"Weil ich es mir wert bin."
Eine linguistische Untersuchung zur Darstellung von Frauen in der Zeitschriftenwerbung
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Andrea Herder
- Abgabedatum: September 2002
- Umfang: 94 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6512-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6512-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6512-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Herder, Andrea September 2002: "Weil ich es mir wert bin.", Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Werbung, Frau, Mentalität, Schlüsselwörter, Argumentation
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Magisterarbeit von Andrea Herder
Einleitung:
Werbung hat einen festen Platz in unserer Gesellschaft eingenommen. Als permanenter Bestandteil der Massenmedien erhält sie bei der Rezeption von Zeitschriften, Fernsehprogrammen, Radiosendungen oder anderen Medien zwangsläufig Aufmerksamkeit. Mit einem jährlichen Werbeetat von 31 Millionen Euro und im Zuge der Gestaltungsmöglichkeiten einer fortschreitenden Technisierung erlangt Werbung mehr und mehr Kunst- und Kultstatus. Sie ist insofern Teil unserer Alltagskultur, als auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens kontroverse Diskussionen um das Thema Werbung geführt werden. Immer wieder wird ihr ein besonders starkes Wirkungspotential zugesprochen oder es werden Vergleiche mit bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen vorgenommen. In den siebziger Jahren ist im Rahmen der Frauenbewegung die Diskussion um die gesellschaftlichen Verhältnisse der Geschlechter aufgekommen und wird seitdem unentwegt geführt. Im Mittelpunkt steht vor allem die diskriminierende Minderachtung von Frauen. Folglich sind besonders Frauendarstellungen in der Werbung auf ihre Stereotypisierung hin untersucht und kritisiert worden.
Durch die Präsentation der 1999 erschienenen Dissertation „Werbeweltbilder im Wandel. Eine linguistische Untersuchung deutscher Werbeanzeigen im Zeitvergleich (1960-1990)“ von Hermann Cölfen im Rahmen des Seminars „Werbesprache“ von PD Dr. Martin Wengeler wurde mein Interesse geweckt, mit dem Medium Werbung etwas über die Denkstrukturen der Gegenwart zu erfahren. Ich gehe folglich bei meiner Untersuchung davon aus, dass Werber Vorstellungen von gesellschaftlichen Zuständen haben und diese in Werbebotschaften einfließen lassen, um die Rezipienten zu einer Kaufentscheidung zu führen. Werbung repräsentiert also gesellschaftliche Denkmuster und Verhältnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Im Verlauf dieser Arbeit soll analysiert werden, wie sich die Produzenten von Werbeanzeigen in Zeitschriften Frauen und deren Denkmuster und Lebensformen vorstellen. Es soll Aufschluss darüber gegeben werden, welche Wirklichkeitskonstruktion von Frauen in Werbeanzeigen der Zeitschriften Der Spiegel, Stern, Brigitte und Allegra existiert.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, mittels der konstruierten Wirklichkeit in Werbeanzeigen Rückschlüsse auf die Mentalität der heutigen Zeit zu ziehen. Über die Analyse der Darstellung von Frauen in der Zeitschriftenwerbung soll etwas über das gesellschaftliche Bewusstsein der Gegenwart in Erfahrung gebracht werden.
Innerhalb der Linguistik existiert eine solche Art der Sprachgeschichtsschreibung bisher nicht, so dass die folgende Untersuchung eine interdisziplinäre Herangehensweise erfordert. Diese Arbeit will vorhandene theoretische Ansätze verschiedener Disziplinen miteinander verbinden, um die Grundlage für eine empirische Analyse zu schaffen. Nur so kann Sprachgeschichte in Form einer Bewusstseinsgeschichte stattfinden.
Dementsprechend bietet es sich einführend an, die bereits von Historikern geführten Debatten zur Mentalitätsgeschichte zu betrachten und aufzuzeigen, dass Sprache nutzbar gemacht werden kann, um zu historischer Erkenntnis zu gelangen.
Da das Konzept einer solchen Sprachgeschichtsschreibung bereits in dem in der Germanistik existierenden Projekt der Begriffsgeschichte um Reinhart Koselleck Verwendung findet, wird dieses skizziert und im Hinblick auf die Textauswahl durch das von Dietrich Busse entwickelte Programm einer Historischen Semantik erweitert. Sprachgeschichte wird hierbei nicht mehr auf die Geschichte einzelner Begriffe beschränkt, sondern um den Diskursbegriff erweitert.
Die Diskussionen der Geschichtswissenschaft dienten Fritz Hermanns für eine „Sprachgeschichte als Mentalitäts- und Diskursgeschichte“ und bieten die Grundlage für eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Medium Werbung und dessen kommunikativen und ökonomischen Bedingungen. Diese sollen vor allem zeigen, dass Werbung Rückschlüsse auf das Bewusstsein einer Epoche erlaubt. Bevor die empirische Analyse geleistet werden kann, soll zunächst der Stand der Forschung zur Darstellung von Frauen in den Medien betrachtet werden. Die Arbeiten sollen demonstrieren, welche Entwicklungen und Stagnationen die Präsentation von Frauen seit den siebziger Jahren zu verzeichnen hat. Da die vorliegenden Studien grobe methodische Mängel aufweisen, bereits mehrere Jahre zurückliegen und größtenteils nicht sprachwissenschaftlich orientiert sind, erscheint mir speziell in diesem thematischen Rahmen eine aktuelle Analyse interessant.
Da auf bereits entwickelte linguistische Methoden nicht zurückgegriffen werden kann, ist sowohl das Zusammenstellen eines thematisch bestimmten Diskurses als auch die Auswahl und Begründung der Untersuchungskriterien ein essentieller Teil dieser Arbeit.
Auch in einer linguistisch orientierten Studie kann es nicht ausbleiben, neben der sprachlichen die bildliche Darstellung von Frauen in die Analyse und Reflexion mit einzubeziehen. Auf der sprachlichen Ebene werden in diesem mentalitätsgeschichtlichen Ansatz vor allem Schlüsselwörter, fremdsprachige Elemente und Argumentationen untersucht. Diese Orientierung lässt sich anhand des Forschungsstandes rechtfertigen und führt zu einer sowohl quantitativ als auch qualitativ nachvollziehbaren Typologie von Frauen.
Die Ergebnisse der empirischen Analyse ermöglichen signifikante Rückschlüsse über die Mentalität der Gegenwart, zeigen jedoch auf, dass Werbung nicht nur ein Indikator gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern immer auch eine zweckgebundene Kommunikationsform ist.
Obwohl es gerade bei einem frauenspezifischen Thema nahe liegt, die weiblichen Formen zu verwenden, wird im Rahmen dieser Arbeit sowohl aus praktischen als auch aus Gründen besserer Lesbarkeit durchgängig die männliche Genusform verwendet. Ich möchte explizit darauf hinweisen, dass die männlichen Formen selbstverständlich für beide Geschlechter gebraucht werden und deshalb als geschlechtsneutral anzusehen sind.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 5 | |
| A. | Geschichte und Sprachwissenschaft: Die Entwicklung einer interdisziplinären Methode | 7 |
| I. | Sprache und Geschichte | 7 |
| 1. | Historiographische Mentalitätsgeschichte | 7 |
| 1.1 | Der Begriff der Mentalität | 7 |
| 1.2 | Mentalitätsgeschichte: Die historiographische Kategorie | 8 |
| 2. | Linguistische Mentalitätsgeschichte | 9 |
| 2.1 | Die Theorie der Begriffsgeschichte | 9 |
| 2.2 | Der Diskurs als Bezugsrahmen | 11 |
| 3. | Resümee: Sprachgeschichte als Mentalitätsgeschichte | 12 |
| II. | Werbung und Geschichte | 13 |
| 1. | Definition: Werbung | 13 |
| 2. | Bedingungen der Werbung | 13 |
| 3. | Werbung als Spiegel der Gesellschaft | 14 |
| 3.1 | Werbung als Indikator für gesellschaftliche Prozesse | 14 |
| 3.2 | Werbegeschichten sind Zeitgeschichten | 15 |
| 4. | Werbung und Diskurs | 16 |
| 5. | Resümee: Werbegeschichte als Mentalitätsgeschichte | 16 |
| III. | Folgerungen für die Untersuchung | 16 |
| IV. | Abgrenzung: Werbewirkungsdebatte | 17 |
| B. | Die Darstellung von Frauen in den Medien - Ein Forschungsüberblick | 18 |
| I. | Frauendarstellungen in Schulbüchern | 18 |
| II. | Frauendarstellungen im Fernsehen | 19 |
| III. | Frauendarstellungen in der Presse | 19 |
| 1. | Tageszeitungen | 20 |
| 2. | Frauenzeitschriften | 20 |
| IV. | Frauendarstellungen in der Werbung | 21 |
| 1. | Fernsehwerbung | 21 |
| 2. | Zeitschriftenwerbung | 23 |
| V. | Frauendiskriminierende Werbung | 26 |
| VI. | Resümee: Frauen in den Medien | 27 |
| C. | Empirische Analyse | 29 |
| I. | Methode | 29 |
| 1. | Fragestellung und Ziel der Untersuchung | 29 |
| 2. | Untersuchungskriterien | 30 |
| 2.1 | Bild und Text: Eine Diskussion | 30 |
| 2.2 | Das Bild | 31 |
| 2.2.1 | Eigenschaften des Bildes | 31 |
| 2.2.2 | Bildelemente einer Werbeanzeige | 32 |
| 2.3 | Der Text | 33 |
| 2.3.1 | Die Sprache der Werbung | 33 |
| 2.3.2 | Lexik | 34 |
| 2.3.2.1 | Schlüsselwörter | 34 |
| 2.3.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 35 |
| 2.3.3 | Argumentation | 36 |
| 2.3.3.1 | Definition | 37 |
| 2.3.3.2 | Topik | 37 |
| 2.3.3.3 | Die Topos-Analyse als Methode | 39 |
| 2.3.4 | Textelemente einer Werbeanzeige | 40 |
| 3. | Vorgehensweise: Zwei Analysestufen | 41 |
| 3.1 | Erste Analysestufe: Ordnung des Materials | 41 |
| 3.2 | Zweite Analysestufe: Beschreibung und Interpretation | 42 |
| 4. | Korpus | 42 |
| 4.1 | Die untersuchten Zeitschriften | 42 |
| 4.1.1 | Der Spiegel | 42 |
| 4.1.2 | Stern | 43 |
| 4.1.3 | Brigitte | 43 |
| 4.1.4 | Allegra | 43 |
| 4.2 | Das Material | 44 |
| II. | Ergebnisse | 45 |
| 1. | Frauen in der Zeitschriftenwerbung | 45 |
| 1.1 | Die erotische Frau | 45 |
| 1.1.1 | Bildliche Darstellung | 45 |
| 1.1.2 | Sprachliche Darstellung | 47 |
| 1.1.2.1 | Schlüsselwörter | 47 |
| 1.1.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 48 |
| 1.1.2.3 | Argumentation | 48 |
| 1.1.3 | Resümee | 49 |
| 1.2 | Die gepflegte Frau | 50 |
| 1.2.1 | Bildliche Darstellung | 50 |
| 1.2.2 | Sprachliche Darstellung | 51 |
| 1.2.2.1 | Schlüsselwörter | 51 |
| 1.2.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 51 |
| 1.2.2.3 | Argumentation | 52 |
| 1.2.3 | Resümee | 53 |
| 1.3 | Die natürliche Frau | 54 |
| 1.3.1 | Bildliche Darstellung | 54 |
| 1.3.2 | Sprachliche Darstellung | 55 |
| 1.3.2.1 | Schlüsselwörter | 55 |
| 1.3.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 55 |
| 1.3.2.3 | Argumentation | 56 |
| 1.3.3 | Resümee | 57 |
| 1.4 | Die Ehefrau und Mutter | 57 |
| 1.4.1 | Bildliche Darstellung | 57 |
| 1.4.2 | Sprachliche Darstellung | 58 |
| 1.4.2.1 | Schlüsselwörter | 58 |
| 1.4.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 59 |
| 1.4.2.3 | Argumentation | 59 |
| 1.4.3 | Resümee | 60 |
| 1.5 | Die reife Frau | 61 |
| 1.5.1 | Bildliche Darstellung | 61 |
| 1.5.2 | Sprachliche Darstellung | 62 |
| 1.5.2.1 | Schlüsselwörter | 62 |
| 1.5.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 62 |
| 1.5.2.3 | Argumentation | 62 |
| 1.5.3 | Resümee | 63 |
| 1.6 | Die extravagante Frau | 64 |
| 1.6.1 | Bildliche Darstellung | 64 |
| 1.6.2 | Sprachliche Darstellung | 64 |
| 1.6.2.1 | Schlüsselwörter | 64 |
| 1.6.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 65 |
| 1.6.2.3 | Argumentation | 65 |
| 1.6.3 | Resümee | 66 |
| 1.7 | Die Frau als Partnerin | 66 |
| 1.7.1 | Bildliche Darstellung | 66 |
| 1.7.2 | Sprachliche Darstellung | 67 |
| 1.7.2.1 | Schlüsselwörter | 67 |
| 1.7.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 67 |
| 1.7.2.3 | Argumentation | 68 |
| 1.7.3 | Resümee | 68 |
| 1.8 | Die aktive, selbständige Frau | 69 |
| 1.8.1 | Bildliche Darstellung | 69 |
| 1.8.2 | Sprachliche Darstellung | 70 |
| 1.8.2.1 | Schlüsselwörter | 70 |
| 1.8.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 70 |
| 1.8.2.3 | Argumentation | 70 |
| 1.8.3 | Resümee | 71 |
| 1.9 | Die Karriere-Frau | 72 |
| 1.9.1 | Bildliche Darstellung | 72 |
| 1.9.2 | Sprachliche Darstellung | 72 |
| 1.9.2.1 | Schlüsselwörter | 72 |
| 1.9.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 73 |
| 1.9.2.3 | Argumentation | 73 |
| 1.9.3 | Resümee | 74 |
| 1.10 | Die Hausfrau | 74 |
| 1.10.1 | Bildliche Darstellung | 74 |
| 1.10.2 | Sprachliche Darstellung | 75 |
| 1.10.2.1 | Schlüsselwörter | 75 |
| 1.10.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 75 |
| 1.10.2.3 | Argumentation | 75 |
| 1.10.3 | Resümee | 76 |
| 1.11 | Das Mädchen | 76 |
| 1.11.1 | Bildliche Darstellung | 76 |
| 1.11.2 | Sprachliche Darstellung | 77 |
| 1.11.2.1 | Schlüsselwörter | 77 |
| 1.11.2.2 | Fremdsprachige Elemente | 77 |
| 1.11.2.3 | Argumentation | 78 |
| 1.11.3 | Resümee | 78 |
| 2. | Resümee: Zwischen Konvention und Innovation - Die Darstellung von Frauen in der Zeitschriftenwerbung | 78 |
| III. | Bewertung der Methode | 83 |
| D. | Fazit | 84 |
| E. | Literatur | 87 |
| Anhang | 93 | |
| Abbildungsverzeichnis | 93 |
49 delt, beworben. Die Schlussregel, Neuheit sei gewünscht, wird vorausgesetzt. Diese Neuheit wird explizit angesprochen, wenn es beispielsweise „Der neue Duft von Chanel“ (Chanel Coco Mademoiselle, Br. 3 u. 4/Al. 1, 2 u.3) oder “IQ style weiß, was kommt” (IQ style, Al. 1) heißt. Hierbei, und auch in der Schlagzeile „Sehen, woher der Wind weht“ (RTL explosiv, St. 9) wird deutlich, dass Fortschrittlichkeit mit Modernität und Zeitgeist gleichzusetzen ist. Schließlich umfasst der Topos der Fortschrittlichkeit auch technischen Fortschritt, der zum Beispiel in den Anzeigen für Personenkraftwagen als positive Eigenschaft hervorgehoben wird. Einzelne technische Details werden aufgelistet.230 Bezüglich der Gesundheit der dargestellten Frauen meint Fortschrittlichkeit zudem auch Natürlichkeit. Produkte, die erotische Frauen zu sich nehmen, enthalten natürliche Inhaltsstoffe wie beispielsweise „Spurenelemente“ (Staatl. Fachingen, St. 8/Sp. 9) (Abb. 7). Dementsprechend kann der Topos der Natürlichkeit wie folgt definiert werden: Weil die Produkte natürliche Inhaltsstoffe enthalten, sollten sie gekauft werden. Es wird vorausgesetzt, dass der Trend zu natürlichen Produkten und Stoffen in der Zielgruppe der Werbebotschaften anerkannt ist. In dem Fall, in dem eine Frau in einer katzenähnlichen Haltung präsentiert wird und die Schlagzeile „Katzen würden Mey kaufen“ als die abgewandelte Form eines Slogans für Katzenfutter, bei dem lediglich der Produktname ausgetauscht worden ist, Verwendung findet, tritt ein Vergleichsschluss in Kraft. Frauen werden als „Katzen“, „Miezen“ und „putzige Geschöpfe“ (Mey, Br. 4) betitelt. Folglich handelt es sich um den Topos aus der Gleichheit oder großen Ähnlichkeit, so dass Eigenschaften einer Katze wie Anschmiegsamkeit auf der einen und Charakterstärke auf der anderen Seite auf Frauen übertragen werden. [...]
Entsprechend ihrer bildlichen Darstellung werden Frauen auch in den Textelementen der Anzeigen in ihrer Erotik, Schönheit und Sinnlichkeit angesprochen. Dass diese Werte anerkannt sind, ist in den fast ausschließlich dem Kausalschema folgenden Schlussregeln impliziert. Die Konklusion, die beworbenen Produkte zu kaufen, wird im Zusammenhang von 15 der vorliegenden Anzeigen durch den Topos der Erotik gestützt, welcher folgendermaßen definiert werden kann: Weil die Produkte die erotische Ausstrahlung von Frauen unterstreichen und fördern, sollten sie gekauft werden. Mit diesem Topos wird vor allem für Mode und Parfüm geworben. Er wird beispielsweise in der Schlagzeile „All eyes on you“ (Samoon, Br. 29) oder auch in dem Slogan „The Power of female Attraction“ (Naomi Campbell Exult, Al. 4) eindeutig angesprochen. Erotik meint hier immer auch Schönheit. Dieser Topos wird in drei Anzeigen durch die Darstellung eines Fotomodells gestützt, folglich durch Topoi der Autorität. Naomi Campbell228 und Laeticia Casta stützen mit ihrem dem Schönheitsideal entsprechenden Äußeren das Argument, dass das Produkt der Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes zuträglich ist und deshalb gekauft werden sollte.229 Außerdem lässt sich im Kontext von 20 Anzeigen der sogenannte Topos der Fortschrittlichkeit fassen. Dieser kann folgendermaßen definiert werden: Weil die Produkte eben fortschrittlich sind, sollten sie gekauft werden. Die Produkte werden mit der Tatsache, dass es sich um Neuheiten han- [...]
Die Produktnamen der vorliegenden Anzeigen weisen bis auf nur sechs Ausnahmen eine fremdsprachige Ausdrucksseite auf. Hierbei dominieren in den Anzeigen für Parfüm französischsprachige Elemente, mit denen Assoziationen zu Frankreich und dessen Image als Land der Mode und der eleganten, stilvollen Frauen geweckt werden sollen. Besonders Produktnamen und entsprechende Slogans wie zum Beispiel „Jean Paul Gaultier Classique“ (Al. 4), „Coco Mademoiselle“ (Chanel, Br. 3 u. 4/Al. 1, 2 u.3), „J’adore. Le féminin absolu“ (Dior, Al. 1) oder “Le Nouveau Parfum. Kenzo“ sollen sowohl Eleganz als auch Sinnlichkeit vermitteln. Auch einer Fluggesellschaft geht es um jenes Prestige der französischen Lebensart, wenn sie ihr Angebot „Fréquence Plus“ (Air France, Sp. 9) nennt. Durch den fremdartigen Ausdruck entstehen sowohl Neugierde und Aufmerksamkeit als auch eine exquisite und komfortable Atmosphäre. Englischsprachige Elemente in den vorliegenden Anzeigen unterstreichen den sinnlichen Aspekt der erotischen Frauen und den modernen Charakter der beworbenen Produkte. Produktnamen, Schlagzeilen und Slogans behaften die Produkte mit Emotionalität und Eleganz. So heißt es beispielsweise in zwei unterschiedlichen Anzeigen der „Taifun Collection“: „Believe in Beauty“ (Al. 2) oder „We dress Individuals“ (Al. 3) (Abb.2). Auch eine Anzeige eines Modeherstellers bekräftigt den attraktiven Aspekt erotischer Frauen mit der Schlagzeile „All eyes on You“ (Samoon, Br. 2). Eine Anzeige für einen Duft versucht mit der Schlagzeile „feel, smell, touch Sensation“, dem Slogan „a fragrance experience“ (Jil Sander, Al. 1) oder dem Slogan “a scent for woman” (Al. 4) (Abb. 4) das Neue und Besondere des Parfüms hervorzuheben, wobei immer auch das Sinnliche bekräftigt wird. In allen vorliegenden Anzeigen betont die Verwendung fremdsprachiger Elemente die bereits von den bildlich dargestellten Frauen ausgestrahlte erotische Faszination. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832465124
Arbeit zitieren:
Herder, Andrea September 2002: "Weil ich es mir wert bin.", Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Werbung, Frau, Mentalität, Schlüsselwörter, Argumentation



