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"Lohnt sich Arbeit noch?" Die ökonomische, politische und rechtliche Bedeutung des Lohnabstandsgebots in der Hartz-IV Reformdebatte 2009/2010

"Lohnt sich Arbeit noch?" Die ökonomische, politische und rechtliche Bedeutung des Lohnabstandsgebots in der Hartz-IV Reformdebatte 2009/2010
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Robert Czaplinski
  • Abgabedatum: Juli 2010
  • Umfang: 61 Seiten
  • Dateigröße: 351,0 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Technische Fachhochschule Wildau Deutschland
  • Bibliografie: ca. 33
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0758-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Czaplinski, Robert Juli 2010: "Lohnt sich Arbeit noch?" Die ökonomische, politische und rechtliche Bedeutung des Lohnabstandsgebots in der Hartz-IV Reformdebatte 2009/2010, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lohnabstand, Hartz, Existenzminimum, Niedriglohnsektor, Mindestlohn

Bachelorarbeit von Robert Czaplinski

Einleitung:

Die vorliegende Arbeit will nicht darauf abzielen, bereits wissenschaftliche Arbeiten und empirische Studien neu aufzuarbeiten. Sie will durch die Aufarbeitung und Analyse der geführten Interviews mit Spitzenpolitkern aus dem deutschen Bundestag und dem Brandenburger Landtag auf die aktuelle Bedeutungen des Lohnabstandsgebotes (gerade im Bezug auf die Gerichtsentscheidung des Bundesverfassungsgerichtes über die Hartz-IV Regelsätze) und dem festzusetzenden Existenzminimum abzielen. Fraglich war, welchen Stellenwert das Lohnabstandsgebot überhaupt in der aktuellen Hartz-IV Debatte hat und welche Anstrengungen es bedarf, um auch für nachfolgende Generation lohnenswerte Arbeit zu ermöglichen und Lohngerechtigkeit zu garantieren. Wichtig war dem Autor, nicht nur Lösungsvorschläge für die Einhaltung des gesetzlich geregelten Lohnabstandes zu erhalten, sondern auch konkrete Ideen zur Umsetzungsmöglichkeiten zu erlangen und Risiken und Folgen abzuschätzen. Ein weiterer Aspekt war die finanzielle Umsetzbarkeit der Vorschläge unter dem Gesichtspunkt des verordneten Sparprogrammes.

Inhaltsverzeichnis:

1. Motivation 8
2. Forschungsziel 8
3. Problemdarstellung 9
3.1 Guido Westerwelle: Spätrömische Dekadenz 9
3.2 Guido Westerwelles Kritik an den deutschen Sozialstaat 9
3.3 Ziel der Hartz-Reform 10
3.4 Der Grundsatz der Sozialstaatlichkeit 10
3.5 Geregeltes Existenzminimum kontra Lohnverhältnis und Staatenkrise 11
3.6 Die elementare Bedeutung des Lohnabstandsgebots 11
4. Die Menschenwürde in der aktuellen Hartz-IV Debatte 12
4.1 Das Bundesverfassungsgericht überprüft die Wahrung der Menschwürde 12
5. Das Lohnabstandsgebot 13
5.1 Zusammenhang zwischen Lohnabstand und Existenzminimum 13
5.2 Die gesetzliche Regelung des Lohnabstandgebots 13
5.3 Die Folgen der Hartz-IV Gesetzgebung für den Arbeitsmarkt 14
5.3.1 Die Entstehung prekäre Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor – am Beispiel der Leiharbeiterbranche 14
5.4 Die Arbeitnehmer sind aus ökonomischer Sicht keine freien Marktteilnehmer 14
5.4.1 Folgen für die Arbeitsuchenden 15
5.5 Lösungsansätze für das ökonomische Problem der Arbeitsuchenden 15
6. Erwerbstätigkeit kontra Hartz-IV Leistungen 16
6.1 Arbeitsmarktexperten zur Lohnabstandsthematik 16
6.2 Abbildung 1: Vergleich Metallarbeiter und Hartz-IV Empfänger 17
6.3 Abbildung 2: Vergleich Gebäudereiniger und Hartz-IV Empfänger 18
6.4 Welche oft unberücksichtigten Kosten treten mit Aufnahme eine Erwerbstätigkeit auf? 19
7. Politische Meinungen von Spitzenpolitkern 20
7.1 Ziele der Interviews 20
7.2 Sytematik der Interviews 21
7.2.1 Dr. Carsten Linnemann (CDU/MdB) 21
7.2.1.1 Arbeitslosenunterstützung trotz sinkendem Lohnabstand? 21
7.2.1.2 Arbeitszwang und Sanktionen für Erwerbslose Hartz-IV Empfänger? 22
7.2.1.3 Das Dilemma zwischen steigender Arbeitslosigkeit und zunehmender Lohnungleichheit 23
7.2.1.4 Kritik an den Aussagen Guido Westerwelles 24
7.2.1.5 Erwerbstätigen Lohn kontra Hartz-IV Leistungen 25
7.2.1.6 Existenzminimumbestimmung und Einfluss der Hartz-IV Regelsätze auf das Lohnabstandsgebot 25
7.2.1.7 Die Bedeutung des Lohnabstandsgebots 26
7.2.1.8 Vorschläge zur Umsetzung der politischen Zielvorstellungen 27
7.2.2 Dierk Homeyer (CDU/MdL) 27
7.2.2.1 Kritik an den Aussagen Guido Westerwelles 27
7.2.2.2 Erwerbstätigenden Lohn kontra Hartz-IV Leistungen 28
7.2.2.3 Das Dilemma zwischen steigender Arbeitslosigkeit und zunehmender Lohnungleichheit 29
7.2.2.4 Arbeitszwang und Sanktionen für Hartz-IV Empfänger? 29
7.2.2.5 Die Bedeutung des Lohnabstandsgebots 30
7.2.2.6 Existenzminimumbestimmung und Einfluss der Hartz-IV Regelsätze auf das Lohnabstandsgebot 32
7.2.2.7 Vorschläge zur Umsetzung der politischen Zielvorstellung 32
7.2.3 Dr.Gregor Gysi (Die Linke/mdB) 33
7.2.3.1 Kritik an den Aussagen Guido Westerwelles 33
7.2.3.2 Erwerbstätigenden Lohn kontra Hartz-IV Leistungen 33
7.2.3.3 Das Dilemma zwischen steigender Arbeitslosigkeit und zunehmender Lohnungleichheit 34
7.2.3.4 Die Bedeutung des Lohnabstandsgebots 35
7.2.3.5 Existenzminimumbestimmung und Einfluss der Hartz-IV Regelsätze auf das Lohnabstandsgebot 36
7.2.3.6 Vorschläge zur Umsetzung der politischen Zielvorstellungen 36
7.2.3.7 Arbeitszwang und Sanktionen für Erwerbslose Hartz-IV Empfänger? 37
7.2.3.8 Der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn als Sicherung für das Lohnabstandgebots? 38
7.2.4 Kornelia Wehlan (Die Linke/mdL) 39
7.2.4.1 Kritik an den Aussagen Guido Westerwelles 39
7.2.4.2 Erwerbstätigenden Lohn kontra Hartz-IV Leistungen 39
7.2.4.3 Das Dilemma zwischen steigender Arbeitslosigkeit und zunehmender Lohnungleichheit 39
7.2.4.4 Die Bedeutung des Lohnabstandsgebots 40
7.2.4.5 Vorschläge zur Umsetzung der politischen Zielvorstellungen 40
7.2.4.6 Existenzminimumbestimmung und Einfluss der Hartz-IV Regelsätze auf das Lohnabstandsgebot 40
7.2.4.7 Arbeitszwang und Sanktionen für Hartz-IV Empfänger? 41
8. Gerichtsentscheidung des Bundesverfassungsgerichts 41
8.1 Kernpunkte der Gerichtsentscheidung des Bundesverfassungsgerichts 43
9. Auswirkungen der Gerichtsentscheidung auf das Lohnabstandsgebot 46
9.1 Kritische Expertenmeinungen 46
10. Kritik an der Berechnungen des Lohnabstands 48
11. Reflexion und Fazit 49
12. Literatur- und Quellenverzeichnis 55
Anhang:
Interviewgesprächsleitfaden

Textprobe:

Kapitel 5, Das Lohnabstandsgebot:

Der Lohnabstand ist die Spanne zwischen dem Nettoerwerbseinkommen und dem Anspruch auf Sozialleistung. Dabei kann in einigen Fällen auch beim Erwerbstätigen ein Sozialleistungsanspruch bestehen.

5.1, Der Zusammenhang zwischen Lohnabstand und Existenzminimum:

Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland schreibt das sogenannte Existenzminimum für diejenigen vor, die keiner Beschäftigung nachgehen, nicht in der Lage sind, eine Arbeit aufzunehmen oder keine angemessene Arbeit finden. Der Grundgedanke des Lohnabstandsgebotes ist denkbar einfach: Arbeit muss sich demnach mehr lohnen als keine Arbeit, dass heißt wer eine Ganztagsbeschäftigung hat, sollte keine staatlichen Unterstützungen in Anspruch nehmen müssen. Würde dieses Prinzip breit außer Kraft gesetzt oder weitestgehend nicht eingehalten werden, würde der Arbeitsanreiz in einer Volkswirtschaft wie Deutschland verloren gehen.

5.2, Die gesetzliche Regelung des Lohnabstandgebots:

In der deutschen Verfassung findet das Lohnabstandsgebot keine Berücksichtigung. Der Grundsatz aber, dass ein arbeitender Mensch in Deutschland mehr Geld zur Verfügung haben muss als jemand, der seinen Lebensunterhalt nur mit staatlicher Hilfe bestreiten kann, findet sich im Sozialgesetzbuch wieder. Nach Paragraph 28 Sozialgesetzbuch XII müssen die Regelsätze unter dem durchschnittlichen Nettoverdienst der unterer Lohn- und Gehaltsgruppen liegen.

Der hier im Gesetz zum Ausdruck gebrachte Vorrang der Erwerbstätigkeit steht nun aber im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion, weil sich, wie die Entwicklung zeigt, Konstellationen ergeben, wo beispielsweise kinderreiche Sozialhilfeempfänger besser gestellt sind, als diejenigen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Werden angemessen Löhne gezahlt, gibt es dieses Problem nicht. Steigt aber der Beschäftigungsgrad gerade im Niedriglohnsektor, sind immer mehr Erwerbstätige vom Schwund des Lohnabstandsgebotes betroffen.

5.3, Die Folgen der Hartz-IV Gesetzgebung für den Arbeitsmarkt:

Kritiker sind der Meinung, dass durch Einführung der Hartz Gesetze genau diese Niedriglohnbranche durch die Gesetzgebung und die politischen Aktivitäten der Regierungsparteien aktiv gefördert werden. Bemerkenswert ist, dass durch diese Politik immer mehr Erwerbstätige einen Anspruch auf Sozialleistungen des Staates haben, weil die Unternehmen die günstige Gesetzgebung nutzen, um ihre Beschäftigten in den Niedriglohnsektor einzugliedern und somit Tätigkeiten in Leiharbeit und Kurzeitarbeit steigen.

5.3.1, Die Entstehung prekäre Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor – am Beispiel der Leiharbeiterbranche:

Die Beschäftigen in der Leiharbeiterbranche verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen, die eine Festanstellung inne haben. Sie werden erst durch dieses Beschäftigungsverhältnis gezwungen Hartz-IV Leistungen in Anspruch zu nehmen. Die Anzahl der Leiharbeiter ist von 1997 zu 2007 um 500.000 auf 700.000 Beschäftige gestiegen, jeder Achte hat Anspruch auf Sozialleistungen und kann somit die Differenz ausgleichen lassen. Die Subvention kostet dem Staat circa 9,3 Milliarden Euro jährlich. Die herrschende Meinung sagt klar, dass das eigentliche Problem aber die sinkenden Löhne sind, die das Lohnabstandsgebot brechen, also nicht die zu hohen Hartz-IV Regelsätze.

5.4, Arbeitnehmer sind aus ökonomischer Sicht keine freien Marktteilnehmer:

Aus ökonomischer Sicht ist unstrittig, dass zwischen dem Erwerbstätigkeitslohn, ausgehend vom Niedriglohnsektor und den Sozialleistungen, ein gewisser Abstand bestehen muss. Bereits hier tritt die Problematik der klassischen Lehre auf, weil in der Niedriglohnbranche Gehälter und Löhne gezahlt werden, die sich nur knapp über denen befinden, die einem Sozialhilfeempfänger zustehen. Ein Arbeitsuchender würde auf dem sogenannten vollkommenen Arbeitsmarkt eine derartige unterbezahlte Anstellung in den meisten Fällen ausschlagen, wenn das Beschäftigungsangebot größer ist als die Nachfrage für Beschäftigungsverhältnisse. Wenn also ein Überhang von Arbeitsplätzen im Niedriglohnsektor entstünde, müssten sich nach der klassischen Arbeitsmarktlehre Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage in einem Gleichgewicht wiederfinden. In diesem Fall befände sich der Lohn des Arbeitnehmers über dem des Sozialhilfeempfängers: Der Lohnabstand wäre gewährleistet. Doch die klassische Lehre versagt aktuell, denn genau das Gegenteil ist in Deutschland der Fall. Die Löhne aus Beschäftigungen im Niedriglohnsektor gehen genauso zurück wie auch der Lohnabstand und gleichzeitig steigt dabei der Bedarf an Geringqualifizierten!

5.4.1, Folgen für die Arbeitsuchenden:

Die Analyse durch Arbeitsmarktforschungsinstitute hat ergeben, dass auf Grund von möglichen Konsequenzen einer Nichtaufnahme einer solchen gering qualifizierten Beschäftigung eines Arbeitslosen, Kürzungen seiner Sozialleistungen drohen, somit wird häufig das nicht wirklich lohnende Angebot angenommen, zum Vorteil der Profitgier der Unternehmungen dieser Branche und zum Nachteil des Lohnabstandniveaus, das dadurch marginal sinkt. In der aktuellen Situation, ist die klassische Lehre also demnach nicht anwendbar, weil der Sozialleistungsempfänger weder sachlich agieren kann noch ein freier Marktteilnehmer ist.

5.5, Lösungsansätze für das ökonomische Problem der Arbeitsuchenden:

Doch wie sieht die Lösung dieser ökonomischen neuen Problematik der sinkenden Bedeutung des Lohnabstandsniveaus aus? Die derzeit praktizierte Systematik muss unterbrochen werden, das heißt ein Arbeitsloser darf nicht dafür bestraft werden, dass er eine ihm zugewiesen Stelle auf Grund der schlechten Bezahlung nicht annimmt. Er verliert durch die ihm drohenden Kürzungen seiner Sozialleistung die Marktmacht. Er entscheidet also nicht mehr, was ein angemessener Lohn ist, sondern eher der wirtschaftspolitische Wandel mit dem rapide steigenden Ausbau des Niedriglohnsektors und die günstige Sozialleistungsgesetzgabe für Unternehmen. Auch fehlt es dem Niedriglohnsektor an der Unterstützung durch die Gewerkschaften insbesondere durch den DGB. Ihre Aufgabe wäre es ein angemessenes und erträgliches Lohnniveau über dem Sozialleistungsniveau auszuhandeln.

Arbeit zitieren:
Czaplinski, Robert Juli 2010: "Lohnt sich Arbeit noch?" Die ökonomische, politische und rechtliche Bedeutung des Lohnabstandsgebots in der Hartz-IV Reformdebatte 2009/2010, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lohnabstand, Hartz, Existenzminimum, Niedriglohnsektor, Mindestlohn

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