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"In göttlicher Mission"

Die amerikanische Zivilreligion in den Reden von George W. Bush

"In göttlicher Mission"
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Petra Geisperger
  • Abgabedatum: Mai 2003
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 729,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7208-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7208-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7208-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Geisperger, Petra Mai 2003: "In göttlicher Mission", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rhetorik, Robert N. Bellah, Jose Casanova, Irak, Kommunikation

Diplomarbeit von Petra Geisperger

Zusammenfassung:

„In göttlicher Mission - der Kreuzzug des George W. Bush“ titelt der Spiegel am 17.Februar 2003. „Bush & God“ prangert auf der Newsweek vom 10.März 2003. Diese Beispiele zeigen, dass die Sprache des 43. Präsidenten der USA thematisiert wird, da sie polarisiert. War der Präsident zu Anfang seiner Amtszeit vor allem aufgrund seiner Versprecher in den Medien, so wird er seit dem 11.September und noch verstärkt seit den Kriegsvorbereitungen im Irak 2003 als Wiedererweckter, evangelikaler Prediger oder sogar Gotteskrieger dargestellt. Ist der Einfluss des Religiösen auf die Rhetorik George W. Bushs wirklich deutlicher als bei anderen Präsidenten?

Gang der Untersuchung:

Um dieser Frage nachzugehen, muss zunächst grundsätzlich der Einfluss der Religion auf die Politik in den USA näher untersucht werden. Eine Basis für solche Analysen ist das Konzept der Zivilreligion, das von Robert N. Bellah in den 60er Jahren entwickelt wurde. Mit diesem Konzept, das von der Existenz einer religiösen Dimension in der Politik ausgeht, löste er eine umfangreiche Debatte aus, in der sich sowohl Befürworter als auch Gegner zu Wort meldeten.

Das erste Kapitel nach dieser Einleitung stellt das Konzept vor und zeichnet die Debatte um die Zivilreligion nach. Das Kapitel schließt mit einer Arbeitsdefinition von Zivilreligion, die für den Zweck dieser Untersuchung ausreichen muss, da eine bisher allgemein anerkannte Definition fehlt.

Anschließend wird die amerikanische Form der Zivilreligion näher untersucht und vor allem ihre historischen Wurzeln seit der Siedlungszeit dargelegt. Neben diesen grundsätzlichen Betrachtungen zum Einfluss von Religion auf die Politik wird dann der Fokus verengt auf die amerikanische Rhetorik. Das vierte Kapitel geht der Frage nach, wie sich ein Einfluss der Zivilreligion rhetorisch äußern kann.

Bevor die Rhetorik von George W. Bush untersucht wird, klärt das fünfte Kapitel, wie sich Präsidenten allgemein der Zivilreligion bedienen können und das sechste Kapitel stellt kurz den persönlichen Glaubenshintergrund von George W. Bush dar.

Die nächsten vier an dieses Kapitel anschließenden Abschnitte widmen sich den zivilreligiösen Elementen in den Reden von George W. Bush von Beginn seiner Amtszeit an. Mit Hilfe von belegenden Textstellen soll nachgezeichnet werden, welche Elemente in seinen Reden von Bedeutung sind und wie sie rhetorisch und inhaltlich ausgeführt werden. Es soll ein Gesamtbild der Reden entstehen, das beschreibt, welche Sicht der Welt George W. Bush durch sie vermittelt.

Diese Beschreibung orientiert sich an den vier Themengebiete: Nation, Welt, Sieg und Religion. Durch die Untersuchung der Fragen, wie stellt George W. Bush die amerikanische Nation und die sie umgebende Welt dar, wie sollte die Welt besser aussehen und welchen Platz nimmt die Religion darin ein, sollen Einflüsse der Zivilreligion aufgespürt werden. Wie äußert sich die Zivilreligion in den Reden von George W. Bush? In welcher Form setzt er sie ein, welche Absichten verfolgt er damit und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Die Beobachtungen aus der Analyse dieser Themengebiete sollen im Fazit bei der Beantwortung der Eingangsfrage weiterhelfen. Bewegt sich George W. Bush in der Tradition der religiös gefärbten Rhetorik amerikanischer Präsidenten oder benutzt er aufgrund seines persönlichen Glaubens seine Reden zum Zwecke eines „Kreuzzuges“?

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Was ist Zivilreligion? 6
2.1 Das Konzept der Zivilreligion nach Robert N. Bellah 6
2.3 Die amerikanische Debatte um „Zivilreligion“ 9
2.4 Versuch einer Typologie von Zivilreligion nach Jones / Richey 11
2.5 „Public Religion“ als Alternative zur Zivilreligion 12
2.6 Übersicht über die verschiedenen Positionen 15
3. Historische Wurzeln der Elemente der Zivilreligion 17
3.1 Die Zeit der Siedler 17
3.1.1 Die Bündnisidee 17
3.1.2 Das „neue Israel“ und „the city upon a hill“ 18
3.1.3 Der Millenarismus 21
3.2 Die Gründerzeit 22
3.3 Evangelikalismus und Fundamentalismus 23
4. Rhetorische Erscheinungsformen 26
4.1 Erwähnung des Namen Gottes 26
4.2 Moral und Politik 27
4.3 Lichtmetaphorik 29
5. Der Präsident - Pontifex Maximus der Zivilreligion 30
6. Die Zivilreligion in den Reden von George W. Bush 32
7. Das Nationenverständnis 34
7.1 Die Beschreibung der Nation 34
7.1.1 Nation unter Gott 34
7.1.2 Freiheit als Geschenk an die Nation 35
7.1.3 USA als Heimat der Freiheit, Gleichheit 36
7.2 Sendungsbewusstsein 37
7.2.1 Das auserwählte Volk 37
7.2.2 Führung der Welt und Vorkämpfer für die ganze Menschheit 38
7.2.3 Verwirklichung der Ideale auf Erden 40
7.2.4 Opfer für die Nation 41
7.3 Pflichten der Nation 42
7.3.1 Gewalt als einzige Lösung 42
7.3.2 Im Auftrag Gottes 43
7.3.3 Verteidigung der eigenen Ideale 45
7.3.4 Wiedergutmachung für den 11.September 46
8. Die Wahrnehmung der Welt 48
8.1 Neues Zeitalter der Angst 48
8.2 Zweiteilung der Welt 52
8.2.1 Freedom and Fear 52
8.2.2 Zivilisation gegen Barbarei 53
8.2.3 Liebe gegen Hass 53
8.2.4 Mit uns oder gegen uns 54
8.2.5 Achse des Bösen 55
8.3 Das Böse 56
8.4 Der Feind 58
8.4.1 Gewissenlosigkeit des Feindes 58
8.4.2 Erben der Nationalsozialisten 59
8.4.3 El-Kaida - der Feind in der Höhle 60
8.4.4 Saddam Hussein - Inkarnation des Bösen 61
8.5 Das Theodizee-Problem 62
8.5.1 Die Prüfung Gottes 62
8.5.2 Out of evil comes good 65
9. Der Sieg über das Böse 67
9.1 Die Gerechtigkeit 67
9.1.1 Gerechtigkeit als Ziel des Krieges 67
9.1.2 „bring them to justice“ 68
9.1.3 „hunt them down“ 69
9.2 Die Siegesgewissheit 69
9.2.1 Beschwörungsformeln des Sieges 69
9.2.2 Der absolute Sieg 70
9.3 Die bessere Welt 72
10. Die Religion 75
10.1 Schlusssätze der Reden 75
10.2 Die Bedeutung des Gebets 77
10.3 Der Glaube 78
10.4 Der Platz der Religion in der Gesellschaft 79
10.5 Das Zitat von Bibelstellen 80
10.5.1 Quelle der Ermahnung und Trostes 80
10.5.2 Untermauerung der Weltsicht 81
10.5.3 Aufruf zur Nächstenliebe 83
10.6 Religiöse Überzeugungen von George W. Bush 85
11. Fazit 87
12. Literaturverzeichnis 91
13. Quellenverzeichnis 96
14. Anhang 98

Automatisiert erstellter Textauszug:

48 werten. An einer anderen Stelle macht George W. Bush auch sehr deutlich, dass Rache für die USA nicht von Bedeutung ist. „We owe it to history, we owe it to our children and our grandchildren, any time anybody wants to affect the freedom of our people, they must pay a price -- not because we seek revenge, but because we seek justice.“181 Im Sinne der Gerechtigkeit sollen die Schuldigen auch bestraft werden, aber auch hier formuliert George W. Bush keine expliziten Rachegedanken. „Civilized people around the world denounce the evildoers who devised and executed these terrible attacks. Justice demands that those who helped or harbored the terrorists be punished -- and punished severely.“182 Die Trauer und Wut, die durch den Anschlag auf das World Trade Center ausgelöst wurde, nutzt der Präsident nie, um Rachegefühle zu erwecken oder zu fördern. Die Opfer werden viel mehr als Bestärkung dargestellt, für die amerikanischen Ideale, für Freiheit, Frieden und Demokratie, zu kämpfen. In seiner Amtszeit als Präsident musste George W. Bush mehrer militärische Einsätze der amerikanischen Armee dem Volk gegenüber erklären und rechtfertigen. Dazu benutzte er zwei Argumentationslinien, die sich aus Elementen der Zivilreligion speisen. George W. Bush stellt es als natürliche Verhaltensweise der amerikanischen Nation dar, grundsätzliche Konflikte vermeiden zu wollen. Gleichzeitig geht er aber von der Existenz von Situationen aus, die zu einer kriegerischen Auseinandersetzung keine Alternative zulassen. Eine Möglichkeit für so eine Situation ist, dass die USA als Nation unter Gott einen höheren, göttlichen Auftrag zu erfüllen haben und nur durch Krieg, der Wille Gottes auf Erden umgesetzt werden kann. Eine weitere Möglichkeit für die Rechtfertigung von Krieg ist die Verfolgung des nationalen Zieles der Freiheitsausweitung auf die ganze Welt. Diesen beiden Gründen für einen Krieg wird in den Reden eine so hohe Bedeutung beigemessen, dass Opfer, wie sie in einem Krieg erbracht werden müssen, als notwendig angesehen werden. Beide Gründe basieren auf Elementen der Zivilreligion. Sowohl die Vorstellung vom „auserwählten Volk“, als auch das Sendungsbewusstsein, die Vorstellung von der „city upon a hill“ liefern den Hintergrund für die Legitimationsversuche von Krieg und sind Grundlagen für das Nationenverständnis insgesamt. [...]

Argumentationslinie, die in anderen Ländern durchaus üblich ist, fehlt allerdings durchwegs. Rache ist kein Motiv für eine kriegerische Auseinandersetzung. Es gibt zwar Passagen, die einen Zusammenhang zwischen den Opfern des Anschlages vom 11.September und eine Ausweitung der Freiheit herstellen, wie etwa in der Rede vom 11.September 2002. „We resolved a year ago to honor every last person lost. We owe them remembrance and we owe them more. We owe them, and their children, and our own, the most enduring monument we can build: a world of liberty and security made possible by the way America leads, and by the way Americans lead our lives.“180 Wie oben dargestellt kann die Ausweitung des Friedens durchaus mit Krieg verbunden sein. Dennoch ist der Zusammenhang zu schwach, um das Zitat als eine Androhung von Rache zu [...]

47 Für ihn ist klar, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist. „Because this nation loves peace, we do not take it for granted. Because we love freedom, we are always prepared to bear even its greatest costs.“174 Und für ihn steht auch fest, dass man für die Freiheit manchmal auch Opfer bringen muss. „(…) sometimes you have to sacrifice for freedom; sometimes it's important to serve something greater than yourself to secure the freedom. And that means in the 21st century that we've got to sacrifice here in America to protect ourselves.“175 Der 11. September war ein Angriff auf die Heimat der Amerikaner und es gilt die Heimat und mit ihr die Freiheit zu verteidigen. „We have a responsibility to our children to fight for freedom. We have a responsibility to our citizens to defend the homeland.“176 „We are in a fight for our principles (…).“177 George W. Bush macht auch klar, dass durch die Opfer, die in einem Krieg gefordert werden, zur Ausweitung der Idealen beigetragen wird und anderen Menschen geholfen werden kann. „In accepting this responsibility, we also serve the interests and the hopes of the Iraqi people.“178 Aber es wird nicht nur einem einzelnen Volk geholfen, letztendlich wird durch einen Krieg das Wohl der ganzen Welt gefördert. „Instead of drifting toward tragedy, we will protect our security, and we will promote the peace in the world.“179 [...]

Arbeit zitieren:
Geisperger, Petra Mai 2003: "In göttlicher Mission", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rhetorik, Robert N. Bellah, Jose Casanova, Irak, Kommunikation

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