"... und er schloss sie zärtlich in die Arme".
Jugend und ihr triviales Abbild am Beispiel der "Abgeschlossenen BRAVO-Romane"
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Stefan Rehberger
- Abgabedatum: April 2000
- Umfang: 133 Seiten
- Dateigröße: 818,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2648-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2648-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2648-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Rehberger, Stefan April 2000: "... und er schloss sie zärtlich in die Arme"., Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Konsum, BRAVO, Pop, Jugend, Trivialliteratur
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Magisterarbeit von Stefan Rehberger
Gang der Untersuchung:
In einem einführenden Teil wird es darum gehen, die Zeitschrift BRAVO selbst anhand ihrer Media-Daten und Geschichte vorzustellen. Zwar gibt es wohl kaum jemanden, dem die BRAVO gänzlich unbekannt ist und wahrscheinlich hatte jeder schon einmal eines der Hefte in der Hand. Doch sind Kenntnisse über Entwicklung und Geschichte wichtig, um das Blatt besser verorten zu können, vor allem wenn es in einem späteren Teil um die Ideologie und das Weltbild der BRAVO gehen wird.
Im Unterschied zu vergleichbaren Erscheinungsformen der Trivialliteratur wie etwa dem Heftchenroman steht der Abgeschlossene BRAVO-Roman nicht für sich, sondern ist nur eine Rubrik unter vielen, nur eine Seite in einer Zeitschrift mit einem Umfang von deren 70. Ohne Frage wirkt sich dieser Umstand auf die Rezeption aus. Es ist daher wichtig, auch den Rest der Zeitschrift, seine Formen, Inhalte und die Leseransprache, zu betrachten.
Schließlich wird es in diesem Teil um die Leser der BRAVO selbst gehen. Wie sieht der typische BRAVO-Leser aus, wie alt ist er und wie ist seine Lebenssituation?
Teil 2 befasst sich mit Jugendforschung. Bevor die Romane selbst in den Fokus rücken, also die „triviale Jugend“, wie sie in den Texten repräsentiert wird, muss geklärt werden, wie die tatsächliche Jugend in unserer heutigen Realität beschaffen ist. Wenn wir das Abbild untersuchen wollen, sollten wir auch das Original selbst kennen. Das klingt als Vorhaben sicherlich reichlich naiv. Denn könnte dies gelingen, so wäre der Autor dieser Arbeit binnen kurzem stark gefragter Gast von Talkshows, Politikern, Pädagogen und Verbänden – eben aller, die sich seit Jahren vergeblich bemühen, „die Jugend“ zu verstehen. Da auch ich mir dies nicht anmaßen möchte, kann es also lediglich darum gehen, Zustände und Tendenzen zu referieren, die die aktuelle Jugendforschung beschreibt. Diese Tendenzen werden oft in Schlagwörter gefasst und sind meist aus den Medien geläufig. Es wären hier bspw. zu nennen: Individualisierung, Ästhetisierung, Bildung von Subkulturen, bzw. das Ende der Subkulturen, Hedonismus, Sinnsuche und Auflösung des Selbst. Diese Begriffe selbst sind in der Jugendforschung umstritten, und es würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen, sollten sie hier noch im einzelnen diskutiert werden. Deshalb werde ich sie erörtern und verwenden nur soweit sie für den engen Rahmen meiner Frage von Belang sind.
Teil 3 befasst sich mit den BRAVO-Romanen und der Art und Weise, wie Jugendliche und jungendliches Leben in ihnen dargestellt wird. Wie bereits erwähnt, hat die Beschäftigung mit Trivialliteratur in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark nachgelassen. Ein kurzer Abriss soll daher zunächst die wichtigsten Ansätze und Standpunkte ins Gedächtnis rufen. Dann wird es darum gehen, die Gattung der BRAVO-Romane näher zu bestimmen. Hierzu wird es notwendig sein, in diachronischer Sicht die Entwicklung dieses Heftteils zu verfolgen: Vom Beginn als Fortsetzungsroman über den „Abgeschlossenen Roman“ bis hin zur aktuellen Entwicklung zum authentischen Erlebnisbericht Jugendlicher (Stand: 13.10.1999).
Nachdem die Gattung in Bezug auf das Heft analysiert wurde, wird es darum gehen, den Begriff des Romans selbst zu problematisieren. Hier ist weniger daran gedacht, sich an Romantheorie abzuarbeiten – denn dass es sich bei den Texten nicht um Romane handelt ist offenbar, Länge und Aufbau entsprechen eher der klassischen Kurzgeschichte. Vielmehr soll untersucht werden, wie der Begriff „Roman“ hier in einem Massenmedium quasi als Garant für Erhabenes und sozusagen gehobene Kultur instrumentalisiert wird.
Von der Gattung im Allgemeinen bewege ich mich weiter auf die Textebene der Romane. Als repräsentativen Ausschnitt wähle ich einen kompletten Jahrgang, nämlich die Hefte 42/1998 bis 41/1999, also bis zur Absetzung der Romane.
Die Romane in diesem Zeitraum sollen zunächst empirisch ausgewertet werden im Hinblick auf Protagonisten, Umgebung und Art der Handlung. Hieraus dürfte bereits erhellen, wie die typische BRAVO-Jugend-Lebenswelt beschaffen ist. Anhand ausgewählter Beispiele, die auch im inhaltlichen Teil analysiert werden, möchte ich mich weiterhin mit der Struktur der Texte beschäftigen und betrachten, wie die Geschichten gebaut sind und welche etwaigen Grundmuster hier vorliegen. Anschließend wird es um die Art und Weise der Beschreibung gehen. Es wird zu zeigen sein, wie der Text Identifikationsangebote unterbreitet, mit welchen Mitteln der Leser gelenkt wird und wie Figuren als Funktionsträger benutzt werden.
In Teil 3.3 sollen vor dem Hintergrund der bisherigen Darstellungen die Besonderheiten der jugendlichen Protagonisten und ihres Verhaltens in den Romanen analysiert werden.
Thematisch lassen sich die Romane grob in zwei Gruppen einteilen: Liebesgeschichten und solche, in denen die Protagonisten in eine Konflikt- oder Problemsituation geraten. Selbstverständlich gibt es auch Mischformen. Diese werden in der Folge, wenn es darum geht, wie Konflikte gelöst werden, von besonderem Interesse sein.
Bei der Analyse von Beispielen aus der ersten Gruppe wird vor allem das Verhältnis von Jungen und Mädchen in den Blickpunkt rücken. Welche Rollenbilder liegen hier vor, welches Verhalten führt zum Erfolg, bzw. zur Partnerschaft?
Bei den „Problemgeschichten“ ist zunächst zu untersuchen, welche Probleme Jugendlicher hier aufgegriffen werden. Mit Hinblick auf die vorangegangenen Darstellungen von Forschungen zur Jugendkultur wird zu bewerten sein, inwieweit diese Probleme tatsächliche und relevante sind, welcher Art die hier vorgenommene Auswahl ist oder ob gar eine wie auch immer geartete Selektion oder auch Zensur stattfindet.
Ferner sollen verschiedene Aspekte jugendlichen Lebens betrachtet werden, wie sie in den Geschichten direkt oder indirekt auftreten. Hierzu zählen die Rolle der Clique und das Verhältnis des Jugendlichen zur Außenwelt, vor allem zur Welt der Erwachsenen, wie sie ihm in Gestalt von Schule, Eltern oder Staat entgegen tritt. Ein besonders spannender Aspekt ist der Umgang mit Problemen und Konflikten. Wie werden Konflikte ausgetragen und gelöst, bzw. werden sie überhaupt gelöst?
Abschließend möchte ich der Frage nachgehen, welche Werte und Ideale durch die BRAVO-Romane propagiert werden. Den Fakten ihrer Geschichte zum Trotz versteht sich die BRAVO offiziell als geradezu progressives Blatt, das die Interessen und Probleme junger Menschen offensiv aufgreift. Vor diesem Hintergrund sollen die Geschichten nochmals ideologiekritisch befragt werden. Es wird der Versuch gemacht, aus allen analysierten Geschichten den „idealen Jugendlichen“ zu destillieren, der sich immer richtig verhält und als Vorbild für den Leser stehen soll.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 4 | |
| 1. | Die BRAVO | 10 |
| 1.1 | Geschichte und Heute | 10 |
| 1.2 | Image und Erscheinung | 12 |
| 1.3 | Die BRAVO und die Konsumkritik | 15 |
| 1.4 | Der BRAVO-Leser in Zahlen | 17 |
| 1.5 | Der Aufbau und die einzelnen Rubriken des Heftes | 17 |
| 2. | Jugend heute | 23 |
| 2.1 | Was ist „Jugend“? | 23 |
| 2.2 | Jugend als Aufgabe | 25 |
| 2.3 | Sozialisationsinstanzen | 26 |
| 2.3.1 | Die Familie | 27 |
| 2.3.2 | Die Schule | 28 |
| 2.3.3 | Die Gleichaltrigen | 30 |
| 2.3.3.1 | Bester Freund, beste Freundin | 31 |
| 2.3.3.2 | Fester Freund, feste Freundin | 32 |
| 2.3.3.3 | Cliquen | 33 |
| 2.4 | Geschlechterverhältnis | 35 |
| 2.5 | Konsum | 36 |
| 2.6 | Hedonismus und „Fun“ | 37 |
| 2.7 | Kriminalität und deviantes Verhalten | 38 |
| 3. | Die Darstellung von Jugend in den „Abgeschlossenen BRAVO-Romanen“ | 40 |
| 3.1 | Trivialliteratur | 40 |
| 3.2 | Der Abgeschlossene BRAVO-Roman | 43 |
| 3.2.1 | Geschichte | 43 |
| 3.2.2 | Textebene | 46 |
| 3.2.2.1 | Die Personen und ihre Konstellation | 47 |
| 3.2.2.2 | Strukturen und Grundmuster der Romane | 55 |
| 3.2.2.3 | Sprache und Erzählweise | 56 |
| 3.2.3 | Inhaltsebene | 58 |
| 3.3 | Analyse einzelner Themen und ihrer Verarbeitung | 60 |
| 3.3.1 | Jungen und Mädchen | 60 |
| 3.3.1.1 | „Retter“ und „Opfer“ | 63 |
| 3.3.1.2 | Die „Mäßigende“ und der „Leichtsinnige“ | 67 |
| 3.3.1.3 | Die „Jungenhafte“ | 70 |
| 3.3.1.4 | Das „Biest“ | 74 |
| 3.3.1.5 | Resümee | 75 |
| 3.3.2 | Die Clique | 76 |
| 3.3.3 | Jugendliche und Erwachsene | 78 |
| 3.3.3.1 | Eltern | 78 |
| 3.3.3.2 | Lehrer | 81 |
| 3.3.3.3 | Staat und Gesetz/ Kriminalität und deviantes Verhalten | 83 |
| 4. | Schluss | 90 |
| Literaturverzeichnis | 95 | |
| Anhang | 98 | |
| Erklärung | 125 | |
| Lebenslauf | 126 | |
| Kurzbeschreibung der Arbeit | 128 |
Helsper, der sich mit der postmodernen Auflösung des jugendlichen Selbst beschäftigt, sieht im Ideal des „gut-drauf-seins“ und in der Suche nach Intensität, bspw. in den heute zunehmend populären Extremsportarten, die Reaktion auf die erlebte Sinnlosigkeit, Zerrissenheit und Selbstzweifel. „Dort, wo Erlebnisintensität herrscht, etwa in den Thrills, Flips und Extasen der Jugendkultur, stellt sich die Frage nach Sinn und Originalität nicht.“86 Gleichzeitig kann das Erlebnis – welcher Art auch immer – dazu dienen, sich gegen andere Jugendliche abzugrenzen und zu behaupten. Die genannten Standpunkte müssen aber nicht notwendig als einander widersprechend gesehen werden. Vielmehr lassen sie sich vereinen in einem Bild vom Jugendlichen als realistisch in die Zukunft blickenden, „funktionierenden“ jungen Staatsbürger, der sich über Sinnfragen durch die Angebote der Freizeit- und Konsumgüterindustrie hinweg tröstet. Ein millionenfach anschauliches und dazu prägnantes Beispiel hierfür sind Techno-Bewegung und Love-Parade. [...]
so über ihre unmittelbare Funktion hinaus zu Requisiten des persönlichen Auftritts gegenüber den Peers. „Die Bestätigung und Bestärkung der Persönlichkeit wird auf diesem Wege über das demonstrative Zur-Schau-Stellen von bestimmten Konsumgütern gesteuert.“82 Der Kaufkraft des Jugendlichen, der Potenz, sich mit den entsprechenden Attributen zu versehen, kommt damit entscheidende Bedeutung für die Präsentation der eigenen Persönlichkeit zu. Dieses Vermögen ist immer relativ, denn der Jugendliche steht in permanentem Wettbewerb mit den Gleichaltrigen. Ist er nicht in der Lage, dem Konsumdruck nachzukommen, ist dies mitunter mit erheblichen psychischen und sozialen Spannungen verbunden, deren Folge niedriges Selbstwertempfinden oder gar aggressive und delinquente Verhaltensweisen sein können83. Ein großer Teil der Jugendlichen geht neben der Schule einer Erwerbstätigkeit nach, vorwiegend um die eigenen Konsummöglichkeiten zu verbessern. [...]
Das eigene, frei verfügbare Geld, das Gewicht als Wirtschaftsfaktor, gab den Jugendlichen ein neues Selbstbewusstsein (wenn auch zunächst nur als Konsumenten), und es war der demonstrative Konsum, in dem sich dieses manifestierte und durch den sich die Jugendlichen als gesellschaftliche Gruppe von anderen abgrenzten. Grenzen sich die Jugendlichen insgesamt durch ihr Konsumverhalten und die damit suggerierte Lebensart vom Rest der Gesellschaft ab – was heute, da „Jugendlichkeit“ zu einem der Ideale schlechthin geworden ist, sicher weitaus schwieriger ist als noch in den 70er Jahren – so ist zu bemerken, dass der Konsum auch die Jugendlichen untereinander differenziert und ihnen ihren sozialen Rang in der Gleichaltrigengruppe zuweist: [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832426484
Arbeit zitieren:
Rehberger, Stefan April 2000: "... und er schloss sie zärtlich in die Arme"., Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Konsum, BRAVO, Pop, Jugend, Trivialliteratur



