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"Mutterglück": Mythos oder Wirklichkeit?

"Mutterglück": Mythos oder Wirklichkeit?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Astrid Staudinger
  • Abgabedatum: August 2000
  • Umfang: 61 Seiten
  • Dateigröße: 436,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Berlin (EFB) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2776-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2776-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2776-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Staudinger, Astrid August 2000: "Mutterglück": Mythos oder Wirklichkeit?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Muttermythos, Karriere, Kinderwunsch, Mutterliebe, Mutterbild

Diplomarbeit von Astrid Staudinger

Einleitung:

An der Reaktion der Umwelt lässt sich erkennen, dass Familie Grauer mit ihrer Großfamilie nicht der gängigen Norm entspricht. Mit 1,39 Kindern pro Frau ist die Geburtenrate in Deutschland die drittniedrigste in Europa (hinter Italien mit 1,2 Kindern pro Frau und Spanien mit 1,15 Kindern pro Frau). Von 2,37 Kindern pro Frau im Jahre 1960 ging sie 1996 auf 1,39 Kinder pro Frau zurück.

Ohne die Großfamilie auch nur einer genaueren Betrachtung zu unterziehen, wird davon ausgegangen, dass es nur „verantwortungslos“ und „asozial“ sein kann, so viele Kinder in die Welt zu setzen.

Frauen, die bewusst keine Kinder wollen, und damit der Gesellschaft die Ressource Kind vorenthalten - also die Norm in umgekehrter Weise nicht erfüllen wie im Vorwort beschriebene Ehepaar, das so viele Kinder haben möchte „wie Gott ihnen schenkt“ - werden ebenfalls häufig mit Begriffen wie „verantwortungslos“ und „asozial“ stigmatisiert.

Ein allgegenwärtiger Muttermythos scheint dafür zu sorgen, dass Frausein automatisch mit Muttersein gleichgesetzt wird: Früher oder später bräche der Instinkt durch, so dass jede Frau – wenigstens einmal - Mutter werden wolle. Frauen ohne Kinderwunsch sind demnach unnatürlich, zumindest besagt dies der Mythos. Dabei bleiben von Generation zu Generation mehr Frauen lebenslang kinderlos, von den nach 1950 Geborenen schon fast jede vierte.

Zumindest die Frauen in den hochindustrialisierten Ländern sind besser ausgebildet als ihre Mütter und Großmütter es waren. Durch weiterführende Bildungseinrichtungen und empfängnisverhütende Methoden haben Frauen heute zahlreiche andere Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Nur wenige definieren ihre Identität allein über Mutterschaft und Ehedasein.

Erstgebärende werden immer älter. Die neueste Zahl kommt aus den Niederlanden. Nach Angaben des Statistischen Amtes Den Haag lassen sich die Frauen in Holland im weltweiten Vergleich am längsten Zeit mit dem Kinderkriegen; durchschnittlich sind sie heute neunundzwanzig Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. 1970 war das Durchschnittsalter der niederländischen Erstgebärenden 25 Jahre.

Oft wird der Kinderwunsch auch reduziert: Frauen, die zunächst zwei oder mehr Kinder wollten, bekommen schließlich doch nur eines.

Männer dürfen dagegen einfach Männer bleiben, die häufig auch zu Vätern werden. Wenn nicht, dann eben nicht, von einem Instinkt und Natur ist im Zusammenhang mit Männern nicht die Rede.

Eine Mutter muss ihre Kinder nicht unbedingt tatsächlich vernachlässigen oder misshandeln. Ein paar eigene („kindunabhängige“) Interessen zuviel, und schon wird sie als „Rabenmutter“ etikettiert. Dagegen existiert ein Begriff „Rabenvater“ nicht. Dieser könnte höchstens noch erfunden werden, falls sich in Zukunft mehr Väter dem (sich in den letzten Jahren abzeichnenden) Trend anschließen und sich ihrer Verantwortung für ihre Sprösslinge bewusst werden, und dabei notgedrungen auch Fehler machen oder sich „egoistisch“ verhalten würden.

Folgende Fragen waren für mich bei der Bearbeitung des Themas von zentraler Bedeutung:

Gibt es einen angeborenen Mutterinstinkt, oder ist dieser Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibungen?

Welche Konsequenzen hat diese gesellschaftliche Haltung für Mütter, Väter und Kinder?

Sind in der gegenwärtigen Situation Erwerbstätigkeit und Kinderwunsch für Frauen zu vereinbaren?

Welchen Anteil an einem möglichen Mutterglück haben die Väter, das übrige soziale Umfeld und die Gesellschaft?

In der vorliegenden Arbeit wurde davon abgesehen, eigene Gespräche mit Frauen zum Thema Mutterschaft zu verarbeiten, da diese in Anzahl und Umfang wenig repräsentativ erscheinen im Vergleich zu den Einzelbeispielen aus der verwendeten Literatur, die meist das Ergebnis empirischer Forschung sind.

Die im Literatur- und Quellenverzeichnis angegebenen Internet-Quellen (vor allem die Allensbach-Studie sowie der Vortrag von Wassilios Fthenakis) liegen mir in ausgedruckter Form vor, befinden sich aus praktischen Gründen jedoch nicht im Anhang, da ihr Umfang ein Vielfaches des Umfangs dieser Diplom-Arbeit gewesen wäre.

Der historische Überblick im folgenden Abschnitt zeigt die Mutterliebe im Wandel der Zeit und der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 3
1. Einleitung 5
2. Die Entwicklung des Mutterbildes vom Mittelalter bis heute 9
2.1 Die Geringschätzung des Kindes 9
2.2 Die Mutterliebe als neuer Wert 13
2.3 Die Frau im Dienst des Nationalsozialismus 17
2.4 Entwicklungen von 1945 bis heute 18
3. Psychologische und soziale Bedeutung von Schwangerschaft und Geburt 22
3.1 Der Wunsch nach dem Kind 22
3.1.1 Biologisch determinierte Quellen 22
3.1.2 Auf die Umwelt bezogene Quellen 23
3.1.3 Unbewusste und mit den Persönlichkeitszügen verbundene Quellen 33
3.1.4 Objektausgerichtete Quellen 34
3.2 Die Angst vor dem Kind 35
3.3 Soziale Auswirkungen der Schwangerschaft 42
3.4 Die Geburt 44
3.5 Die „ganz normale“ Wochenbettdepression 47
4. Konflikte im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt und Mutterrolle 51
4.1 Die „archaische Mutter“ 51
4.2 Gewollte Kinderlosigkeit 51
4.3 Ungewollte Kinderlosigkeit 53
4.4 Schwangerschaft und Geburt als Konflikt 53
4.4.1 Die ungewollte Schwangerschaft 53
4.4.2 Die gewollte Schwangerschaft 56
4.4.2.1 Die Beziehung zum Partner 57
4.4.2.2 Sexualität nach der Geburt 62
4.4.2.3 Falsche Erwartungen 63
4.4.2.4 Aggression gegen Kinder 64
5. Abschließende Bemerkungen 66
Literatur- und Quellenverzeichnis 70

Arbeit zitieren:
Staudinger, Astrid August 2000: "Mutterglück": Mythos oder Wirklichkeit?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Muttermythos, Karriere, Kinderwunsch, Mutterliebe, Mutterbild

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