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'In guten wie in schlechten Zeiten...'

Individuelles und dyadisches Coping, Empathie und Zufriedenheit in partnerschaftlichen Beziehungen

'In guten wie in schlechten Zeiten...'
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bente Klein
  • Abgabedatum: August 2008
  • Umfang: 226 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Salzburg Österreich
  • Bibliografie: ca. 250
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2758-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Klein, Bente August 2008: 'In guten wie in schlechten Zeiten...', Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Coping, Stressbewältigung, Partnerschaft, Partnerschaftszufriedenheit, Empathie

Diplomarbeit von Bente Klein

Einleitung:

Im Hohelied der Liebe wurde vor circa 2000 Jahren das beschrieben, was heute immer noch gültig ist: die Liebe als die herausragendste aller Emotionen. Die Liebe vereint alle Extreme. Sie steht über allem. Kein Thema fasziniert die Menschen so sehr wie die Liebe. Die Liebe ist allgegenwärtig.

Aber die Liebesbeziehung zweier Menschen kennt nicht nur Sonnenschein. Belastungen jeglicher Art legen immer wieder Steine in den Weg, bilden immer wieder Hürden, die es zu überwinden gilt. Manche Beziehungen scheitern beim ersten Hindernis, manche meistern mehrere, bevor sie scheitern. Aber es gibt auch Beziehungen, in denen sich die Partner immer und immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen, die aber dennoch fortbestehen. Manche Beziehungen sind danach sogar intensiver und glücklicher denn je. Was ist das Geheimnis dieser Beziehungen? Was machen die Partner in diesen Beziehungen, was die anderen versäumen. Welche Strategien wenden die einzelnen Personen an, wie handeln die Partner gemeinsam, um mit Belastungen umzugehen? Diesem Geheimnis auf den Grund zu gehen, ist einer der Schwerpunkte dieser Arbeit.

Vom Partner verstanden zu werden, ist wohl für die meisten Menschen, die in einer Beziehung leben, äußerst wichtig. Frauen wünschen sich einen einfühlsamen Partner, Männer eine einfühlsame Partnerin. Viele Beziehungen scheitern, weil eben dieses Verständnis für den Anderen und die Sensibilität bei der Erfassung seiner Bedürfnisse nicht oder nur in geringem Maße vorhanden sind. Es lässt sich nur mutmaßen, wie viele Beziehungen aufrechterhalten werden könnten, würden sich die Partner die Mühe machen, sich in den anderen hineinzuversetzen, sich in ihn hineinzufühlen. Die Frage nach dem Sich-Einfühlen-Können in eine andere Person, der Empathie, bildet einen weiteren Schwerpunkt dieser Arbeit.

Im ersten Teil dieser Arbeit werden zunächst zwischenmenschliche Beziehungen mit besonderem Augenmerk auf die partnerschaftliche Beziehung und Zufriedenheit mit dieser beschrieben. Hierauf folgt die Darstellung der Konzepte Stress, individuelles Coping und dyadisches Coping mit ihrem Bezug zur partnerschaftlichen Beziehung. In einem nächsten Punkt steht das Konzept der Empathie im Fokus des Interesses, bevor all diese Konstrukte in einen Zusammenhang zueinander gebracht werden.

Die Durchführung einer Untersuchung zur Fragestellung ‘Wie wirken sich individuelles Coping, dyadisches Coping und Empathie auf die Zufriedenheit in partnerschaftlichen Beziehungen aus?’ wird im zweiten Teil dieser Arbeit behandelt. Dabei wird zunächst auf die der Untersuchung zu Grunde liegende Methodik und den Versuchsplan eingegangen, bevor anschließend Ergebnisse dargestellt und in einer Diskussion erörtert werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 2
2. ZWISCHENMENSCHLICHE BEZIEHUNGEN 4
2.1 Zwischenmenschliche Beziehungen allgemein 4
2.1.1 Was ist eine Beziehung? 4
2.1.2 Beziehungsklassifikation 5
2.1.3 Arten zwischenmenschlicher Beziehungen 6
2.1.3.1 Eltern-Kind-Beziehungen 6
2.1.3.2 Geschwisterbeziehungen 7
2.1.3.3 Peer- und Freundschaftsbeziehungen 8
2.1.3.4 Nachbarschafts- und Arbeitsbeziehungen 9
2.2 Partnerschaftliche Beziehungen 9
2.2.1 Definition von Partnerschaft 10
2.2.2 Heutige Partnerschaften 11
2.2.3 Beziehungsdimensionen 12
2.2.3.1 Liebe 13
2.2.3.2 Bindung 16
2.2.3.3 Intimität und Selbstöffnung 19
2.2.4 Theorien zu partnerschaftlichen Beziehungen 20
2.2.4.1 Ähnlichkeits- und Komplementaritätstheorien 20
2.2.4.2 Austausch- und Investitionstheorien 21
2.2.4.3 Lern- und Verhaltenstheorien 24
2.2.5 Beziehungszufriedenheit 26
2.2.5.1 Definition des Konstrukts Beziehungszufriedenheit 26
2.2.5.2 Methoden zur Erfassung der Beziehungszufriedenheit 28
2.2.5.3 Einflussfaktoren auf die Beziehungszufriedenheit 29
3. STRESS UND COPING 34
3.1 Stress 34
3.1.1 Definition von Stress 34
3.1.2 Entstehung und Ursachen von Stress 35
3.1.2.1 Stresstheorie nach Lazarus 36
3.1.2.2 Theorie der Ressourcenerhaltung nach Hobfoll 37
3.1.2.3 Arten von Stressoren 37
3.1.3 Stressreaktionen und Folgen von Stress 39
3.1.3.1 Physiologische Stressreaktionen 40
3.1.3.2 Psychologische Stressreaktionen 40
3.2 Stress und Partnerschaft 40
3.2.1 Soziale Definition von Stress 41
3.2.2 Stress in der Partnerschaft 41
3.2.2.1 Stress in Partnerschaften als eine Spezialform des sozialen Stresses 41
3.2.2.2 Arten von Stressoren in einer Beziehung 42
3.2.2.3 Empirische Untersuchungen zu Stress in Partnerschaften 42
3.2.3 Auswirkungen von Stress auf die Partnerschaft 43
3.3 Individuelles Coping 45
3.3.1 Definition von Coping 45
3.3.2 Verhaltensreaktionen auf eine Belastung 46
3.3.3 Coping-Ansätze 47
3.3.3.1 Traditionelle Coping-Ansätze 47
3.3.3.2 Coping nach Lazarus 48
3.3.3.3 Coping nach Mechanic 49
3.3.3.4 Coping nach Thoits 49
3.3.3.5 Coping nach Perrez und Reicherts 50
3.3.3.6 Das Multiaxiale Copingmodell nach Hobfoll 51
3.3.3.7 Neuere Coping-Ansätze 53
3.3.4 Copingdimensionen 54
3.3.4.1 Problemfokussiertes vs. Emotionsfokussiertes Coping 54
3.3.4.2 Weitere Copingdimensionen 56
3.3.5 Funktionen des Copings 57
3.3.6 Coping Ressourcen 58
3.3.6.1 Gesundheit und Energie 58
3.3.6.2 Positive Gedanken 58
3.3.6.3 Problemlösungsverhalten 59
3.3.6.4 Soziale Fähigkeiten 59
3.3.6.5 Soziale Unterstützung 59
3.3.6.6 Materielle Ressourcen 60
3.3.7 Exkurs: Coping und Lebensalter 60
3.4 Dyadisches Coping 61
3.4.1 Soziales Coping 61
3.4.2 Coping in der Partnerschaft 62
3.4.2.1 Coping in Partnerschaften als individuelles Coping 62
3.4.2.2 Coping in Partnerschaften als Copingübereinstimmung 62
3.4.2.3 Coping in Partnerschaften als Beziehungsbezogenes Coping 63
3.4.2.4 Coping in Partnerschaften als Empathisches Coping 63
3.4.3 Das Dyadische Coping nach Bodenmann 64
3.4.3.1 Gemeinsames dyadisches Coping 64
3.4.3.2 Supportives dyadisches Coping 65
3.4.3.3 Delegiertes dyadisches Coping 65
3.4.3.4 Ambivalentes Dyadisches Coping 66
3.4.3.5 Hostiles Dyadisches Coping 66
3.4.3.6 Oberflächliches (Floskelhaftes) Dyadisches Coping 67
3.4.4 Einflussfaktoren auf das dyadische Coping 67
3.4.4.1 Individuelle Kompetenzen 67
3.4.4.2 Dyadische Kompetenzen 68
3.4.4.3 Motivationale Aspekte 68
3.4.4.4 Kontextuelle Aspekte 69
3.4.4.5 Lebensalter 69
4. EMPATHIE 70
4.1 Definition von Empathie 70
4.2 Komponenten der Empathie 72
4.2.1 Kognitive vs. affektive Empathie 72
4.2.2 Perspektiven- und Rollenübernahme 74
4.2.3 Gefühlsansteckung 75
4.2.4 Reale vs. fiktive Situation 76
4.2.5 Ausdrucksvermittelte vs. situationsvermittelte Empathie 77
4.3. Empathie in Abgrenzung zu ähnlichen Konstrukten 77
4.3.1 Empathische Genauigkeit 77
4.3.2 Sympathy (Mitgefühl / Mitleid) 77
4.3.3 Nachahmung (mimicry) 78
4.3.4 Theory of Mind 79
4.4 Empathie und Verhalten 79
4.4.1 Empathie, Altruismus und Prosoziales Verhalten 79
4.4.1.1 Die Empathie-Altruismus-Hypothese 79
4.4.1.2 Egoistische Motive für Altruismus und prosoziales Verhalten 81
4.4.2 Empathie und Antisoziales Verhalten 82
4.4.2.1 Empathie und Aggression 82
4.4.2.2 Empathie, Sensationslust und Schadenfreude 83
4.5 Einflussfaktoren auf die Empathie 83
4.5.1 Empathie und Geschlecht 83
4.5.2 Empathie und Ähnlichkeit bzw. Vertrautheit 84
4.5.3 Empathie und Intelligenz 85
5. COPING, EMPATHIE UND BEZIEHUNGSZUFRIEDENHEIT 86
5.1 Copingund Beziehungszufriedenheit 86
5.1.1 Individuelles Coping und Beziehungszufriedenheit 87
5.1.2 Dyadisches Coping und Beziehungszufriedenheit 89
5.2 Empathie und dyadisches Coping 91
5.3 Empathie und Beziehungszufriedenheit 92
5.4 Coping, Empathie und Beziehungszufriedenheit 94
6. FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN 98
6.1 Fragestellung 1: Individuelles und dyadisches Coping 98
6.2 Fragestellung 2: Individuelles Coping auf Beziehungszufriedenheit 99
6.3 Fragestellung 3: Dyadisches Coping und Beziehungszufriedenheit 99
6.4 Fragestellung 4: Empathie und Beziehungszufriedenheit 100
6.4.1 Fragestellung 4a: Beziehungszufriedenheit und eigene Empathie 100
6.4.2 Fragestellung 4b: Beziehungszufriedenheit und Empathie des Partners 101
6.5 Fragestellung 5: Empathie und dyadisches Coping 101
6.6 Fragestellung 6: Empathie und Geschlecht 101
6.7 Fragestellung 7: Dyadisches Coping und Lebensalter 102
6.8 Fragestellung 8: Dyadisches Coping und Beziehungsdauer 102
6.9 Fragestellung 9: Beziehungszufriedenheit und Beziehungsdauer 103
6.10 Fragestellung 10: Beziehungszufriedenheit und Wohnsituation 103
6.11 Fragestellung 11: Beziehungszufriedenheit und Kontakthäufigkeit 104
6.12 Fragestellung 12: Beziehungszufriedenheit und Kinder 104
7. VERSUCHSPLAN UND METHODIK 105
7.1 Versuchsplan 105
7.2 Stichprobe und Selektionskriterien 106
7.3 Untersuchungsverfahren 107
7.3.1 Fragebogen zur Beurteilung einer Zweierbeziehung (FBZ) 107
7.3.2 E-Skala 108
7.3.3 Fragebogen zur Erfassung des individuellen Copings (Incope-2) 110
7.3.4 Fragebogen zur Erfassung des dyadischen Copings als generelle Tendenz (FDCT-N) 111
7.4 Drehbuch der Untersuchung 113
7.5 Geplante statistische Auswertung 114
7.6 Ethische und juristische Aspekte der Studie 114
7.7 Kritische Betrachtung der der Vorgehensweise 117
7.8 Durchführung der Untersuchung 119
8. ERGEBNISSE 121
8.1 Beschreibung der Stichprobe 121
8.1.1 Alter der Probanden 121
8.1.2 Familienstand 121
8.1.3 Beziehungsdauer und Ehedauer 121
8.1.4 Kinder 123
8.1.5 Wohnsituation 123
8.1.6 Kontakthäufigkeit 123
8.2 Deskriptive Auswertung der Untersuchungsverfahren 124
8.2.1 Deskriptive Auswertung des FBZ 124
8.2.2 Deskriptive Auswertung der E-Skala 126
8.2.3 Deskriptive Auswertung des Incope-2 126
8.2.4 Deskriptive Auswertung des FDCT-N 127
8.3 Überprüfung der Hypothesen 129
8.3.1 Fragestellung 1: Individuelles und dyadisches Coping 129
8.3.2 Fragestellung 2: Individuelles Coping und Beziehungszufriedenheit 130
8.3.3 Fragestellung 3: Dyadisches Coping und Beziehungszufriedenheit 133
8.3.4 Fragestellung 4: Empathie und Beziehungszufriedenheit 136
8.3.4.1 Fragestellung 4a: Beziehungszufriedenheit und eigene Empathie 136
8.3.4.2 Fragestellung 4b: Beziehungszufriedenheit und Empathie des Partners 137
8.3.5 Fragestellung 5: Empathie und dyadisches Coping 138
8.3.6 Fragestellung 6: Empathie und Geschlecht 139
8.3.7 Fragestellung 7: Dyadisches Coping und Lebensalter 142
8.3.8 Fragestellung 8: Dyadisches Coping und Beziehungsdauer 142
8.3.9 Fragestellung 9: Beziehungszufriedenheit und Beziehungsdauer 149
8.3.10 Fragestellung 10: Beziehungszufriedenheit und Wohnsituation 150
8.3.11 Fragestellung 11: Beziehungszufriedenheit und Kontakthäufigkeit 151
8.3.12 Fragestellung 12: Beziehungszufriedenheit und Kinder 151
8.4 Weiterführende Analysen 152
9. DISKUSSION 160
9.1 Diskussion der Ergebnisse 160
9.1.1 Zusammenfassung der Ergebnisse 160
9.1.2 Diskussion der einzelnen Fragestellungen 161
9.2 Kritische Diskussion der Untersuchung 171
9.3 Ausblick 172
LITERATURVERZEICHNIS 176
ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS 199

Textprobe:

Kapitel, 4.2.1. Kognitive vs. affektive Empathie:

Heute wird in der Forschung insbesondere zwischen kognitiver und affektiver Empathie unterschieden. Hoffman definiert diese zwei Arten der Empathie folgendermaßen: (a) Empathie als kognitives Bewusstsein des inneren Zustandes einer anderen Person, i.e. als Bewusstsein für die Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen und Intentionen einer Person und (b) Empathie als affektive Reaktion auf eine andere Person. Reynolds differenziert zwischen emotionaler Empathie (definiert als das Teilen der Gefühle anderer) und kognitiver Empathie (als Verwendung höherer kognitiver Prozesse zur Perspektivenübernahme) und fügt dem eine dritte Kategorie hinzu, welche die Kombination dieser zwei Aspekte darstellt. Zwar sind sich die Forscher einig, dass Affekte im Konzept der Empathie enthalten sind, über eine genaue Zuordnung der Empathie als kognitives oder affektives Phänomen wurde jedoch noch keine Einigung gefunden.

Forscher, die das Konzept der kognitiven Empathie vertreten, erklären das Verständnis, das eine Person für eine andere aufbringt durch einen rationalen Prozess der Perspektivenübernahme. Gladstein versteht unter kognitiver Empathie das intellektuelle Übernehmen der Perspektive oder der Rolle einer anderen Person und die Welt so zu sehen, wie der Andere sie sieht. In diesem Zusammenhang nennt er die Komponenten Rollen- und Perspektivenübernahme. Auch Hogan betont insbesondere die kognitiven Aspekte der Empathie, welche er als intellektuelles Verständnis für die Situation oder den Geisteszustand des Anderen betrachtet. Er betont zudem eine Verbindung zwischen kognitiver Empathie und moralischem Verhalten. Auch Wiggers vertritt eher das Konstrukt der kognitiven Empathie, wobei er annimmt, dass empathische Reaktionen sowohl affektive und kognitive Empathie als auch emotionale Ansteckung subsumieren.

Affektive Empathie wird von Gladstein als eine Reaktion auf die Gefühle einer anderen Person mit den gleichen Gefühlen beschrieben und infolgedessen als ein Fühlen der Gefühle eines anderen. Als Komponenten der affektiven Empathie werden dabei Identifikation, Gefühlsreaktion, Gefühlsansteckung und Resonanz genannt. Hoffman deutet Empathie als eine weitestgehend unwillkürliche, nachempfundene affektive Reaktion auf die Situation einer anderen Person. Doch die eigentlich simpel erscheinende Bedeutung von affektiver Empathie als ein Fühlen, was der Gegenüber fühlt, erweist sich bei genauerem Betrachten als komplexer als erwartet. So sollte nicht das Ergebnis im Fokus der affektiven Empathie stehen, sondern der empathische Prozess zwischen Sender und Empfänger. Die empathische Reaktion bewirkt, dass das, was eine Person fühlt, kongruenter mit der Situation einer anderen Person ist als mit der eigenen.

Nach Feshbachs integrativem und kognitiv-affektivem Dreikomponentenmodell umfasst die affektive empathische Reaktion eine affektive und zwei kognitive Komponenten. Die kognitiven beinhalten die Fähigkeit, den emotionalen Zustand des Anderen zu erkennen und zu benennen und die Fähigkeit, die Perspektive und Rolle des Anderen einzunehmen. Die affektive Vorraussetzung ist die Fähigkeit zum emotionalen Erleben um die beobachtete Emotion und Situation mitfühlen zu können. Ein weiteres Entwicklungs-Modell wurde von Hoffman vorgeschlagen, welcher die drei Komponenten der Empathie Kognition, Affektion und Motivation postuliert. Diese beiden Modelle zeigen, dass Empathie sowohl kognitive als auch affektive Elemente umfasst. Die Bedeutung dieser Elemente ist jedoch Einflüssen der Situation, des Alters und der Persönlichkeit der Person unterlegen.

Perspektiven- und Rollenübernahme:

Empathie wird häufig als Perspektivenübernahme definiert. Zwar klärt die Perspektivenübernahme einen großen Teil der Varianz der Empathie auf, jedoch sind diese Konstrukte nicht identisch und dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Nach Bischof-Köhler ist Perspektivenübernahme der identifikatorische Mitvollzug des Verhaltens oder der Emotionen einer anderen Person, bei der die Gefühle dieser gedanklich erschlossen werden. Hogan bezeichnet Empathie in seiner Arbeit eher als das intellektuelle oder fantasievolle Begreifen der Situation einer anderen Person und ihres mentalen Zustandes, ohne jedoch ihre Gefühle mitzuerleben. Manche Autoren subsumieren Perspektiven- bzw. Rollenübernahme unter den Begriff der kognitiven Empathie und sehen diese als Gegenstück zur affektiven Empathie. Ohmdahl wiederum bezeichnet die Perspektivenübernahme als Unterstützung für die affektive Empathie.

Dem Begriff der Perspektivenübernahme (perspective taking) steht der Begriff der Rollenübernahme (role taking) gegenüber. Letzterer wurde von dem Sozialwissenschaftler Mead geprägt. Die Rollenübernahme nach Mead entspricht der Einnahme einer anderen Sichtweise und der Betrachtung der Situation oder des Selbst mit den eigenen Augen.

In der sozialkognitiven Entwicklungspsychologie führt Selman seinen Begriff der Perspektivenübernahme zurück auf Meads Begriff der Rollenübernahme. Perspektivenübernahme erfordere ein Verständnis für die Beziehung zwischen Personen als auch innerhalb der Personen. Sie verlangt einer Person zudem die Fähigkeit für die Koordination der Perspektiven ab. Bischof-Köhler betont hingegen eine synonyme Verwendung dieser beiden kognitiven Fähigkeiten, sich die Lage einer anderen Person vorstellen zu können und sie zu verstehen, unabhängig von dem eigenen Standpunkt. Diese Fähigkeiten seien unabhängig davon, auf welchem Komplexitätsniveau sich die Perspektivenerfassung befindet.

Bevor ein Mensch im Kindesalter fähig ist, die Perspektive zu wechseln, muss er zunächst vier Wissenskomponenten erreichen: (a) Existenz (existence; das Wissen um mentale Zustände, wie Gedanken, Wahrnehmungen, Gefühle), (b) Notwendigkeit (need; die Erkenntnis, dass es in manchen Situationen wichtig ist, den Anderen zu verstehen), (c) Folgerung (inference; Fähigkeit, dieses Wissen über eine andere Person zu erlangen bzw. ihre Perspektive zu übernehmen) und (d) Anwendung (application; dieses Wissen in spezifischen Situationen anwenden zu können).

Perspektiven- und Rollenübernahme basieren auf der kognitiven Leistung der Dezentrierung. Dieser von Piaget geprägte Begriff meint die Fähigkeit zu einer Unterscheidung in Ich und Nicht-Ich und zu einer gleichzeitigen Berücksichtung mehrere Aspekte eines Sachverhalts im Denken. Infolgedessen ist eine Person dazu befähigt, sich viele völlig verschiedene Sichtweisen neben der eigenen vorstellen zu können.

Die Rollenübernahme verlange nach Flavell von einer Person nicht nur das Verständnis für die Situation eines Anderen, sondern auch die Berücksichtigung seiner individualtypischen Eigenschaften. Eine weitere Differenzierung innerhalb der Rollenübernahme betrifft die kognitive oder affektive Komponente dieses Konstruktes. Ansätze der Entwicklungspsychologie bezeichnen als kognitive Rollenübernahme die Fähigkeit einer Person, Gedanken einer anderen Person wahrzunehmen. Eisenberg schließt sich dieser Auffassung an, indem sie kognitive Rollenübernahme als ‘ability to understand another’s cognitive state’ sieht. Unter affektiver Rollenübernahme versteht Eisenberg hingegen ‘the ability to discern and interpret another’s affective responses’. Gladstein beschreibt die affektive Rollenübernahme zudem als eine Identifikation der Gefühle eines Anderen. Mehrabian und Epstein beschreiben die affektive Rollenübernahme dahingehend, inwieweit eine Person das Gefühl hat, emotional auf die Gefühle der Anderen zu reagieren. Ford fügt der affektiven und der kognitiven Komponente der Perspektivenübernahme noch eine visuelle hinzu, welche als das visuelle Übernehmen der Perspektive eines Anderen beschrieben wird.

Arbeit zitieren:
Klein, Bente August 2008: 'In guten wie in schlechten Zeiten...', Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Coping, Stressbewältigung, Partnerschaft, Partnerschaftszufriedenheit, Empathie

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