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Ist "gute Lehre" meßbar?

Untersuchungen zur Validität, Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit studentischer Lehrbewertungen

Ist "gute Lehre" meßbar?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: René Krempkow
  • Abgabedatum: Oktober 1997
  • Umfang: 125 Seiten
  • Dateigröße: 3,1 MB
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0543-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0543-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0543-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Krempkow, René Oktober 1997: Ist "gute Lehre" meßbar?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lehrbewertung, Lehrqualität, Prof-TÜV, Ranking, Studentenbefragung

Diplomarbeit von René Krempkow

Zusammenfassung:

In der vorliegenden soziologischen Arbeit wird sich damit auseinandergesetzt, ob die Befragungen von Studenten zur Qualität der Lehre so zuverlässig sind, dass man bestimmte Konsequenzen für die Lehrenden daraus ableiten könnte. Eine solche Konsequenz könnte die Umstellung des Zulagensystem für C4-Professoren (höchste Besoldungsstufe) von der „Alterungszulage“ auf ein System mit Leistungszulagen sein, wie sie derzeit in Rheinland-Pfalz diskutiert wird. Aber auch für die Vergabe von Preisen für „gute Lehre“ soll die studentische Lehrbewertung mit herangezogen werden. Durch solche Lehrpreise, die jährlich vergeben werden und bis zu 10.000 DM dotiert sind, und durch die damit zu erwerbende Reputation sollen höhere Anreize zum Bemühen um „gute Lehre“ gesetzt werden. Dies alles dient letztlich der Einführung von Elementen des Wettbewerbs innerhalb und zwischen den Hochschulen auch in der Lehre. Bisher konkurrieren die Hochschulen nur in der Forschung miteinander, was zu dem immer wieder beklagten geringen Stellenwert der Lehre an den Hochschulen führte. Diesen geringen Stellenwert der Lehre trachtet man nun mit einer Reihe von Maßnahmen wieder zu erhöhen.

Das Bundesland Sachsen ist hierbei schon relativ weit vorangeschritten, indem die rechtlichen Grundlagen für die Kopplung von Lehrbewertungen und der Vergabe finanzieller Mittel bis hin zum Nachweis pädagogischer Eignung für Berufungen mit dem 1994 verabschiedeten Sächsischen Hochschulgesetz bereits geschaffen wurden. Für die Entscheidung, inwieweit man sich hierbei auf die Ergebnisse studentischer Lehrbewertung stützen kann und was bei der Verwendung der Umfrageergebnisse für Leistungsvergleiche beachtet werden muss, sind aber noch einige Klärungen notwendig. Was zu einen Konzept „guter Lehre“ gehören soll, sowie Untersuchungen zur Validität, Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit sind dabei die wichtigsten Aspekte, zu deren Klärung die vorliegende Diplomarbeit beitragen soll.

Als kurzes Fazit der zahlreichen Aufsätze und neuester empirischer Studien, die zu diesem Thema in der Arbeit diskutiert wurden, lässt sich folgendes festhalten: Studentische Lehrbewertungen sind bei Verwendung entsprechend geprüfter Befragungsinstrumente sehr viel zuverlässiger als gemeinhin angenommen. Allerdings - und das muss man bei Verwendung der Ergebnisse solcher Befragungen beachten - sind sie nicht immer ohne weiteres vergleichbar. Unter welchen Bedingungen dies trotzdem erreicht werden könnte, wird in der Arbeit ebenfalls diskutiert.

Die Arbeit ist aber nicht nur für den engeren Bereich der Bewertung der Hochschullehre durch Studenten anwendbar. Die Ergebnisse sind generell für die Validität, Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von Befragungen zur Zufriedenheit oder zur Einschätzung von Arbeitsbedingungen von Bedeutung. So wurde beispielsweise bislang eher selten die Zuverlässigkeit von Mitarbeiterbefragungen in Unternehmen untersucht, aber die Ergebnisse oft auf Kommastellen genau miteinander verglichen. Insofern ist die Arbeit wichtig für sämtliche Verfahren, die derzeit unter dem in gewisser Weise zum Modewort avancierten Begriff „Evaluation“ laufen.

Die kritische Betrachtung von manchmal allzu naiv angewandten Umfragemethoden, aber auch das Aufzeigen von Wegen zu höherer Zuverlässigkeit und Herstellung von Vergleichbarkeit ist also der spezifische Beitrag, den diese Arbeit ganz generell zu leisten versucht. Dazu sollte auch das Bemühen beitragen, sämtliche Teile der Arbeit in einem leicht verständlichen Stil zu schreiben, bei dem Fachbegriffe nur soweit wie nötig (und nicht wie möglich!) verwendet wurden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Was ist „gute Lehre“? - Begriffsklärung u. Operationalisierung 7
2.1 „Gute Lehre“ - Definitionsversuche für einen hochkomplexen Gegenstand 7
2.2 Zu den Begriffen „Messbarkeit“ und „Evaluation“ von Lehrqualität 10
2.3 Wie „gute Lehre“ gemessen werden könnte (Operationalisierung) 12
2.4 Differenzierung der Evaluation auf verschiedene Ebenen 15
3. Validität und Zuverlässigkeit studentischer Lehrbewertungen 20
3.1 Die Bedeutung der Validität und Zuverlässigkeit studentischer Urteile für die Einschätzung von Lehrqualität 20
3.2 Wie sich Validität und Zuverlässigkeit feststellen lassen 22
3.3 Urteile von Lehrenden und Fremdgutachtern zur Validisierung 25
3.4 Absolventenbefragungen zur Validisierung 29
3.5 Die Kompetenz Studierender zur Einschätzung ihrer Lehr- und Studiensituation 30
3.6 Die Reife der Urteiler zur Einschätzung der Lehr- und Studienqualität 34
3.7 Die Zuverlässigkeit der studentischen Urteile 35
3.8 Stabilität/ Retestreliabilität bei Messwiederholung nach ca. 2 Monaten 36
3.9 Stabilität studentischer Urteile über mehrere Semester 39
4. Vergleichbarkeit und Einflussfaktoren auf das studentische Urteil 44
4.1 Bedeutung und Probleme vergleichender Qualitätsbewertung 44
4.2 Quasiexperimenteller Ansatz zur Analyse von Einflussfaktoren 47
4.3 Feldstudien zur Analyse potentieller Einflussfaktoren 49
5. Objektive Kennzahlen - Ersatz subjektiver Lehrbewertung? 66
5.1 Warum keine objektive Kennzahl subjektive Bewertung ersetzen kann 66
5.2 Das Betreuungsverhältnis als Indikator für Überfüllung 67
5.3 Quotenverwirrung: Schwundquote, Abbrecherquote, Erfolgsquote 70
5.4 Eine kurze durchschnittliche Fachstudiendauer als Indiz für gute Lehre? 72
5.5 Noten: Kriterium für Studienerfolg bzw. Ergebnisqualität des Studiums? 74
6. Anwendungen und Schlussfolgerungen 77
6.1 Diskussion, Bewertung und Interpretation der Ergebnisse von Studierendenbefragungen zur Qualität der Lehre in Lehrberichten 77
6.2 Studentenbefragungen als eine Grundlage für Lehrpreise? 81
6.3 Operationalisierung guter Lehre unter Einbeziehung von Rahmenbedingungen, exemplarisch für die TU Dresden 84
7. Zusammenfassung 88
Literaturverzeichnis 93
Anhang

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sogar das Ziel. Deshalb soll an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen werden (Ausführlicher diskutiert wird dies in Gralki 1993: 123-132; sowie Süllwold 1997). Statt dessen sollen nach vorliegendem Modell aus den häufigsten vorgebrachten Argumenten gegen die studentische Lehrbewertung folgende sieben Hypothesen gegen die Vergleichbarkeit formuliert werden: a) Sachkenntnis/Kompetenz: Das Urteil der Studierenden ist weder über verschiedene Veranstaltungen noch über dieselben Fachbereiche an verschiedene Hochschulen hinweg vergleichbar, da sie einen unterschiedlichen Stand an Sachkenntnis und Erfahrungen haben. Studierende mit höherer Sachkenntnis und mehr Erfahrungen würden die Lehre anders bewerten als solche mit geringerer Sachkenntnis. b) Reife/Alter Das Urteil der Studierenden ist nicht vergleichbar, weil es durch mangelnde Reife und dadurch bedingte Launenhaftigkeit und Beeinflußbarkeit starken Schwankungen unterliegen könne. Dadurch könne es sein, daß der gleiche Dozent bei gleichem Lehrverhalten von anderen, in diesem Fall reiferen bzw. älteren Studierenden evtl. gänzlich anders beurteilt wird. c) Geschlecht: Das Urteil der Studierenden wird dadurch verzerrt, daß einerseits Studentinnen diese anders beurteilen als Studenten und andererseits die von weiblichen Lehrenden durchgeführten Lehrveranstaltungen anders beurteilt werden als die ihrer männlichen Kollegen. d) Noten/Leistungsfähigkeit: Das Urteil der Studierenden ist dadurch verzerrt, daß diejenigen, die von ihren Lehrenden bessere Noten erhalten (oder dies erwarten), die Lehr- und Studiensituation besser bewerten als Studierende, die von ihren Lehrenden schlechtere Noten erhalten. Ebenso werden Lehrveranstaltungen von Lehrenden, die geringere Leistungsanforderungen stellen, schon allein deshalb besser bewertet. e) Studieninteresse/Themeninteresse: Das Urteil von Studierenden wird dadurch verzerrt, daß ihr Interesse am Studienfach/ an der entspr. Lehrveranstaltung sehr [...]

4.3. Feldstudien zur Analyse potentieller Einflußfaktoren Einige potentielle Einflußfaktoren, von denen immer wieder vermutet wird, daß sie die Lehrbewertung so stark beeinflussen, daß diese wertlos wird, wurden in Feldstudien bereits genauer untersucht: Dies sind sowohl soziodemographische Merkmale wie Alter und Geschlecht, die Semesterzahl bzw. evtl. Vorerfahrungen, die bei Studierenden zu einem anderen Blickwinkel auf die Lehre führen könnten und deshalb als potentieller Einflußfaktor betrachtet werden müssen. Aber auch das Studieninteresse, die Leistungsbereitschaft, erwartete bzw. erhaltene Noten bzw. die Leistungsfähigkeit der Studierenden im Zusammenhang mit den Anforderungen, die die Lehrenden ihren Studierenden abverlangen, könnten zu einem anderen Blickwinkel auf die Lehre führen. Und schließlich würden auch Rahmenbedingungen des Studiums, insbesondere die Kursgröße, die Lehrbewertung beeinflussen, so ein in jüngsten hochschulpolitischen Diskussionen immer wieder vermuteter weiterer Einflußfaktor auf die Lehrbewertung. Gerade bei letzterem genannten Einflußfaktor wird wiederum klar, daß definiert werden muß, ob die Kursgröße als ein Bestandteil von Lehrqualität zu verstehen ist oder nicht. Davon hängt ab, ob man all die genannten Einflußfaktoren als potentielle Biasvariablen betrachtet, die dafür sorgen könnten, daß durch eine Befragung von Studierenden nur ein mehr oder weniger ”verzerrtes” Bild von der realen Situation an einem Fachbereich zu erhalten ist - oder nur als Zusammenhänge zwischen verschiedenen Indikatoren von Lehrqualität. Zur Veranschaulichung sollen die Einflußfaktoren nun als intervenierende Variablen in einem Modell dargestellt werden: [...]

Einflusses wurden die Bewertungen von insgesamt sieben Dozenten miteinander verglichen, die jeweils mehrere Lehrveranstaltungen durchführten. Bedeutsame Unterschiede ergaben sich vor allem bei der Beteiligung (6 mal) und hinsichtlich des Interesses am Thema der Veranstaltung (4 mal), und weniger häufig bei der Bewertung von Struktur, Klima und Fleiß in den Lehrveranstaltungen (jeweils 2 mal). Insgesamt sind nach den vorliegenden Ergebnissen also die Beteiligung und das Interesse an der Lehrveranstaltung als einerseits vom Thema der Veranstaltung, und andererseits von den Studierenden beeinflußt anzusehen. Schließlich wurde in einer dritten Untersuchungsanordnung geprüft, inwieweit verschiedene Dozenten in gleichen Veranstaltungen unterschiedlich bewertet wurden. Hierbei auftretende Unterschiede in der Bewertung könnten, da ja das Thema der Veranstaltungen gleich war, nicht von diesem abhängen, sondern nur von den Dozenten bzw., da dies wiederum aufgrund der unterschiedlichen Studierendenstichproben nicht zu trennen war, von den Studierenden. Hierzu wurden drei nach Titel, Curriculum und Zielrichtung inhaltsgleiche Veranstaltungen von jeweils zwei Dozenten parallel gehalten. Als Ergebnis läßt sich festhalten, daß bei zwei von den drei parallelen Veranstaltungen die Dimensionen Lernen (empfundener Lernerfolg), Interessantheit, Lehrkompetenz und das Engagement des Dozenten bedeutsame Unterschiede in der Bewertung auftraten. Da diese Dimensionen in den beiden vorangegangenen Untersuchungsanordnungen nicht variierten, interpretierte Rindermann sie trotz der vorhandenen studentischen Teilnehmervariation ”als vor allem von den Dozenten beeinflußt”. Dennoch ist eine Generalisierung der Ergebnisse nicht möglich, da hier einerseits noch eine zu geringe Fallzahl zur Verfügung stand, und andererseits in der Untersuchungsanordnung nicht der (zumindest potentielle) Einfluß der Teilnehmervariation eliminiert werden konnte. So können Zweifel an den Ergebnissen nicht restlos ausgeräumt werden. Für eine quasiexperimentelle Untersuchungsanordnung, wie sie hier erläutert wurde, erscheint deshalb eine Wiederholung an einer Hochschule sinnvoll, an der noch feste Seminargruppen existieren, wie dies z. B. in den Hauptfachlehrveranstaltungen der Dresdener Psychologie der Fall ist. Bedauerlich erscheint in dieser Hinsicht, daß bisher nur wenige Studien in dieser Richtung durchgeführt bzw. nur wenig davon veröffentlicht wurde. Im folgenden sollen deshalb vor allem korrelative Untersuchungsanordnungen vorgestellt werden. In korrelativen Untersuchungsanordnungen wird über mehrere Hochschulen und Fachrichtungen hinweg verglichen, welche Unterschiede im 49 [...]

Arbeit zitieren:
Krempkow, René Oktober 1997: Ist "gute Lehre" meßbar?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lehrbewertung, Lehrqualität, Prof-TÜV, Ranking, Studentenbefragung

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