'Die Wände so weit wie die ganze Welt'
Waldkindergärten - Eine verrückte Idee für Ökos oder ein pädagogisches Konzept mit Zukunft?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Silvana Del Rosso
- Abgabedatum: Januar 2008
- Umfang: 109 Seiten
- Dateigröße: 1,6 MB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule NRW Abteilung Münster Deutschland
- Bibliografie: ca. 67
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1419-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Del Rosso, Silvana Januar 2008: 'Die Wände so weit wie die ganze Welt', Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Elementarpädagogik, Erziehungsauftrag, Waldkindergarten, Naturerleben, Schulfähigkeit
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Diplomarbeit von Silvana Del Rosso
Einleitung:
‚Die Wände so weit wie die ganze Welt’. So lautet einer von vielen Leitsätzen von Waldkindergärten, der sich auf ihren Internetseiten und in Büchern über dieses Konzept wieder findet. Waldkindergärten? Das ist doch so eine verrückte Idee von Ökos bekam ich oft zu hören, sobald ich darauf zu sprechen kam, dass ich meine Diplomarbeit über Waldkindergärten schreiben würde. In unserer Gesellschaft, insbesondere von Seiten der Politik, erfährt das Konzept des Waldkindergartens eine ebensolche Skepsis. Die wohl gewichtigste Annahme ist dabei, dass die Kinder im Waldkindergarten nicht genug lernten und nicht ausreichend auf die Schule vorbereitet würden.
Denn spätestens seit der PISA-Studie lastet ein enormer Druck seitens Politik und Medien auf Kindergärten, der bei Eltern den Eindruck vermittelt, sie müssten ihr Kind am besten bereits im Alter von drei Jahren eine Fremdsprache erlernen lassen und mit den Vorbereitungen auf die Schule beginnen. Einem Waldkindergarten stehen was diese Anforderungen anbelangt viele mit Vorbehalten gegenüber. Dagegen lassen die steigenden Zahlen von Neugründungen bzw. von Anmeldungen von Kindern in bereits vorhandenen Waldkindergärten darauf schließen, dass nicht alle von diesen Vorbehalten getragen sind und dem Trend der unbedingten frühen Wissensvermittlung nacheifern. Viele Eltern begeben sich auf die Suche nach innovativen Konzepten für den Vorschulbereich, um ihren Kindern eine optimale Vorschulerziehung zu ermöglichen. Diese Arbeit wird klären, inwieweit Waldkindergärten dafür geeignet sind oder nicht.
Wie sieht dieses Konzept Waldkindergarten aus? Warum findet es gerade heute so großen Anklang in Deutschland? Und sind es tatsächlich nur die Ökos, die ihre Kinder dort anmelden oder überzeugt das Konzept noch durch andere Argumente als das der Umwelterziehung? Diesen Fragen soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.
Gang der Untersuchung:
Hierzu wird im ersten Kapitel zunächst ein allgemeiner Überblick über das Feld der Vorschulerziehung, in dem die Arbeit in einem Waldkindergarten eingebettet ist, gegeben. Dazu gehören die gesetzlichen Grundlagen für die Arbeit in einem Kindergarten sowie die Anforderungen, die sich daraus für deren Pädagogik ergeben. Ebenso gehören die entwicklungspsychologische Situation von Kindern in diesem Alter, d.h. ihre Bedürfnisse und die geistigen und physiologischen Voraussetzungen, die sie mitbringen, sowie die gesellschaftliche Situation von Kindern im heutigen Deutschland dazu.
Im zweiten Kapitel wird dann das „Konzept Waldkindergarten“ vorgestellt, d.h. seine Entstehungsgeschichte, die unterschiedlichen Formen von Waldkindergärten, die pädagogischen Anliegen und Ziele, nach denen sich die Arbeit im Waldkindergarten ausrichtet, sowie die speziellen Anforderungen an die ErzieherInnen in einer solchen Einrichtung.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Vorteilen für die Entwicklung von Kindern, die in dem Konzept Waldkindergarten vertreten werden. Hierzu gehören das Naturerleben, der Verzicht auf künstliches vorgefertigtes Spielzeug, die Bewegungs- und die Resilienzförderung sowie die Vorbereitung auf das Lernen (und auf die Schule).
Um einen Bezug zur Praxis herzustellen, d.h. zu überprüfen, wie das theoretisch Erläuterte in der Praxis umgesetzt wird, wird im vierten Kapitel das Beispiel Waldkindergarten Münster e.V. vorgestellt. Neben Besetzung und Tagesablauf dieser Einrichtung wird das Konzept, d.h. die pädagogischen Ziele und Methoden der Umsetzung erläutert sowie die Aussagen von vier ehemaligen Waldkindergartenkindern und ihren Müttern, die im Rahmen von Interviews gewonnen wurden, wiedergegeben und ausgewertet.
Ziel dieser Arbeit ist es, zum einen das Konzept Waldkindergarten und seine Pädagogik sowohl theoretisch vorzustellen, als auch einen Einblick in seine Praxis zu geben, und zum anderen zu überprüfen, ob es sich bei diesem Konzept um eine zukunftsfähige Form der Vorschulerziehung handelt.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 3 | |
| 1. | Ausgangslage / Grundlagen für die Arbeit in einem Kindergarten | 6 |
| 1.1 | Gesetzliche Grundlage (Erziehungs- und Bildungsauftrag) | 6 |
| 1.2 | Anforderungen an die Elementarpädagogik | 9 |
| 1.3 | Entwicklungspsychologische Situation von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren | 19 |
| 1.4 | Kinder heute - veränderte Kindheit? | 25 |
| 1.5 | Resümee | 29 |
| 2. | Waldkindergärten | 32 |
| 2.1 | Geschichte / Entstehung | 32 |
| 2.2 | Formen von Waldkindergärten | 33 |
| 2.3 | Konzept | 35 |
| 2.4 | Pädagogische Anliegen | 37 |
| 2.4.1 | Umwelterziehung | 37 |
| 2.4.2 | Förderung der Sinne | 38 |
| 2.4.3 | Soziales Lernen und Werteerziehung | 41 |
| 2.4.4 | Motorische Förderung | 42 |
| 2.4.5 | Lernen durch Freispiel | 44 |
| 2.5 | Die ErzieherIn im Waldkindergarten | 47 |
| 2.6 | Resümee | 49 |
| 3. | Was leistet der Waldkindergarten? | 51 |
| 3.1 | Selbstverständnis des Konzepts Waldkindergarten | 51 |
| 3.2 | Naturerleben und die Bedeutung des Waldes für Kinder | 54 |
| 3.3 | Gewinn durch Verzicht | 57 |
| 3.4 | Lernen durch Bewegung | 59 |
| 3.5 | Resilienzförderung | 63 |
| 3.6 | Empirische Ergebnisse zur Schulfähigkeit von Waldkindergartenkindern | 65 |
| 3.7 | Resümee | 70 |
| 4. | Praktische Umsetzung am Beispiel Waldkindergarten Münster e.V. | 72 |
| 4.1 | Besetzung | 72 |
| 4.2 | Tagesablauf | 73 |
| 4.3 | Konzeption | 74 |
| 4.4 | 10 Jahre Waldkindergarten Münster - Befragung von ehemaligen Kindern und Eltern | 84 |
| 4.5 | Resümee | 94 |
| 5. | Schlusswort | 98 |
| Anhang | 101 | |
| Literaturverzeichnis | 103 |
Textprobe:
Kapitel 3.2, Naturerleben und die Bedeutung des Waldes für Kinder: Ausgehend von der Erlebnispädagogik wird Erleben verstanden als subjektives Innewerden von Vorgängen, die als bedeutsam empfunden werden. Mehrere Erlebnisse summieren sich zu Erfahrungen. Erfahrung wiederum bedeutet das durch eigenes Erleben und eigene Anschauung erworbene Wissen. Aus Erfahrungen können dann schließlich Erkenntnisse und möglicherweise Einsichten wachsen. Unter Einsicht wird die höchste Stufe menschlicher Weisheit verstanden. D.h. die Basis aller Erkenntnisse und Einsichten sind Erlebnisse.
Im Waldkindergarten stehen diese Erlebnisse im Vordergrund. Die Kinder verbringen jeden Tag draußen in der Natur und können sie direkt erleben.
Das Naturerleben ist der emotionale Kern, der sich über die Phasen des Naturbeschreibens, des Naturerklärens und des Naturverstehens zu Umweltbewusstsein und Handlungsbereitschaft weitet. In umgekehrter Richtung wirken alle aktionalen und rationalen Bereiche auf die emotionalen Fähigkeiten, auf die Qualität und Spontaneität des Erlebens, auf den Reichtum des Erlebens zurück.
Kindergartenkinder sind besonders empfänglich für Naturerfahrungen. Kein Alter, versichern Psychologen und Umweltpädagogen, sei geeigneter, ein lebenslanges intensives Verhältnis zur Natur aufzubauen.
Kinder haben eine innige Beziehung zur Natur. Sie sind sehr offen und interessiert an der äußeren Welt, also auch an der Natur. Denn für sie ist alles neu, sie müssen sie erst erkunden und ihren Platz in der Welt finden. Später, in der Pubertät, sind sie dann viel mehr mit sich selbst beschäftigt.
Dabei wird vom dreidimensionalen Persönlichkeitsmodell ausgegangen, nach welchem sich die Persönlichkeit des Menschen nicht nur aus der Beziehung zu sich selbst und zu anderen Menschen zusammensetzt, sondern auch die nicht-menschliche Umwelt eine Rolle spielt.
Nach Mitscherlich ist das Kind noch arm an höherer geistiger Leistungsfähigkeit und ein weitgehend triebbestimmtes Spielwesen. Deshalb braucht es seinesgleichen wie Tiere und Elementares wie Wasser, Matsch, Gebüsche etc. Hat es dies nicht, überlebt es zwar, aber bestimmte soziale Grundleistungen wie das Zugehörigkeitsgefühl werden nie mehr erlernt.
Untersuchungen zum Spielraum von Kindern zeigten, dass diese sich die Natur als Spielraum aussuchen. Haben sie die Wahl, bevorzugen sie es, in der Natur zu spielen. Haben sie nicht die Möglichkeit, wünschen sie es sich. Das liegt vor allem daran, dass sie dort ein großes Maß an Freizügigkeit haben und ohne die Kontrolle von Erwachsenen spielen und toben können.
Kinder schätzen - und brauchen - also die Freizügigkeit und Unkontrolliertheit. Sie suchen sich Rückzugsorte, oft verbotene Räume wie Baustellen, Ruinen, Bahndämme etc.. Man denke nur an seine eigene Kindheit zurück und es fallen einem eine Menge solcher Spielorte in der Natur ein, die sehr einprägsam waren. Stadtkinder hingegen haben diese Möglichkeit des unkontrollierten Naturerlebens und Spielens in der Natur nicht. Sie dürfen nicht einfach raus auf die Straße, da es dort zu gefährlich ist (Autoverkehr, Verbrechen etc.).
In der Natur und im Spielen in der Natur können sich bewusste sowie unbewusste Bedürfnisse der Kinder, die auch immer ihrer Entwicklung dienen, von alleine und ohne pädagogische Anleitung oder Zielsetzung erfüllen. Naturerfahrungen fördern auf der einen Seite die seelische Entwicklung und sind auf der anderen Seite Bedingung für ein umweltbewusstes Leben. Nur wer die Natur kennen und schätzen gelernt hat und sich als ein Teil von ihr sieht, wird sich für ihren Erhalt einsetzen.
Umwelterziehung hat heute nicht mehr nur den ursprünglichen Sinn der Gegenbewegung zur Umweltzerstörung. Vielmehr soll sie Kinder zur Gestaltungskompetenz in der Welt befähigen. Sie sollen sich zurechtfinden im Spannungsfeld von Ökologie, Ökonomie und Sozialem und dazu befähigt werden, die Umwelt selbst zu gestalten. Darüber hinaus hilft die Natur bei der Findung eines realistischen Selbstbildes. Die geringe räumliche Eingrenzung im Wald ermöglicht es z.B., eigene innere Grenzen deutlicher zu erleben und auszudrücken.
Es ist inzwischen unumstritten, dass Kinder für ihre emotionale und kognitive Entwicklung eine vielfältige Reizumgebung benötigen. Kinder suchen sich im Spiel immer wieder ein Mittel zwischen neu und vertraut, zwischen Spannung und Lösung. Die Natur bietet dafür optimale Möglichkeiten, da sie sowohl reizvoll ist, als auch verlässliche Kontinuität und ständigen Wandel zugleich bietet. So scheinen naturnahe Spielorte Situationen für Kinder bereitzuhalten, bei denen viele kindliche Anliegen völlig nebenbei und ohne pädagogisches Arrangement ausgelebt werden können.
So lädt die Natur beispielsweise ein zur Erkundung und vielfältigen Aktivitäten (Buden und Höhlen bauen, klettern, Löcher graben, Staudämme bauen und mit Wasser experimentieren usw.).
Kinder haben in der heutigen Zeit zu wenig Gelegenheit Primärerfahrungen zu machen. In Schulen, und leider auch oft noch in Kindergärten, werden sie mit Texten, Arbeitsmappen, Abbildungen und Modellen, also mit medialen Repräsentationen der Wirklichkeit konfrontiert. Da Kinder auch zuhause oft nur Erfahrungen aus zweiter Hand machen (s. Punkt 1.4 dieser Arbeit), sollte der Kindergarten dem kompensatorisch entgegenwirken und ermöglichen, Erfahrungen mit konkreten Gegenständen und Lebewesen zu machen.
Die meisten Menschen arbeiten heute in geschlossenen Räumen, leiden unter Lärm- und Stressbelastung und werden mit technischen Reizen überflutet. Gleichzeitig haben sie zu wenig Bewegung, frische Luft und Sonnenlicht.
Auch wächst die künstliche Umwelt immer mehr (durch Bebauung und Technisierung) und die natürliche nimmt immer mehr ab. Befragt man einen Menschen, so stellt man fest, dass er daher eine Natursehnsucht und ein oft romantisiertes Bild der Natur hat.
Im Wald können Kinder wie Erwachsene eine Zeit lang Abstand von der konsum- und leistungsorientierten Welt nehmen.
Darüber hinaus gilt der Wald tatsächlich als Erholungsort und hat eine entspannende Wirkung. Ärzte sprechen sogar von einem Heilklima des Waldes, da man bei Asthma, Neurodermitis und Allergien gute Erfolge durch Aufenthalte im Wald erreicht hat. Dies ist zurückzuführen auf das besondere Waldinnenklima: die Luft weist eine hohe Feuchtigkeit auf und wird durch die große Baumkronenoberfläche wie durch einen Filter gereinigt, der Geruch ist aromatisch und durch Sonneneinstrahlung werden sogar stimulierende ätherische Öle der Pflanzen freigesetzt, man ist geschützt vor Lärm und Wind. Der Wald wird in diesem Zusammenhang auch beschrieben als reizarmes Schonklima. Von reizarm in Bezug auf die Sinne des Menschen kann jedoch nicht die Rede sein.
Kapitel 3.3, Gewinn durch Verzicht: In Regeleinrichtungen gibt es vor dem Hintergrund der Suchtprävention das Projekt Spielzeugfreier Kindergarten. Ziel dabei ist es, den Kindern möglichst früh zu vermitteln, dass es andere Wege der Problemlösung gibt als die Ersatzbefriedigung durch Konsumgüter. Im Gegenzug sollen Lebenskompetenzen vermittelt werden, die die Kinder zu kritischen und eigenständigen Menschen machen. Es wird davon ausgegangen, dass bereits im Kindergartenalter auslösende Faktoren für ein späteres Suchtverhalten gelegt werden. Unter Sucht wird dabei nicht nur die Drogensucht verstanden, sondern auch die kleinen Alltagssüchte im Sinne einer Ersatzbefriedigung nicht erfüllter Bedürfnisse.
Zudem soll der Verzicht auf monofunktionales Spielzeug und die Abwendung der Spielzeugüberflutung die Kreativität und Fantasie der Kinder fördern. Kinder brauchen vor allem das unfertige Material, also Dinge, die sie selbst gestalten und denen sie eine eigene Bedeutung zuordnen können. Nur so wird das eigene Denken und Handeln notwendig und somit auch die Kreativität gefördert. Durch elektronisches oder mechanisches Spielzeug bleibt den Kindern wenig Fantasie und eigene Handlungsmöglichkeit. Sie werden zum Beobachter und Knöpfchendrücker.
Auch soll durch den Verzicht auf Spielzeug dem Gruppenzwang entgegengewirkt werden, der durch den voranschreitenden Konsum bereits den Kindergarten erreicht hat. Man muss das bestimmte Spielzeug von der bestimmten Marke haben, weil es alle haben und man dazu gehören möchte. Diese Ausgrenzung und das Erkaufen von Anerkennung und Beziehung soll durch den Spielzeugverzicht vermieden werden.
Kindertageseinrichtungen, die das Projekt Spielzeugfreier Kindergarten durchgeführt haben, berichteten durchweg von positiven Ergebnissen und auch die Eltern konnten positive Veränderungen an ihren Kindern feststellen. Rahmenbedingung des Projektes ist, dass für einen Zeitraum von 3 Monaten alle Spielsachen aus der Einrichtung herausgenommen werden und die ErzieherInnen keine Anregungen zu Spielen oder Themen geben. Werkzeug und Materialien werden nur auf Anfrage der Kinder herausgegeben.
Zu Beginn der spielzeugfreien Zeit wussten die Kinder oft nichts mit sich anzufangen und langweilten sich. Sie mussten ihre Potentiale erst wieder entdecken. Die Aufmerksamkeit ging jetzt wieder zum Menschen und keiner konnte sich hinter Spielzeug verstecken. Die Kinder entwickelten schnell viele Ideen. Sie wurden selbständiger und selbstbewusster, konnten sich sprachlich besser ausdrücken und erhöhten ihre Frustrationstoleranz sowie Konfliktlösungsfähigkeit. Auch wuchs der Zusammenhalt der Gruppe und bestehende Strukturen wie getrenntes Jungen-Mädchen Spiel oder die Rolle der Außenseiterkinder wurden aufgehoben.
Im Wald ist der spielzeugfreie Kindergarten zwangsläufig gegeben. Hier gibt es dafür eine Vielzahl an natürlichen Spielmitteln, die der Fantasie und Kreativität der Kinder keine Grenzen setzen. Spielzeugfrei bedeutet hier auch mehr als nur der Verzicht auf industriell gefertigtes Material. Es bedeutet auch die Suche nach Materialien, um bestimmte Handlungsabsichten durchführen zu können.
Und somit auch, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Im Waldkindergarten ist dies ständig gegeben und muss nicht für einen begrenzten Zeitraum künstlich erschaffen werden.
In einer Studie zur Kreativitätsleistung, die sich auch auf weitere Forschungsergebnisse stützt, wirkte sich vor allem das freie Spiel draußen positiv auf die kognitive und kreative Entwicklung der Kinder aus. Denn hier existiert nicht nur der Verzicht auf künstlich gefertigtes Spielzeug, sondern auch der Verzicht auf die optische und akustische Reizüberflutung, die es den Kindern unmöglich macht, über längere Zeitspannen im Tagesablauf Ruhe für sich und ihre Tätigkeiten zu finden. Eine Ruhe, die sie brauchen um die vielfältigen Eindrücke des Lebens zu verstehen und verarbeiten zu können. Denn Entwicklung braucht Zeit. Nur so kann sich ein vernetztes und sinnverbundenes Denken entwickeln, nur so können Kinder ihre Umwelt und sich selbst in ihrer ganzen Breite und Tiefe wahrnehmen, weil sie Zeit haben für genaues und ausgiebiges Betrachten, Experimentieren und Verinnerlichen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836614191
Arbeit zitieren:
Del Rosso, Silvana Januar 2008: 'Die Wände so weit wie die ganze Welt', Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Elementarpädagogik, Erziehungsauftrag, Waldkindergarten, Naturerleben, Schulfähigkeit



