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Macht, Sexualität und Begehren in den Romanen "El Cielo Dividido" von Reina Roffé und "Al Otro Lado" von Yanitzia Canetti

Macht, Sexualität und Begehren in den Romanen "El Cielo Dividido" von Reina Roffé 
und "Al Otro Lado" von Yanitzia Canetti
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Daniela Voigt
  • Abgabedatum: November 2000
  • Umfang: 93 Seiten
  • Dateigröße: 678,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5250-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5250-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5250-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Voigt, Daniela November 2000: Macht, Sexualität und Begehren in den Romanen "El Cielo Dividido" von Reina Roffé und "Al Otro Lado" von Yanitzia Canetti, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lacan, Gender, Postfeminismus, Exil, Foucault

Magisterarbeit von Daniela Voigt

Einleitung:

Es mag im letzten Jahrhundert begonnen haben, vielleicht aber auch schon viel eher, daß man sich fragte, wo die Frauen sind. Mit der Industrialisierung wurde die Rolle der Frau als Haus-Mutter aufgehoben, sie war berufstätig wie die Männer und forderte ab einem gewissen Zeitpunkt dieselben Rechte. Dieser Kampf dauert bekanntlich heute noch an.

Weiterhin stellte man Fragen nach der Präsenz der Frau/ der Frauen in Kultur und Gesellschaft, Literatur, Musik, Malerei, Politik. Die Ergebnisse waren schockierend. Einer Vielzahl von männlichen Akteuren und im Kanon Anerkannten stand eine schwindend geringe Anzahl weiblicher Personen gegenüber.

Während nun eine Richtung der Forschung versuchte, dieses Manko aufzuarbeiten und verschüttete Arbeiten weiblicher Künstler ans Tageslicht zu befördern oder vergessene Heroinnen der Weltgeschichte in die Chroniken aufzunehmen, richteten sich die philosophischen und psychologischen Diskussionen auf die Frage, wie der Unter- drückungsprozeß zustandekam und gerechtfertigt wurde.

Michel Foucaults Analyse Macht und Sexualität stellt einen Apparat von Machtmechanismen vor, die bei der Kontrolle und Bevormundung des Menschen funktionieren - unabhängig von dessen Geschlecht, Alter oder sozialer Stellung. Deswegen bildet dieses Werk eine unerschütterliche Basis für den Feminismus und seine Nachfolger. Einführend in die Thematik dieser Arbeit werden Foucaults Positionen und ihre Rezeption in der feministischen Theorie erläuternd dargestellt.

Ein weiterer wichtiger Stützpfeiler feministischer Theorienbildung ist Jaques Lacans Lehre der Ich-Bildung über das Spiegelstadium und seine Begrifflichkeiten „Imaginäres“ und „Begehren“.

Der Darlegung dieser Problematik folgt die Untersuchung der Romane der beiden jungen lateinamerikanischen Schriftstellerinnen Reina Roffé (*1951) und Yanitzia Canetti (*1967). Dabei sollen sowohl die von Foucault erforschten Strukturen des Machtgewebes, als auch Lacans Begehrensdiskurs herausgearbeitet werden.

Besonderes Augenmerk richtet sich im ersten Fall (Roffé 1996: El cielo dividido) auf die Tatsache, daß es sich bei den Hauptfiguren (größtenteils) um gleichgeschlechtlich Liebende handelt. Hier ist es von Interesse, inwiefern die Definitionen von Macht und Begehren noch greifen, wenn es sich nicht um männlich dominierte Zirkel handelt.

Der zweite Roman (Canetti 1997: Al otro lado) berichtet von einem weiblichen Begehren, das frei zirkuliert. In diesem Fall wird auf die Auswirkung dieses freien Begehrens auf etablierte Machtstrukturen von Interesse sein.

Schließlich steht die Frage aus, ob Macht, weibliche Sexualität und weibliches Begehren zusammenhängen und/oder sich beeinflussen. Wenn eine Einflußnahme erfolgt, wie geschieht sie? Stellt sie ein alternatives Modell vor? Wie gehen die Frauen in den Romanen mit politischer Macht um? Wie mit familiärer? Worauf richtet sich ihr Begehren?

Beide Romane enden mit einer Art Selbstfindung. Welcher Weg führte dahin? Wären diese Geschichten im vorigen Jahrhundert genauso passiert?

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 3
2. DER FEMINISMUS UND DIE GENDER-DEBATTE 5
2.1 GENDER 5
2.2 GENDER, SEX UND BEGEHREN 6
2.3 WEITERE STRÖMUNGEN 8
3. DIE THEORIE DER MACHT NACH FOUCAULT 10
3.1 MACHT, WAHRHEIT UND SEXUALITÄT 10
3.2 WIDERSTAND GEGEN DIE MACHT: DIE GRIECHEN 14
3.3 WIDERSTAND GEGEN DIE MACHT: FOUCAULT UND DER FEMINISMUS 16
4. BEGEHREN 20
4.1 LACAN UND DAS BEGEHREN 20
4.2 BEGEHREN UND MACHT 23
5. REINA ROFFÉ: EL CIELO DIVIDIDO 25
5.1 „LA AMADA“ UND „LA AMANTE“ 25
5.2 DAS BEGEHREN NACH EINHEIT 28
5.3 STRUKTUREN DER MACHT 29
5.4 DJUNA BARNES 32
5.5 DAS BEGEHREN - EIN MANGEL 36
5.6 EIN WEIBLICHER DISKURS? 37
5.7 DIE SOZIALKRITISCHE KOMPONENTE 38
5.8 EXIL - ANWESENHEIT IN ABWESENHEIT 42
5.9 „CASA-OSTRA“ 45
5.10 „EL CIELO DIVIDIDO“ - INHALT UND DISKURSIVE STRATEGIE 48
5.11 GISELLE - DIE „FRAU“ 51
5.12 COLETTE UND GISELLE 55
5.13 DAS ZIRKULIERENDE FOTO 59
6. YANITZIA CANETTI: AL OTRO LADO 63
6.1 LIEBENDE UND GELIEBTE 63
6.2 „YO“ UND „MI-YO“ 65
6.3 DIE SUCHE NACH DER EIGENEN WAHRHEIT 68
6.4 DIE AUFHEBUNG DES KARTESIANISMUS? 70
6.5 DIE EBENEN DER ERZÄHLUNG 71
6.6 DIE BEICHTE ALS ERZÄHLSTRATEGIE 72
6.7 WIDERSTAND GEGEN DIE MACHT: EINE WEIBLICHE ALTERNATIVE 74
6.8 INTERTEXTUELLE VIELFALT 76
6.9 DIE NICHT-GREIFENDEN PROJEKTIONEN 77
6.10 DIE POLITISCH-KRITISCHE DIMENSION 80
6.11 EINE ANDERE WAHRHEIT 84
6.12 EIN ZIMMER UND ZEIT FÜR SICH 85
7. SCHLUSSBETRACHTUNG 86
BIBLIOGRAPHIE 88

Automatisiert erstellter Textauszug:

38 Gesetz des Vaters. Diese Ebene nennt Kristeva das „Symbolische“, sie beherbergt das Signifikat, die Setzung fester Bedeutungen. Roffés und Barnes´ Sprachen könnte man aufgrund der poetischen Vielfalt unter das „Semiotische“ stellen, verfiele man damit nicht wieder in die klassische Geschlechtertrennung. Kristeva bemerkt, daß das „Semiotische“ immer dem Einfluß und den Begrenzungen des Gesetzes unterliegt, die Entfaltung der Triebe wird vom „Symbolischen“ beschränkt, das sich in Dualismen von Verbot/Gebot etc. äußert. Während bei Lacan nach dem Eintritt in die symbolische Ordnung der Zugang zur präödipalen Welt für immer versperrt war, eröffnet Kristevas Konzept die Möglichkeit, die Welt der Verdrängung, der Triebe und Objekte in der Sprache zum Ausdruck bringen zu können. [...]

5.6. Ein weiblicher Diskurs? Der männliche Diskurs ist weitestgehend aus dem Roman ausgeschlossen.10 Die einzige männliche Figur, Roberto Suárez, tritt nur kurz auf und wird immer aus Ellis´ weiblicher Perspektive reflektiert. Frank Brumer, Ellis´ Ehemann, wird lediglich als solcher erwähnt. Er tritt nie in Erscheinung und fällt auch in Erzählungen nicht weiter ins Gewicht. Ab dem Beginn der Beziehung zu Mijal verliert Ellis kein Wort mehr über ihn. Eine Widerspiegelung dieses Ausschlusses erkennt man ebenfalls in der benutzten Sprache. Julia Kristeva11 fand in der poetischen Sprache das sich artikulierende „Semiotische“ wieder, den Signifikanten. Das „Semiotische“ ist eng mit Objekten und Trieben verbunden, es ist Stimme und Klang. Demzufolge steht es für die präödipale Einheit mit der Mutter. Daneben hat die Sprache kommunikative Funktion, verkörpert durch das [...]

37 reconocimiento [le] cegaron.“ (CD, 98) Dennoch behauptet sie später, Mijal hätte sie reden gemacht: „el imperativo de hacerme decir lo que todavía no le había dicho a nadie.“ (ebd., 140) Daß Eleonora bei zuviel Nähe mißtrauisch oder ängstlich wird, verdeutlicht sich in ihrem Traum (ebd., 48): Das Haus ist Eleonoras Ich, sorgsam gehütet und vor Eindringlingen bewacht. Plötzlich tritt „la intrusa“ auf, die nicht nur den Schlüssel zu Eleonoras Heim besitzt, sondern ihr auch noch erklärt, Ellis sei blind und könne sie, die Fremde, somit nicht sehen. Eleonoras „papel era el de quedar[se] afuera.“ (ebd., 49) Dies ist nicht nur ein Hinweis auf die folgende Erinnerung - Eleonora außerhalb des Freundeskreises Giselles -, vielmehr ebenfalls auf ihre eigene Person, zu deren Geheimnissen sie keinen Zutritt hat/ haben will. Mijal ist diejenige, die sich Zugang zu Eleonoras Innerem verschaffen möchte. Jedoch wird die Beziehung einseitig bleiben, Eleonoras ´Blindheit` läßt sie „la intrusa“ nicht erkennen und folglich nicht verstehen. Interessant ist, daß die Person, der eine mögliche Öffnung des Haus-Ichs zugestanden wird, weiblichen Geschlechts ist. Dem männlichen Geschlecht wird von vornherein das nötige Verständnis abgesprochen. [...]

Arbeit zitieren:
Voigt, Daniela November 2000: Macht, Sexualität und Begehren in den Romanen "El Cielo Dividido" von Reina Roffé und "Al Otro Lado" von Yanitzia Canetti, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lacan, Gender, Postfeminismus, Exil, Foucault

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