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'Queer Temporalities'?

Zusammenhänge zwischen den Motiven 'Arbeit', 'soziales Geschlecht' und 'Sexualität' in der fiktionalen Ausgestaltung der 'Neuen Frau' auf der Folie soziokultureller Diskurse der Weimarer Zeit

'Queer Temporalities'?
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Anja Kümmel
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 81 Seiten
  • Dateigröße: 356,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 123
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3137-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kümmel, Anja November 2005: 'Queer Temporalities'?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Queer, Weimarer Republik, Neue Frau, Roman, Arbeit

MA-Thesis / Master von Anja Kümmel

Einleitung:

Die Weimarer Republik als eine Zeit des radikalen kulturellen, sozialen und politischen Wandels stellt ein für die historische Geschlechterforschung nach wie vor höchst relevantes Feld dar. Exemplarisch für den strukturellen Wandel der Geschlechterdynamik sei hier der verstärkte Eintritt von Frauen ins Erwerbsleben, das postulierte ‘neue Selbstbewusstsein’ der modernen Frau, oder auch die ‘neue Sexualmoral’ genannt. Gleichzeitig schaffte die relative Liberalität der 1920er Jahre (zumindest in urbanen Räumen) ein Klima, in dem sich Frauen zum ersten Mal als ‘homosexuell’ konstituieren konnten. Vor allem in der Metropole Berlin blühte eine facettenreiche homosexuelle Subkultur auf; in bestimmten Gesellschaftsschichten wurde das Spiel mit Geschlechterrollen, Homo- und Bisexualität regelrecht ‘chic’. Ein neues Bewusstsein über Geschlecht und Sexualität, über öffentliches Auftreten und weibliche Autonomie bildete sich heraus. Für den sich vollziehenden Strukturwandel waren die Begriffe ‘Arbeit’, ‘soziales Geschlecht’ und ‘Sexualität’ von zentraler Bedeutung.

Demnach überrascht es nicht, dass sich in der Zeit von 1918-1933 ein Großteil der literarischen Neuerscheinungen mit den im Umbruch begriffenen Geschlechterverhältnissen beschäftigte. So war die ‘Neue (erwerbstätige) Frau’ ein beliebtes und immer wiederkehrendes Thema im Roman der Weimarer Republik. Parallel dazu entstand erstmals eine signifikante Anzahl von Texten, die sich relativ offen mit dem Thema ‘lesbische Liebe’ auseinandersetzten.

Forschungsstand und Forschungsinteresse:
Mein Interessenschwerpunkt ist die fiktionale Ausgestaltung der ‘Neuen Frau’ im Autorinnen-Roman der Weimarer Republik in Bezug auf die identitätsstiftenden Kategorien ‘Arbeit’, ‘Geschlecht’ und ‘Sexualität’. Bislang wurden diese Teilaspekte des Autonomieverständnisses der ‘Neuen Frau’ zumeist voneinander isoliert betrachtet. Derartige kategoriale Trennungen tendieren nicht nur dazu, Dichotomien zu reproduzieren, sondern ignorieren überdies die Vielfalt sowohl literarischer Inszenierungen als auch unterschiedlicher Lebensrealitäten. Anliegen dieser Arbeit ist es, mittels neuer Erkenntnisse aus der gender-/queer theory die komplexe wechselseitige Beeinflussung der genannten Parameter der Fremd- und Selbsteinordnung anhand literarischer Beispiele genauer zu ergründen.

Zum Thema ‘Neue Frau’ gibt es eine Reihe von Abhandlungen, die teilweise auch auf die literarische Darstellung weiblicher Erwerbstätigkeit im Zusammenhang mit anderen Aspekten wie Freizeitverhalten, neue Sexualmoral etc. eingehen. Meist wird allerdings ein nach wie vor heteronormativer Blick auf die Protagonistinnen und deren Lebensentwürfe gerichtet. Romane, die lesbisches Begehren thematisieren, werden hingegen isoliert und unter anderen Gesichtspunkten behandelt. Hier wird zumeist die Darstellung von Sexualität, Erotik und Begehren und die Inszenierung von Geschlechterrollen in den Mittelpunkt gestellt. Welche Rolle ‘Arbeit’ für die Ausbildung einer (lesbischen/queeren) Identität spielen könnte, welches Gewicht der Erwerbstätigkeit beigemessen wird, welche Betätigungsfelder wie inszeniert werden bzw. warum die soziale Lebensrealität der Protagonistin(nen) eben gerade nicht oder nur am Rande thematisiert wird, wurde bislang nicht untersucht.

Eine zusammenhängende Studie zum Themenkomplex der Arbeit in der Literatur der Weimarer Republik lieferte erstmals Thorsten Unger. Diskussionen über den Typ der ‘Neuen Frau’ in Relation zu ‘Arbeit’ sowie Ausführungen zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung werden in dieser Untersuchung nur angerissen, ließen sich jedoch nach Ansicht Ungers ‘ebenfalls leicht zu einer eigenständigen Studie ausbauen’.

Mit der vergleichenden Textanalyse und deren Einbettung in die soziokulturellen Diskurse der 1920er Jahre möchte ich neue Erkenntnisse über die Bedeutung von ‘Arbeit’ für die Fremd- und Selbstkonstruktion lesbischer/bisexueller/heterosexueller Frauen gewinnen. Nicht zuletzt kann und soll diese Untersuchung als Anstoß verstanden werden, die Kategorien ‘Sexualität’, ‘Liebe’ und ‘Beziehungsformen’ in den Diskurs um ‘Gender’ und ‘Arbeit’ – durchaus auch über historisch-literarische Betrachtungen hinaus – verstärkt mitzudenken.

Fragestellungen:

Im Mittelpunkt der Untersuchung wird die übergreifende Frage nach der Funktionalität der Arbeit für die Ausprägung und Inszenierung individueller oder kollektiver Identitäten stehen. Diese Identitäten werden dabei stets als durch geschlechtliche und sexuelle Zuweisungen bestimmte Subjektpositionen gedacht. Zum einen manifestieren sich diese (Selbst-)Positionierungen durch handlungstragende Entscheidungen (Welchen Berufen gehen die Protagonistinnen nach? Wer oder was beeinflusst ihre Berufswahl?), zum anderen in prozesshaften, innerhalb eines gegebenen Bezugsrahmens mehr oder weniger ‘wiedererkennbaren’ Verhaltensweisen und Handlungsmustern (z.B. Wie verhält sich die Protagonistin gegenüber Chefs/Kollegen?).

Bezüglich der Behauptung einer eigenen Identität ist das Konzept der ‘Unabhängigkeit’ zentral: Welche Bedeutung haben die Begriffe ‘Eigenständigkeit’, ‘Freiheit’, ‘Unabhängigkeit’ für die Charaktere? Inwieweit werden diese Konzepte mit ‘Arbeit’ verknüpft? Findet eine starke/schwache Identifikation über ‘Arbeit’ statt? Ist z.B. die vorrangige Motivation, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, oder sind andere Aspekte – ‘Selbstverwirklichung’, Verantwortung, kreatives Schaffen etc. – ausschlaggebend?

Weitere Leitfragen beziehen sich auf den Themenkomplex traditioneller/alternativer Lebensentwürfe. Wie wird der ‘private’, wie der ‘öffentliche’ Bereich gewichtet? Gibt es Überschneidungen? In welchem Wechselverhältnis (z.B. als gegenseitige Bereicherung/Behinderung oder einander ausschließend) stehen sexuelle/emotionale Bindungen und ‘Arbeit’? Wo und auf welche Weise werden gängige Wertgefüge im Hinblick auf geschlechtsspezifische Tätigkeiten durchbrochen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen alternativen Wertgefügen bezüglich der Erwerbstätigkeit, queeren Lebensentwürfen/queerer Sexualität und abweichendem Geschlechtsrollenverständnis?

Es geht mir weniger um die Beschreibung sozialer Realitäten als um die (literarische) Vermittlung bestimmter Bilder, Denkstrukturen und Handlungsmuster. Ebenfalls sei angemerkt, dass diese Arbeit nicht den Anspruch erhebt, eine Bestandsaufnahme fiktionaler Inszenierungen von erwerbstätigen ‘Neuen Frauen’ und/oder homosexuellen Frauen zu sein. Vielmehr möchte ich mich auf eine qualitative Analyse einiger weniger literarischer Beispiele auf der Folie soziokultureller Diskurse der Weimarer Zeit beschränken.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Forschungsstand und Forschungsinteresse 1
1.2 Fragestellungen 3
2. Begriffsbestimmungen und theoretische Grundlagen 4
3. Die ‘Neue Frau’ - Konstruktionen und soziale Realitäten 8
3.1 Die neue Sexualmoral 10
3.1.1 Triebsublimation durch Arbeit 10
3.1.2 Befreite Sexualität? 11
3.2 Erwerbstätigkeit: Chancen und Grenzen 13
3.2.1 Weibliche Angestellte 16
3.2.2 Künstlerinnen 18
3.3 Der Vorwurf der ‘Vermännlichung’ 20
4. Homosexuelle Frauen im Diskurs der 1920er Jahre 22
4.1 ‘Garçonne’ oder ‘Drittes Geschlecht’? Zum Selbstverständnis lesbischer Frauen 24
4.2 ‘Autonomie’, ‘Wissen’, ‘Schöpfen’ - Angelpunkte lesbischer Identität? 28
4.3 Strange Bedfellows: ‘Freundinnen’ und ‘Neue Frauen’ 31
5. Frauenliteratur in der Weimarer Republik 33
5.1 Erkenntnisinteresse und Herangehensweise 35
5.2 ‘Arbeit’, ‘soziales Geschlecht’ und ‘Sexualität’ in zwei Romanbeispielen 37
5.2.1 Grete von Urbanitzky: ‘Sekretärin Vera’ (1930) 37
5.2.2 Grete von Urbanitzky: ‘Der wilde Garten’ (1928) 42
5.3 Vergleichende Romananalyse 49
5.3.1 Queer spaces: Utopische Entfaltungsräume 49
5.3.2 Queer times: Der verlorene Patriarch 54
5.3.3 Queer professions: Existenzmöglichkeiten jenseits von ‘Produktion’ und ‘Reproduktion’ 58
6. Schlussbetrachtung 65
Literaturliste 70
Anhang I: Inhaltsangabe zu ‘Sekretärin Vera’ 77
Anhang II: Inhaltsangabe zu ‘Der wilde Garten’ 78

Textprobe:

Kapitel 3.2, Erwerbstätigkeit: Chancen und Grenzen:

Die Ausbruchsphantasien der ‘Neuen Frauen’ sind ganz wesentlich mit dem Überschreiten der ihnen traditionell zugewiesenen häuslichen Sphäre und den damit verbundenen ‘weiblichen’ Arbeiten verknüpft. Das Verschwimmen der Grenzen zwischen ‘privatem (Frauen-)Raum’ und ‘öffentlichem (Männer-)Raum’ steht in direktem Zusammenhang mit urbanen Lebens- und Arbeitsräumen, denn ‘für die moderne Metropole ließen sich diese klaren Kategorien von ‚Innen’ und ‚Außen’ nicht mehr durchgängig aufrecht erhalten.’ Erstmals konnten sich Frauen in der großstädtischen Öffentlichkeit – auf der Straße, in Cafés und Salons – frei bewegen, ohne als Prostituierte fehlinterpretiert zu werden.

Die neue Sichtbarkeit von Frauen in der Öffentlichkeit war zugleich Wegbereiter und Folge der Zunahme außerhäuslicher Arbeit. Während des ersten Weltkrieges waren viele Frauen ins Erwerbsleben eingetreten, teilweise auch in typische Männerberufe. Zum einen kamen sie damit dem Appell nach, ihren Teil zur Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft beizutragen, zum anderen blieb ihnen schlicht nichts anderes übrig, als in der Abwesenheit der Männer für den Familienunterhalt zu sorgen. Wenn auch aus einer Zwangslage entstanden, so entwickelten sie doch nach und nach ein neues Selbstbewusstsein angesichts ihrer Fähigkeiten, oftmals einhergehend mit dem Unwillen, die einmal gewonnene Eigenständigkeit wieder aufzugeben. Nach dem Krieg kam es allerdings im Zuge der Demobilisierung zu massiven Kampagnen, deren Ziel es war, Frauen vom Arbeitsmarkt zu verdrängen. Sie richteten sich insbesondere gegen sogenannte ‘Doppelverdienerehen’. Aber auch alleinstehende Frauen und solche, die weitere Personen zu versorgen hatten, waren von den Entlassungen betroffen. Dass viele Frauen auch in der Nachkriegszeit darauf angewiesen blieben, sich und ihre Familien allein zu versorgen, da viele Väter, Ehemänner und Brüder nicht wiedergekehrt waren, wurde weitgehend ignoriert. Vielmehr griffen hier die weit verbreitete Auffassung, Berufstätigkeit und Mutterschaft seien unvereinbar, und die Strategie, erwerbstätige Ehefrauen für die Arbeitslosigkeit der Männer verantwortlich zu machen, auf wirksame Weise ineinander.

Auf der anderen Seite eröffnete die wachsende Bürokratisierung auf allen Sektoren eine Vielzahl von Positionen im Bereich der Büro-, Verwaltungs- und Verkaufstätigkeit. Diese Stellen waren auf junge, ledige Frauen zugeschnitten, meist gering bezahlt und erforderten nur minimale Qualifikationen. So war in den Nachkriegsjahren trotz der Propaganda zur Rückdrängung der Frauen aus dem Arbeitsleben ein sprunghafter Anstieg der weiblichen Erwerbsquote zu verzeichnen.

Wenn man die Erziehung, Berufsvorbereitung und realen Arbeitsverhältnisse junger Frauen in den 1920er Jahren genauer betrachtet, muss man sich jedoch fragen, inwieweit die Zunahme der Erwerbstätigkeit tatsächlich zu mehr Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit führte.

Schon die damalige Ausbildungssituation weist darauf hin, dass die weibliche Berufstätigkeit lediglich als Übergangsstadium zwischen Schule und Ehe aufgefasst wurde. Den meisten jungen Mädchen wurde lediglich eine sehr kurze Ausbildung zuteil, in der sie auf einen ‘typisch weiblichen’ Beruf vorbereitet wurden. Nebenher opferten sie einen Großteil ihrer Zeit für den Besuch einer Haushaltsschule, wo sie auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet werden sollten. Diese Strukturen lassen erkennen, dass sich weder an den Auffassungen über geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung noch an der Ideologie der Zwangsheterosexualität viel geändert hatte.

Eine weitere Hürde zur finanziellen Unabhängigkeit lag in der systematischen Unterbezahlung von Arbeitnehmerinnen. Obwohl ein Großteil der Frauen mehrere Angehörige zu versorgen hatte, wurde weiterhin an der Vorstellung festgehalten, dass Männer einen ‘Familienlohn’ erhalten sollten, Frauen dagegen nur einen ‘Individuallohn.’ Überdies wurden Frauen als physisch schwächer und weniger leistungsfähig eingestuft, wobei geflissentlich übersehen wurde, dass es in den typischen Frauenbranchen nicht in erster Linie auf Körperkraft ankam. Des weiteren wurde mit den Schutzgesetzbestimmungen und der daraus resultierenden geringeren Einsatzfähigkeit der Frauen, sowie mit deren geringeren Qualifikationen argumentiert, um die Lohndifferenz zu rechtfertigen. Es zeigt sich also, dass der Mehrheit der auf den großstädtischen Arbeitsmarkt drängenden jungen Frauen die Voraussetzungen nicht gegeben waren, die im Bild der ‘Neuen Frau’ theoretisch verankerten Unabhängigkeitskonzepte langfristig zu realisieren. So resümiert auch Karin Erkel: ‘Da das schmale Gehalt sowie fehlende berufliche Aufstiegschancen der weiblichen Angestellten eine selbständige Lebensführung auf Dauer ausschlossen, orientierten sich die meisten berufstätigen Frauen am althergebrachten Muster der Versorgungsehe’.

Trotz der Zunahme weiblicher Erwerbstätigkeit blieb somit für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland das ‘Hausfrauenmodell der Versorgerehe’ tonangebend. Dieses teilweise bis heute die Arbeitsmarktpolitik und gesellschaftlichen Erwartungen prägende Ernährermodell charakterisiert sich durch ‘die Vorstellung, der Mann solle durch einen ausreichenden Lohn und entsprechende Ersatzleistungen seine Familie allein unterhalten können’.

In der Weimarer Republik war die Vorherrschaft des ‘männlichen Ernährer’-Modells sowohl in die kulturellen Leitbilder eingebettet als auch durch den Rechtsstaat gestützt. Aus dieser ideologischen Verwurzelung lassen sich auch die Ambivalenzen des medial verbreiteten Bildes der ‘Neuen Frau’ hinsichtlich ihrer Erwerbstätigkeit erklären. Einerseits wurde in vielen Filmen das Dasein als Verkäuferin oder Stenotypistin als glanzvoll und erstrebenswert dargestellt, was auch die Berufswahl vieler junger Mädchen beeinflusste. Andererseits wurde der zentrale Stellenwert der Berufstätigkeit, den die Frauenbewegung als unerlässlich für weibliche Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung gesehen hatte, in den Medien der 1920er Jahre eher selten transportiert. Z.B. stellt Gesa Kessemeier bei einer Analyse von Frauenportraits in der Zeitschrift Vogue fest, dass sich nur neun von 71 portraitierten Frauen über selbst erbrachte Leistungen definieren. In den allermeisten Fällen wurden die Dargestellten – die aufschlussreichen Ausnahmen bildeten einige bekannte Sportlerinnen und Künstlerinnen – als Töchter bzw. Gattinnen erfolgreicher Männer vorgestellt.

Zwar mögen sich vielerorts zaghafte Versuche in Richtung einer neuen Selbstständigkeit der Frau und hin zu einem ‘kameradschaftlichen’ Geschlechterverhältnis abgezeichnet haben, das Ehe- und Familienrecht jedoch blieb auch unter der neuen Reichsverfassung in traditionell patriarchalen Werten verhaftet. So setzte das Bürgerliche Gesetzbuch deutliche Zeichen hinsichtlich der ‘Entscheidungsfreiheit’ der Ehefrau. Der Ehemann war als alleiniger Entscheidungsträger vorgesehen. Somit bedurfte die Frau weiterhin seiner Zustimmung, wenn sie eine eigenständige Arbeit aufnehmen wollte. Das ging soweit, dass dem Ehemann das Recht zugesprochen wurde, die Arbeitsstelle seiner Frau eigenmächtig zu kündigen, wenn er das Gefühl hatte, ihre Tätigkeit ‘beeinträchtige die ehelichen Interessen’.

Im folgenden möchte ich auf zwei Tätigkeitsfelder näher eingehen, die in der folgenden Romananalyse eine übergeordnete Rolle spielen.

Arbeit zitieren:
Kümmel, Anja November 2005: 'Queer Temporalities'?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Queer, Weimarer Republik, Neue Frau, Roman, Arbeit

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