"Politainment" - Politische Inszenierung in der Mediendemokratie
Eine Analyse wichtiger Printmedien am Fallbeispiel der so genannten Swimmingpool-Affäre des Bundesverteidigungministers Rudolf Scharping
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Stefanie Höfle
- Abgabedatum: März 2003
- Umfang: 164 Seiten
- Dateigröße: 88,1 MB
- Note: 2,1
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7733-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7733-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7733-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Höfle, Stefanie März 2003: "Politainment" - Politische Inszenierung in der Mediendemokratie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Interpenetrationsmodell, Entertainisierung, Risiken, Unterhaltungspolitik, Wirkungsmechanismen
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Magisterarbeit von Stefanie Höfle
Einleitung:
Problemstellung und Themenabgrenzung „Selbstverteidigungsminister“, „Rudolf der Eroberer“, „liebestoller Rudi“ oder schlicht „der Verliebte“ – kaum ein Printmedium der deutschen Medienlandschaft ließ es sich im Sommer 2001 nehmen, den damals amtierenden Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping mit immer wieder neuen, verhöhnenden Namen zu betiteln. Auslöser dieser Medienreaktion, die der Spiegel als qualitativ „neuen Tiefpunkt des deutschen Polit-Entertainments“ bezeichnete, war die Publikation eines Artikels: Das im Burda-Verlag erscheinende Gesellschafts-Magazin Bunte veröffentlichte am 23. August 2001 die Titelgeschichte „Total verliebt auf Mallorca“. Das Titelbild zeigte Rudolf Scharping und seine Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati (von Thassul zu Daxberg-) Borggreve im Swimmingpool. Auf neun Seiten folgte im Innern des Heftes eine Fotostrecke, die den Minister und seine Partnerin während ihrer Freizeitaktivitäten zeigte. Die Veröffentlichung dieser zunächst harmlos anmutenden Urlaubsstory, geschrieben von Bunte-Autor Paul Sahner, löste ein extremes Medien-Echo aus. Die vielfache Empörung über die Publikation entstand, da es mehrheitlich als geschmacklos wahrgenommen wurde, eine solche Manifestation sorglosen Glücks zu einem Zeitpunkt zu demonstrieren, als es dem Bundesverteidigungsminister unmittelbar bevorstand, Bundeswehrsoldaten auf einen Auslandseinsatz in Mazedonien zu entsenden. Von der seichten Talkshow bis zur seriösen überregionalen Presse – vielfach thematisierten die Medien die mallorquinische Romanze Rudolf Scharpings – die so genannte „Swimmingpool-Affäre“. Kurze Zeit später entwickelte sich aus dieser Bade- die so genannte Flugaffäre, da die Opposition dem Minister dubiose Auffälligkeiten in der Nutzung der Flugbereitschaft der Bundeswehr vorwarf. Ein abruptes Ende fand diese Affäre durch die Terroranschläge des 11. September in den USA. Die Umfragewerte des Bundesverteidigungsministers blieben allerdings bis zu seinem Rücktritt im Juli 2002 dauerhaft negativ.
Das Fallbeispiel Scharping, welches im Folgenden noch ausführlich untersucht werden soll, scheint symptomatisch für den Wandlungsprozess, in dem sich das Verhältnis von Politik und Medien in der „Mediengesellschaft“ gegenwärtig befindet. Die im klassischen Journalismus einst streng voneinander getrennten Ressorts Politik und Unterhaltung vermischen sich stetig. Einschaltquoten und Auflagenzahlen bestimmen die Rahmenbedingungen von Politikvermittlung in den meisten westlichen Gesellschaften. Dieser „Megatrend zur Mediengesellschaft“ zwingt die politischen Akteure zunehmend, ihr Handeln und ihre Ziele der umworbenen Wählerschaft über die Medien zu vermitteln. Unterhaltungsformate gewährleisten hierfür höhere Einschaltquoten und Auflagenzahlen als mediale Angebote im reinen Politikformat. Die Konsequenz ist eine Vermischung von Unterhaltungs- und Politikformaten: Politische Unterhaltung und unterhaltende Politik – das so genannte „Politainment“.
Ziel dieser Arbeit ist es, vor diesem Hintergrund die Regeln, denen das Politainment folgt, am Fallbeispiel Rudolf Scharping zu analysieren. Zum einen soll die Rezeption der Selbstinszenierung durch die Medien und zum anderen die Motivation Rudolf Scharpings untersucht werden. Anschließend sollen die Ursachen der negativen Rezeption durch die Medien und die möglichen Auswirkungen diskutiert werden. Insbesondere soll untersucht werden, ob das Medienurteil und Rudolf Scharping Ansichten bezüglich der Bunte-Inszenierung sich unterscheiden. Grundlage dieser qualitativen Analyse bildet eine empirische Auswertung ausgewählter Printmedien nach inhaltsanalytischer Methode.
Zur Untersuchungsmethode Die Fragen nach der Medienrezeption der Selbstinszenierung sowie nach den Motivationsgründen Rudolf Scharpings lassen sich nicht theoretisch beantworten, sondern nur empirisch erkunden. Dies soll in dieser Arbeit anhand einer exemplarischen Inhaltsanalyse von 30 Tageszeitungsartikeln und acht Magazin-Publikationen geleistet werden: Es handelt sich um ausgewählte Artikel aus wichtigen meinungsbildenden Printmedien. Das genaue Untersuchungsdesign der Inhaltsanalyse wird ausführlich zu Beginn des fünften Kapitels vorgestellt. Das Kategoriesystem der Artikel-Codierung, welches für die Erfassung der inhaltlichen Merkmale des Textkorpus notwendig ist, befindet sich im Anhang dieser Arbeit.
Der Untersuchungszeitraum beginnt am 23. August 2001, da der an diesem Tag publizierte Bunte-Artikel als Auslöser der Swimmingpool-Affäre gilt, und endet am 11. September 2001 aufgrund der Terroranschläge in den USA, welche die Affäre aus den Medien verdrängten. Es handelt sich somit um eine Längsschnittstudie, da die Analyse der Medienrezeption des Fallbeispiels sich über einen Zeitraum von insgesamt 20 Tagen erstreckt und daher auch die Entwicklung des Falls mit einbezieht. Untersucht worden sind aus diesem Zeitraum jeweils 15 Artikel aus der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die SZ präsentiert dabei das eher „linksliberale“ Meinungsspektrum, mit der FAZ ist das eher „konservativ-liberale“ Spektrum repräsentiert. Um jedoch einen größeren Gesamteindruck von der veröffentlichten Meinung zur Swimmingpool-Affäre zu gewinnen, wurden darüber hinaus die im relevanten Zeitraum erschienen Artikel (insgesamt sechs) in den Wochenmagazinen Spiegel und Stern untersucht. Einen wesentlichen Anteil in den Artikeln des Magazin-Journalismus nimmt die Bildberichterstattung ein. Da der zu untersuchende Textkorpus für den dieser Arbeit zur Verfügung stehenden Rahmen verhältnismäßig umfangreich ist, kann nur in Ansätzen auf die Darstellungseffekte der Bildberichterstattung eingegangen werden.
Der Bunte-Artikel, der als Auslöser der Affäre am Anfang des Untersuchungszeitraums steht, wie auch eine weitere Veröffentlichung des Gesellschafts-Magazins zum Thema Scharping, werden ebenfalls untersucht. Die besondere Form des Boulevard-Journalismus erfordert zur Untersuchung der Bunte-Publikationen ein anderes Kategorien-Schema als für die Artikel der Berichterstattung in den Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen. Es handelt sich jedoch um dieselbe Methode der Inhaltsanalyse. Auf Basis der Ergebnisse soll diskutiert werden, wo die Ursachen für das Scheitern der als Imagepolitik angelegten Medieninszenierung des politischen Akteurs Rudolf Scharping lagen und welche langfristigen Wirkungen sich möglicherweise daraus ergaben. Abschließend sollen Überlegungen angestellt werden, welche Rückschlüsse sich aus dem analysierten Fallbeispiel für das Verhältnis von Politik und Medien innerhalb des Politainments ziehen lassen.
Für eine generalisierbare Aussage über Wirkungen und Regeln politischer Inszenierung des Politainments ist die Stichprobe der untersuchten Artikel aufgrund der zur Verfügung stehenden Untersuchungskapazitäten zwar zu gering. Sie ermöglicht dennoch Aussagen über gewisse Tendenzen, die einen Einblick in die dargestellte Thematik der medialen Selbstinszenierung liefern.
Aufbau der Arbeit Das zweite Kapitel dient einer allgemeinen Einführung in die theoretischen Ansätze zur Definition des Verhältnisses von Politik und Medien. Anschließend richtet sich der Fokus im dritten Kapitel auf die spezielle Politik-Medien-Beziehung im Politainment. Hierbei sollen Definition, Funktion und Merkmale von Politainment erläutert werden und insbesondere auf seine möglichen Grenzen und den politischen PR-Charakter eingegangen werden. Sodann gilt es zu klären, wie sich der Politainment-Ansatz zu den vorangegangenen Theorien verhält und in welchem Modell er am adäquatesten abbilden lässt. Nach den allgemeinen Überlegungen zum Politainment wird das Fallbeispiel Scharping genauer betrachtet. Hier soll zunächst eine kurze Zusammenfassung der für die Analyse relevanten Ereignisse zwischen dem 23. August bis zum 11. September 2001 einen chronologischen Überblick liefern. Es folgt die Darstellung der Politainment-Aspekte im Fallbeispiel Rudolf Scharpings. In Kapitel fünf werden zunächst das Untersuchungsdesign und das methodische Vorgehen der Inhaltsanalyse erläutert. Anschließend werden die folgenden Forschungsfragen vorgestellt:
Fragen in Bezug auf die Medien Wie beurteilen die Medien die Selbstinszenierung?
Was erkennen sie als Motiv(e)?
Wie beurteilen die Medien Scharpings Motiv(e)?
2. Fragen in Bezug auf Rudolf Scharping Welche Motive hatte Rudolf Scharping laut eigener Aussage für die Selbstinszenierung?
Wie beurteilt er seine Inszenierung?
Verändert sich seine Beurteilung im Verlauf des betrachteten Zeitraums?
Fragen in Bezug auf die möglichen Ursachen des Scheiterns Wo liegen die Unterschiede in der Bewertung der Medien einerseits und Scharpings andererseits?
Warum misslingt die Selbstinszenierung?
Anhand der Ergebnisse soll in Kapitel 6. diskutiert werden, was die Ursachen für das Scheitern der Image-Politik Scharpings waren. Außerdem sollen, basierend auf der Tatsache, dass der Verteidigungsminister im Juli 2002 aus seinem Amt entlassen wurde, Überlegungen zur langfristigen Wirkung von Politainment angestellt werden. Abschließend geht es darum, welche Rückschlüsse die Analyse über generelle Entwicklungstendenzen der Beziehung von Politik und Medien im Politainment zulässt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einführung | |
| 1.1 | Problemstellung und Themenabgrenzung | 1 |
| 1.2 | Zur Untersuchungsmethode | 3 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 5 |
| 1.4 | Forschungsstand | 6 |
| 2. | Modelle zum Beziehungsverhältnis von Politik und Medien | 8 |
| 2.1 | Das Instrumentalisierungsparadigma | 9 |
| 2.1.1 | Die Übermacht der Medien | 9 |
| 2.1.2 | Die Übermacht der Politik | 11 |
| 2.2 | Das Gewaltenteilungsparadigma | 12 |
| 2.3 | Die Interdependenzmodelle | 12 |
| 2.3.1 | Das strukturelle Kopplungsmodell | 13 |
| 2.3.2 | Das Modell des Supersystems | 14 |
| 2.3.3 | Das Symbiosemodell nach Jarren und Arlt | 14 |
| 2.3.4 | Das Symbiosemodelle nach Sarcinelli | 16 |
| 2.4 | Das Interpenetrationsmodell | 17 |
| 3. | Politainment als Beziehungsmodell von Politik und Medien | 19 |
| 3.1 | Begriffsdefinition | 20 |
| 3.1.1 | Poltik und Massenmedien | 20 |
| 3.1.2 | Unterhaltung und Massenmedien | 24 |
| 3.1.3 | Politainment: Die Entertainisierung der Politik? | 26 |
| 3.2 | Risiken von Politainment | 32 |
| 3.3 | Politainment als eine Form von politischer PR | 36 |
| 3.4 | Das Politainment-Modell in der theoretischen Einordnung | 40 |
| 4. | Das Fallbeispiel Rudolf Scharping | 42 |
| 4.1 | Die Chronologie der relevanten Ereignisse des Fallbeispiels | 42 |
| 4.2 | Politainment im Fallbeispiel Rudolf Scharping | 45 |
| 5. | Inhaltsanalyse der Rezeption des Fallbeispiels | 50 |
| 5.1 | Untersuchungsdesign und methodisches Vorgehen | 52 |
| 5.2 | Die Berichterstattung der Printmedien | 54 |
| 5.2.1 | Formale Merkmale | 55 |
| 5.2.1.1 | Tageszeitungen | 55 |
| 5.2.1.2 | Magazine | 60 |
| 5.2.2 | Bewertung | 64 |
| 5.2.2.1 | Tageszeitungen | 64 |
| 5.2.2.2 | Magazine | 71 |
| 5.2.3 | Motive und Beurteilung der Selbstinszenierung | 76 |
| 5.2.3.1 | Perspektive der Tageszeitungen und Magazine | 76 |
| 5.2.3.2 | Perspektive Rudolf Scharpings im Verhältnis zum Medientenor | 79 |
| 5.2.4 | Analyse des Gesellschafts-Magazins Bunte | 82 |
| 5.3 | Zusammenfassung der Analyse | 86 |
| 6. | Ursachen des Scheiterns der Swimmingpool-Affäre und mögliche Auswirkungen | 88 |
| 6.1 | Ursachen des Scheiterns | 90 |
| 6.2 | Wie verhält es sich im Fallbeispiel mit der langfristigen Wirkung von Politainment? | 91 |
| 6.3 | Was lässt sich aus der Analyse des Fallbeispiels über das Verhältnis von Politik und Medien im Politainment schlussfolgern? | 94 |
| 7. | Zusammenfassung | 96 |
| 8. | Ausblick | 102 |
| 9. | Anhang | 105 |
| 9.1 | Literatur | 105 |
| 9.2 | Internet-Adressen | 112 |
| 9.3. | Inhaltsanalytisches Kategoriensystem | 114 |
| 9.4 | Tabellenverzeichnis | 116 |
| 9.5 | Textkorpus | 117 |
| 9.5.1 | SZ-Artikel 1.-15. | 118 |
| 9.5.2 | FAZ-Artikel 1.-15. | 139 |
| Spiegel-Artikel 1.-3. | (ohne Seitenzahlen) | |
| Stern-Artikel 1.-3. | (ohne Seitenzahlen) | |
| Bunte-Artikel 1.-2. | (ohne Seitenzahlen) |
Grundsätzlich existieren zwei Ebenen der politischen PR: Betreibt ein Politiker unmittelbar selbst Öffentlichkeitsarbeit, handelt es sich um funktionale PR, wohingegen die PR von Experten innerhalb einer Partei als organisierte PR bezeichnet wird.154 Diesen organisierten PR-Stellen obliegt neben den bereits genannten Aufgaben die Organisation der Binnenkommunikation sowie die Beobachtung, Analyse, Beratung und Kritik der politischen Akteure. Darüber hinaus überprüfen die PR-Experten alle politischen Entscheidungen und Aktionen auf die folgenden vier Phasen: Situationsanalyse, Planung, Durchführung und Wirkungskontrolle. Es hängt stark vom Charakter eines Politikers ab, welche Form von PR er bevorzugt oder erfolgreich zu praktizieren in der Lage ist. Diese Differenzierung ist insofern sinnvoll, als Personenziele und Organisationsziele häufig im Interessenskonflikt stehen. Diese Differenzen müssen einerseits artikuliert werden, damit die Innovation einer Organisation gewährleistet bleibt. Andererseits ist es die Aufgabe des PR-Stabes, der Öffentlichkeit ein geschlossenes Bild zu vermitteln, um den Eindruck von [...]
lust konkret für die Politics-Ebene (siehe Punkt 3.1.1), dass an die Stelle des öffentlichen Diskurses kollektiver Willensbildung in den Parteien und den zivilgesellschaftlichen Zusammenschlüssen immer häufiger die professionelle Inszenierung einiger weniger Spitzenpolitiker tritt.145 Durchsetzen werden sich dabei die Politiker mit dem höchsten Maß an Medien-Kompetenz oder mit dem größten „Mediencharisma“146, wie Meyer es umschreibt. Demnach stellt die Medien-Kompetenz einen neuen wichtigen Faktor im Pool der Machtressourcen dar, wenn es darum geht, politische Macht zu erlangen oder zu erhalten.147 Ob diese Entwicklung als Risiko zu beurteilen ist, hängt davon ab, in welchem Maße sich die am Prozess beteiligten Gruppen ihr Partizipationsrecht absprechen lassen. Inwieweit die angesprochenen Risiken eintreffen, beziehungsweise zutreffen, wird weiterhin von der Kompetenz der produzierenden Journalisten beeinflusst. Schließlich müssen sich im Politainment angemessene politische Information und Unterhaltung nicht zwingend ausschließen. So zeigen Rüdiger Ontrup, Christian Schicha und Thomas Meyer in einer empirischen Untersuchung zur Frage, welcher Zusammenhang zwischen Informationsgehalt und Inszenierungsart von Medienprodukten besteht, dass dramatische, unterhaltsame oder sonstige Inszenierungen sich mit einem angemessen hohen Informationsgehalt durchaus verbinden lassen.148 Da Journalisten zunächst auch nur auf die professionell inszenierte Darstellungsebene149 der Politik blicken, müssen sie zum Durchdringen der Herstellungsebene über die nötige politische Sachkompetenz verfügen.150 Dieselbe Untersuchung zeigt allerdings auch, dass die Informationspotentiale von der Mehrzahl der Unterhaltungsformate nur gelegentlich ausgeschöpft werden. Die Gründe hierfür liegen neben der benötigten Sachkenntnis auch in dem Zeit- sowie Konkurrenzdruck des medialen Systems. [...]
Die Falle hat sich die Politik gewissermaßen selbst gestellt. Indem sie sich immer mehr auf die unterhaltsame Präsentation personalisierter Darstellungsweisen verlagert, gerät sie in Konflikt mit der Realität. Wenn sie sich in ihrer wahren Form zu erkennen geben muss als „komplexer, widerspruchsvoller, ungewisser und offener Prozess, an dem stets viele Akteure teilhaben“138, wirkt das komprimierte Medienszenario wie eine Farce. Doch nicht nur auf Seiten der Rezeption beinhaltet die politische Darstellung in der Mediendemokratie diese negative Komponente, auch für Politiker birgt sie Risiken. So mag sich zwar so mancher Politiker an der Mediengewandtheit Bill Clintons (siehe Punkt 3.1.3) orientieren, doch sie zu erlangen, bedarf es vieler Faktoren, von denen häufig nicht alle in gewünschter Weise steuerbar sind. Die möglichen Risiken speziell von Talkshow-Auftritten fassen Jörg-Uwe Nieland und Jens Tenscher in einem Aufsatz zur „Talkshowisierung“ zusammen: [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832477332
Arbeit zitieren:
Höfle, Stefanie März 2003: "Politainment" - Politische Inszenierung in der Mediendemokratie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Interpenetrationsmodell, Entertainisierung, Risiken, Unterhaltungspolitik, Wirkungsmechanismen



