Bachelor + Master Publishing
807 Bachelorarbeiten, 530 Masterarbeiten, 10.101 Diplomarbeiten

"Jedermann kann improvisieren"

Der Zugang zum Jazz - für Frauen gesperrt?

"Jedermann kann improvisieren"
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Joe Degado
  • Abgabedatum: März 1997
  • Umfang: 144 Seiten
  • Dateigröße: 10,7 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1251-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1251-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1251-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Degado, Joe März 1997: "Jedermann kann improvisieren", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Jazz, Frauen, Musikerinnen

Diplomarbeit von Joe Degado

Einleitung:

Wer im Bereich Jazz unterrichtet, kennt den Satz: "Ich kann nicht improvisieren" von Schülerinnen und Schülern, die sich zum ersten Mal dem "Phänomen" Jazz-Improvisation gegenübergestellt sehen. In der Literatur zu dem Thema ‘Improvisation im Jazz’ taucht daher immer wieder die Entgegnung auf: "Jeder kann improvisieren." In der deutschen Sprache erscheint hier kein geschlechtsneutrales Subjekt, sondern wie selbstverständlich die maskuline Form, was ich im Titel dieser Arbeit dadurch verdeutlicht habe, dass ich ‘jeder’ durch das leicht antiquiert wirkende, aber genauso allgemein gemeinte ‘jedermann’ ersetzt habe. Was hier je nach Standort des Lesers bzw. der Leserin kleinkariert oder übertrieben "politically correct" wirken mag, ist zunächst Ausdruck eines grundlegenden Sprachproblems, das mit allgemeingesellschaftlichen Bedingungen zu tun hat und keineswegs spezifisch für den Jazz ist: Sprache ist männliche Sprache. Natürlich meint "man(n)" mit Wörtern wie ‘jeder’ auch Frauen, aber man drückt das eben nicht mit einer sprachlichen Wendung aus, die Frauen tatsächlich mit einschließt. In vielen derartigen sprachlichen Ausdrücken, die keine neutrale oder allgemeine, sondern die maskuline Form benutzen, drückt sich - wahrscheinlich sogar unfreiwillig - ein Stück Wirklichkeit aus: Wie die Welt der Sprache ist erstens unsere ganze Welt durchdrungen von Sichtweisen männlicher Beobachter und zweitens, was unser Bewusstsein angeht, fast völlig frei von weiblichen Handelnden. Dass diesem Bewusstsein ein erhebliches Maß an Sein entspricht, Frauen also tatsächlich in vielen Bereichen keine "große Rolle" spielen, dürfte auch ohne Statistiken oder andere Beweise auf Grund reiner Beobachtung dessen, was um uns herum geschieht, hinreichend veranschaulicht sein. Da aber in unserer Gesellschaft das, was man "weiß", nur dann eine Bedeutung haben darf, wenn man es beweisen kann, beschäftigt sich ein Teil der Frauenforschung gerade damit, das eigentlich Selbstverständliche aufzuzeigen und zu beweisen und dennoch Ignoranz dafür zu ernten.

Die neuere Frauenforschung weist Frauen als Improvisationstalente aus, da sie über Jahrhunderte bzw. sogar Jahrtausende hinweg den sie einengenden, oft auch mehr oder minder offensichtlich unterdrückenden gesellschaftlichen Strukturen mittels Improvisation immer wieder Bereiche der Freiheit abgewinnen konnten. Rein logisch folgt aus der allgemeinen weiblichen Improvisationsfähigkeit natürlich auch die spezielle Improvisationsfähigkeit im Jazz. Daraus folgt weiter, dass Jazz als die improvisierte Musik einen gewaltigen Frauenanteil unter den MusikerInnen aufweisen müsste, zumindest einen Anteil, der bedeutend höher ist als in anderen Musikrichtungen. Die reine Anschauung liefert uns aber ein völlig anderes Bild: Jazz ist Männersache, Jazzmusikerinnen sind ebenso Exoten (Exotinnen) wie Kraftfahrzeugmechanikerinnen oder Betonmischerinnen. Der nächste logische Schluss wäre, irgendein Hindernis zu vermuten, das Frauen den Zugang zum Jazz versperrt. Ein solches Hindernis könnte die Biologie aufdecken - z. B. im Sinne von: nur Männer haben das "Jazz-Improvisations-Gen" -, was sie aber (siehe Kapitel 2) nicht tut.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit untersucht in Kapitel 1, was denn die "Welt des Jazz" überhaupt auszeichnet, um im zweiten Kapitel zu beleuchten, worin die "Welt der Frau" besteht. Dabei wird sich herausstellen, dass die Strukturen der Jazzwelt in einigen Bereichen unvereinbar sind mit den Strukturen der Welt, in der Frauen zwangsläufig leben müssen. In Kapitel 3 werden Frauen (und zum Vergleich auch Männer), die professionell in der Welt des Jazz wirken, vorgestellt. Dabei entsteht eine Art typisches Persönlichkeitsprofil erfolgreicher Jazzerinnen, das sich deutlich von dem typischen, noch immer in unserer Gesellschaft anerzogenen Frauenprofil unterscheidet. Gleichzeitig bietet sich endlich die Gelegenheit, mit Statistiken, die zum Teil auf eigene Recherchen zurückgehen, zu beweisen, dass Frauen zumindest im offiziellen Jazz eine verschwindend kleine Minderheit bilden. Blickt man aber immer nur in das vermeintliche Zentrum des Geschehens, kann es vorkommen, dass man den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen übersieht. Aus diesem Grund beschäftigt sich Kapitel 4 mit Frauen am Rande des Jazz, zu denen neben den üblicherweise berufstätigen (Ehe-) Frauen von Jazzern die Protagonistinnen der "rhythmisch-musikalischen Erziehung", aber auch Studentinnen und Schülerinnen gehören. Interessante Ergebnisse liefert in diesem Zusammenhang die Auswertung einer Fragebogenaktion, die sich an sämtliche deutschen Jazz-Unis richtete. Nach einem kurzen historischen Exkurs zum weiblichen Instrumentenwahlverhalten, Anregungen zur jazzspezifischen Frauenförderung und abschließenden Ein- und Ausblicken folgt eine persönliche Schlussbetrachtung.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 1
Einführung 5
Kapitel I: Die Welt des Jazz
1. Was ist Jazz? 11
2. Entstehung und Entwicklung des Jazz 12
Die New Orleans-Legende 13
Die Wanderung nach Norden 14
Die Bebop-Revolution 15
Jazz in den Fünfzigern 17
Free Jazz 18
Jazz in Europa oder europäischer Jazz? 20
Jazz in den Siebzigern 23
Die postmoderne Phase des Jazz 24
3. Die Bedeutung der Erotik 26
Erotik in Pop und Rock 27
Blues und Erotik 28
Erotische Momente im Jazz 29
4. Die Jazz-Szene 31
Auftrittsbedingungen und die Arbeitssituation von JazzmusikerInnen 31
Das Jazzpublikum 32
5. Die Jazzausbildung 35
Die Ausbildung an Hochschulen und Universitäten 36
Des Jazzers ungeliebter Nebenberuf: Lehrer 38
Jazzunterricht an allgemeinbildenden Schulen 40
Kapitel II: Die Welt der Frau
1. Methodischer Ansatz 45
2. Allgemeiner Hintergrund 46
Bezeichnende Sprache 46
Spuren der Vergangenheit 47
Lange Tradition - das Patriarchat 48
Männliche Strukturen 50
Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern 51
3. Geschlechtstypisches Verhalten 53
Geschlechtstypische Verhaltensunterschiede bei Menschen 54
Psychologische Erkenntnisse 56
Geschlechtstypische Verhaltensunterschiede bei nicht-menschlichen Primaten 57
Erkenntnisse aus der Gehirnforschung 59
Zusammenfassende Interpretation 62
4. Frauen-Realität in Deutschland - Zahlen und Fakten 65
Die besondere Situation der Frauen in der früheren DDR 65
Allgemeine und berufliche Bildung von Frauen 65
Vereinbarkeit von Familie und Beruf 66
Erwerbstätigkeit von Frauen 67
Einschätzung der Gleichberechtigung 67
Kapitel III: Frauen im Jazz
1. Krieg der Welten? 71
2. Jazzmusikerinnen in Porträts und Interviews 72
Jutta Hipp - porträtiert von Thomas Breitwieser 72
Sarah Vaughan - porträtiert von Marcus Woelfle 73
Joëlle Léandre - porträtiert von Bert Noglik 75
Ella Fitzgerald - porträtiert von Hans Ruland 76
Barbara Dennerlein - interviewt von Gunna Wendt 77
Gabriele Hasler - interviewt von Gunna Wendt 78
Irène Schweizer - interviewt von Rosmarie A. Meier 79
3. Analyse und Interpretation der Porträts und Interviews 81
Die Jazzsängerin gestern und heute 81
Unsichtbarmachung am Beispiel einer Jazzinstrumentalistin 81
Erfahrungen mit anderen Musikerinnen 82
Quotenregelung im Jazz: (k)eine Lösung 84
Charakterliche Voraussetzungen für den Erfolg als Jazzmusikerin 85
Der Stellenwert von Komposition und Körperlichkeit 86
Der Gegensatz zwischen Beruf und Familie 86
Kritische Bemerkungen zur Pseudo-Objektivität von Interviews 87
4. Vergleiche mit interviewten Jazzmusikern 89
Max Roach 89
Herbie Hancock 89
Chris Walden 90
Roman Schwaller 90
Nicky Gebhard 90
James Carter 91
Jan Garbarek 91
Vergleichende Analyse der Jazzmusiker-Interviews 92
Ein Schlusswort von Sibylle Pomorin 94
5. Die Repräsentanz von Frauen in der Welt des Jazz 97
Untersuchungsansatz 97
Statistische Erhebung aller Porträts und Interviews im JazzPodium 1996 97
Tabelle 1: Porträts und Interviews im JazzPodium 1996 98
Statistische Auswertung der Porträts und Interviews im JazzPodium 1996 99
Tabelle 2: Statistische Auswertung der Porträts und Interviews im JazzPodium 1996 100
Auftrittshäufigkeit von Jazzmusikerinnen am Beispiel des Jazzclub Karlsruhe 101
Tabelle 3: Auftritte von JazzmusikerInnen im Jazzclub Karlsruhe in 1996 101
Allgemeine Repräsentanz von Frauen im Kultur- und Medienbetrieb 101
Kapitel IV: Frauen am Rande des Jazz
1. Randprobleme 107
2. Die Rolle der Frau eines Jazzmusikers 108
Der amerikanische Jazzmusiker und seine "Old Lady" 108
Deutsche Verhältnisse 109
3. Die "rhythmisch-musikalische Erziehung" 111
Grundlagen, Ziele und Methodik der Rhythmischen Gymnastik 111
Die Rhythmik-Schülerinnen 112
Der Bezug zur Gegenwart 113
4. Weibliche Einbruchsversuche 114
Eine Fragebogenaktion 114
Auswertung und Interpretation 115
Tabelle 4: Ergebnisse aus der Befragung der Jazz-Hochschulen und -Universitäten 118
Tabelle 5: Vergleichszahlen zum Frauenanteil an Hochschulen und Universitäten 119
Weitere Spekulationen über Ursachen des Jazzstudentinnen-Defizits 119
Tabelle 6: Die Jazz-AG des Helmholtz-Gymnasiums Karlsruhe im Schuljahr 1996/97 120
Historische Hintergründe zum Instrumentenwahlverhalten von Frauen 120
Weitere Anregungen zur Frauenförderung im Jazz 124
5. Ein- und Ausblick 125
Was haben Road-Movies und der Marlboro-Man mit Jazz zu tun? 125
Über Zwecke und Selbstzwecke 128
Schlusswort 131
Anhang
Anmerkungen 135
Bibliographie 144
Faksimile des Fragebogens 146

Arbeit zitieren:
Degado, Joe März 1997: "Jedermann kann improvisieren", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Jazz, Frauen, Musikerinnen

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren