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„Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück!“

Das Frauenbild in den Dramen der klassischen deutschen Zeit

„Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück!“
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Maren Vergiels
  • Abgabedatum: Mai 2001
  • Umfang: 126 Seiten
  • Dateigröße: 799,9 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5385-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5385-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5385-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Vergiels, Maren Mai 2001: „Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück!“, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Klassik, Frauen, Weiblichkeit, Goethe

Magisterarbeit von Maren Vergiels

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit setzt sich zum Ziel, die Darstellung der Frauenfiguren in den Dramen der zweiten Hälfte des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu untersuchen. Es wurden vorrangig Dramen ausgewählt, in denen es um Frauenschicksale geht. Bei der Untersuchung stellten sich folgende Fragen: Welches Bild der Weiblichkeit wird in den klassischen deutschen Dramen präsentiert? Welche besonderen Merkmale weisen die Frauentypen auf? Welche Parallelen lassen sich zwischen den einzelnen weiblichen Charakteren ziehen? Definieren sich die Frauen und ihre Eigenschaften, Verhaltensweisen etc. stets in Bezug auf die männlichen Dramenfiguren. Hauptziel der Arbeit ist eine Untersuchung verschiedener Weiblichkeitsrollen. Die Frauenfiguren werden außerdem im Kontext verschiedener Lebensumstände und -bereiche, d. h. soziales Umfeld, Standeszugehörigkeit und Funktion in der Familie, am Hof oder im Staat, gezeigt. In untersuchten Dramen handelt es sich ausschließlich um Frauenfiguren männlicher Schöpfung. Daher stellte sich auch die Frage, ob das Bild der Frauen eine Form männlicher „Wunsch-/ Ideologieproduktion“ darstellt bzw. ob die Frauenfiguren männliche „Wünsche/Ängste“ wiederspiegeln.

Neben den Frauenfiguren der Dramen Goethes, Schillers und Kleists werden auch die weiblichen Hauptfiguren in drei von Dramen Lessings genauer behandelt werden. Lessings Frauenbild war für viele der späteren Dramen richtungsweisend und fungierte als Vorlage für einige Frauenfiguren Goethes, Schillers und Kleists.

Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit der Frau als (ästhetisches) Objekt im Drama bzw. als Subjekt und selbständigem Charakter. Zunächst werden drei der wichtigsten Lessingschen Frauenfiguren, Miß Sara Sampson, Minna von Barnhelm und Emilia Galotti, charakterisiert und hieran die Begriffe „Subjekt“ und „Objekt“ festmachen. Anschließend wird genauer auf die Opferfunktion einiger Frauengestalten (Wagner, Die Kindermörderin, die Gretchentragödie in Goethes Urfaust, Schiller, Kabale und Liebe und Maria Stuart) eingegangen. Hiervon ausgehend wird auch das in den Dramen gezeichnete Bild der Gesellschaft des ausgehenden 18. Jahrhunderts aufgezeigt. Insbesondere wird untersucht, inwieweit die Frauen durch Selbstverschulden bzw. gesellschaftlichen und familiären Einfluss oder durch soziale Umstände in die Opferposition gelangen. In Maria Stuart wird der Begriff „Opfer“ im politischen Zusammenhang betrachtet.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Themenbereich Liebe, Ehe, Erotik und Pflicht. Hier werden die Formen der weiblichen Liebe (z. B. Amalia in Schillers Räubern) geschildert. Besondere Aufmerksamkeit gilt hier den sogenannten Mätressenfiguren Lady Marwood in Lessings Miß Sara Sampson, Lady Milford in Schillers Kabale und Liebe, Adelheid von Waldorf in Goethes Götz von Berlichingen und Kunigunde in Kleists Käthchen von Heilbronn. Anhand von Schillers Jungfrau von Orleans und Kleists Penthesilea wird der Konflikt zwischen Pflicht und individuellem Gefühl analysiert. Hiernach wird in einem Vergleich von Kleists Käthchen von Heilbronn und Penthesilea die Formen übertriebener Liebe gezeigt. Schließlich werden die Situation der Liebe in der Ehe des 19. Jahrhunderts am Beispiel von Kleists Amphitryon analysiert.

Im dritten Teil wird am Beispiel von Goethes Iphigenie auf Tauris die Weiblichkeit als humanisierende (Gegen-)Kraft auf den männlichen Egoismus untersucht. Es wird aufgezeigt, welchen Einfluss eine Frau in ihrem begrenzten Wirkungsbereich haben kann und wie Weiblichkeit als heilende Kraft eingesetzt wird. Das Wissen über das Frauenbild der Autoren führt zu einigen wichtigen Erkenntnissen über die Figurenzeichnung in deren Dramen. Deswegen werden einige Frauenfiguren in Zusammenhang mit dem Frauenbild der Autoren gestellt, um die Verbindung von realem Bild und fiktionalen Figuren zu zeigen.

Inhaltsverzeichnis:

0. EINLEITUNG 6
0.1 Zum Thema 6
0.2 Vorgehensweise / Einteilung der Arbeit 7
0.3 Zum Zeitraum - Das Frauenbild im 18. und 19. Jahrhundert 8
1. DIE FRAU ALS SUBJEKT UND OBJEKT 14
1.1 Die empfindsame Tochter - Miß Sara Sampson 14
1.1.1 Lessings Frauenbild - Die patriarchalische Ordnung 14
1.1.2 Begriffserklärung: Die empfindsame Tochter 14
1.1.3 Saras Schuld und Unschuld 15
1.1.4 Exkurs: Die Weiterentwicklung der empfindsamen Tochter 19
1.1.5 Gleichstellung von Frau und Mann? 21
1.2 Wunschbild männlicher Tugendphantasien - Emilia Galotti 24
1.2.1 Das bürgerliche Drama 24
1.2.2 Sexualität als Bedrohung der (bürgerlichen) Familie 25
1.2.3 Das ästhetische Objekt im Trauerspiel 26
1.2.4 Emilias Selbstopferung - Erhalt der Tugendhaftigkeit oder Selbstbefreiung? 28
1.3 Das lachende Edelfräulein - Minna von Barnhelm 32
1.3.1 Minna von Barnhelm als komplexer weiblicher Charakter 32
1.3.2 Vereinigung von Verstand und Gefühl 34
1.3.3 Das selbständige Subjekt in der Komödie - Emanzipation der Frau? 37
1.4 Opfer der gesellschaftlichen Repression - Die Kindsmörderinnen 39
1.4.1 Die Thematik des Kindsmordes 40
1.4.2 Das Motiv der Verführung in den Dramen des Sturm und Drang 41
1.4.3 Die Angst vor dem Wort des Mannes - Evchen Humbrecht 43
1.4.4 Zerstörung der heilen Welt - Die Gretchentragödie 46
1.5 Opfer der bürgerlichen Emanzipation - Luise Millerin 50
1.5.1 Das gehorsame Bürgermädchen 50
1.5.2 Gesellschaftskritikerin zwischen zwei Welten 53
1.5.3 Luises „schöne Leiche“ 54
1.6 Opfer politischer Machtinteressen - Maria Stuart 55
1.6.1 Schillers Frauenbild - „Durch Anmut allein herrschet und herrsche das Weib“ 56
1.6.2 Die „schöne Seele“ - Maria 57
1.6.3 Der Verlust der Weiblichkeit als Preis für den „männlichen“ Herrschaftsanspruch - Elisabeth 59
1.6.4 Die Frau in der Regentin, die Regentin in der Frau 60
2. LIEBE, EROTIK UND EHE 64
2.1 Die absolut Liebende - Amalia 64
2.1.1 Personifikation der Liebe 64
2.1.2 Aktivität oder Passivität? 65
2.1.3 Amalia als Verkörperung der reinen Natur 67
2.1.4 Amalias Tod - Bestätigung des Mannes 67
2.2 Macht durch den Einsatz weiblicher Reize - Die Buhlerinnen und Mätressen 69
2.2.1 „Die Schande ihres Geschlechts“ - Lady Marwood 69
2.2.2 Spiegel der höfischen Kabale - Lady Milford 74
2.2.3 Das „Machtweib“ - Adelheid von Waldorf 77
2.2.4 Die „Hure Babylon“ - Kunigunde von Thurneck 81
2.3 Der Konflikt zwischen Neigung und Pflicht - Die Amazonen 83
2.3.1 Die Jungfrau in Waffen - Johanna von Orleans 83
2.3.2 Sexualität und Tötung als Ausdruck des Geschlechterkampfes - Penthesilea 89
2.3.3 Exkurs: Übertriebener Liebeswahn - Das Käthchen von Heilbronn undPenthesilea 94
2.3.4 Kleists Frauenbild - Hingabe als „heiligste Pflicht“ der Frau 96
2.4 Liebes- und Vernunftehe - Alkmene 98
2.4.1 Die Ehe im 19. Jahrhundert 98
2.4.2 Alkmenes Erwartungen 99
2.4.3 Alkmenes Bewusstwerdung des Unterschiedes zwischen Wunsch und Realität 100
3. DIE FRAU ALS VERTRETERIN DER HUMANITÄT - Iphigenie auf Tauris 104
3.1 Goethes Frauenbild -Die schwesterliche Seele 104
3.2 Güte durch natürliches Empfinden 104
3.3 Das Problem der Selbstverwirklichung 107
4. ZUSAMMENFASSENDE SCHLUSSBEMERKUNG 110
LITERATURVERZEICHNIS 114
BILDQUELLEN 122

Automatisiert erstellter Textauszug:

1.6.2. „Die schöne Seele“ – Maria Die Schönheit und Anmut, die Schiller in seinem Gedicht Macht des Weibes fordert, besitzt Maria Stuart zweifellos. Ihr Charme und ihre weibliche Anziehungskraft üben einen besonderen Reiz auf Männer aus. Diese Macht ihrer Ausstrahlung wird durch ihr persönliches Auftreten deutlich und durch andere Personen beschrieben („O des Glücklichen, dem es / Vergönnt ist, eine Luft mit Euch zu atmen!“, I,6; 24/22f.; „Sie überstrahlte blühend alle Weiber, / Und durch Gestalt nicht minder als Geburt [...]“, II,3; 51/3f.)122. Auch ihre weibliche Vitalität wird mehrfach betont. Im Gegensatz zu Elisabeth hat Maria manche Männer mit ihrer Gunst beglückt. Sie ist eine Frau, die Männer durch ihre weibliche Ausstrahlung führen und bestimmen kann. Neben Marias Schönheit treten zunächst ihre menschlichen Schwächen, wie Stolz und ungezügeltes Ausleben ihrer Weiblichkeit. Diese kontrolliert sie zwar zu Beginn des Dramas schon, vermag sie aber noch nicht in moralische Gesinnung zu wanden. Erst im letzten Akt tritt neben ihre vollkommene äußere Schönheit durch religiöse Läuterung auch innere Vollkommenheit, so dass sie als Heilige und über alle erhaben aus der Welt scheiden kann. Der Tod ist für Maria die Erlösung von begangener Schuld, wie auch von den Qualen, die ihr von den Feinden aufgenötigt wurden. Durch die Flucht nach England stürzt sich Maria ins tiefste Unglück. Ihr begründeter Anspruch auf den englischen Thron wird ihr verwehrt, stattdessen wird sie von Elisabeth, von der sie sich eigentlich Schutz erhoffte, als Feindin angesehen und gefangen gehalten. Außerdem fühlt sie sich als streng gläubige Katholikin im protestantischen England unbehaglich. Marias Leben ist von Leid und Schuld gezeichnet, doch begegnet sie ihrem Schicksal nicht in passiver Erwartungshaltung. [...]

In den vorangegangenen Kapiteln habe ich mich mit Frauen beschäftigt, die Opfer von Männern wurden, die im Interesse ihrer patriarchalischen Ordnung handelten. Bei der Analyse von Maria Stuart (1799) werde ich einen ganz neuen Aspekt behandeln: die Frau als Opfer der Politik. Die gesamte Handlung wird durch den Kontrast zwischen zwei nach Macht strebenden Frauen bestimmt. Der äußerliche Rahmen des Dramas überschneidet sich mit der privat-persönlichen Sphäre. Schiller wählte zwei Frauen, um das Verhältnis des Politischen zum Privaten zu veranschaulichen. Die eine ist von sinnlicher Wesensart, die „heftige Passionen zu erfahren und zu entzünden“ versteht, die andere ist eine „königliche Heuchlerin“, die „verstohlenen Lüsten“ huldigt und „Weltlust im Herzen“ hegt, nach außen hin aber puritanische Zurückhaltung zur Schau trägt.118 [...]

1.5.3. Luises „schöne Leiche“ Luises größte Stärke zeigt sich, als sie den drohenden Tod vor Augen hat. Sie tröstet ihren Vater („Er muß nicht erschrecken“, V,1; 364/16), wenn sie das Wort „Grab“ (V,1; 364/20) ausspricht. Im totalen Sich-Fügen in den Tod ist die Frau dem Mann überlegen. Im „dritte[n] Ort“ (V,1; 363/30), einem utopischen Ort jenseits von traditionellen Vorstellungen und den Werten der patriarchalischen Struktur, sieht Luise ihre Träume erfüllt, da nur der Tod sich dem männlichen Einflussbereich entzieht.115 Als Luise nach der Einnahme des Gifttranks tot vor Ferdinand liegt, ernennt er die Tote zur „Heiligen“ (V,8; 385/32). Er nennt sie „Engel des Himmels“ (V,7; 385/1) und findet sie „reizend und schön auch im Leichnam“ (V,7; 385/4f.). Mit diesen Worten erhebt Ferdinand sie zur Märtyrerin. Nach Bronfen (1987) dient die Opferung der reinen Frau „einer vordergründigen Gesellschaftskritik [...] (indem an ihr, als der Verkörperung einer profanisierten Form Christi, gezeigt wird, daß die Reinen in dieser Welt nicht überleben können, sie aber die weltliche Schuld dennoch auf sich nehmen)“.116 Genau diese Funktion erfüllt Luises Tod, denn sie ist das Opfer der höfischen Intrigen und der starren Normen des Bürgertums. Indem Ferdinand die tote Luise zur Heiligen macht, führt er den Schuldigen das Ergebnis ihrer Ignoranz und ihres Egoismus vor. Mit dem „Motiv der schönen Leiche als Opfer der [...]

Arbeit zitieren:
Vergiels, Maren Mai 2001: „Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück!“, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Klassik, Frauen, Weiblichkeit, Goethe

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