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"Das hatten wir uns aber anders vorgestellt!"

Gesprächsreihen mit Frauen über die Veränderung der Paarbeziehung durch das erste Kind

"Das hatten wir uns aber anders vorgestellt!"
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kathrin Gooßen
  • Abgabedatum: Mai 2009
  • Umfang: 391 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0732-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gooßen, Kathrin Mai 2009: "Das hatten wir uns aber anders vorgestellt!", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Partnerschaft, Konflikt, Krise, Kind, Schwangerschaft

Diplomarbeit von Kathrin Gooßen

Einleitung:

Entschließen sich Paare, eine Familie zu gründen, erhoffen sie meist, ihr Beziehungsglück durch ein gemeinsames Kind noch zu vervollkommnen und ihr Gefühl der Zusammengehörigkeit zu vertiefen. Sie richten auf den ersehnten Nachwuchs viele Hoffnungen und Wünsche und möchten ihrem Kind das Bestmögliche bieten. Die idealistischen Vorstellungen, mit denen Paare häufig ihren Weg in die Elternschaft beginnen, stehen oftmals im herben Gegensatz zu dem, was in der Realität tatsächlich entsteht.

Das erste Kind scheint tatsächlich eine schwere Bewährungsprobe für die Beziehung darzustellen. Zum einen sind die Partner durch die neue, gemeinsame Verantwortung verstärkt aufeinander angewiesen, zum anderen kommt es zum Verlust der Zweisamkeit. Erschwerend kommen Ermüdung, Erschöpfung und Überbelastung hinzu. In der Stressforschung wird beim Übergang vom Paar zur Familie von einem kritischen Lebensübergang gesprochen, welcher eines starken Bewältigungspotentials des Paares bedarf. Dieser Übergang kann zugleich Chance und Gefahr für die Beziehung der Partner bedeuten.

Ratgeber sind häufig undifferenziert und stiften eher Verunsicherung als dass sie eine Hilfe darstellen. Ebenso kann die Tabuisierung sehr belastend sein, besonders wenn man sich gerade selbst in dieser Situation befindet, die möglicherweise aussichtslos erscheint. Die Schwangerschaft bedeutet einen unumkehrbaren Weg.

In dieser Forschungsarbeit soll es darum gehen, Paaren eine realistische Sicht auf den Umbruch zu geben, den der Übergang der Paarbeziehung zur Familie bedeutet. Es wird die These aufgestellt, dass die Qualität und Stabilität der Beziehung vor dem Hinzukommen des Babys und eine unverzerrte Sicht auf die Zukunft entscheidend für das Gelingen der Partnerschaft innerhalb der neu gegründeten Familie sind.

Mein Bezug zum Thema:

Vor einigen Jahren veränderte der Beginn meiner Schwangerschaft die Beziehung zu meinem Partner auf ganz vielschichtige Weise. Beim Lesen zahlreicher Ratgeber musste ich enttäuscht feststellen, dass dort diese Thematik fast unberührt bleibt. Die Darstellungen waren größtenteils klischeehaft und der Partner meist uneingeschränkt fasziniert von allen Veränderungen. Auch in Spielfilmen sind die Schwangerschaft und der Übergang zur Erstelternschaft sehr beliebte Themen, die aber oftmals einseitig, beschönigend und äußerst unrealistisch dargestellt werden. Jedoch kann das Erleben der Schwangerschaft bei möglicherweise fehlenden oder abwertenden Reaktionen des Partners für die Frauen durchaus ganz negativ beeinflusst werden. Deshalb waren diese Bücher und die anderen Medien - gemessen an der möglichen Belastung - für Rat suchende Paare und vor allem für die schwangeren Frauen wenig hilfreich.

In vielen Ratgebern und Zeitschriften gab es Hinweise darauf, dass sich die Partnerschaft insgesamt nachhaltig verändert, sobald ein Paar ein Kind erwartet. Es wurde angedeutet, dass in der Zeit danach nichts mehr so sein würde wie vorher. Diese undifferenzierten Andeutungen beunruhigten mich eher und warfen viele Fragen nach den zugrunde liegenden Ursachen auf:

Was genau wird denn anders sein als vorher? Welche Partnerschaften sind besonders gefährdet? Und weshalb? Gibt es Schutzfaktoren? Kann man trotz Elternschaft ein Liebespaar bleiben oder schließt beides einander aus? Sind die Veränderungen schon in der Schwangerschaft planbar und eventuell schon im Vorfeld überschaubar, damit man nicht unvorbereitet in die neue Situation gerät?

In der Magazinen und Zeitschriften bzw. in Ratgebern für junge Eltern sah man stets die strahlenden Mütter mit den Babys und die überglücklichen Väter meist dicht daneben. Kaum ein Gedanke, dass diese abgebildete Harmonie auch von Enttäuschungen, Verletzungen, Streit, Vorwürfen, Traurigkeit getrübt sein könnte. Das Leben dieser Paare schien nach den überschaubaren Veränderungen glücklich weiter zu gehen. Nette Berichte über den gemeinsamen, unbeschwerten Alltag mit dem Baby deckten sich allzu oft in keiner Weise mit der erlebten Realität. Es ist vorstellbar, dass Frauen und auch Paare, die diese freudestrahlenden, fröhlichen Elternpaare in fast allen Zeitschriften sehen, sich noch mehr unter Druck gesetzt und verunsichert fühlen, wenn es offensichtlich nur bei ihnen so anders ist und die dauerhafte Harmonie misslingt, sich ihr erlebter Alltag von den Darstellungen deutlich unterscheidet.

Es gab wiederum auch Veröffentlichungen, in denen der Übergang zur Familie als große Krise für die Beziehung dargestellt wurde. Es war sogar vom so genannten ‘Babyschock’ bzw. ‘ Erst-Kind-Schock’ die Rede. Dieses Schlagwort verunsicherte sicherlich nicht nur mich sehr. Außer der Umschreibung dieses Begriffs und der Feststellung, dass davon immer mehr Paare betroffen sind, gab es kaum Hinweise, wie dieses Phänomen zu umgehen sei. Fast lag der Gedanke nah, dass es eine Unabänderlichkeit sei.

Mit Freundinnen war ein reger Austausch über dieses Thema möglich. Ich merkte, dass es ihnen teilweise ähnlich ergangen war und sie sich oftmals hilflos und unsicher fühlten. Stellenweise kam es zu schwelenden Konflikten in der Partnerschaft, die sie sogar längerfristig sehr belasteten. In Gesprächen über Sexualität in der Schwangerschaft und der Zeit danach stellte ich fest, dass es ein Thema ist, welches mit reichlich Scham und Tabuisierung einhergeht, da es auch hier zu großen, teilweise unerwarteten und unliebsamen Veränderungen kommt. Es ist halt so und wird so hingenommen.

Ich möchte Frauen befragen, wie es ihnen ergangen ist, über welche Erfahrungen sie berichten können, wie ihr inneres Erleben während dieses großen Schrittes aussah, wie sich ihre Partnerschaft veränderte, was sie stärkte, was sie belastete. Denn jedes werdende Elternpaar scheint Veränderungen zu unterliegen, welche natürlich individuelle Verläufe aufzeigen, aber bestimmt auch Parallelen miteinander haben. Ich möchte in dieser Arbeit Frauen und auch Paare ermutigen, die Zeit der Schwangerschaft und Übergang zur Elternschaft trotz auftauchender Krisen als Gewinn zu betrachten. Obwohl und gerade weil Vieles aus der eigenen und der gemeinsamen Geschichte als Paar eine Rolle spielt, kann diese Zeit eine bedeutende Entwicklungschance darstellen.

Ziel meiner Arbeit soll es sein, dass Frauen und Paare sich nach dem Lesen meiner Arbeit nicht allein fühlen, sondern entdecken können, dass auch andere Paare in ähnlichen Situationen Probleme hatten und haben, wie die Betroffenen damit umgingen und wie die Krisen möglicherweise bewältigt werden konnten. Insgesamt hoffe ich, aufkommende Gefühle der Resignation und Ohnmacht entgegen zu wirken und klare Hilfe aufzeigen zu können.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Mein Bezug zum Thema 1
1.2 Zielsetzung und Grundannahmen 4
1.3 Aufbau der Arbeit 6
2. Theorieteil
2.1 Elternschaft als bedeutsame Erfahrung 8
2.2 Einordnung des Übergangsprozesses zur Erstelternschaft in den Lebenszyklus 9
2.2.1 Kennzeichen gelingender Partnerschaften 10
2.2.2 Kinderwunsch 10
2.2.3 Reorganisation der Rollen 11
2.3 Bedeutung von Einstellungen und Vorbereitungen beim Übergang zur Elternschaft 11
2.3.1 Einstellungen zur Schwangerschaft und Elternschaft 11
2.3.2 Geplantheit der Schwangerschaft 12
2.3.3 Qualität und Dauer der vorgeburtlichen Partnerschaft 13
2.3.4 Partnerschaftszufriedenheit vor der Schwangerschaft 13
2.3.5 Übergang von der Beziehungsdyade zur Familientriade 14
2.4 Schritte des Übergangs zur Elternschaft 15
2.4.1 Phasenmodell nach Gloger-Tippelt 15
2.4.2 Anmerkungen zu diesem Modell 21
2.4.3 alternative Modelle 22
2.5 Auswirkungen und Veränderungen der Partnerschaft in Folge des Übergangs zur Elternschaft 22
2.5.1 Modell kritischer Lebensereignisse nach Filipp 23
2.5.2 Folgen der Erstelternschaft für die Partnerschaft (personseitig, interaktional) 24
2.5.2.1 Belastungserleben 24
2.5.2.2 Zeit- eine knappe Ressource 25
2.5.2.3 Kommunikation und Konfliktstile 27
2.5.2.4 Aufgabenneuverteilung und Traditionalisierung 29
2.5.2.5 Sexualität 32
2.5.2.6 Zufriedenheit mit der Partnerschaft 35
2.6 Dauer der nachteiligen Veränderungen für die Paarbeziehung 36
2.7 Bereicherung durch Elternschaft 37
3. Methodischer Teil
3.1 Entwicklung der Fragestellung 39
3.2 Wahl der Methode 40
3.3 Das Erhebungsverfahren 43
3.3.1 Auswahl der Stichprobe 45
3.3.2 Die Suche nach den Gesprächspartnerinnen 45
3.3.3 Das Selbstklärungsgespräch 47
3.3.4 Die Durchführung der Gespräche 48
3.4 Der Auswertungsprozess 50
3.4.1 Die Transkription der Gespräche 50
3.4.2 Die Verdichtungen 51
3.4.3 Die kommunikative Validierung 52
3.4.4 Die Einzelauswertungen 53
3.4.5 Die Gesamtauswertungen 53
4. Empirischer Teil
4.1 Die Gespräche mit Pinaruh 56
Die Beziehung vor der Schwangerschaft 56
Die Beziehung in der Schwangerschaft 61
Die Geburt und die erste Zeit zu dritt 68
Die Beziehung als Elternpaar in den ersten sechs Monaten 70
Die Entwicklung der Beziehung bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes 81
4.2 Die Gespräche mit Sina 99
Die Beziehung vor der Schwangerschaft 99
Die Beziehung in der Schwangerschaft 103
Die Geburt und die erste Zeit zu dritt 113
Die Beziehung als Elternpaar in den ersten sechs Monaten 115
Die Entwicklung der Beziehung bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes 125
4.3 Die Gespräche mit Silke 135
Die Beziehung vor der Schwangerschaft 135
Die Beziehung in der Schwangerschaft 138
Die Geburt und die erste Zeit zu dritt 144
Die Beziehung als Elternpaar in den ersten sechs Monaten 146
Die Entwicklung der Beziehung bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes 154
Die Paarbeziehung 2,5 Jahre nach der Geburt des Kindes 165
4.4 Die Gespräche mit Franziska 176
Die Beziehung vor der Schwangerschaft 176
Die Beziehung in der Schwangerschaft 180
Die Geburt und die erste Zeit zu dritt 190
Die Beziehung als Elternpaar in den ersten sechs Monaten 191
4.5 Die Gespräche mit Aurelie 200
Die Beziehung vor der Schwangerschaft 200
Die Beziehung in der Schwangerschaft 205
Die Geburt und die erste Zeit zu dritt 227
Die Beziehung als Elternpaar in den ersten sechs Monaten 233
Die Entwicklung der Beziehung bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes 248
5. Auswertung
5.1 Einzelauswertungen 263
5.1.1 Einzelauswertung Pinaruh 265
Das emotionale Miteinander als Paar 265
Organisation/Aufteilung der Aufgaben 268
Sexualität 269
Selbstbild als Frau/Mutter/Partnerin 270
Vergleichende Betrachtung der vorgestellten Veränderungen mit der tatsächlichen Elternschaft 272
5.1.2 Einzelauswertung Sina 279
Das emotionale Miteinander als Paar 279
Organisation/Aufteilung der Aufgaben 282
Sexualität 283
Selbstbild als Frau/Mutter/Partnerin 285
Vergleichende Betrachtung der vorgestellten Veränderungen mit der tatsächlichen Elternschaft 288
5.1.3 Einzelauswertung Silke 295
Das emotionale Miteinander als Paar 295
Organisation/Aufteilung der Aufgaben 297
Sexualität 298
Selbstbild als Frau/Mutter/Partnerin 301
Krankheit und Trennung 302
Vergleichende Betrachtung der vorgestellten Veränderungen mit der tatsächlichen Elternschaft 304
5.1.4 Einzelauswertung Franziska 312
Das emotionale Miteinander als Paar 312
Organisation/Aufteilung der Aufgaben 315
Sexualität 317
Selbstbild als Frau/Mutter/Partnerin 318
Vergleichende Betrachtung der vorgestellten Veränderungen mit der tatsächlichen Elternschaft 320
5.1.5 Einzelauswertung Aurelie 323
Das emotionale Miteinander als Paar 323
Untreue 327
Organisation/Aufteilung der Aufgaben 329
Sexualität 330
Selbstbild als Frau/Mutter/Partnerin 331
Vergleichende Betrachtung der vorgestellten Veränderungen mit der tatsächlichen Elternschaft 335
5.2 Gesamtauswertungen 340
5.2.1 Tabellarische Gegenüberstellung der Entwicklungsprozesse 341
6. Diskussion der Ergebnisse
6.1 Paarzeit 354
6.2 Aufgabenteilung 356
6.3 Sexualität 358
6.4 Mögliche Untreue des Partners 361
6.5 Streitpunkte 362
6.6 Liebe/Zuneigung 364
6.7 Partnerschaftszufriedenheit 366
6.8 Erwünschtheit des Kindes 370
6.9 Sorgen/ Befürchtungen 370
6.10 Veränderungen von Einstellungen und Vorstellungen 372
6.11 Bezug zu den Grundannahmen 374
7. Kritik und weiterführende Fragestellungen 376
8. Verwendete Literatur

Textprobe:

Kapitel 4.2, Gespräche mit Silke:

Ich lernte Silke durch meinen Aushang im Geburtshaus Altona kennen, dort nahm sie an einem Geburtsvorbereitungskurs teil. Silke war 33 Jahre alt, ihr Freund Sven und sie kannten sich schon seit acht Jahren. Sie hatten sich als Studenten (Journalistik) kennen gelernt, als sie beim NDR zusammen arbeiteten, daraus entwickelte sich nach relativ langer Zeit eine Freundschaft, die sehr eng war.

Zwischenzeitlich lebte sie in Berlin, dort arbeitete sie einige Jahre. Als sie zurück nach Hamburg zog, wurde daraus eine ‘Paargeschichte’. Zum Zeitpunkt unseres ersten Gespräches waren beide anderthalb Jahre in einer festen Beziehung und seit einem halben Jahr auch verheiratet.

1, Beziehung vor der Schwangerschaft:

A, Das Miteinander als Paar:

Dauerkrise:

Dauerkrisenthema ist...,wie diese Beziehung überhaupt entstanden ist Die große Vertrautheit zwischen beiden führte dazu, dass der Beziehung von Beginn an Leidenschaft fehlte, Silke haderte schon sehr lange damit:

Was bei uns so eine Art Dauerkrisenthema ist, ist dieses Problem, wie diese Beziehung überhaupt entstanden ist. Es ist oft mehr so, dass sie so einen Freundschaftscharakter hat. Also es ist mir oft zu wenig... Intensität kann man gar nicht sagen, denn wir reden sehr, sehr viel... ich glaube, es ist eher Leidenschaft, die da fehlt. Es war von Anfang an so, wie früher Beziehungen so nach ein, zwei Jahren waren. Also mit einer sehr großen Vertrautheit, dass man sehr gut miteinander reden kann. Es hat halt so alles gut geklappt, nur halt dieses Eingefahrene und das Leidenschaftslose, was dann irgendwann reinkommt. Was wahrscheinlich auch gar nicht was Schlechtes ist. Aber da habe ich lange mit gehadert, damals auch schon.

Sven war anders als Silke, er haderte nicht mit dieser ‘Eingefahrenheit’. Er fand es gut so, wie es war:

Er ist da einfach anders gestrickt als ich. Er vermisst das nicht, nee, er findet das gut. Ich glaube, er ist zufrieden. Er hatte vorher immer Freundinnen, die kenn ich leider persönlich alle nur flüchtig, aber ich weiß es aus seinen Erzählungen, mit denen er Beziehungen hatte, wo halt viel Leidenschaft war, aber auch viel Chaos. Weil es sehr emotionale Frauen waren, es gab immer sehr viel Streitereien und Geheule und Versöhnungen. Sehr viel Dramatik und so, was er vielleicht ein bisschen damit verknüpft. Ich glaube, deswegen ist er ganz froh, dass es bei uns jetzt nicht so ist. Eben ein bisschen solider. Und er ist auch eher so ein solider Typ.

Wohnsituation:

... irgendwann gewöhnt man sich dran, dass man zusammen wohnt Seit anderthalb Jahren lebten Silke und Sven in einer Wohnung, die Silke zuvor allein bewohnt hatte:

Weil sowieso ständig einer beim anderen war und einfach die Hin- und Herfahrerei so nervig war. Es ist auch einfach viel praktischer.

Es brauchte eine gewisse Zeit, bis sich Silke an das Zusammenleben gewöhnen konnte, denn nun lebten sie als Paar zusammen:

Es gab zwar noch einmal so eine sentimentale Phase, als wir seine Wohnung ausgeräumt haben (er ist bei mir eingezogen), das war auch nicht so wirklich gut. Als ich mich dann erinnert habe an früher, wenn ich dann da gewesen bin zu Besuch... Als ich in Berlin gewohnt habe, war ich am Wochenende, wenn ich nach Hamburg gefahren bin, immer bei ihm. Wir hatten halt einfach auch gute Zeiten in dieser Wohnung und dann einen Abschied nehmen von dieser Freundschaftsphase, das ist mir noch eine Zeitlang sehr nahe gegangen, so ein, zwei Wochen. Und irgendwann gewöhnt man sich dran, dass man zusammen wohnt. Das klappt halt auch. Das ist okay. Wobei wir sehr unterschiedlich sind, was jetzt so Ordnung und solche Sachen anbelangt.

Freiräume innerhalb der Beziehung:

Das war halt für mich auch noch neu.

Silke empfand das Zusammenziehen als belastend, da die Beziehung bis dahin mit sehr vielen Freiheiten verbunden war:

Ja, ich denke, dass wir beide Menschen sind, die sehr gut alleine klar kommen und auch sehr viel Freiraum für sich selbst brauchen. Das war schon ein Problem, gerade beim Zusammenziehen. Weil man sehr aufeinander hockt. Sven ist es zumindest noch gewohnt, er hat immer in WG`s gewohnt vorher mit irgendwem zusammen. Er kennt zumindest so die Abläufe, also das halt immer jemand in der Wohnung ist und so weiter... Das war halt für mich auch noch neu und das fand ich schon ziemlich belastend.

B, Kinderwunsch:

Wunsch nach einem gemeinsamen Kind:

Es war überhaupt kein Thema bei uns.

Zunächst ging es um die Form der Beziehung, die anfänglich als enge Freundschaft begann und beide überlegten nun, ob es etwas ‘Festes’ werden könnte oder eher eine Affäre:

Als wir dann zusammen waren, da war es dann klar, dass es auf jeden Fall etwas ist, was länger dauert oder was halt ernster ist. Das hat schon bei uns beiden Heirat und vielleicht auch Kinder irgendwann mal impliziert, aber natürlich in der fernen Zukunft mal, irgendwann.

Es gab bei beiden nur einen zeitlich sehr unbestimmten Kinderwunsch:

Für mich und auch für Sven war klar, dass man mal irgendwann mal Kinder haben will, und irgendwann....Wie das halt ist, wenn man 20 ist, denkt man mit 30 und wenn man 30 ist, denkt man ja, mit 32 und man schiebt es halt immer weiter auf. Es wäre sicherlich auch noch ein paar Jahre so weiter gegangen. Irgendwann denke ich, entscheidet man sich dann.

C, Sexualität:

Freundschaft wurde zur Beziehung:

Es gab eigentlich keine Phase einer richtigen Verliebtheit Silke und Sven verband eine langjährige Freundschaft, die dann in einer Beziehung endete. Es gab eigentlich keine Phase einer richtigen Verliebtheit, weil wir uns ja schon soo lange kannten. Und weil ich vorher das Gefühl hatte, ich liebe ihn als sehr guten Freund. Daran hat sich eigentlich nicht groß was geändert. Es gab halt früher immer eine sexuelle Spannung, deshalb ist es dann ja auch am Ende so gekommen, das wir nicht mehr nur Freunde waren, denke ich mal. Also als wir Freunde waren, da knisterte es etwas zwischen uns.

Sexualität:

(es gibt) Phasen, wo ich mich dann nicht begehrt fühle.

Die fehlende Verliebtheit wirkte sich auch schon recht früh auf die Sexualität aus:

Deswegen hat Sexualität eine sehr untergeordnete Rolle gespielt, von Anfang an eigentlich. Was gefehlt hat ist diese Geschichte, dass man jemanden kennen lernt und ist richtig verliebt ineinander. Dann gibt es eben diese Phase, wo man wochenlang aus dem Bett nicht rauskommt und solche Sachen. Das gab es bei uns einfach nicht. Ich hab es manchmal als ein bisschen lästig empfunden, er aber gar nicht, er fand es okay.

Es gab unterschiedliche Vorstellungen von dem Stellenwert der Sexualität in einer Beziehung. Silke fühlte sich nicht begehrt:

... ich habe es nicht angesprochen. Weil ich auch zum Anfang nicht gedacht hätte, dass das ein tatsächlich Problem wird. Also es kam als Thema relativ schnell auf... Einfach, weil ich Phasen habe, wo ich mich dann nicht begehrt fühle. Ich habe da eher ein Defizit gespürt. Ich wollte bedeutend mehr, für ihn war es aber wirklich okay so.

Arbeit zitieren:
Gooßen, Kathrin Mai 2009: "Das hatten wir uns aber anders vorgestellt!", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Partnerschaft, Konflikt, Krise, Kind, Schwangerschaft

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