'Balanced Scorecard' - gestütztes Change Management bei der Einführung elektronischer Beschaffungssysteme
Eine Darstellung am Beispiel inhabergeführter Unternehmungen der Automobilzuliefererindustrie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marc-Oliver Holzapfel
- Abgabedatum: Oktober 2006
- Umfang: 143 Seiten
- Dateigröße: 3,8 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Siegen Deutschland
- Bibliografie: ca. 106
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0679-0
- ISBN (CD) :978-3-8366-0679-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Holzapfel, Marc-Oliver Oktober 2006: 'Balanced Scorecard' - gestütztes Change Management bei der Einführung elektronischer Beschaffungssysteme, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Balanced Scorecard, Change Management, Elektronische Beschaffung, Automobilindustrie, KMU
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Diplomarbeit von Marc-Oliver Holzapfel
Problemstellung:
In der Automobilzulieferindustrie vollzieht sich ein starker Wandel, der nach der Erfindung der Fließbandproduktion und der „Lean Produktion“ zu neuen Produktionsinnovationen und einer tiefgreifenden Umstrukturierung der Branche führen wird. In dieser Situation nehmen die modernen elektronischen Informations- und Kommunikationssysteme (IuK-Systeme) eine Schlüsselposition für die Gestaltung von neuen, interorganisatorischen Prozessen und der Gestaltung der Beziehungen zwischen Automobilkonzernen und Zulieferern ein. Insbesondere in den Beschaffungsabteilungen der Automobilzulieferunternehmungen vollzieht sich durch den Einsatz moderner Beschaffungssysteme ein Wandel der Aufgaben, Ziele und der Beziehungen zu den Lieferanten. Dieser Wandel richtet sich auf die zunehmende kooperationsorientierte Zusammenarbeit und die Realisation von langfristigen strukturellen Kostensenkungspotenzialen. Daher sollten die Einführungen von IuK- oder elektronischen Beschaffungssystemen in den Unternehmungen der Automobilzulieferindustrie als eine ganzheitliche Aufgabe angesehen werden, die mit hohen „Sunk costs“, langfristigen strategischen Konsequenzen sowie erforderlichen Veränderungen von organisatorischen Strukturen und personellen Fähigkeiten verbunden ist.
Die Prämisse für die erfolgreiche Systemeinführung und die Ausschöpfung der operativen und strategischen Potenziale bei deren Nutzung ist die Kompatibilität „von Technologien, Organisation und Mitarbeiterverhalten“. Dies erfordert einen ganzheitlichen Wandel verschiedener Organisationsbereiche, des Führungsstils sowie dem systematischen Aufbau neuer Kompetenzen im Zulieferunternehmen. Es entsteht dadurch ein hoher, mehrdimensionaler Planungsbedarf, der bei mittleren und inhabergeführten Zulieferunternehmungen zahlreiche Schwierigkeiten verursacht. Diese resultieren insbesondere aus ihrer Führungsstruktur. Denn den inhabergeführten Unternehmungen, welche die charakteristische Form mittelständischer Unternehmen bilden, fehlt es oft an strategischen Planungsgrundlagen und der Bereitschaft und Möglichkeit zur Delegation von Führungsaufgaben. Darüber hinaus fehlt es oft an notwendigen personellen Qualifikationen, insbesondere das Wissen um die Potenziale von Informationstechnologien und die Bewertungsgrundlagen für den Systemeinsatz.
Vor diesem Hintergrund wird bei der Einführung von IuK-Systemen in inhaber-geführten Zulieferunternehmen ein mehrdimensionaler Wandelprozess notwendig, der die Veränderung von Führungs-, Kommunikations-, Organisations- und Prozessstrukturen sowie die Mitarbeiterkompetenzen betrifft. Deshalb ist das Ziel der vorliegenden Arbeit die Darstellung eines ganzheitlichen Change Management-Prozess auf der Basis der „Balanced Scorecard“ bei der Einführung elektronischer Beschaffungssysteme in inhabergeführten Zulieferunternehmen. Im Fokus der Arbeit stehen dabei die Beschreibung eines idealtypischen Wandelprozesses, die Diskussion der Potenziale eines „Balanced Scorecard“-gestützen Wandlungsmanagement und der Vergleich mit der Unternehmungspraxis. Das Konzept der „Balanced Scorecard“ soll in diesen Darstellungen einerseits dazu genutzt werden, die mehrdimensionale Zielsetzungen des Einführungsprozess von elektronischen Beschaffungssystemen mit dem Wandel der Unternehmung zu verbinden und dessen Bewertung zu ermöglichen. Andererseits soll erörtert werden, wie durch die „Scorecard“ ein kontinuierlicher, dialogorientierter Prozess etabliert werden kann, der die zukunftsorientierte Veränderung der Unternehmungskultur in inhabergeführten Zulieferunternehmen unterstützt und andauernde strategiebasierte, selbstorganisierte Wandlungsprozesse ermöglicht.
Gang der Untersuchung:
Das zweite Kapitel befasst sich mit den begrifflichen und thematischen Grundlagen der Arbeit. Dabei stehen zunächst die theoretischen Fundierungen sowie die mehrdimensionalen Aufgabenbereiche und Ziele des Change Management im Vordergrund. Zudem wird ein Phasenmodell vorgestellt, welches als Grundlage zur Darstellung des idealtypischen Vorgehens im Change Management-Prozess dienen soll. Zur übersichtlichen Darstellung der interdependenten Handlungsfelder und unterstützenden Funktionen des Change Management wird zudem ein Bezugsrahmen entworfen. Darüber hinaus wird in diesem Kapitel auf die besonderen Merkmale von inhabergeführten Unternehmungen eingegangen. Im Anschluss an diese Betrachtung wird sich den Zielen und Aufgaben der be-trieblichen Beschaffung zugewendet sowie die Potenziale und Grenzen ausge-wählter elektronischer Beschaffungssysteme erörtert.
Im dritten Kapitel wird anhand des Phasenmodells zum Change Management zu-nächst die Initialisierung eines Wandlungsprojekts dargestellt. Dabei wird auf die Strategieentwicklung eingegangen, die auf Grundlage einer Analyse der Zuliefer-branche vorgenommen wird. Es werden dabei die Wandlungsbedarfe sowie die strategischen Optionen von inhabergeführten Zulieferunternehmen und ihren Be-schaffungsbereichen aufzeigt. Das Kapitel schließt mit der Konzeption eines Projektauftrages für die Beschaffung. Dieses theoretisch konzipierte Projekt soll die erforderlichen mehrdimensionalen Wandlungsbedarfe mit der Einführung eines Beschaffungssystems zielorientiert verbinden. Zur Projektdurchführung soll dabei das Konzept der „Balanced Scorecard“ genutzt werden.
Das vierte Kapitel widmet sich anschließend der Betrachtung des „Balanced Scorecard“-Konzepts und der Erörterung dessen Nutzen für das Change Manage-ment und das Projekt im Beschaffungsbereich. Danach werden die theoretischen Entwicklungsschritte zur Umsetzung der „Balanced Scorecard“ für das Projekt beschreiben. In dieser Umsetzungsphase des Wandelprozesses werden die themenspezifischen Dimensionen, Ziele und Kennzahlen sowie ihre Wechsel-wirkungen behandelt. Dabei wird eine exemplarische Darstellung einer „Scorecard“ für das Einführungs- und Wandelprojekt vorgenommen, die der Aus-wahl, Einführung und Beurteilung von elektronischen Systemen und begleitender Wandlungsmaßnahmen dienen kann. Abschließend wird in diesem Kapitel auf die Verstetigung der „Balanced Scorecard“ im Beschaffungsbereich und die Über-tragung der Vorgehensweise auf die Unternehmung hingewiesen.
Das fünfte Kapitel nimmt anhand von zwei Fallstudien inhabergeführter Zuliefer-unternehmen einen Vergleich zwischen den theoretischen Überlegungen der vor-ausgegangenen Kapitel und der Unternehmungspraxis vor. Beide Fälle werden dargestellt, miteinander verglichen und reflektiert.
Im sechsten Kapitel, welches den Schlussteil bildet, werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst. Ein abschließender Ausblick formuliert die zukünftigen Entwicklungen im themenspezifischen Kontext der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Tabellenverzeichnis | VII | |
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| 1. | Problemstellung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Ziel der Arbeit | 1 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 2 |
| 2. | Themenspezifische Abgrenzungen und theoretische Grundlagen des Change Management | 4 |
| 2.1 | Definition des Change Management | 4 |
| 2.2 | Ziele des Change Management | 4 |
| 2.3 | Ausgewählte theoretische Grundlagen des Change Management | 5 |
| 2.3.1 | Form und Intensität des Wandels | 5 |
| 2.3.2 | Prozessverläufe des Wandels | 6 |
| 2.3.3 | Von der Organisationsentwicklung zum Change Management | 8 |
| 2.4 | Ein Bezugrahmen des Change Management | 9 |
| 2.4.1 | Erläuterungen zum Bezugrahmen des Change Management | 9 |
| 2.4.2 | Handlungsfelder im Bezugsrahmen | 11 |
| 2.4.2.1 | Zusammenhang von Wandel und Strategie | 11 |
| 2.4.2.2 | Führung im Wandel | 11 |
| 2.4.2.3 | Organisationsstruktur als Ausdruck des Wandels | 12 |
| 2.4.2.4 | IuK-Technologie als inhärenter Auslöser von Wandel | 12 |
| 2.4.2.5 | Unternehmungskultur | 14 |
| 2.4.3 | Change Management-Instrumente und unterstützende Funktionen | 15 |
| 2.4.3.1 | Kommunikation und Information als Katalysatoren des Wandels | 15 |
| 2.4.3.2 | Projektmanagement | 17 |
| 2.4.3.3 | Wandlungscontrolling | 17 |
| 2.4.3.4 | Personalmanagement | 18 |
| 2.5 | Inhabergeführte Unternehmungen im Wandel | 19 |
| 2.6 | Beschaffung in Unternehmen | 21 |
| 2.6.1 | Ziele der Beschaffung | 21 |
| 2.6.2 | Aufgaben der Beschaffung | 23 |
| 2.6.3 | Ausgewählte elektronische Beschaffungssysteme | 25 |
| 2.6.3.1 | Elektronische Marktplätze | 25 |
| 2.6.3.2 | Schwarze Bretter oder „Bulletin Boards“ | 27 |
| 2.6.3.3 | Elektronische Börsen | 27 |
| 2.6.3.4 | Online-Auktionen und elektronische Ausschreibungen | 28 |
| 2.6.3.5 | Elektronische Katalogsysteme | 29 |
| 2.6.3.6 | „Desktop-Purchasing“- und integrierte „E-Procurement“-Systeme | 30 |
| 2.6.4 | Potenziale elektronischer Beschaffungssysteme | 33 |
| 2.6.5 | Grenzen elektronischer Beschaffungssysteme | 35 |
| 3. | Strategische und operative Planung des Change Management | 36 |
| 3.1 | Strategieentwicklung auf der Planungs- und Steuerungsebene | 36 |
| 3.1.1 | Strategieentwicklung als Initialisierung von Wandelprozessen | 36 |
| 3.1.2 | „Drehbuch“ des Strategie- und Wandlungsprozess | 39 |
| 3.2 | Integrierte Betrachtung der strategischen Einflussfaktoren des Wandels | 40 |
| 3.2.1 | Konzepte der integrierten Betrachtung | 40 |
| 3.2.2 | Analyse der Umweltfaktoren und aktueller Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie | 42 |
| 3.2.2.1 | Automobilindustrie im Wandel | 42 |
| 3.2.2.2 | Prognostizierte Auswirkungen auf die Zulieferunternehmen | 44 |
| 3.2.2.3 | Chancen und Risiken der Zulieferunternehmen | 45 |
| 3.2.3 | Analyse unternehmungsinterner Faktoren | 46 |
| 3.2.3.1 | Kritische Wettbewerbsfaktoren in Zulieferunternehmen | 46 |
| 3.2.3.2 | Stärken und Schwächen von Zulieferunternehmen | 46 |
| 3.2.4 | Implikationen und strategische Optionen für Zulieferer | 47 |
| 3.3 | Implikationen auf der Beschaffungsebene | 50 |
| 3.3.1 | Strukturelle Implikationen für die Beschaffung | 50 |
| 3.3.1.1 | Anforderungen an die strukturelle Prozessgestaltung | 50 |
| 3.3.1.2 | Anforderungen an das Güter- und Lieferantenmanagement | 51 |
| 3.3.2 | Kompetenz- und kooperationsorientierte Implikationen für die Beschaffung. | 54 |
| 3.3.2.1 | Anforderungen an die Mitarbeiterentwicklung und -führung | 54 |
| 3.3.2.2 | Anforderungen an soziale und technische Kooperationskompetenzen | 54 |
| 3.4 | Zielformulierung und Konzeption für das Wandelprojekt der Beschaffung | 55 |
| 4. | „Balanced Scorecard“-gestütztes Change Management bei der Einführung elektronischer Beschaffungssysteme | 56 |
| 4.1 | Grundlagen der „Balanced Scorecard“ | 56 |
| 4.1.1 | „Balanced Scorecard“-Konzept | 56 |
| 4.1.2 | Die „Balanced Scorecard“ als Kommunikations- und Change Management-Instrument | 59 |
| 4.1.3 | Balanced-Scorecard“-basiertes Management von Pilotprojekten | 61 |
| 4.2 | Gestaltung der „Mobilisierungsphase“ eines BSC-Pilotprojektes | 62 |
| 4.3 | Entwicklung der „Balanced Scorecard“ für die Einführung elektronischer Beschaffungssysteme | 64 |
| 4.3.1 | Bestimmung der BSC-Dimensionen | 64 |
| 4.3.2 | Bestimmung der strategischen Ziele | 65 |
| 4.3.3 | Bestimmung von Wirkungszusammenhängen | 67 |
| 4.3.4 | Bestimmung von Kennzahlen und Zielwerten | 68 |
| 4.3.5 | Bestimmung von Aktionen | 70 |
| 4.4 | Beispielhafte Darstellung der BSC-Dimensionen für das Pilotprojekt der Beschaffung | 71 |
| 4.4.1 | Darstellung einer Finanzdimension | 71 |
| 4.4.2 | Darstellung einer Kundendimension | 73 |
| 4.4.3 | Darstellung einer Dimension für Kooperation und Beziehungsmanagement | 74 |
| 4.4.4 | Darstellung einer Dimension für interne Prozesse und intraorganisatorische Zusammenarbeit | 75 |
| 4.4.5 | Darstellung einer IuK-Infrastruktur- und Mitarbeiterkompetenzdimension | 76 |
| 4.5 | Einsatz und Verstetigung des BSC-Management | 77 |
| 4.5.1 | Management der BSC in der Beschaffung und für den Systemeinsatz | 77 |
| 4.5.2 | Controlling und regelmäßige Kommunikation | 78 |
| 4.5.3 | Kontinuierliche Ausrichtung und Optimierung | 79 |
| 4.5.4 | Übertragbarkeit in der Unternehmung | 80 |
| 4.6 | Grenzen und Schwierigkeiten bei der Umsetzung des BSC-Konzeptes | 81 |
| 5. | Fallstudienuntersuchung zu elektronischen Beschaffungssystemen in inhabergeführten Zulieferunternehmen der Automobilindustrie | 83 |
| 5.1 | Planung und Durchführung der Fallstudien | 83 |
| 5.2 | Fallstudie 1: Alpha GmbH & Co. KG | 84 |
| 5.2.1 | Daten zur Unternehmung und Beschaffung der Alpha GmbH & Co. KG | 84 |
| 5.2.2 | Elektronische Beschaffungssysteme: Planung, Einführung und Nutzung | 85 |
| 5.2.3 | Beurteilung des Systemeinsatzes und Ausblicke | 88 |
| 5.3 | Fallstudie 2: Omega Automotive Deutschland GmbH & Co. KG | 89 |
| 5.3.1 | Daten zur Unternehmung und zur Beschaffung der Omega Automotive Deutschland GmbH & Co. KG | 89 |
| 5.3.2 | Elektronische Beschaffungssysteme: Planung, Einführung und Nutzung | 90 |
| 5.3.3 | Beurteilung des Systemeinsatzes und Ausblicke | 92 |
| 5.4 | Diskussion der Fallstudien und der theoretischen Konzeptionen | 94 |
| 5.4.1 | Fallstudienübergreifender Vergleich | 94 |
| 5.4.2 | Reflexion der Fallstudien anhand theoretischer Betrachtungen | 97 |
| 5.4.2.1 | Reflexion zum Einsatz elektronischer Beschaffungssysteme in inhabergeführten Zulieferunternehmen | 97 |
| 5.4.2.2 | Reflexion über den Einführungs- und Wandelprozess | 101 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 107 |
| 6.1 | Zusammenfassung der Ergebnisse | 107 |
| 6.2 | Ausblick | 110 |
| Literaturverzeichnis | 112 | |
| Internetquellen | 121 | |
| Anhang | 122 |
Textprobe:
Kapitel 3.2.2, Analyse der Umweltfaktoren und aktueller Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie:
Automobilindustrie im Wandel:
Entsprechend der beschriebenen „SWOT“-Methode wendet sich dieser Abschnitt zunächst der Betrachtung externer Faktoren und Entwicklungen zu, denen inhabergeführte Zulieferunternehmen der Automobilindustrie ausgesetzt sind. Diese Aufgabe wird im Rahmen der beschriebenen Initialisierungsphase durch die strategische Arbeitsgruppe durchgeführt. Um die Tendenzen sowie die Chancen und Risiken zu ermitteln, werden einzelne Studienergebnisse und Branchenanalysen in diese Darstellung einbezogen.
Grundsätzlich kann dieser Informations- und Analyseschritt durch den ständigen Einbezug von spezialisierten Mitarbeitern unterschiedlicher Bereiche, durch eigene Marktbeobachtung oder auch durch den Einbezug externer Spezialisten, Studien und Fachpublikationen unterstützt werden. Übertragen auf die Analysearbeit einer strategischen Arbeitsgruppe bedeutet dies, dass die Rahmenbedingungen so gestaltet sein sollten, dass ein hierarchiefreier, übergreifender Austausch von Perspektiven möglich ist und für die regelmäßige Einholung und zeitnahe Auswertung relevanter und valider Daten gesorgt wird.
Betrachtet man aktuelle Aussagen zur Situation der Automobilindustrie so wird der Wandel weltweit durch Veränderungen im Wettbewerb, des Konsumentenverhaltens und durch Innovationstendenzen vorangetrieben. Branchenbeobachter sprechen von der Phase einer neuen „Revolution“, in der sich die Automobilindustrie derzeit befindet. Insgesamt findet eine zunehmende internationale Ausrichtung der Automobilkonzerne („Original Equipment Manufacturer“ bzw. OEM) statt. Großen Einfluss auf die Internationalisierungstendenzen und die Dynamik des Marktes haben dabei der zunehmende globale Einkauf sowie die logistische und absatzorientierte Nähe zu Rohstoff- und Kundenmärkten. Vor allem aber sind die hohen Produktentwicklungs- und Produktionsvorbereitungskosten treibende Faktoren dieser Tendenzen. Die Amortisation dieser Kosten kann von den Automobilkonzernen nur durch die Erreichung von „Economies of Scale“ in der Wertschöpfung erzielt werden. Dazu wird auf die Erschließung neuer Absatzmärkte oder die Verdrängung von Mitbewerbern abgezielt. So vollzieht sich ein Wechsel in der Fokussierung von regionalen Märkten. Während für die traditionellen großen Automobilmärkte (Nordamerika, Japan, Europa) mit geringen Wachstumsraten zu rechnen ist, wird für die sogenannten „Emerging Markets“ (Osteuropa, Asien ohne Japan, Südamerika) ein starkes Wachstum bis zum Ende der ersten Dekade dieses Jahrhunderts gerechnet.
Gleichzeitig prognostizieren Studien auf der Konsumentenseite eine sinkende Markenloyalität, eine zunehmende Preissensibilität und stärkere Tendenzen zu Komfort, technischer Innovation und höherer Individualisierung. Um den Kostendruck und der notwendigen Internationalisierung zu begegnen, setzen die OEMs zunehmend auf die eigenen Kompetenzen im Kerngeschäft, auf Konzentrationen am Markt und neue Formen der Zusammenarbeit. Dabei kommt es sowohl bei den Automobilkonzernen als auch bei den Zulieferern zu verstetigten Kooperationsprozessen. Themen wie das Management von Netzwerk-Organisationen, die Gestaltung effizienter Prozesse, „Supply Chain Management“ oder auch der Aufbau sozialer und kultureller Kompetenzen bei der internationalen und unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit besitzen eine zunehmende Relevanz im Zulieferbereich. Unter diesen Bedingungen wird zugleich eine erhöhte Effizienz in allen Wertschöpfungsprozessen der Branche gefordert. Die Forderungen richten sich dabei vor allem auf Effizienzerhöhungen durch Zeit-, Ressourcen- und Kosteneinsparungen. Zudem darf bei der ständigen Einführung neuer Varianten und technischen Innovationen der Qualitätsaspekt und die zeitgerechte Bereitstellung für den Kunden nicht vernachlässigt werden. Die OEMs und die großen Zulieferunternehmen erhöhen in diesem Zuge den Druck auf kleinere und mittlere Zulieferbetriebe in nachgelagerten Bereichen der Wertschöpfungskette. Zusätzlich wird dieser Druck auch dadurch erhöht, dass diese nachgelagerten Zulieferbetriebe gedrängt werden ihre IuK-Infrastruktur an den Konzernen auszurichten und deren favorisierte elektronische Systeme zu implementieren.
Prognostizierte Auswirkungen auf die Zulieferunternehmen:
Im Rahmen der beschriebenen Tendenzen wird prognostiziert, dass sich die Wert-schöpfung der Automobilindustrie zukünftig deutlich stärker in Richtung der Zulieferunternehmen verlagern wird. Dabei werden sich die OEMs zukünftig noch stärker auf wenige strategische Zulieferer konzentrieren. Einerseits um insgesamt eine Reduktion des Koordinationsaufwands zu erreichen und andererseits um Synergiepotenziale zu verfolgen. Der reduzierten Lieferantenbasis werden dann zunehmend komplexere Aufgaben übertragen, die sich auf die komplette Entwicklung und Bereitstellung von ganzheitlichen Systemlösungen, Modulen und Leistungen richten. Die klassischen „Engineering“-Unternehmen sind dabei als erste von dem zunehmenden Verdrängungswettbewerb aufgrund von Globalisierung, veränderter und gesättigter Märkte, In- und „Outsourcing“-Tendenzen sowie ständigen Innovationsoffensiven betroffen. Die Darstellung A-9 verdeutlicht diese „Top-Down“-Entwicklung der Aufgabendelegation in der Branche, die tendenziell zu einer „Multiprojektlandschaft“ führen wird.
Diese Entwicklungen werden sich auch in den veränderten Formen der Zu-sammenarbeit zwischen den OEMs und ihren Zuliefern, in Allianzen und Netzwerkpartnerschaften ausdrücken. Denn die Entstehung von Netzwerken fordert von den Zulieferunternehmen zum Einen sich noch stärker auf die eigenen Kompetenzen zu konzentrieren und zum Anderen nicht nur die umfassende physische Produktbereitstellung zu gewährleisten, sondern auch begleitende Koordinationsleistungen zu übernehmen. Für die Zulieferer entstehen aber erst dann Vorteile in der Wertschöpfung, wenn neben der Erbringung von kompletten Lösungen auf Basis einer konsequenten Konzentration auf die Kernkompetenzen, die Konfiguration eines effizienten Netzwerkes gelingt. Um die Transaktionskostentheorie in diesem Zusammenhang aufzugreifen, verlagert sich durch diese Anforderung die hierarchisch erbrachte Leistung des Zulieferers nun in Richtung hybride und marktorientierte Abwicklung. Bei der übergreifenden Koordination des Netzwerkes von Zulieferern stellt sich also für jeden Teilprozess der Wertschöpfung „die Frage des Make or Buy“ neu.
Um als Zulieferer in der zukünftigen Projektlandschaft zu bestehen und um die geforderten Effektivitäts- und Effizienzsteigerungen zu realisieren, steigen die Anforderungen an die Kompetenzen im Kommunikations- und Informations-management, die selbstorganisierte Reaktionsfähigkeit sowie die Fähigkeiten zu Projektarbeit und –koordination.
Im Zuge dieser Entwicklung ist eine vollständig Neuordnung der Branche inklusive der Neuaufstellungen von einzelnen Unternehmungen möglich. Dies stellt aber erst den Beginn eines fortdauernden Wandels dar, dessen Ende ungewiss ist. Bei dieser Entwicklung ist auch zu berücksichtigen, dass sich diese unterschiedlich stark und mit Zeitverzögerungen auf die Zulieferkategorien („Tiers“) in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie auswirken.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836606790
Arbeit zitieren:
Holzapfel, Marc-Oliver Oktober 2006: 'Balanced Scorecard' - gestütztes Change Management bei der Einführung elektronischer Beschaffungssysteme, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Balanced Scorecard, Change Management, Elektronische Beschaffung, Automobilindustrie, KMU



