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'A invenção de ser negro' - Die Untersuchung einer schwarzen Identität als ethnische Identität in Brasilien heute

'A invenção de ser negro' - Die Untersuchung einer schwarzen Identität als ethnische Identität in Brasilien heute
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Romy Powils
  • Abgabedatum: Dezember 2007
  • Umfang: 83 Seiten
  • Dateigröße: 415,1 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 37
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1949-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Powils, Romy Dezember 2007: 'A invenção de ser negro' - Die Untersuchung einer schwarzen Identität als ethnische Identität in Brasilien heute, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Brasilien, Schwarzenbewegung, Afrobrasilianer, ethnische Identität, schwarze Identität

Diplomarbeit von Romy Powils

Einleitung:

Im Juli 2002 überraschte der US-amerikanische Präsident George W. Bush seinen damaligen brasilianischen Amtskollegen Fernando Henrique Cardoso mit der Frage Do you have blacks, too? Seine damalige Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice musste Bush daraufhin aufklären, dass in Brasilien doppelt so viele Schwarze leben wie in den USA.

Diese Anekdote ist exemplarisch. Jedoch besitzt Brasilien heute nach Nigeria die zweitgrößte schwarze Bevölkerung der Welt in absoluten Zahlen. Laut des letzten Zensus des Jahres 2000 sind von den rund 170 Millionen Einwohnern der Gesamtbevölkerung 76,5 Millionen Afrobrasilianer.

Da Brasilien nach außen oft als ein Land mit einer homogenen Bevölkerung dargestellt wird, wissen viele nicht, dass dort unterschiedliche ethnische Gruppen (siehe Kapitel 3.2) zusammenleben. Die Gründe dafür liegen darin, dass man sich auch innerhalb des Landes lange Zeit dessen nicht bewusst war oder sein wollte, dass es verschiedene ethnische Gruppen gibt. Brasilien hat sich jahrhunderte lang auf das Prinzip der Rassendemokratie (siehe Kapitel 4.3) gestützt, dem zu Grunde liegt, dass alle Brasilianer nach Abschaffung der Sklaverei 1888 unabhängig von Rasse, Hautfarbe und ethnischer Zugehörigkeit frei, in Harmonie und mit gleichen Rechten und Pflichten nebeneinander leben sollten. Man glaubte an eine Vermischung der Rassen und es war für lange Zeit Ziel, diese Vermischung mit verschiedenen Mitteln, die innerhalb der Arbeit noch erklärt werden, durchzusetzen.

Dass es jedoch nicht in dem gewünschten Maße zu dieser Vermischung in Bezug auf die Gleichstellung aller Gruppen gekommen ist und diese heutzutage oft als ein Mythos dargestellt wird, beweist u.a. die Tatsache, dass 2003 Quotengesetze für verschiedene ethnische Gruppen in Brasilien eingeführt worden sind.

Anhand der folgenden Darstellung des IGBE (Brasilianisches Bundesamt für Statistik und Geographie) von 1996 sieht man, dass die Einkommensverteilung zwischen der weißen und der schwarzen Bevölkerung sehr unterschiedlich ist.

Dies stellt ein weiteres Indiz dafür dar, dass keine Gleichheit unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen herrscht und dass man heute schwarz und weiß trennt, wenn es um die Darstellung von solchen Statistiken geht, auch wenn sich die brasilianischen Schwarzen weder in ihrer Selbsteinschätzung als eine ethnische Minderheit (siehe Kapitel 3.3) sehen, noch von weißen Brasilianern als diese angesehen werden.

In der Verfassung wird zum ersten Mal 1988 von einem ethnischen Pluralismus im Land gesprochen. Im Paragraphen VII der Verfassung wird eine plurikulturelle Gesellschaft anerkannt, deren verschiedene Volksgruppen, Indigene und Afrobrasilianer es zu schützen gilt. Außerdem wird der Ausdruck nationale ethnische Segmente benutzt, der implizit eine ethnische Vielfalt anerkennt, v. a. gegenüber den Indianern, denen ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Die Aufnahme dieses Artikels in die Verfassung ist zum großen Teil zurückzuführen auf die Bemühungen der indianischen und Schwarzenbewegungen Brasiliens, die u.a. für die Anerkennung ihrer Wurzeln kämpfen.

Ob dieses Denken jedoch auch innerhalb der Bevölkerung eingesetzt hat, d. h. ob speziell Afrobrasilianer sich selbst als ethnische Gruppe bezeichnen würden und sich mit dieser auch identifizieren und es eine „schwarze Identität“ gibt, wird in dieser Arbeit untersucht.

Dieses Thema ist von hoher aktueller Relevanz, weil durch die Einführung der Quotengesetze das Nachdenken über ethnische Zugehörigkeit innerhalb der Bevölkerung in Gang gesetzt wurde, was bei einigen Menschen ein neues Bewusstsein geweckt hat.

Es ist schwierig, in einer so heterogenen Gesellschaft wie Brasilien die Rasse als fundamentales Element für die Identität und das Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten Gruppe zu sehen, so wie es in der Forschung bisher immer versucht wurde. Denn durch die Vermischungen von europäischen, indianischen und afrikanischen Genen sind so viele unterschiedliche Erscheinungstypen entstanden, dass es kaum möglich ist, diese einer bestimmten Rasse zuzuordnen.

Aus diesem Grund widmet sich diese Arbeit der Untersuchung nach einer ethnischen Identität, die über die Rasse hinausgeht bzw. sie nur als ein mögliches Merkmal für die Herausbildung einer kollektiven Identität ansieht.

Es wird untersucht, ob sich innerhalb der dunkelhäutigen Bevölkerung Brasiliens die Herausbildung einer ethnischen Identität festmachen lässt, die sie wiederum zu einer ethnischen Gruppe, als die sie vom Gesetz erfasst wird, werden lässt.

Gang der Untersuchung: Die Arbeit ist so aufgebaut, dass zunächst noch einmal konkretisiert wird, warum die Untersuchung ausgehend von der Quotenregelung eine besondere Bedeutung besitzt. Danach werden verschiedene Definitionen zu den Begriffen des Ethnischen, der ethnischen Gruppe, der ethnischen Minderheit und der ethnischen Identität zusammengetragen, da es bisher noch keine einheitlichen Definitionen zu den genannten Begriffen gibt, die für meine Untersuchung hilfreich sein konnten.

Ausgehend davon wurden drei Hauptmerkmale ausgewählt, die sich in allen Definitionen wieder finden lassen, um anhand dieser zu untersuchen, ob sich in Brasilien eine schwarze Identität herausgebildet hat, die als ethnische Identität bezeichnet werden kann.

Diese drei Hauptmerkmale bzw. Kriterien sind: eine gemeinsame Geschichte bzw. ein gemeinsamer Ursprung der ethnischen Gruppe, gemeinsame kulturelle Merkmale und Symbole, gemeinsame Identifizierung und Abgrenzung der ethnischen Gruppe; Diesen drei Punkten wurde jeweils ein großes Kapitel gewidmet.

Aus den Werken von Ferreira und Sansone stammen die grundlegenden Fakten für die Untersuchung der Kriterien. Zur begrifflichen Erklärung bestimmter Sachverhalte zum besseren Verständnis für den Leser und um ausgewählte, für die vorliegende Untersuchung wichtige Aspekte näher zu erklären, werden weitere Autoren hinzugezogen.

Kapitel drei beschäftigt sich mit wichtigen Etappen in Brasiliens Geschichte, die für die afrobrasilianische Bevölkerung eine herausragende Bedeutung eingenommen haben. Betrachtet werden besonders die Zeit während der Sklaverei, die Zeit der Vargas- und Militärdiktatur, sowie der Modernisierungsprozess. Ein extra Kapitel ist jeweils den Quilombos, der Schwarzenbewegung um Frente Negra Brasileira und Movimento Negro Unificado gewidmet sowie dem Branqueamento-Prinzip, da diese Elemente für das schwarze Selbstbild eine große Rolle gespielt haben.

Das vierte Kaptitel dient der Untersuchung der gemeinsamen kulturellen Merkmale und Symbole einer möglichen Schwarzenkultur, wobei zunächst die in der Literatur immer wieder als typisch schwarze Aktivitäten bezeichneten Merkmale wie Capoeira, Afoxé und Bloco Afro, Candomblé, Sambaschule und Schwarzenbewegung näher beschrieben werden. Danach wird auf die Frage eingegangen, ob es wirklich typisch afrikanische Merkmale innerhalb der afrobrasilianischen Kultur gibt. Der letzte Teil dieses Kapitels beschreibt einige kulturelle Merkmale der heutigen afrobrasilianischen Jugendkultur, die nicht mehr nur rein an traditionellen afrikanischen Merkmalen festhält.

Im fünften Kapitel, das sich mit Identifizierung und Abgrenzung beschäftigt, werden erstmals die Ansichten von Sansone und Ferreira getrennt analysiert und ihnen wird jeweils ein Kapitelabschnitt gewidmet, da sie eine unterschiedliche Gruppe von Afrobrasilianern betrachten, deren Identifizierung mit der Gruppe auf unterschiedliche Art abläuft. Ferreira untersucht aus sehr psychologischer Sicht den Prozess zur schwarzen Identitätsfindung eines Aktivisten der Schwarzenbewegung. Er orientiert sich dabei an einem Stadienmodell zur Identitätsbildung und beschreibt die vier Stadien estágio de submissao, estágio de impacto, estágio de militancia und estágio de articulacao, die ich zusammenfassend erklären werde.

Sansone geht allgemein auf die Bezeichnung negro als Eigenbezeichnung für die Gruppe ein und untersucht, ob es unter der afrobrasilianischen Bevölkerung eine schwarze Gemeinschaft gibt.

Abschließend wird ein Fazit gezogen und beurteilt, ob sich aus den genannten Kriterien, die in Bezug auf Brasilien analysiert werden, eine ethnische Identität der afrobrasilianischen Bevölkerung ableiten lässt.

Inhaltsverzeichnis:

Kurzbeschreibung 2
Inhaltsverzeichnis 3
0. Vorwort 5
1. Einleitung 6
1.1 Forschungsstand 8
1.2 Vorgehensweise 11
2. Das Problem des Bestimmens der Hautfarbe und der ethnischen Zugehörigkeit im Zuge der Quotenregelung 13
3. Definitorische Ansätze zu ethnischer Gruppe,Minderheit und Identität 16
3.1 Ethnisch 16
3.2 Ethnische Gruppe 16
3.3 Ethnische Minderheit 19
3.4 Ethnische Identität 20
3.4.1 Selbstbestimmung 22
3.4.2 Toleranz 23
3.4.3 Unterstützung 23
3.4.4 Selbstwertgefühl 24
3.4.5 Identitätssymbole 25
3.5 Zusammenfassende Definition 26
4. Gemeinsame Geschichte/ gemeinsamer Ursprung 28
4.1 Die Sklaverei 28
4.1.1 Quilombos 29
4.2 Nach Abschaffung der Sklaverei 32
4.2.1 Das Branqueamento-Prinzip 32
4.2.2 Frente Negra Brasileira 35
4.3 Vargas-Diktatur 37
4.4 1940er bis 90er Jahre - zwischen Militärdiktatur und Redemokratisierungsprozess 39
4.4.1 Movimento Negro Unificado 40
5. Gemeinsame kulturelle Merkmale und Symbole 43
5.1 Typisch schwarze Aktivitäten 44
5.1.1 Capoeira 45
5.1.2 Afoxé und Bloco Afro 46
5.1.3 Candomblé 48
5.1.4 Sambaschule 50
5.1.5 Schwarzenbewegung 50
5.2 Typisch afrikanisch? 52
5.3 Kulturelle Merkmale der afrobrasilianischen Jugendkultur 54
6. Gemeinsame Identifizierung und Abgrenzung 60
6.1 Bei Sansone 60
6.1.1 Die Eigenbezeichnung negro 60
6.1.2 Gemeinschaftsgefühl und communidade negra 61
6.2 Bei Ferreira 64
6.2.1 Estágio de submissão 65
6.2.2 Estágio de impacto 66
6.2.3 Estágio de militância 69
6.2.4 Estágio de articulação 71
7. Zusammenfassung und Fazit 72
8. Literaturverzeichnis 79
9. Anlage 84

Textprobe:

Kapitel 4, Gemeinsame Geschichte/gemeinsamer Ursprung: Ferreira geht bei dem gemeinsamen Ursprung der Afrobrasilianer v. a. von dem gemeinsamen afrikanischen Ursprung aus, da die ehemaligen afrikanischen Sklaven eine entscheidende Rolle sowohl bei der Herausbildung der Wissenschaft und Kultur als auch der Verhaltensweisen und der Umgangsformen der Brasilianer hatten.

44,3 Prozent der Brasilianer sind laut Statistik afrikanischen Ursprungs, was Brasilien zu dem Land mit den meisten afrikanisch-stämmigen Einwohnern außerhalb Afrikas werden lässt. Im Vergleich zu anderen amerikanischen Ländern besaß Brasilien die meisten afrikanischen Sklaven, nach Schätzungen drei bis sechs Millionen.

Die Sklaverei begann Ende des 15. Jahrhunderts und endete 1888. Somit war Brasilien das letzte christlich geprägte Land, das die Sklaverei abschaffte.

Die genaue Herkunft der Sklaven wird noch immer kontrovers diskutiert, aber es wird allgemein davon ausgegangen, dass sie aus den Regionen um den Golf von Guinea und dem Kongo stammen und drei verschiedenen ethnischen Volksgruppen angehören: der islamisierten afrikanischen Kulturgruppe, der kongo-angolanischen Gruppe und der sudanesischen Gruppe.

Kapitel 4.1, Die Sklaverei: Die Sklaven arbeiteten anfangs vor allem auf Zuckerrohrplantagen, später auch in Minen, auf Kaffeeplantagen und Viehfarmen. Einige von ihnen waren als Hausangestellte oder im Fischfang tätig oder halfen den Sklavenbesitzern beim Verkauf ihrer Waren. Der von extremen körperlichen Anstrengungen geprägte Alltag der Plantagensklaven unterschied sich wesentlich von demjenigen der spezialisierten Handwerker- und Dienstbotensklaven, die im städtischen Umfeld über weit größere Bewegungsfreiheiten verfügten.

Die im Herrenhaus (casa grande) tätigen Haussklaven stellten eine Elite unter der Sklavenbevölkerung dar. In einigen Fällen gelang es ihnen, eigene wirtschaftliche Aktivitäten zu entwickeln und sich damit in freien Stunden etwas Geld zu verdienen. Mit diesem Geld schafften sie es, sich nach gewisser Zeit freizukaufen, was in Brasilien einfacher war als in den USA. Die Chancen, den so genannten Sklavenfreibrief (carta de alforria) zu erhalten, hingen letztlich immer vom Verhältnis ab, das zwischen dem Sklavenherrn, dem senhor, und dem Sklaven bestand.

Die besten Chancen auf einen Sklavenfreibrief hatten die Leihsklaven, die meist einen Teil des sich verdienten Geldes für sich behielten und auf diese Weise Geld für den Freikauf ansparen konnten. Ein Großteil der Sklavenfreibriefe enthielt eingeschränkte Klauseln, die den Sklaven zu demütigem Verhalten und meist zu jahrelangen kostenlosen Dienstleistungen für die Familie des Sklavenhalters verpflichteten. Eine Wiederversklavung war möglich.

Der Besitz von Sklaven galt lange Zeit als ein Symbol für Reichtum und Wohlstand und stellte insofern für Menschen der verschiedensten Gesellschaftsschichten so etwas wie einen sozialen Wert dar. Nicht nur kirchliche Institutionen hielten Sklaven, auch befreite Sklaven strebten danach, sich möglichst einen oder mehrere Sklaven zu kaufen.

Bereits im 16. Jahrhundert wurden erste Fluchtversuche der Sklaven dokumentiert. Die erste Sklaven-Siedlung, sog. Quilombo, entstand 1575 in Bahia und gab den Flüchtlingen ein Ziel und eine reelle Chance, außerhalb der Plantagen zu überleben.

Diese Quilombos besitzen bis heute einen wichtigen Symbolgehalt für die brasilianische Schwarzenbewegung, weshalb diese näher erklärt werden.

Kapitel 4.1.1, Quilombos: Der Begriff kilombo kommt aus der Bantu-Sprache Umbundo des heutigen angolanischen Sprachraums. Über die Bedeutung des Wortes herrscht noch keine Einigkeit unter den Sprachwissenschaftlern. Die einen gehen davon aus, dass sich dahinter eine Ansammlung von Hütten verbirgt, die anderen gehen von einer soziopolitischen militärischen Vereinigung von Menschen aus. Die Quilombos lagen in unzugänglichen Gebieten, wo sich die entlaufenen Sklaven von Ackerbau, Jagd und Fischfang ernährten. Gebrauchsgegenstände, insbesondere Waffen, die in den Quilombos nicht hergestellt werden konnten, besorgten sich die sog. Quilombolas bei Überfällen auf benachbarte Dörfer. In den meisten Quilombos entwickelten sich im Laufe der Zeit Organisationsstrukturen mit einer zentralen Entscheidungsinstanz an der Spitze.

Laut Gomes und Munanga blieben die Quilombos am längsten bestehen, die sich in den isoliertesten Gegenden befanden und sich mit Indianern, armen Weißen und anderen Bevölkerungsgruppen verbündeten. Gomes und Munanga wenden sich gegen die Bezeichnung, dass Quilombos ein Fluchtort für geflüchtete Sklaven seien. In ihren Augen sollte es mehr als ein Ort angesehen werden, wo versklavte Schwarze brüderlich und frei zusammenlebten, um ihre Würde aufrechtzuerhalten und gegen die Sklavenherrschaft zu kämpfen und zu rebellieren.

Tratava-se de uma reuniao fraterna e livre, com lacos de solidariedade e convivencia resultante do esforco dos negros escravizados de resgatar sua liberdade e dignidade por meio da fuga do cativeiro e da organizacao de uma sociedade livre. Os quilombolas eram homens e mulheres que se recusavam viver sob o regime da escravidao e desenvolviam acoes de rebeldia e de luta contra esse sistema.

Im Hinterland des heutigen Bundesstaates Alagoas im Nordosten Brasiliens befanden sich die berühmten Quilombos de Palmares, die wegen ihrer Größe und Resistenz in die Geschichte Brasiliens eingegangen sind. Ihr Anführer Zumbi ist zum wichtigsten Helden der brasilianischen Schwarzenbewegung geworden.

Palmares entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem prosperierenden Staat im Staate. Auf den urbar gemachten Böden wurde Mais, Bohnen, Maniok, Zuckerrohr, Kartoffeln und Bananen angebaut. Alles war Gemeinschaftseigentum und wurde von allen bestellt. In seiner Blütezeit sollen zwischen 20.000 und 30.000 Menschen in dem 27.000 Quadratkilometer großen Gebiet gelebt haben. Nach fast hundertjähriger erfolgreicher Verteidigung gegen zahlreiche Angriffe der portugiesischen Truppen wurde Palmares 1694 innerhalb kürzester Zeit durch den Einsatz von Kanonen dem Erdboden gleichgemacht.

Der Fall von Palmares wurde mit einem sechstägigen Fest gefeiert. Der damalige Anführer Zumbi überlebte zwar diesen Angriff, wurde jedoch ein Jahr später verraten und am 20. November 1695 getötet. Sein Kopf wurde auf einer Lanze aufgespießt und in Recife, der heutigen Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Pernambuco, zur Schau gestellt. Der Todestag Zumbis wurde 1979 von der Schwarzenbewegung Movimento Negro Unificado (MNU) (Vereinigte Schwarzenbewegung) (siehe Kapitel 4.4.1) zum Dia da Conciencia Negra (Tag des Schwarzen Bewusstseins) ausgerufen. Damit protestierte sie gegen den offiziellen Feiertag der Abschaffung der Sklaverei, den 13. Mai.

Heute feiern verschiedene Gruppen der brasilianischen Schwarzenbewegung den 20. November mit Protestmärschen, Diskussionsrunden, Capoeira (siehe Kapitel 5.1.1) und Tanzveranstaltungen. Auf Initiative der afrobrasilianischen Senatorin Benedita da Silva wurde der Name Zumbi 1996 in das Buch der Helden des Vaterlandes (Livro dos Herois da Patria) aufgenommen.

Bis heute gibt es in unterschiedlichen Regionen Brasiliens Dörfer und Städte mit überwiegend dunkelhäutiger Bevölkerung, die auf Quilombos zurückgehen. In einigen haben sich sprachliche und kulturelle Eigenheiten ihrer Vorfahren erhalten. Die 1988 erneuerte Verfassung garantiert den Quilombolas, die bis dahin noch immer illegal auf den jeweiligen besetzen Gebieten lebten, die Anerkennung ihrer Ansprüche auf das Land.

Die Fundacao Palmares (Palmares-Stiftung) wurde ins Leben gerufen, um die Umsetzung dieser Verfassungsneuregelung in die Wege zu leiten. Unter dem damaligen Präsidenten Cardoso wurden die ersten Quilombos legalisiert. Die Fundacao Palmares hat inzwischen 724 Quilombo-Gebiete registriert, in denen rund zwei Millionen Menschen leben. Bis 2003 wurden 32 davon rechtlich anerkannt und 18 haben die endgültigen Landrechte bekommen.

Sansone beschreibt weiterhin das Bild der Schwarzen, wie sie seiner Meinung nach in den Perioden während und nach der Sklaverei gesehen wurden.

Während der Sklaverei war der Status des Sklaven wichtiger als sein Aussehen. Der Status wurde in verschiedene Kategorien eingeteilt: escravos (Sklaven), escravos alforriados (freigekaufte Sklaven), filhos de escravos nacidos livres (freigeborene Nachkommen von Sklaven) e mulatos (Mulatten – Nachkommen der Vermischung von Schwarzen und Weißen). Außerdem war wichtig, ob sie in Afrika oder Brasilien (sog. Crioulos) geboren waren. Diejenigen, die in Afrika geboren waren, wurden gezwungen, die härtere Arbeit zu verrichten.

Nach der Abschaffung der Sklaverei wurde der Status durch das Aussehen bestimmt und nicht mehr durch den afrikanischen Ursprung oder den Status des ehemaligen Sklaven.

Arbeit zitieren:
Powils, Romy Dezember 2007: 'A invenção de ser negro' - Die Untersuchung einer schwarzen Identität als ethnische Identität in Brasilien heute, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Brasilien, Schwarzenbewegung, Afrobrasilianer, ethnische Identität, schwarze Identität

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