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"Himba sind glücklichere Menschen"

Ethnotourismus zu den Himba im Nordwesten Namibias

"Himba sind glücklichere Menschen"
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Anja-Kristin Priebe
  • Abgabedatum: April 2001
  • Umfang: 228 Seiten
  • Dateigröße: 7,9 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5649-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5649-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5649-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Priebe, Anja-Kristin April 2001: "Himba sind glücklichere Menschen", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Semi-Nomadismus, Entwicklungsländer, Wirtschaftsgeographie, Mediale Vermarktung, Projektorientierter Unterricht

Staatsexamensarbeit von Anja-Kristin Priebe

Einleitung:

Die wirtschaftlich schlechte Lage der letzten Jahre hat den Tourismus nicht negativ beeinflusst. Im Gegenteil, die Wachstumsraten sind so hoch, dass von einem regelrechten Boom gesprochen werden kann. Besonders beliebt in den Industrieländern sind Reisen in die Länder der sogenannten „Dritten Welt“. Einige Liberalisierungsmaßnahmen seitens dieser Länder erleichterten den Fernreisetourismus, der sich vor allem auf den Dienstleistungssektor auswirkt.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützt Vorhaben, die mit dem Tourismus verbunden sind, indem sie Experten für den Aufbau einer Infrastruktur entsenden und Fördermittel zur Verfügung stellt. Mit diesen Maßnahmen sollen die Strukturprobleme der Entwicklungsländer wenigstens zu Teil behoben werden. Der Tourismus soll Devisen ins Land bringen, Arbeitsplätze schaffen und das Land wirtschaftlich nach vorne bringen. Leider sind die Gewinnerwartungen der betroffenen Länder, die mit dem Tourismus verknüpft sind, häufig überzogen. Überspannte Profitideen lassen die Achtung vor der Natur und der im Land lebenden Menschen nur zu oft vermissen.

Einsichtsvolle Kritiker haben diese Entwicklung alsbald erkannt. Der mit hohen Kosten erkaufte wirtschaftliche Nutzen steht nach ihrer Auffassung in keinem angemessenem Verhältnis zur Zerstörung der ursprünglichen Sozialstrukturen, der hohen Umweltbelastung und der zunehmenden kulturellen Verwestlichung. Über diese sozio-kulturellen, ökonomischen und ökologischen Fakten haben viele Wissenschaftler theoretische und empirische Forschungen angestellt, wie z.B. MÄDER oder VORLAUFER.

Kritisch zu betrachten sind ebenfalls die Vermarktungsstrategien der Tourismusbranche.

In den letzten Jahren stieg der Trend, im Urlaub müssten Aktivitäten und Erlebnisse Vorrang vor einem reinen Badeurlaub haben. Dementsprechend passten sich die Reiseveranstalter den Wünschen der Gäste an und vermarkteten oft utopische Erlebnisreisen, die vor Ort nicht den Wünschen der Touristen standhalten.

Um den Tourismus umfassend bewerten zu können, müssen die Bereiche der Ökonomie, Ökologie, Soziokultur, Politik des Landes und die Vermarktungsstrategien der Reiseveranstalter untersucht und unterschieden werden.

Gang der Untersuchung:

Einleitend wird in Kapitel 1 ein allgemeiner Überblick über Reisen in die Entwicklungsländer gegeben, die Touristen werden charakterisiert und die Auswirkungen des Tourismus auf das Entwicklungsland werden aufgezeigt.

In Kapitel 2 folgt eine Analyse des internationalen Tourismus in Namibia, wobei zwischen einer nationalen und regionalen Ebene unterschieden wird. Auf der nationalen Ebene wird die Struktur des Tourismus in Namibia aufgezeigt und dargestellt, welchen Nutzen der Staat und das Land daraus ziehen können. Bei der Analyse der regionalen Ebene wird auf die im Nordwesten liegende nördliche Kunene-Region eingegangen und erläutert, welche Voraussetzungen hier für den Tourismus vorhanden sind.

Das Hauptgewicht der Arbeit liegt auf der lokalen Ebene der nördlichen Kunene-Region, Kapitel 3 bis 6. Im Vordergrund steht hier die Schilderung der Lebensweise der Einwohner dieser Region, der Himba. Im folgenden wird analysiert, was der Ethnotourismus bedeutet und wie die Himba in verschiedenen modernen Medien für Tourismuszwecke vermarktet werden. Nach der Beschreibung einer selbst unternommenen Kaokoland-Tour, wird in einer zusammenfassenden Synthese dargestellt, wie der Anspruch der Touristen und die Wirklichkeit der Reisen in das Kaokoland zusammenpassen und welche Perspektiven sich den Himba schliesslich unter dem Einfluss des Tourismus eröffnen.

In der Arbeit erwähnte feststehende Begriffe der Himba werden in kursiver Schrift geschrieben, um die Deutlichkeit zu erhöhen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
I. Theoretisch-empirischer Teil
1. Tourismus in Entwicklungsländer
1.1 Motive des Reisens 3
1.2 Profil eines Entwicklungsland-Touristen 6
1.3 Einflüsse des Tourismus 8
1.3.1 Ökonomische Einflüsse 8
1.3.2 Ökologische Effekte 12
1.3.3 Sozio-kulturelle Aspekte 16
1.4 Zusammenfassung: Kosten und Nutzen von Fernreisen in Entwicklungsländer 20
2. Internationaler Tourismus in Namibia - Eine Analyse auf nationaler und regionaler Ebene
2.1 Die nationale Ebene: Tourismus in Namibia 22
2.1.1 Grundlagen für die Entwicklung des Tourismus 22
2.1.2 Touristische Raumnutzungsstruktur 24
2.1.3 Arten des Fremdenverkehrs 25
2.1.4 Herkunftsländer der Touristen 28
2.1.5 Tourismus als Wirtschaftsfaktor 30
2.1.6 zukünftige Prognosen 34
2.1.7 Zusammenfassung 36
2.2 Die regionale Ebene: Kaoko - Die nördliche Kunene-Region 38
2.2.1 Allgemeines 38
2.2.2 Naturräumliche Strukturen 41
2.2.2.1 Topographische und geomorphologisch-geologische Einheiten 41
2.2.2.2 Klima 47
2.2.2.3 Fauna und Flora 49
3. Die Himba - mobile Viehhalter
3.1 Historie 53
3.2 Ethnographische Aspekte und der Halbnomadismus als angepasste Lebensweise 61
3.3 Aktuelle Situation 72
4. Der Ethnotourismus in Kaoko
4.1 Definitorische Abgrenzung 79
4.2 Intentionen, Motivationen, Phantasien und Ansprüche von Ethnotouristen 82
4.3 Mediale Vermarktung der Himba 85
4.3.1 Fernsehen 85
4.3.2 Internet 91
4.3.3 Reisebüros und -prospekte und Reiseführer 95
4.3.4 Internationale Tourismus Börse in Berlin (ITB) 104
4.3.5 EXPO 2000 in Hannover 108
Empirische Fallstudie: „Mit Desert Adventure Safaris (DAS) auf 'Ovahimba-Tour'" 114
5. Zusammenfassung: Anspruch und Wirklichkeit bei Reisen nach Kaoko 124
Ausblick und mögliche Perspektiven über das zukünftige Leben der Himba unter dem Einfluss des Tourismus 131
Resumée 139
Literaturverzeichnis 141
Anhang 151
II. Didaktischer Teil
Stundensequenz in Form eines projektorientierten Unterrichts mit dem Thema: „Die Himba - eine Stammeskultur im Nordwesten Namibias und wie sie durch den Tourismus vermarktet werden“
1. Didaktische Analyse
1.1 Einordnung der Stunde in den Lehrplan 156
1.2 Situative Bedingungen 157
1.2.1 Bemerkung zur Situation an bayerischen Gymnasien 157
1.2.2 Technische-methodische Voraussetzungen 158
1.3 Projetorientierter Unterricht als gesonderte Unterrichtsform 159
1.4 Lernziele 163
1.4.1 Soziale und methodische Ziele 163
1.4.2 Die Lernziele für die Unterrichtssequenz 164
2. Sachanalyse
2.1 Die Historie Namibias und von Kaoko 167
2.2 Die Himba und ihr traditionelles Leben 174
2.3 Die mediale Vermarktung der Himba 178
2.3.1 Im Fernsehen 178
2.3.2 Im Internet 179
2.3.3 In Reiseprospekten 180
3. Methodische Darstellung
3.1 Beschreibung des Stundenablaufes 182
3.2 geplante Stundenmodelle 186
3.3 geplante Tafelbilder 195
3.4 Weitere verwendete Unterrichtsmaterialien 195
Literaturnachweis 196
Anhang 199

Automatisiert erstellter Textauszug:

Allerdings ist dies oft nur „kommerzielle Vorsicht“, die Darstellungen und Texte haben lediglich einen „kosmetischen Charakter“. (BERTRAM, 1995, S.94) Als Fazit der Auswertung der Reiseprospekte kann man festhalten, dass zwar diverse Touren in das Kaokoland und zu den Himba angeboten werden, dem Touristen aber keine exakten Informationen gegeben werden. Ohne zusätzliche eigene Suche nach Informationen weiß der Reisende nicht, was ihn im Kaokoland und bei den Himba erwartet und was er sich unter den Himba und ihren Lebensweisen vorstellen kann. Verfolgt man die hier dargestellte Analyse inhaltlich, so ist festzustellen, dass die Reiseprospekte nur eingeschränkt jene Aussagen treffen, die z.B. nach GARCIA von Bedeutung wären. So erwähnt der Autor, dass die Beschreibung in den Reiseprospekten „in der Regel in eine mythische und/oder abenteuerliche Welt führen und es uns erlauben, sich mit ihren Helden zu identifizieren.“ (GARCIA, 1989, S.180) Des weiteren heißt es: [...]

Selbst die Reisebüros, die Touren in den Norden Namibias anboten, begrenzten sich auf den Etosha Nationalpark und die Caprivi Region im Nordosten. Einzige Ausnahme bei der Untersuchung war das Reisebüro „Tilman´s Reisen“ in Würzburg, das sich auf Afrikareisen und insbesondere auf Namibia spezialisiert hat. Trotz der sehr ausführlichen und kompetenten Beratung gab es jedoch auch dort Fehlinformationen über die politische Situation im Kaokoland. Die Lage an den Epupa-Fällen wurde sehr dramatisch dargestellt und betonte, dass es für Touristen, auf Grund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Angola, sehr gefährlich wäre, sich dorthin zu begeben. Die nördlichste zu empfehlende Grenze für die Reise wäre der Etosha Nationalpark.75 Als Ergebnis der Befragung in 13 Reisebüros ist die Schlussfolgerung erlaubt, dass der Tourist den Eindruck erhält, dass Namibia noch immer eine deutsche Kolonie mit dem entsprechenden europäischen Standard ist und man hier besonders gut Wüsten und wilde Tiere sehen kann. Nördlich des Etosha Parks soll es, den Befragungen nach, keine Bevölkerung und kein Leben mehr geben. In Wirklichkeit leben aber über 50% der Bevölkerung Namibias im zentralen Norden, dem ehemaligen Ovamboland. Über die „eigentlichen“ Einwohner Namibias, wie die San, Himba, Herero oder Ovambo konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Generell werden, wie schon kurz erwähnt, in den Reiseprospekten von TUI, Studiosus und Marco Polo Reisen nur Touren in den Süden Namibias und in den Etosha Nationalpark angeboten. Hierbei war das nördlichste Zielgebiet der Reisen der Etosha Nationalpark. Anders bei Meier´s Weltreisen, Ikarus Tours, GeBeCo – Reisen erleben, Wikinger Reisen und DerTour, in deren Prospekten vollständige Kaokoland-Reisen angeboten werden. Auffallend war, dass in vier der fünf Prospekte das Kaokoland mit dem alten südafrikanischen Begriff „Kaokoveld“ aus der Zeit der „homelands“ bezeichnet wurde76. In allen Katalogen werden die Himba, denen in erster Linie das Interesse entgegengebracht werden sollte, nur mit einem Satz abgehandelt [...]

Die Ausgangslage meiner Untersuchung war die, dass ein angeblich an einer Namibia Reise interessierter Kunde die Ursprünglichkeit des Landes erleben möchte. Es wurde dabei offenbart, dass der Kunde bereits vor vier Jahren zu einem 4wöchigen Urlaubsaufenthalt in Namibia war und dort eine Rundfahrt unternommen hatte mit Schwerpunkten im Süden und dem Etosha Nationalpark im Norden. Nun wolle man jedoch in weiter nördlich liegende Gebiete reisen, um die dortige Region kennenzulernen. Bei der fachkundigen Beratung wurde in allen 13 Reisebüros auf die entsprechenden Reisekataloge zurückgegriffen, da, ausser in einem in Würzburg ansässigen Reisebüro, kein Angestellte im Stande war, genauere Informationen über eine Reise in den Norden Namibias zu erteilen. Die Angestellten konnten zwar eine Rundreise bis zum Etosha Nationalpark ausarbeiten, doch konnte die Frage, ob es noch ursprüngliche Volksstämme in Namibia gebe, die noch nach ihren alten Traditionen leben, nicht beantwortet werden. Auf die direkte Frage nach den Himba im Kaokoland habe ich aus diesen Gründen verzichtet. Die Frage nach Eingeborenen wurde von 12 der 13 befragten Angestellten dahingehend beantwortet, dass es in Namibia keine Eingeborenen gibt. Sechs der Angestellten verwiesen auf Rundreisen, die Südafrika mit einschlössen, ein Reisebüro empfahl Tansania und Kenia als „richtiges“ Afrika73. Besonders hervorgehoben wurden bei den Befragungen die deutsche Kolonialgeschichte und das europäische Flair in Namibia. Ein „ursprüngliches“ Namibia gebe es daher nicht74. [...]

Arbeit zitieren:
Priebe, Anja-Kristin April 2001: "Himba sind glücklichere Menschen", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Semi-Nomadismus, Entwicklungsländer, Wirtschaftsgeographie, Mediale Vermarktung, Projektorientierter Unterricht

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