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"Was trennt die Spreu vom Weizen?"

Konzeption und empirischer Test eines inhaltsanalytischen Instruments zur Messung von Vertrauen in öffentliche Kommunikation

"Was trennt die Spreu vom Weizen?"
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Kathrin Klietsch
  • Abgabedatum: Februar 2004
  • Umfang: 156 Seiten
  • Dateigröße: 974,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4050-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4050-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4050-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Klietsch, Kathrin Februar 2004: "Was trennt die Spreu vom Weizen?", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Journalismus, Medienwirkungsforschung, Inhaltsanalyse

Magisterarbeit von Kathrin Klietsch

Einleitung:

Zweifelsohne existiert er auch im Journalismus – der sprichwörtliche kleine, aber feine Unterschied. Keine Tageszeitung, Zeitschrift oder Nachrichtensendung gleicht der anderen. Egal ob Tagesschau, Spiegel, TLZ oder FAZ – was über Gesundheitsreform, Elite-Unis, Arbeitslosigkeit usw. berichtet wird, unterscheidet sich formal und inhaltlich mehr oder minder offensichtlich von Medium zu Medium. Die Entscheidung eines Lesers oder Zuschauers für diese oder jene Tageszeitung oder Nachrichtensendung basiert auf genau diesen Unterschieden. Meist greift er auf solche Zeitungen und Sendungen zurück, welche er bereits kennt, die ihm also längst vertraut sind und die im Unterschied zu anderen am ehesten seinen subjektiven Erwartungen gerecht werden. Diese Erwartungen orientieren sich an einer Vielzahl von Kriterien. Während für den Einen in erster Linie die objektive, vielseitige und umfassende Berichterstattung im Vordergrund steht, spielt es für den Anderen eine größere Rolle, immer „über den neusten Stand der Dinge“ informiert zu werden, möglichst detaillierte und wahrheitsgetreue Informationen zu erhalten. Aus der jeweils spezifischen Zusammensetzung all dieser Kriterien ergibt sich beim Rezipienten eine Einschätzung des konkreten Mediums, welche sich unter dem Begriff des Vertrauens fassen lässt.

In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen: Basieren diese Unterschiede im Rezipienten-Vertrauen auch auf wahrnehmbaren Unterschieden der Medien selbst, was ihre Inhalte und Gestaltung anbelangt? Anders ausgedrückt: Läßt sich die subjektive Vertrauenseinschätzung der Leserschaft auch im Inhalt einer Zeitung wiederfinden? Womit lassen sich die unterschiedlichen Vertrauenszuschreibungen einzelner Medien sonst plausibler erklären als anhand konkreter Unterschiede in deren Berichterstattung? Schließlich beziehen sich die angenommenen Kriterien, anhand derer der Rezipient sein Vertrauensurteil fällt, vordergründig auf das, was er Tag für Tag liest oder im Fernsehen präsentiert bekommt – sprich den Inhalt selbst. Erst eine Gegenüberstellung der Einschätzungen bestimmter Medien und einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit deren Inhalten vermag Antworten auf zumindest einige dieser Fragen zu finden.

Genau dies ist das Thema der vorliegenden Arbeit: das Vertrauen in Journalismus. Damit ist gleichermaßen Vertrauen in öffentliche Kommunikation erfasst. Journalismus stellt der Öffentlichkeit Informationen zur Verfügung, welche damit zugleich zu Bestandteilen der öffentlichen Kommunikation werden. Bringt der Rezipient diesen jour nalistisch vermittelten Informationen sein Vertrauen entgegen, so vertraut er gleichzeitig in öffentliche Kommunikation.

Ein Hauptinteresse der Wissenschaft liegt bei der empirischen Auseinandersetzung mit Vertrauen auf der Frage nach dessen bestmöglicher Messbarkeit. Bisher erfolgte der empirische Nachweis primär bei den Vertrauenssubjekten, d. h. den Rezipienten. Über getestete Skalen lässt sich direkt beim Rezipienten erfragen, inwiefern seine Erwartungshaltungen vom Journalismus erfüllt wurden und er die Medienberichterstattung als vertrauenswürdig einschätzt. Rezipientenaussagen können hierbei auch miteinander verglichen werden, genauso wie Vertrauensunterschiede zwischen einzelnen Medien offengelegt werden können. Die Befragung ist demzufolge scheinbar die geeignetste Möglichkeit, subjektive Vertrauenszuschreibungen bzw. Einstellungen zu erfassen. Eine Analyse manifester Inhalte in Form journalistischer Zeitungsbeiträge wurde bislang ausgeblendet. Genau einem solchen Versuch einer inhaltsanalytischen Operationalisierung von Vertrauen in öffentliche Kommunikation bzw. Journalismus widmet sich die vorliegende Arbeit.

Die theoretische Basis bildet hierfür der systemtheoretisch fokussierte Ansatz von Kohring (2003). Demnach setzt sich Vertrauen aus vier verschiedenen Vertrauensdimensionen zusammen, welche wiederum in ihrer Bezeichung jeweils eine journalistische Selektionsleistung spezifizieren. Diese sind das Vertrauen in Themen und Faktenselektivität, in Richtigkeit und explizite Bewertungen. Mit diesem Ansatz wird die Komplexität des Untersuchungsgegenstandes bisher am erfolgversprechendsten eingefangen. Außerdem stellt er eine Operationalisierungsgrundlage für die beabsichtigte Inhaltsanalyse zur Verfügung. Das als Beispiel zu untersuchende Thema ist hierbei die Berichterstattung über Arbeitslosigkeit. Das konkret zur Anwendung gekommene Messmodell wurde im Rahmen des DFG-Projektes „Vertrauen in Medien“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (vgl. Kohring 2003) erstmals empirisch über Befragungen getestet und validiert.

Die Spezifik der vorliegenden Arbeit besteht in den folgenden zwei Anliegen: Zum einen in der Suche nach inhaltlichen Vertrauensindikatoren und zum anderen in der Validierung dieser Indikatoren anhand einer Befragung. Im Zentrum des Erkenntnisinteresses der vorliegenden Arbeit steht demnach die Diskussion der Eignung der Inhaltsanalyse konkret für den Untersuchungsgegenstand Vertrauen in Journalismus.

Die Arbeit gliedert sich in insgesamt sieben Kapitel. In den ersten drei Kapiteln werden die theoretischen Grundlagen für die inhaltsanalytische Auseinandersetzung mit Vertrauen dargelegt. Dabei sollen im ersten Kapitel in hinreichender Form sowohl die Entwicklung als auch die unter methodischen Gesichtspunkten zentralen Defizite der bisherigen Forschung zum Medienvertrauen vorgestellt werden. In Abgrenzung davon werden als Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit der Forschungsansatz zum Vertrauen in Journalismus und dessen Kernelement, die vier Vertrauensdimensionen, näher beleuchtet. Daraus leitet sich auch die zentrale Fragestellung dieser Arbeit ab. Einer knappen Auseinandersetzung mit den methodologischen Grundlagen und Grenzen der Inhaltsanalyse im Kapitel 2 folgt die Darlegung der theoretischen Fundierung der Vorgehensweise dieser Arbeit (Kapitel 3). Letztlich gilt es daran zu prüfen, ob es tatsächlich möglich und sinnvoll ist, der inhaltsanalytischen Methode für dieses Thema einen größeren Stellenwert in der Diskussion darüber zuzuweisen, als ihr bisher zuteil wurde.

Im Anschluss folgen die Darlegungen des empirischen Teils. Aus der Anbindung an eine Befragung auf der Ebene der Operationalisierung von Vertrauensindikatoren ergibt sich ein spezifisches Untersuchungsdesign. Da die Befragung auch zur Validierung der inhaltsanalytischen Ergebnisse herangezogen werden sollte, ergeben sich gleichermaßen Konsequenzen für die Zusammensetzung der beiden Stichproben. Diese werden im Kapitel 4 eingehender vorgestellt. Besondere Beachtung wird dem Vorgehen bei der inhaltsanalytischen Operationalisierung der Zuschreibungskategorie Vertrauen geschenkt (5. Kapitel). Es ist anzunehmen, dass sich diese Aufgabe insbesondere für eine Analyse von (journalistischen) Inhalten als schwierig darstellt und macht demzufolge eine besondere Ausführlichkeit der Darstellungen erforderlich. Im Rahmen des 6. Kapitels folgt dann die Darstellung der Analysestrategie und der Ergebnisse. Im Fazit wird die eingangs formulierte Forschungsfrage wieder aufgegriffen und versucht, aus einer ersten Evaluation der hier durchgeführten Untersuchung Konsequenzen für daran anknüpfende, inhaltsanalytische Forschungsvorhaben zu diesem Thema abzuleiten.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis .IV
Einführung 1
I THEORETISCHER TEIL 4
1. Vertrauen in öffentliche Kommunikation 4
1.1 Forschungsüberblick 4
1.2 Theorie des Vertrauens in Journalismus aus systemtheoretischer Sicht 12
1.3 Zielsetzung der Arbeit 18
1.4 Zwischenfazit 20
2. Methodologische Aspekte der Inhaltsanalyse 21
2.1 Kennzeichen der Methode 21
2.1.1 Gütekriterien 24
2.1.2 Methodologische Restriktionen 27
2.2 Operationalisierbarkeit von Vertrauen 29
2.3 Zwischenfazit 31
3. Theoretische Aspekte des methodischen Vorgehens 32
3.1 Ausgangspunkt: Befragung zum Vertrauen in öffentliche Kommunikation 32
3.2 Grundlagen einer empirischen Validierung von Vertrauen 36
3.3 Zwischenfazit 38
II EMPIRISCHER TEIL 39
4. Untersuchungsdesign und methodisches Vorgehen 39
4.1 Anknüpfung einer Inhaltsanalyse an eine Befragung 39
4.2 Stichprobe der Befragung 41
4.3 Stichprobe der Inhaltsanalyse 43
4.4 Reliabilitätsprüfung für die Inhaltsanalyse 44
5. Operationalisierung der Vertrauensdimensionen 46
5.1 Kategorienfindung 46
5.2 Exkurs: Vertrauen und Qualität 48
5.3 Indikatoren für Themenselektivität 50
5.4 Indikatoren für Faktenselektivität 55
5.5 Indikatoren für Richtigkeit von Beschreibungen 61
5.6 Indikatoren für journalistische Bewertungen 67
6. Ergebnisse 73
6.1 Ergebnisse für Themenselektivität 75
6.2 Ergebnisse für Faktenselektivität 79
6.3 Ergebnisse für Richtigkeit 83
6.4 Ergebnisse für Bewertungen 86
6.5 Ergebnisse für das Gesamtkonstrukt Vertrauen 90
6.6 Validierung der Inhaltsanalyse 91
7. Zusammenfassung und Ausblick 97
Literaturverzeichnis 103
Anhang 113
Ehrenwörtliche Erklärung

Automatisiert erstellter Textauszug:

Es könnte demnach denkbar sein, dass die Morgenpost mit ihrer eventuell gezielteren Auswahl verschiedener Standpunkte und Blickwinkel eher das Vertrauen ihrer Leser gewinnen kann, als es die B.Z. oder gar der Tagesspiegel vermag. Letztlich ist eine solche Überlegung jedoch wiederum mit sehr aufwändigen Maßnahmen verbunden und würde beispielsweise ebenso die genauere Erfassung der Quellen- und Akteursvielfalt betreffen. Auch für die Einschätzung der Tiefgründigkeit der Berichterstattung (Indikator F4) ergeben sich im Nachhinein neue Operationalisierungsmöglichkeiten. So wurde in dieser Untersuchung in erster Linie die Tiefe am Vorhandensein von Hintergrundinformationen (hier: Ursachen und Folgen von Maßnahmen/Ereignissen) bemessen. Es zeigte sich zwar, dass Ursachen von Arbeitslosigkeit bzw. damit zusammenhängenden Entwicklungen (z. B. Arbeitsmarktpolitik) bei allen drei Zeitungen seltener thematisiert werden als deren Folgen. Bei der vorliegenden Arbeit belief sich der Anteil von Nennungen zu Ursachen (Folgen) bei der Berliner Morgenpost auf 53 % aller untersuchten Beiträge (64 %), beim Tagesspiegel auf 67 % (81 %) und bei der B.Z. auf 36 % (45 %). Betrachtet man auch hier wiederum im Vergleich die tendenziellen Vertrauensunterschiede der Zeitungen, so muss der Einfluss dieser beiden Variablen auch relativiert werden. Überlegenswert wäre es z. B., künftig auch Verweise oder Beitragsserien auf ihre Relevanz für diesen Indikator hin zu prüfen, da sie zumindest intuitiv auch theoretische Plausibilität für tiefgründige Berichterstattung besitzen. Für den Indikator Gewichtung beziehen sich mögliche Modifikationen vor allem auf die Überlegung, semantische [...]

Daran wird deutlich, dass sich die im Kapitel 5.1 geäußerte Vermutung bezüglich der Auswirkungen besonderer Ereignisse auf die Frequenz der Berichterstattung (Indikator T3) bestätigt. Überlegenswert ist zukünftig demnach eine Modifikation der Operationalisierung einer Gewichtung (Indikator T1). Insbesondere der Aspekt der Themenvielfalt sollte hierbei stärker berücksichtigt werden, z. B. in Form des Vergleichs mehrerer Themen. Im Zusammenhang damit ist für die Vertrauensmessung in der Dimension Themenselektivität auch die Relevanz der Variable Themenkontext des Beitrags [v9] zu überdenken. Da inhaltsanalytische Stichproben meist aus einer eingegrenzten Stichwortsuche hervorgehen, erscheint die Klassifikation des Beitragsinhalts als Haupt- bzw. Randthema im Nachhinein für diese Untersuchung als nicht geeignet. Da keine Richtlinien zur Anzahl von Suchbegriffen existieren und deren Gewichtung entsprechend ihres Vor- [...]

Indikator W3: Nachvollziehbarkeit Die beiden Items zur Messung „gut überlegter Schlüsse“ (Item 18, Tab. 2) bzw. „gut begründeter Meinungen“ (Item 21) zielen vordergründig auf eine Einschätzung der Nachvollziehbarkeit der Berichterstattung ab. Zunächst wurde die Nennung kausaler Relationen im Sinne einer Darstellung von Begründungszusammenhängen [v44] als relevant erachtet. Dem liegt die folgende Annahme zugrunde: Fakten bzw. Argumente sind so zueinander in Beziehung zu setzen, dass überhaupt erst das Kriterium der Nachvollziehbarkeit darauf Anwendung finden kann. Auch die Einbeziehung der Variable Anzahl der Wertungen [v46] basiert darauf. Beziehen sich Wertungen auf verschiedene Wertungsobjekte, so kann diese Variable auch ein Grund dafür sein, dass die Einschätzung dieser beiden Items möglicherweise negativer eingeschätzt wurde, als wenn nur eine Wertung vorgenommen wurde und die Argumentation dessen (Begründung) als nachvollziehbar beurteilt wird. Demzufolge muss diese Variable im Zusammenspiel mit den weiteren Variablen auf ihre Eignung hierfür zumindest geprüft werden. Erhält der Rezipient Hinweise darauf, ob die Wertungen des Journalisten auf unspezifisch bleibenden Äußerungen [v48] basieren, so ist dies als ein weiterer möglicher Grund für mögliches Nicht-Vertrauen in Bewertungen anzusehen. In diesem Sinne ist die Offenlegung der Basis äquivalent einer Begründung für eine Bewertung (Item 21). Gleiches trifft für die Erweiterung dieser Variable – die explizit auf Argumenten beruhende Wertung [v49] – zu. Das Ziehen von Schlüssen basiert in der Regel auf einer logisch aufgebauten Reihe von Argumenten. Ebenso ist das Vorhandensein von Interpretationen [v55] wichtig und basiert auf der Vermutung, dass der Rezipient für seine Einschätzung der Nachvollziehbarkeit nicht nur auf Fakten selbst angewiesen ist. Auch inhaltliche Hinweise zu deren Bedeutung können zu dieser Einschätzung führen, ohne damit gleich eine inhaltliche Bewertung vorzunehmen. Zusätzlich wurde für beide Items die Variable Beitragsumfang [v7] hinzugezogen. Eine Einschätzung der Nachvollziehbarkeit von Begründungen, einfachen Schilderungen bzw. Argumentationen sowie von Wertungen ist immer an ein Mindestmaß an formalem Umfang gekoppelt. Was aus Platzgründen an Erklärungen entfällt wird, schränkt die Nachvollziehbarkeit ein. Ebenso wichtig und gleichzeitig eine Konsequenz hieraus ist, dass diese Variable auch im Zusammenspiel mit der Lesbarkeit [v51_1] Bedeutung hat. Um eine Wirkung erzielen zu können und – sei es auch nur im [...]

Arbeit zitieren:
Klietsch, Kathrin Februar 2004: "Was trennt die Spreu vom Weizen?", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Journalismus, Medienwirkungsforschung, Inhaltsanalyse

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