenheit 9/11’ von Michael Moore, wurden und werden dabei meist ohne die ausdrückliche Bezeichnung ‘Dokumentarfilm’ in der Werbung vorgestellt. Vielmehr erhoffen sich deren Produzenten, allein durch die Thematik der Filme, Zuschauer zu gewinnen. Ein Konzept, welches sich bisher bewährt hat und die kommerziellen Erwartungen erfüllte.

Systematische Analyse des Dokumentarfilms Fahrenheit 9/11:

Das vorangehende Zitat zeigt, welche Wirkung ein Film erzeugen kann. Dieses Feedback ist nur eines unter Tausenden, die nach dem Film auf Michael Moores persönlicher Webseite eingingen. In den vorangegangenen Kapiteln wurde gezeigt, welcher Mittel sich das dokumentarische Gerne bedient und welche Entwicklungen es durchgemacht hat. Eine davon war der Missbrauch als propagandistisches Mittel im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Kritiker werfen diesen Aspekt auch dem Film Fahrenheit 9/11 vor. Die folgende Analyse soll untersuchen, inwiefern sich Michael Moore der propagandistischen, sprich manipulierenden Mittel bedient hat und ob er dem Vorwurf der Manipulation weichen kann oder ihm unterliegt.

Arbeit zitieren:
Jaksch, Danny Juli 2009: 9/11 Fiktive Realität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Dokumentarfilm, Michael Moore, 911, Authentizität, Manipulation

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