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"Nie sollst du mich befragen..."

Geheimnisse in der Familie und sozialpädagogische Perspektiven

"Nie sollst du mich befragen..."
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Claus Mellinger
  • Abgabedatum: März 1998
  • Umfang: 103 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Katholische Stiftungsfachhochschule München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2334-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2334-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2334-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Mellinger, Claus März 1998: "Nie sollst du mich befragen...", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Familientherapie, Geheimnisse, Sozialpädagogik, Familie, Familiengeheimnisse

Diplomarbeit von Claus Mellinger

Einleitung:

Ich habe meine Ausführungen auf einige Fragestellungen hin ausgerichtet, die sich für mich bei der Auseinandersetzung mit dem Thema immer wieder in den Vordergrund gedrängt haben. Ich werde im folgenden versuchen, anhand dieser Kernfragen das Wesen und die Bedeutung von Geheimnissen in der Familie darzulegen und Perspektiven für den Umgang mit ihnen aufzuzeigen. Einen breiten Raum soll dabei die Einordnung in den Kontext der systemischen Familientherapie einnehmen, was eine theoretische Grundlegung erforderlich macht. Dem komme ich zu Beginn der Arbeit nach. In einem ersten großen Abschnitt setze ich mich mit den gängigen Theorien zur Beschreibung von familiärer Entwicklung und Interaktion auseinander. Dabei leitet mich die Frage, was in Familien passieren muß, damit es zu Störungen im Gleichgewicht der Familienbeziehungen kommt und Geheimnisse entstehen. In diesem Zusammenhang will ich untersuchen, inwieweit typische Phasen oder punktuelle Ereignisse als Auslöser von Familiengeheimnissen auszumachen sind.

Gang der Untersuchung:

Geht es im ersten Abschnitt um allgemeine strukturelle Grundlagen des "Untersuchungsobjekts Familie", so wird es im zweiten Abschnitt mit den Geheimnissen ernst: Was sind Geheimnisse? Und woran können sie identifiziert werden? Ich werde feststellen, daß nicht alles ein Geheimnis ist was nach einem Geheimnis aussieht- Wie ich schildern werde gibt es durchaus auch positive Aspekte im Umfeld der Familiengeheimnisse.

Schwerpunktmäßig werden nachfolgend Geheimnisse auf ihr typisches Verhalten hin untersucht und ihnen Inhalte und Systemebenen zugeordnet. Es handelt sich hierbei um die Beschreibung eines dynamischen Modells von Familiengeheimnissen.

In einem letzten großen Schwerpunkt werde ich mögliche Konsequenzen von Geheimnissen und den Umgang mit ihnen zur Diskussion stellen. Dies betrifft in besonderem Maße den Bezug zur Praxis der sozialen Arbeit, den ich an dieser Stelle herstellen und, wie es der Titel andeutet, Perspektiven für die Praxis entwickeln werde. Dieses generelle Anliegen ist auf keinen Fall dahingehend mißzuverstehen, als wollte ich eine Rezeptsammlung oder ein Manual für die Praxis erstellen, die den Leser von der Verantwortung für die eigene Planung und Auseinandersetzung entbindet!

Inhaltsverzeichnis:

Verzeichnis der Abbildungen 9
1. Einführung 11
2. Etwas von Allem in Allem - Was ist Familie? 16
2.1 Einführung 16
2.2 Fragestellung - was ist Familie 16
2.2.1 Soziologische und entwicklungspsychologische Dimensionen von Familie 17
2.2.2 Zur Erweiterung und Kritik des Familienzyklusmodelles 26
2.3 Zusammenfassung 27
2.4 Das systemische Familienmodell 27
2.5 Zusammenfassung 31
3. "Manchmal hat das Herz Gründe, von denen der Verstand nichts weiß..." - Über die Familiengeheimnisse 32
3.1 Einleitung 32
3.2 Auf der Spur - was sind Geheimnisse? 33
3.2.1 Familiengeheimnisse - eine Formalbestimmung 33
3.2.2 Privatheit - Heimlichkeit - Scham: Die "Magischen Drei" 34
3.3 Zusammenfassung 41
3.4 Aspekte von Familiengeheimnissen 42
3.4.1 Wo haben Geheimnisse ihren Platz? 42
3.4.2 Gesundheit! Wann es gut ist ein Geheimnis zu haben 46
3.4.3 Inhalte von Geheimnissen - oder: Was hat das Zeug dazu, ein richtiges Geheimnis zu werden? 48
3.4.3.1 formal 48
3.4.3.2 konkret 51
3.4.4 Bedeutung von Geheimnissen 54
3.4.5 Immer der gleiche Tanz? Zur Dynamik von Familiengeheimnissen 57
3.4.6 Der erspürte Sinn der Familie - wie Familiengeheimnisse wirken 58
3.5 Die geheimniserzeugende Struktur 62
3.6 Zusammenfassung 65
4 Vergangenheit und Zukunft - Perspektiven 66
4.1 Einführung 66
4.2 Den Kalender zum sprechen bringen - differenzielle Theorie der Familiengeheimnisse 66
4.2.1 Rückblick und Aussicht 66
4.2.2 Die Wahrnehmung der Familie 69
4.2.3 Es ist was es ist - strukturelle Zusammenhänge von Geheimnissen 72
4.2.4 Skelette im Keller - historische Dimension und Zugangsweisen von Familiengeheimnissen 75
4.3 Zusammenfassung 78
4.4 Die Sprache der Sprachlosen - sozialpädagogische Dimensionen von Familiengeheimnissen 79
4.4.1 Ausgangssituation 79
4.4.2 Familiengeheimnisse aus sozialpädagogischer Sicht 79
4.4.3 Soziale Arbeit und Familie im Lebenszyklus 83
4.4.3.1 Konkrete Berührungspunkte von sozialer Arbeit mit Familiengeheimnissen 85
4.4.3.2 Die Wahrheit muß behutsam aufleuchten, sonst blendet sie - sozialpädagogisches Handlungsprofil 95
4.5 Zusammenfassung 98
Anhang 101

Automatisiert erstellter Textauszug:

Bezüglich des Geheimnisses können folgende Merkmale festgestellt werden: ◗ Inhalt: Inhalt ist die Arbeitslosigkeit sowie die Alkoholkrankheit und die mit der gesamten Situation verbundenen Gefühle. ◗ Ebenen des Geheimnisses: Das Geheimnis ist auf zwei Ebenen angesiedelt, nämlich auf der Familiären Systemebene und der Umweltebene. Der Vater kämpft quasi an zwei Fronten. ◗ Funktion des Geheimnisses: Schutz vor Entblößung und Erniedrigung. ◗ Bedeutung: Die Bedeutung geht über den bloßen Schutz vor Entdekkung, vor Erniedrigung hinaus. Für den Vater hat das Geheimhalten der Situation die Bedeutung, sich einen Freiraum zu schaffen, in dem er in einem angemessenen Zeitraum versuchen kann, eine neue Stelle zu finden, seinen Status zu erhalten, die Funktion als Ernährer und Versorger der Familie zu behalten, seine Selbstachtung wiederzugewinnen. Dabei ist der Kontext zu der Umwelt der Familie überdeutlich. Eingebunden z.B. in die Kirchengemeinde, die im Vater eine gefestigte und vorbildhafte Persönlichkeit sieht und von ihm ein bestimmtes Verhalten auf dem Hintergrund der traditionellen Werte erwartet, eingebunden auch in das örtliche Vereinsleben, wo der Mann als tatkräftiger Unterstützer auch in finanzieller Hinsicht - aufgetreten ist und dessen Mitglieder ein hohes Erwartungsniveau, auch an die moralische Tadellosigkeit stel- [...]

In einer Familie, die aus traditionellen Werten heraus ihren Lebensalltag gestaltet und fest in das gesellschaftliche System ihrer Umwelt eingebunden ist (Kirchengemeinde, Vereinsleben ...) verliert der Vater als Verdiener der Familie seine gutbezahlte Anstellung. Auf den Verlust der Arbeit als Quelle seiner Sinnerfüllung und Selbstbestätigung reagiert er mit Selbstzweifeln und depressiven Phasen, die zu einer massiven Suchtkarriere in der Alkoholabhängigkeit führt. Die Reaktion auf die Situation findet auf mehreren Ebenen statt. Der Verlust der Arbeit wird als Demütigung und Konsequenz persönlichen Versagens gewertet und aus Furcht vor negativen Umweltreaktionen und Statusverlust vor der Umwelt geheimgehalten. Dadurch werden der Vater und die gesamte Familie von Hilfemöglichkeiten abgeschnitten. Innerhalb der Familie schottet sich der Vater ab und tut gegenüber der Familie so, als ob nichts sei, verläßt das Haus morgens, scheinbar um zur Arbeit zu gehen, kommt abends zurück und berichtet über angebliche Begebenheiten aus dem Betrieb. Er hält seine Situation also doppelt geheim. [...]

Dies kann dazu führen, daß sich Bedeutungen im Verlauf des gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses wandeln. Die gleiche Autorin71 setzt für das Verständnis um die Bedeutung und den Umgang mit Geheimnissen eine Haltung voraus, die in Geheimhaltung nichts sieht, was von Haus aus positiv oder negativ wäre. Gerade diese Einstellung macht es möglich, Bedeutungen zu erfassen, die eng mit kulturellen, geschlechtsspezifischen und generationsbedingten Unterschieden verknüpft sind. Roberts weist interessanterweise auch darauf hin, daß die spezifischen kontextgebundenen Bedeutungen, die persönlichen Beziehungen von Menschen auf unverwechselbare Weise bestimmen. Beim Umgang mit dem Thema Sexualität und der damit verbundenen zunehmenden Offenheit in unserer Gesellschaft kann ganz gut verfolgt werden, wie die Befreiung von Tabus und Beschränkungen innerhalb der Gesellschaft trotzdem nicht zu einer gleichen Bewertung durch alle Menschen und Kulturen geführt hat, sondern noch immer zahlreiche Tabus und Geheimnisse damit verknüpft bleiben, eben wegen der unterschiedlichen Bedeutungen, die jeder einzelne aufgrund von Erfahrungen, Erziehung etc. damit verknüpft. [...]

Arbeit zitieren:
Mellinger, Claus März 1998: "Nie sollst du mich befragen...", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Familientherapie, Geheimnisse, Sozialpädagogik, Familie, Familiengeheimnisse

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