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'Weblog is watching you'

Auf der Suche nach neuen Formen öffentlicher Medienkritik und ihrer Einbindung in den Journalismus

'Weblog is watching you'
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefanie Trümper
  • Abgabedatum: Oktober 2007
  • Umfang: 151 Seiten
  • Dateigröße: 5,6 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
  • Bibliografie: ca. 283
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0736-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Trümper, Stefanie Oktober 2007: 'Weblog is watching you', Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Onlinejournalismus, Public Relations, Medienkritik, Weblog, Journalismus

Diplomarbeit von Stefanie Trümper

Einleitung:

Der Journalismus ist für die Gesellschaft viel zu wichtig, als dass man ihn den Journalisten allein überlassen dürfte.

Diese Worte schreibt der Kommunikationswissenschaftler Hans Wagner in der Einführung seines Buches Journalismus mit beschränkter Haftung? Gesammelte Beiträge zur Journalismus- und Medienkritik. Aus einer gleichsam wissenschaftlich-kritischen Position heraus erfolgt dort eine Art Bestandsaufnahme, in welchen Formen und Formaten sich der Journalismus in Zeitung, Hörfunk und Fernsehen mit sich selbst auseinandersetzt. Vergleichsweise schnell wird in dieser Streitschrift deutlich, dass der Autor im positiven Sinn für eine transparentere Auseinandersetzung über den Journalismus wirbt, sowohl wissenschaftlich als auch berufspraktisch.

Wird die eingangs erwähnte Feststellung von Hans Wagner aus einer Perspektive des Internets gelesen, dann bleiben die professionellen Journalisten tatsächlich nicht sich selbst überlassen. Ambitioniert werden dort ihre Produkte kommentiert und das Mediengeschehen dokumentiert. Insbesondere die Publikationsform Weblog kokettiert mit den Optionen, die professionelle journalistische Berichterstattung zu beschreiben, zu beobachten, zu bewerten und mitunter auch zu korrigieren. Vor allem aber wird sie dort, auf welche der genannten Arten auch immer, zur Diskussion gestellt. Vergleichsweise schnell haben sich hinsichtlich dieser neuen Art von Unterstützung des Journalismus sowohl bei den Berufpraktikern als auch bei Beobachtern aus den verschiedenen Medienwissenschaften Positionen herausgebildet. Diese reichen je nach Kontext von eher allgemeinen Einschätzungen, wie beispielsweise, dass durch das Phänomen Weblog die „Infrastruktur der Medienkritik“ ergänzt werde, bis hin zu prägnanteren Aussagen:

‚Ja, da entsteht etwas (…) das langfristig deutliche Auswirkungen auf die Qualität journalistischer Produkte hat (…). Da werden sich künftig viele mehr Mühe geben, wenn die Gefahr besteht, dass ein kritisches Publikum sich öffentlich über sie lustig macht’.

Und auch am Rande, ganz weit hinten und zwischen unzähligen privat publizierter Meinungen in einem Weblog, erfolgt ein Hauch von Zustimmung. Dort meldet sich eine bekannte Redakteurin in leitender Position selbstkritisch der eigenen Branche gegenüber zu Wort:

‚Wir haben alle keinen festen Grund unter den Füßen. In den alten Medien nicht mehr, den neuen noch nicht. Da klammert sich jeder an das, was ihm am nächsten ist und neigt dazu sich abzuschotten. (…) In meiner Berufswelt kritisiere ich, dass wir Journalisten dazu neigen, Öffentlichkeit als exklusives Dauergespräch zwischen Medien und Politik zu betreiben’.

Diese und ähnliche Aussagen tauchen meistens vor dem Hintergrund der Annahme auf, dass Medienkritik im Allgemeinen und Medienjournalismus im Besonderen in vielerlei Hinsicht defizitär sind. Auf Forderungen, die eigene Arbeit vor der Öffentlichkeit zur Disposition zu stellen, reagieren die Praktiker seit jeher mit einer gewissen Ablehnung. Auch gegenüber den neuen Kritikern, diesen durch Weblogs ‚plötzlich aufgetauchten Hobbypublizisten’, um die niemand gebeten hat, ist diese distanzierte Haltung beobachtbar.

Aber lässt sich aus Beobachtung und vor allem mit Blick auf diese einzelne Publikationsform Weblog auf die Grundsätzlichkeit des Kritikproblems im Journalismus, das umfangreich in der Literatur thematisiert worden ist, schließen? Ist der Austausch zwischen Journalisten und Rezipienten im Internet ausreichend beobachtbar, um von einer neuen Form öffentlicher Medienkritik zu sprechen? Welche Möglichkeiten entstehen durch Weblogs, kritische Diskussionen über den Journalismus voranzutreiben? Über diese und andere Fragen wird in der vorliegenden Arbeit nachgedacht.

Wie im Titel angekündigt, soll sich auf die Suche nach neuen Formen öffentlicher Medienkritik im und am Journalismus gemacht werden. Gibt es sie wirklich, oder handelt es sich dabei eher um eine Retrospektive alter Probleme?

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort i
Abstrakt ii
Abstract (English) ii
I. EINLEITUNG 1
1.1 Thesen 3
1.2 Aufbau der Arbeit 4
II. JOURNALISMUS -EINE AKTUELLE BESCHREIBUNG
2. Journalismus im Wandel: Zwischen Trends, Thesen und Theorie 5
2.1 Die neue Internetnutzbarkeit 6
2.2 Der Medienhype um das Mitmach-Web 7
2.3 Traditionelle Funktionen im neuen Outfit 8
2.3.1 „Nachrichten machen“ - Neue Form einer traditionellen Funktion 8
2.4 Journalismus und Publikum: Integration oder Distanz? 10
III. THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
3. Der Diskurs über den Journalismus 12
3.1 Offene Theorien für einen Journalismus im Wandel 12
3.1.1 Handlungstheoretische Sichtweisen und der Sinn des Journalismus 13
3.2 Journalismus im Kommunikationsnetz der Öffentlichkeit 14
3.3 Kommunikationsaustausch in der Öffentlichkeit 15
3.3.1 Öffentlichkeit als Kommunikationsraum 17
3.3.2 Analogien zum Kommunikationsraum Internet I 18
3.4 Öffentliche Kommunikation: Artikulation und Verständigung 20
3.4.1 Der Bruch mit der Glaubwürdigkeit 21
3.5 Öffentliche Kommunikation als Leistung des Journalismus 22
3.5.1 Konzentrations- und Strukturierungsleitstung des Journalismus 22
3.5.2 Analogien zum Internet II 23
3.6 Vermittlungsleistung als „öffentliche Aufgabe“ 24
3.7 Eine Frage des Vertrauens 26
3.8 Zwischenfazit 28
IV. MEDIENKRITIK UND JOURNALISMUS
4. Kritik am Journalismus auf hohem Niveau 29
4.1 Exkurs: Kritik und Kritiker 30
4.2 (Medien)kritik im und am Journalismus - Ein historischer Abriss 33
4.3 Journalismus - Kritische Instanz der Gesellschaft 34
4.3.1 Medienjournalismus - Gesellschafts- oder Medienkritik? 35
4.3.2 Vom Unsichtbarwerden der Kritik 35
4.4 Probleme und Dimensionen der journalistischen Selbstbeobachtung 36
4.4.1 Fallen und Grenzen des Medienjournalismus 37
4.5 Kritische Impulse von „Gegenüber“ 38
4.5.1 Gegenöffentlichkeit in Sorgen um die Demokratie 39
4.5.2 Authentische Kommunikation als Kritik der Massendemokratie 39
4.5.3 Rückkanal- und Interaktivitätstheoreme 39
4.6 Analogien zum Internet III 40
4.7 Zwischenfazit 42
V. BEOBACHTUNGSTEIL
5. Weblogs- Eine Szene entdeckt die Medienkritik 43
5.1 Hinweise zur Methode und Vorgehensweise 43
5.2 Weblogs- Eine Einführung 44
5.2.1 Verweise, Vernetzung und Kommunikation 44
5.2.2 „Some of them have to be good“ 46
5.2.3 Blitzlichter,Dokumentationen und Wissenschaft: Ein Gemeinschaftsprojekt? 48
5.2.4 Verortung der Publikationsform Weblog im Kommunikationsnetz der Öffentlichkeit 49
5.3 Weblogs und Journalismus: Eine Reizvolle Debatte 50
5.3.1 Verhältnismäßige Projektionen: Weblogs-Medienkritik-Journalismus 52
5.3.2 Dimensionierung der Abhängigkeiten 52
5.3.2.1 Weblogs im Journalismus 52
5.3.2.2 Journalismus in Weblogs 53
5.4 State of Medienblogs? - Probleme und Hilfen bei der Suche 54
5.4.1 Exkurs: Listen, Rankings und Bewertungen: Überblick oder Ausschlusskriterium? 56
5.5 Die Suche beginnt: Der „öffentliche Diskurs“ über Medien und Journalismus in Weblogs 57
5.5.1 Funktionale Eingrenzung 57
5.5.2 Beobachtungsgrundlage 59
5.6 Merkmale medienkritischer Weblog 61
M 1 Professionalisierungsgrad durch Kompetenz 61
M 2 Kontinuität medienkritischer Themen 62
M 3 Grad der Authentizität 62
M 3.1 Authentische Inhalte 63
M 3.2 Authentizität durch Transparenz 63
M 4 Diskursivität eines Weblogs 63
M 5 Qualität der Debatte 63
M 6 Öffentlichkeitswirksamkeit und Bekanntheitsfaktoren 64
Exkurs: Bildblog.de - Öffentliche Aufmerksamkeit außerhalb des Internet 65
5.7 Erscheinungsformen und Beziehungsmuster I 68
Typ 1 Subjektive Interessentenkritik 68
Exkurs: Medienkritik in Sorgen um die Demokratie 68
5.8 Erscheinungsformen und Beziehungsmuster II 70
Typ 2 Externe Medienkritik 70
Typ 3 Öffentliche Selbstkritik,-reflexion und Transparenz 71
Exkurs I: Ein Weblog „Hinter den Nachrichten“ 71
Exkurs II: Ein Weblog „Im Newsroom“ 74
Typ 4 Öffentliche Kollegenkritik: Satire oder Störfaktoren? 75
Exkurs: Ein (medien)kritisches Weblog zwischen Abhängigkeit und Kommentarfreiheit 76
Typ 5 Interne Kritik als Selbstreflexion 79
Exkurs: Internes Weblog einer Rundfunkanstalt 80
5.9 Zwischenfazit 82
VI DISKURSBEISPIEL
6. Medienkritik-Journalismus-Weblogs: Beispiel eines intermedialen Streitgespräches 83
6.1 Das Medienquartett 83
6.2 Das Thema 84
6.3 Kritik der Medienkritik: „Ich hätte davon niemals erfahren, wenn es keine Blogs gebe“ 85
6.4 Einordnung 86
VII FAZIT
7. Fazit und Einschätzung 88
7.1 Letzte Worte . 91
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Gesellschaftliche Öffentlichkeit nach Weßler (2002) 24
Abbildung 2: Bildblog.de und der Werbespot 65
Abbildung 3: Screenshot Das Farliblog 68
Abbildung 4: Bildblog, Spiegelkritik, Stefan Niggemeier, Watchblog 70
Abbildung 5: Screenshot Blog.tagesschau.de 71
Abbildung 6: Kopie Im Newsroom 74
Abbildung 7: Screenshot Indiskretion Ehrensache 75
Abbildung 8: Collage Apocalypso 76
Abbildung 9:Internes Weblog einer Rundfunkanstalt 80
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Wachstum der Blogosphäre 47
Tabelle 2: Beobachtete Weblogs 60
Tabelle 3: Vorankündigung des Bildblog Werbespots 66
LITERATURVERZEICHNIS 92
ANHANG 110

Textprobe:

Kapitel 4.4, Probleme und Dimensionen journalistischer Selbstbeobachtung:

Aus den vorangegangenen Ausführungen müsste an dieser Stelle die Bilanz gezogen werden, dass Medienkritik im Journalismus entweder in einer komplexen und gleichsam elitären Form der Gesellschaftskritik oder als Satire und Unterhaltungsshow möglich ist. Die Frage, ob sich der eigentliche Inhalt aber erschließt, wenn dieser aufgrund der Darstellungsformen hinter einem Mix aus Manöverkritik an Politik oder Einspielern aus Talk-Shows, in denen Klischees transportiert werden, zurücktritt, bedarf einer genauen Inhaltsanalyse.

Hingegen lässt sich die Frage, wer oder was es dem Journalismus so schwierig macht, seine Kritik- und Kontrollfunktion auf die eigene Arbeit anzuwenden und öffentlich zu thematisieren, mit Hilfe bestehender Literatur beantworten.

Im Zusammenhang mit der journalistischen Praxis hat Medienkritik ihren Platz im Medienjournalismus gefunden. Dieser wird definiert als die „Berichterstattung von Medien über Medien.“ Aufgrund dieses weit gefassten Spektrums der Medienkritik, dass sich aus ihrer Kompatibilität mit vielen anderen gesellschaftlichen Themen ergibt, tappt der Medienjournalismus theoretisch und praktisch in eine Reihe von Fallen. Einige wurden bereits beispielhaft aufgezeigt. Vier solcher Fallen sind die Rollenkontext-, Unabhängigkeits-, Vermittlungs- und Selbstverständnisfalle. Was ist damit gemeint?

Tappt ein Journalist in die Rollenkontextfalle, steht er vor dem Problem, dass er auf der einen Seite unabhängig für die Rezipienten berichten soll und sich auf der anderen Seite der Koorientierung an den Kollegen ausgesetzt fühlt. Die Bedenken, wie die Kritik an der Arbeit seiner (eigenen) Berufskollegen ankommt und auf ihn zurückfällt, bringen ihn in einen Konflikt. An diesem Punkt fehlt somit ein „Dritter im Bunde“, eine Vermittlungsinstanz, die stellvertretend für den Medienjournalisten beobachtet. Diese Außeneinschätzung kann dann wiederum der Medienjournalist zum Gegenstand der Berichterstattung machen.

Ähnlich verhält es sich mit der Unabhängigkeitsfalle, nur, dass es hierbei um einen ökonomischen Interessenkonflikt (Verlag vs. Redaktion) geht. Dieser wirkt limitierend auf den Objektivitätsanspruch der Journalisten.

Bei der Vermittlungsfalle handelt es sich um eine Verknüpfung verschiedener Probleme: Aus ökonomischen Entscheidungen, beispielsweise vermehrt Anzeigen zu schalten, entsteht das Problem des Platzmangels. Somit müssen Medienthemen auf die Ressorts (z.B. Politik, Kultur, Wirtschaft) verteilt werden. Reine Medienthemen finden sich demgemäß am ehesten in Fachmagazinen, was im Prinzip die Frage aufwirft, ob sich Medienjournalismus nicht per se als Fachjournalismus bezeichnen lässt. Ist das der Fall, dann bleibt die Kritik in Spezialisten- und Insiderkreisen, in Teilöffentlichkeiten, und es findet nur bedingt eine Wissensvermittlung an Laien statt.

Die Selbstverständnisfalle schließlich rundet das ganze Spektrum der Hemmnisse ab: Medienjournalisten sehen sich als neutrale Berichterstatter und nicht als „Sittenwächter der Branche.“ Demzufolge kann Medienjournalismus nicht als Projekt der Aufklärung im Sinne kontinuierlichen Hinterfragens, Kritisierens und öffentlichen Thematisierens des eigenen Handelns stattfinden.

Weichert sieht einen Lösungsansatz dahingehend, dass der Dialog zwischen Medien- und Kommunikationswissenschaftlern und Medienpraktikern gestärkt werden muss, um eine wirksame institutionelle Verankerung von Medienkritik im Journalismus zu erreichen.

Kann somit von einer fünften Falle, einer Vermittlungsfalle zweiter Art, gesprochen werden? Diese Frage kann an dieser Stelle nicht eindeutig beantwortet werden. Zudem verweist sie erneut auf die Differenz an theoretischen Sichtweisen in der Journalistik und die Bemühungen, diese mit empirischen Analysen zusammenzubringen. Auffallend ist diesbezüglich auch, dass sich die Literatur über die Aspekte Journalismus- und Medienkritik trotz der Auflagenaktualität sehr stark ähnelt. Das Berichten und öffentliche Reflektieren über den Journalismus wird zumindest noch immer als „blinder Fleck“, „Selbstbeobachtungsfalle“, „Glashaus-Dilemma“„Nestbeschmutzung“ oder als „totes Genre wie das Heldenepos oder das Libretto“ bezeichnet.

Da jedoch das Ziel dieser Arbeit ist, neue Formen öffentlicher Medienkritik zu suchen, sollen im Folgenden Ansätze beschrieben werden, die die Vorstellung eines Gesprächs über Medien und Journalismus in dem „durch Hierarchisierung gekennzeichneten und umkämpften Raum“ Öffentlichkeit zulassen. Dafür lohnt es sich, noch einen kurzen Blick in die Geschichte der siebziger und achtziger Jahre zu werfen, als die im Folgenden dargestellten Vorstellungen Ausdruck gefunden haben.

Arbeit zitieren:
Trümper, Stefanie Oktober 2007: 'Weblog is watching you', Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Onlinejournalismus, Public Relations, Medienkritik, Weblog, Journalismus

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