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360°-Feedback als Mittel gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften

360°-Feedback als Mittel gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Rosemarie Lang
  • Abgabedatum: Oktober 2002
  • Umfang: 165 Seiten
  • Dateigröße: 844,4 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Johannes Kepler Universität Linz Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6283-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6283-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6283-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lang, Rosemarie Oktober 2002: 360°-Feedback als Mittel gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wahrnehmung, Dissonanz, Lernen, Barrieren, Erfolgsfaktoren

Diplomarbeit von Rosemarie Lang

Einleitung:

360°-Feedback wird in Buchtiteln beispielsweise gepriesen als „The Powerful New Model für Employee Assessment & Performance Improvement“ (Edwards/Ewen, 1996) oder in Zusammenhang gebracht mit „Strategies, Tactics, and Techniques for Developing Leaders“ (Jones/Bearley, 1996). Insbesondere werden 360°-Feedback-Verfahren als Instrument für die Führungskräfteentwicklung, für die Verbesserung des Führungsverhaltens, als Veränderungstechnologie, als individuelles Coaching sowie auch als Instrument gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften beschrieben.

Da 360°-Feedback meiner Meinung nach noch wenig ausführlich kritisch behandelt wurde, soll im speziellen das Potenzial des Verfahrens gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften untersucht werden. Der Aspekt „Realitätsverlust von Führungskräften“ erscheint deshalb besonders interessant, da ich vermute, dass damit auch Effizienzverluste für Unternehmen verbunden sind.

Ausgehend von dieser Prämisse wurden im Rahmen der Diplomarbeit neben dem Literaturstudium auch Interviews durchgeführt, um die Prämisse der Diplomarbeit – „Ein Realitätsverlust von Führungskräften ist mit Effizienzverlusten für das Unternehmen verbunden“ – zu untermauern bzw. zu hinterfragen. Außerdem sollten die Interviews einen Einblick über die Anwendung von 360°-Feedback in der Praxis ermöglichen und die Basis dafür sein, um Aussagen aus der Literatur zu reflektieren.

Die zentrale Fragestellung der Diplomarbeit besteht in der Untersuchung, ob und inwieweit 360°-Feedback ein Mittel gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften sein kann. Damit verbunden ist auch die Frage, ob und inwieweit Führungskräfte aufgrund eines 360°-Feedback ihre Wirklichkeit mit anderen Wirklichkeiten anreichern können, somit ihre Lernchancen erweitert werden und es zu Einstellungs- bzw. Verhaltensänderungen kommen kann. Das Potenzial von 360°-Feedback gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften wird im weiteren unter Bezugnahme auf die Theorien zu den Themen Wahrnehmung, Dissonanz und Lernen untersucht. Es werden dafür Hypothesen aufgestellt, die mit Hilfe der Benennung von Barrieren und Erfolgsfaktoren geprüft werden. Ziel der Diplomarbeit ist es schließlich, möglichen Anwendern des Verfahrens aufgrund dieser Überprüfung eine fundierte Entscheidungshilfe bezüglich des Einsatzes und der Ausgestaltung des Verfahrens anzubieten.

Gang der Untersuchung:

Im Abschnitt 2. „Definition von 360°-Feedback“ versuche ich anhand der Beschreibung der Unterschiede bzw. Parallelen zu Beurteilungsverfahren und zu Feedback aufzuzeigen, was unter 360°-Feedback verstanden wird. Außerdem wird mit Hilfe der Schilderung der mit 360°-Feedback verbundenen Zielsetzungen verdeutlicht, inwieweit das Verfahren einer Beurteilung bzw. einem Feedback zuzurechnen ist. Das Thema Zielsetzungen wird auch durch Ergebnisse aus den Interviews veranschaulicht.

Der Abschnitt 3. ist der Prämisse der Diplomarbeit gewidmet. Hier werden nach der Beschreibung der Begriffe Realitätsverlust und Effizienzverlust die entsprechenden Sichtweisen aus den Berater- und Firmeninterviews angeführt. Außerdem werden die Ursachen für einen Realitätsverlust von Führungskräften sowie der Zusammenhang zwischen Realitätsverlusten und Effizienzverlusten sowie die jeweiligen Auswirkungen erläutert. Weiters wird die Verbindung zur Thematik Groupthink sowie als Exkurs auch das „Hofnarrenpotenzial“ von 360°-Feedback geprüft.

Im Abschnitt 4. werden Hypothesen aufgestellt, um das Potenzial von 360°-Feedback gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften in den nachfolgenden Abschnitten unter Bezugnahme auf die Theorien zu den Themen Wahrnehmung, Dissonanz sowie Lernen zu beleuchten. Diese Untersuchung erfolgt mit Hilfe der Benennung von Barrieren und Erfolgsfaktoren, die den Erfolg von 360°-Feedback gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften behindern bzw. fördern.

Zunächst wird im Abschnitt 5. das Thema Wahrnehmung behandelt, da meiner Meinung nach die Wahrnehmung des Feedback-Nehmers durch die Feedback-Geber sowie die Selbstwahrnehmung des Feedback-Nehmers die Grundlage für den weiteren Feedback-Prozess darstellen.

Daran anschließend wird im Abschnitt 6. „Dissonanz“ geschildert, in welcher Weise der Feedback-Nehmer die wahrgenommenen Einschätzungen aufnimmt und verarbeitet und wie er insbesondere mit dissonanten Kognitionen umgeht. Im Abschnitt 7. „Lernen“ wird schließlich untersucht, wie es anhand von ausgewählten Lernmodellen aufgrund der aufgenommenen und verarbeiteten Feedback-Inhalte zu Verhaltensmodifikationen kommt.

Die Überprüfung der im Abschnitt 4. aufgestellten Hypothesen erfolgt in den Abschnitten Wahrnehmung, Dissonanz und Lernen mit Hilfe jener Barrieren und Erfolgsfaktoren, die sich aus der Literatur bzw. auch aus den Praxisinterviews ableiten lassen.

Im Abschnitt 8. „Resümee“ erfolgt schließlich eine gesamthafte Betrachtung der Hypothesen in bezug auf das Potenzial von 360°-Feedback gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften.

Abschließend sei hier noch festgehalten, dass aus Gründen der leichteren Lesbarkeit der Diplomarbeit mit Substantiven männlichen Geschlechts wie z. B. Feedback-Nehmer/-Geber, Mitarbeiter, etc. immer auch das weibliche Geschlecht angesprochen ist.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Definition von 360°-Feedback 6
2.1 Abgrenzung zu Beurteilungsverfahren 7
2.1.1 Personalbeurteilung 10
2.1.1.1 Gleichgestelltenbeurteilung 11
2.1.1.2 Vorgesetztenbeurteilung 12
2.2 Feedback 12
2.3 Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Feedback-Quellen 15
2.4 Zielsetzungen von 360°-Feedback 16
2.5 360°-Feedback in der Praxis 21
3. Prämisse 26
3.1 Realitätsverlust 26
3.2 Ursachen für einen Realitätsverlust bei Führungskräften 30
3.3 Macht als Ursache für einen Realitätsverlust 33
3.4 Effizienzverlust 38
3.5 Groupthink 42
3.6 Exkurs: Hofnarr im Mittelalter gegen Realitätsverlust des Königs 46
4. Hypothesen 49
5. Wahrnehmung 53
5.1 Wahrnehmung bei der Personalbeurteilung 56
5.1.1 Theorie der sozialen Informationsverarbeitung 58
5.1.2 Attributionstheorie 60
5.1.3 Einfluss des Beurteilten auf die Beurteilung 66
5.1.4 Einflüsse des Beurteilungssystems und der Situation 67
5.2 Zirkularität von Wahrnehmungsprozessen 68
5.3 Interpersonales Verstehen 69
5.4 Selbst- und Fremdbild 71
5.5 Barrieren und Erfolgsfaktoren 74
6. Dissonanz 81
6.1 Abbau von Dissonanz 87
6.2 Dissonanz nach Entscheidungen 89
6.3 Dissonanz als Folge einer forcierten Einwilligung 92
6.4 Freiwillige und unfreiwillige Informationsaufnahme 94
6.5 Meinungsverschiedenheiten in der Gruppe als Dissonanzursache 96
6.6 Barrieren und Erfolgsfaktoren 100
7. Lernen 102
7.1 Operante Konditionierung 104
7.2 Lernen am Modell 106
7.2.1 Teilprozesse des Beobachtungslernens 107
7.2.2 Teilprozesse des Beobachtungslernens bei 360°-Feedback 110
7.3 Lernen bei Feedback aus mehreren Quellen 123
7.4 Signifikantes Lernen 128
7.5 Fundamentales Lernen 131
7.6 Barrieren und Erfolgsfaktoren 133
8. Resümee 137
Literaturverzeichnis 148
Abbildungsverzeichnis 157
Anhang 158

Automatisiert erstellter Textauszug:

Im Zusammenhang mit der kognitiv-prozeduralen Komponente kann die mangelnde Fähigkeit bzw. Motivation zum Perspektivwechsel auf individueller Ebene sowohl beim Feedback-Geber als auch beim Feedback-Nehmer ein Problem darstellen. Die mangelnde Fähigkeit könnte teilweise durch entsprechende Trainings überwunden werden. „Teilweise“ deshalb, weil ich der Meinung bin, dass ein Entwicklungsdefizit im Kindesalter wohl kaum vollständig im Erwachsenenalter behoben werden kann. Die Motivation zum Perspektivwechsel könnte dadurch gefördert werden, dass den Mitarbeitern bzw. Führungskräften ihr jeweiliger Nutzen eines 360°-Feedback aufgezeigt wird. Beispielsweise können Mitarbeiter als Feedback-Geber davon profitieren, dass sie von ihren Führungskräften als Feedback-Nehmer besser verstanden werden und sich dadurch langfristig ihre gemeinsame Beziehung verbessert. [...]

Wie geschildert, erleichtern die verschiedenen Phänomene der Wahrnehmung zwar einerseits die Interaktion zwischen Führungskraft und Mitarbeitern. Andererseits können sie aber auch Barrieren bei 360°-Feedback darstellen: Entsprechend der gewählten Systematik im Kapitel 3.2. „Ursachen für einen Realitätsverlust von Führungskräften“, versuche ich auch hier sowie in den folgenden Abschnitten die Barrieren bei 360°-Feedback in den Ebenen Makro, Mikro, Individuum zusammenfassen und im weiteren Erfolgsfaktoren anzugeben. Ich betrachte dabei die Begriffe Barriere und Erfolgsfaktor in bezug auf das Thema der Diplomarbeit, nämlich 360°-Feedback als Mittel gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften. Als Barriere bzw. Erfolgsfaktor bezeichne ich dabei jene Faktoren, die den Erfolg von 360°-Feedback mit der genannten Zielsetzung meiner Meinung nach behindern bzw. fördern. [...]

Folglich werden also die Investitionen in Geld und Zeit meiner Meinung nach auch einen Erfolgsfaktor für 360°-Feedback darstellen. Auch in einem Beraterinterview wurde betont, dass sich das „theoretisch“ hohe Potenzial einer Maßnahme wie 360°-Feedback in der Praxis erst entfalten kann, wenn eine Maßnahme mit Ernsthaftigkeit betrieben wird und der Zusammenhang zwischen der Höhe des Deckungsbeitrages und der Qualität eines Instrumentes wie 360°-Feedback erkannt wird. Letztendlich soll das Verfahren ja zu Verbesserungen (in der Interaktion, im Wissensstand, in der Lernfähigkeit, etc.) führen, die einem Unternehmen helfen, erfolgreich zu sein. Die genannte Ernsthaftigkeit hängt dabei vor allem vom Top-Management ab und drückt sich in Investitionen in Zeit, Expertenwissen, etc. aus. Nachstehend versuche ich zunächst, einen Überblick über die Theorien und Modelle zu geben, die sich mit dem Thema Wahrnehmung beschäftigen. Dabei schließe ich mich der Ansicht von Jones/Bearley an, die grundlegende Phänomene der Wahrnehmung bei der Personalbeurteilung auch für 360°-Feedback als relevant erachten. Auch wenn man den Standpunkt vertritt, dass sich Beurteilung von Feedback unterscheidet, so sind meiner Meinung nach die davor ablaufenden Wahrnehmungsprozesse die gleichen. Selbst wenn Feedback bedeutet, dass es im Ermessen des Feedback-Nehmers liegt, ob er das Feedback aufnimmt, wird der Feedback-Nehmer sowie die Beziehung zwischen Feedback-Geber und Feedback-Nehmer in jedem Fall beeinflusst. So wird meiner Ansicht nach ein Feedback, bei dem sich der Feedback-Geber sowohl der Wahrnehmungsprozesse als auch der Regeln für effektives Feedback bewusst ist, für den Feedback-Nehmer qualitativ hochwertiger sein und daher besser aufgenommen werden. In weiterer Folge werde ich jene Theorien und Modelle näher beleuchten, die meiner Meinung nach für 360°-Feedback und mögliche Barrieren wichtig sind. Abschließend werde ich Erfolgsfaktoren anführen, die ich im Hinblick auf die Barrieren bei der Wahrnehmung für 360°-Feedback als besonders bedeutsam betrachte. [...]

Arbeit zitieren:
Lang, Rosemarie Oktober 2002: 360°-Feedback als Mittel gegen einen Realitätsverlust von Führungskräften, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wahrnehmung, Dissonanz, Lernen, Barrieren, Erfolgsfaktoren

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